Von
Ulm an der Donau entlang der Iller und durchs Allgäu zum Bodensee, dann
entlang des Alpenrheins, vorbei an Liechtenstein, in die Schweiz bis nach
Chur. Und von dort mit der Rhätischen Bahn hinauf nach St. Moritz.
Vier Radler aus Burgdorf bei Hannover hatten sich für den Sommer 2008
eine Menge vorgenommen. Eine Riesentour "Rund um Ulm" sollte es
werden, 1.300 km in 15 Tagen. Und so startete das Quartett an einem
kühlen Morgen im Juni in Öllingen bei Langenau, 21 km von Ulm entfernt,
zu diesem radtouristischen Abenteuer. In Öllingen konnte beim Gasthof
"Sonne", wo wir zwei Mal übernachteten, das Auto mitsamt Fahrradanhänger
für die nächsten 14 Tage sicher abgestellt
werden. Denn weil die Bahn den Fahrradtransport so sehr erschwert hat,
haben wir erstmals den PKW als Transportmittel gewählt.
Besichtigung
von Ulm Klar, dass wir
natürlich den Abend vor dem eigentlichen Start noch zu einem Besuch Ulms
nutzten, wo wir bereits im Jahre 2002 auf unserer Radtour von Burgdorf zum
Bodensee übernachtet hatten. Aber zwei Teilnehmer waren damals nicht
dabei und wollten natürlich auch einmal den höchsten Kirchturm der Welt
leibhaftig vor sich sehen.
Seit
Jahrhunderten prägt es die Stadt und die Region, ist im In- und Ausland
geradezu ein Synonym für Ulm: das Ulmer Münster. Diese Prominenz
verdankt es vor allem seinem Turm, der mit 161,53 Metern der höchste
Kirchturm der Welt ist.
Der Gang durch Ulm eröffnet
ganz verschiedene Perspektiven. Neben dem alles überragenden Münster
sind es aber auch die historischen Stadtviertel (Fischer- und
Gerberviertel, Auf dem Kreuz), die mit ihren engen Gassen, verwinkelten
Durchgängen und romantischen Brücken einen Eindruck des Lebens in früherer
Zeit vermitteln. Das reich bemalte Rathaus, das Schwörhaus, das Schuh-,
Korn- und Zeughaus zeugen vom ganzen Stolz der ehemals freien Reichsstadt.
Im "reissenden
Wasser der Donau" wurde die Stadtmauer 1482 als Bollwerk gegen
feindliche Armeen errichtet.
Heute wird die Stadtmauer als beliebter Promenadenweg genutzt, welcher
entlang der Donau von der Bastion Lauseck am Fischer-
viertel, vorbei am Metzgerturm bis zur Friedrichsau führt.Quelle
Während Ulm zu Baden-Württemberg
gehört, ist man in Neu-Ulm - am anderen Donauufer gelegen -
bereits in Bayern.
Nach
Aichstetten
Von Öllingen, das malerisch
und geschützt am Südabhang der Flächenalb zum Langenauer Becken gelegen
ist und von Ulrichskirche und Wasserturm überragt wird, radeln wir über Langenau
hinunter zur Donau. Öllingen gehört übrigens mit seinen 480
Einwohnern zur Gruppe der 30 kleinsten selbstständigen Gemeinden in
Baden-Württemberg. Die Beschilderung der Radwege ist noch ziemlich
neu und lückenlos, so dass wir zügig an den großen Strom gelangen. Vor Neu-Ulm
wechseln wir das Ufer und Radeln mit Blick auf die Donau bis zur Illermündung.
Nun wechselt der Radwegebelag von Asphalt zu durchweg gut befahrenen Feld-
und Waldwegen.
Wir
kommen zügig voran und nehmen ab Höhe des Schlosses Brandenburg
die Landstraße (mit Radweg), weil wir in Dietenheim beim Bäcker Kaffee
trinken wollen. Doch da Sonntag ist, hat der Bäcker geschlossen. Dafür
sind im Ort diverse Stände aufgebaut. Es ist Festtag in Dietenheim:
Trachtenfest mit zahlreichen Kapellen und Spielmannszügen. - Überragt
wird der Ort von der Kirche St. Martin mit dem markanten Kirchturm als
Wahrzeichen.
Weiter geht es entlang der Iller, einem rechten Nebenfluss der
Donau. Sie ist 147 Kilometer lang und entspringt in den Allgäuer
Alpen. Die Iller bildet von Lautrach bis Neu-Ulm
die Grenze zwischen den Bundesländern Baden-Württemberg im Westen und
Bayern im Osten.
In der Ferne erblicken wir das Obere Schloss und die Dreifaltigkeitskirche,
die älteste evangelische Kirche in Oberschwaben. Beide bilden in Oberbalzheim
zusammen ein eindrucksvolles Ensemble. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts ließen
die Ulmer Patritzier Walter Ehinger das Oberschloss bauen, zwischen 1570
und 1580 kam das Unterschloss als Verwaltungsgebäude hinzu. 1608 stiftete
Servatius Ehinger die Kirche. Quelle
Der Fluss wird stark zur Energiegewinnung genutzt, was man
natürlich während der Radtour kaum übersehen kann, da mehrfach
Kraftwerksgelände umfahren werden müssen. Verschiedene kleinere und größere
Versorger betreiben zahlreiche Laufwasserkraftwerke
an Staustufen und Seitenkanälen der Iller. Dazu gehören fünf Staustufen
der Lechwerke zwischen Altusried und Lautrach, die fünf Illerkraftwerke
der EnBW zwischen Aitrach und Dettingen sowie mehrere Kraftwerke der Unteren
Iller AG. Quelle
Abstecher
nach Memmingen
Nachdem wir zwei Mal die Autobahn 7 unterquert haben, die uns "ohne
Umsteigen" direkt von Hannover nach Langenau gebracht hatte, und es
noch ziemlich früh am Tage ist, nehmen wir uns vor, die Altstadt von Memmingen
zu besuchen. Vorher rasten wir kurz beim Weiherhaus in Buxheim,
nahe einem idyllischen Weiher, und nehmen dann den Weg nach Memmingen
unter die Räder.
Auf der Homepage der Stadt erfährt man: "Memmingen, die Stadt
der Tore und Türme, Giebel und Fassaden, liegt am Rande des Allgäus am
Schnittpunkt der Autobahnen A 96 und A 7 und hat heute ca. 42.000
Einwohner. Durch die Jahrhunderte konnte sie ihr schönes
mittelalterliches Stadtbild erhalten. Die historische Altstadt bietet
viele Sehenswürdigkeiten.
Ehrwürdige
Kirchen wie die von St. Martin mit einem der großartigsten gotischen
Chorgestühle Deutschlands oder die Frauenkirche mit Malereien der Familie
Strigel aus dem 15. Jahrhundert erfreuen jeden Kulturliebhaber. Die neu
restaurierte Kreuzherrnkirche stellt ein Juwel an der Oberschwäbischen
Barockstraße dar. Wertvoller Wessobrunner Stuck von Matthias Stiller mit
Girlanden, Muscheln und Akanthusblättern und Fresken von Johann Friedrich
Sichelbein machen einen Besuch in dem ehemaligen Kirchenschiff zu einem
beeindruckenden Erlebnis." Quelle
Stimmt. Vor allem die Malereien an den Häusern und das reich verzierte
Rathaus gefallen uns. Über Volkratshofen gelangen wir nach einem
ziemlich langen Anstieg wieder an die Iller. Die letzte Begegnung mit
diesem recht kurzen Fluss, da wir ihn in Aitrach verlassen, um zu
unserem Tagesziel Aichstetten zu gelangen. Einige kleinere Steigungen sind
noch zu überwinden, dann taucht über dem flachen Land die Kirche von Aichstetten
auf.
Und die ist ziemlich groß, wie auf der Homepage der Gemeinde zu lesen
ist: Der
einstige Marktflecken Aichstetten kündigt sich schon früh durch
seinen mächtigen Kirchturm an. An der L 260 zwischen Memmingen und
Leutkirch gelegen, kann sich die Gemeinde noch zum Allgäu zählen. Die
verkehrsgünstige Lage ließ Aichstetten schon sehr früh an der
Geschichte teilnehmen. In einer Urkunde des Klosters St. Gallen wird
„Eihsteti“ bereits im Jahr 797 erwähnt. Stumme Zeugen weisen auf eine
viel frühere Besiedlung hin. Die gut erhaltene „Keltische Ziehburg“
auf dem Buchkapf oder die 1790 entdeckten alemannischen Reihengräber an
der Straße nach Memmingen lassen auf eine Besiedlung schon vor unserer
Zeitrechnung schliessen.Quelle
Unser Quartier liegt gleich neben dem Bahnhof an der Strecke
Ravensburg-Ulm, wo jedoch wegen Bauarbeiten an den Gleisen gerade kaum
Züge verkehren.
Durchs
Allgäu zum Bodensee
Am nächsten Morgen lässt der erste Blick aus dem Fenster für diesen Tag
nichts Gutes ahnen: es ist Grau in Grau und regnet leicht. So bleibt es -
mit einigen längeren Pausen - bis zu unserer Ankunft am Bodensee. Die
Beschilderung im Allgäu ist ausgezeichnet. Zunächst folgen wir
den Wegweisern nach Wangen, anschließend denen nach Lindau.
Leutkirch durchqueren wir zügig, weil bei Regen eine Pause keinen
rechten Spaß bringt. Aber dieses Städtchen habe ich ja bereits in meinem
Buch "Rad
- Land - Fluss: Per Fahrrad von Hannover zum Bodensee"
ausführlich beschrieben und auf der zugehörigen
DVD bebildert: Per Fahrrad 1200 km von Burgdorf bei Hannover zum
Bodensee. Entlang von Leine, Werra, Main, Main-Donau-Kanal, Altmühl,
Donau, Iller und dann durchs Allgäus zum Schwäbischen Meer.
In
Wangen kehren wir beim Fidelisbäck ein und müssen, anders als bei
den beiden Touren zuvor, diesmal drinnen sitzen. Obwohl es nicht einmal 12
Uhr mittags ist, finden wir gerade noch vier Plätze. Der
Fleischkäs´hier soll angeblich der beste in Bayern sein, was allerdings
eher zu den Legenden zu zählen ist.
"Wangen,
die Stadt der schönen Brunnen": etwa 25 Steinbrunnen,
gusseiserne Brunnen und lustige Figurenbrunnen laden zu einer
Brunnenwanderung durch die Stadt ein.
Die St.-Martins-Kirche gehört zu den ältesten Baudenkmälern der Stadt.
Ihr Turm reicht bis in die Hohenstaufenzeit zurück.
Am Scheitelpunkt der Bind- und Spitalstraße befindet sich eine kleine
Barockkirche (Spitalkirche).
Den krönenden Abschluss der Herrenstraße bildet das Frauentor, heute
auch Ravensburger Tor genannt. Quelle
Durch dieses Tor verlassen wir die gemütliche Stadt wieder und folgen der
Wegweisung nach Lindau. Im folgenden erleben wir die Charakteristik des Allgäus
hautnah und spüren sie bald auch in den Beinen. Mit einer guten
Fahrtechnik und viel Schwung kommt man den nächsten Hügel meistens zu
zwei Dritteln wieder rauf - der Rest wird halt im kleinsten Gang
bewältigt oder geschoben. Bei Stieg - es macht seinem Namen alle
Ehre - und Meggen erweisen sich die Anstiege als besonders steil.
Aber die Ausblicke sind trotz des diesigen Wetters beeindruckend und
entschädigen für die Strapazen. Die ersten Rindviecher mit Glocken am
Hals begleiten uns musikalisch.
In Hergensweiler zieht eine bunt bemalte Kuh den Blick auf sich.
Bald erreichen wir westlich von Lindau den Bodensee und radeln in
die einzige bayerische Stadt am "Schwabenmeer". Bei der
Konditorei am Mangturm gönnen wir uns eine Obsttorte und müssen uns
dabei einer Schar frecher Spatzen erwehren. Bis zu unserem Quartier in
Wasserburg sind es nun nur noch wenige Kilometer.
Rathaus in Ulm: leicht an seiner opulenten Außenbemalung aus der Frührenaissance
zu erkennen. Der älteste Teil des heutigen Gebäudes, der südöstliche
Hauptbau, entstand 1370 als "neues Kaufhaus". 1419 wird es
erstmals als Rathaus bezeichnet.Quelle
Schiefes Haus: Im Ulmer
Fischerviertel.
Ulmer
Münster: Größter Kirchturm der Welt.
Am
Illerradweg geht es bis nach Aitrach.
Steigungsfreies
Radeln entlang der Iller.
Trachtenfest:
Markanter Kirchturm von St. Martin - das Wahrzeichen Dietenheims.
Schöne
Ausblicke: Schloss Oberbalzheim, links
die
Dreifaltigkeitskirche.