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Autor: Dieter Hurcks Copyright 7/2013

Von Eisenach nach Altenburg auf dem
Fernradweg "Thüringer Städtekette".
 
Der Radweg entlang der Thüringer Städtekette ist eine richtige Kulturreise, denn er verbindet zwischen Eisenach und Altenburg auf 225 km sieben der schönsten und geschichtsträchtigsten Städte Thüringens wie Eisenach, Erfurt, Jena, Gera und Weimar. Der zweite Teil des Reiseberichts beschreibt den Weg von Jena nach Altenburg.  Teil 1: Eisenach-Jena - Video bei YouTube

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Fernradwegen in
Deutschland

Thüringer Städtekette (2)

Von Jena in die Skatstadt Altenburg
 
Nachdem wir uns in Jena gestärkt haben, geht es nun auf die schönste Etappe der gesamten Thüringer Städtekette, die durch den Zeitzgrund und das Eisenberger Mühltal führt. Von Altenburg radeln wir dann noch nach Leipzig. 

Auf geht es also von Jena nach Altenburg: Zunächst müssen wir aus der Stadt hinaus, was auf guten, ausgeschilderten Wegen problemlos möglich ist. Im Jahre 2005 war ich hier schon einmal während der Tour auf dem Saale-Radweg. Dieser verläuft bis Lobeda-West mit der Thüringer Städtekette parallel. An der Autobahn 4 trennen sich die Wege und wir rollen entlang der bisweilen romantischen Roda, die in einem tief eingeschnittenen, von steil aufragenden Buntsandsteinfelsen geprägten Tal fließt, über Rutha, Zöllnitz und Laasdorf Richtung Stadtroda. Schon kurz nach der Autobahnquerung befinden wir uns im Holzlandkreis - Kfz.-Kennzeichen HLK. Im Stadtrodaer Ortsteil Hainbücht kann man an dem schönen Biergarten vor dem Gasthof Zu Hainbücht einfach nicht vorbeifahren. Leider hat die Küche kurz vor 14 Uhr schon ihren Betrieb eingestellt. Wir haben 47 km zurückgelegt und genießen diese Pause ausgiebig.

Der Name Holzlandkreis weist darauf hin, dass einst das Holz der Reichtum des Landes zwischen Stadtroda und Eisenberg war. Hier wurde gesägt und gehämmert wie sonst nirgends in Deutschland.

 

Nun liegt das idyllischste Stück der bisherigen Tour vor uns. Ab dem im Mittelalter gegründeten Städtchen Stadtroda folgt der Radweg durch ein reizendes Tal dem Zeitzbach, weshalb es auch Zeitzgrund heißt. Besonders beeindruckend ist die Janismühle. Die Papiermühle hat sogar einen Bahnhof. mehr

An vielen der am Wege liegenden Mühlen lockt ein Biergarten zum Verweilen, manche wurden auch zu Hotels umfunktioniert. Bei der Bockmühle können wir dann nicht widerstehen, essen eine ebenso preiswerte wie leckere Thüringer Bratwurst, klönen ein bisschen mit anderen Radlern und löschen den Durst mit einem kühlen Hefeweizen „ohne Dampf“. Empfehlenswert!  

Durch die romantischen Täler der Mühlen

Der Zeitzgrund wirkt unberührter und ein wenig wilder als das Mühltal, was daran liegt, dass die ehemaligen Mühlen hier weiter auseinanderstehen und das Tal enger und steiler ist. Die Mühlen lassen sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen und sind heute gemütliche Gaststätten, Pensionen oder Reiterhöfe. Der Zeitzgrund verbindet auf 11 km Hermsdorf mit Stadtroda. Wegen seiner vielen seltenen Moose, Farne und den ursprünglich anmutenden Mischwäldern, Douglasien und Buchen ist der Zeitzgrund Landschaftsschutzgebiet. Vom Bahnhof Papiermühle können Stadtroda und Hermsdorf mit der Bahn erreicht werden. Quelle und mehr

Auf der als Quelle angegebenen Saaleland-Seite findet sich übrigens auch ein Formular für die Unterkunftssuche.

 

Lebensgefährlich: Radwegbeginn ohne Bordsteinabsenkung.

Kurz hinter Hermsdorf - vielen Autofahrern sicher bekannt durch das in den 1930er Jahren gebaute Hermsdorfer Kreuz mit A4/A9 - treffen wir in Bad Klosterlausnitz ("Kristall Sauna-Wellnesspark mit Soletherme") an der Einmündung der Straße Lindenplatz auf eine lebensgefährliche Stelle, an der ein ausgeschilderter Radweg beginnt, aber wo der Bordstein nicht abgesenkt ist. Wir können einen Sturz gerade noch vermeiden. Ab Bad Klosterlausnitz, dem altehrwürdigen Moorbad mit - wo gibt es sowas sonst? - Heusauna und alter Wassermühle, heißt es dann: Radeln und genießen.

Hinter Weißenborn findet die Aneinanderreihung von Wassermühlen im Eisenberger Mühltal entlang der Rauda ihre Fortsetzung. Angesichts der warmen Witterung ist es eine echte Wohltat, unter dem Blätterdach entlang des Kühlung bringenden Baches bei zwar vielen, aber nur kurzen und meist sanften Steigungen in die Pedale zu treten. Hier dürfen auch Autos fahren…

 

Schild bei Hartmannsdorf: Das Mühltal in der Übersicht. 

Das Eisenberger Mühltal

Die Rauda verbindet als munterer Waldbach acht ehemalige Wassermühlen im Mühltal zwischen Bad Klosterlausnitz und Eisenberg. Die ehemaligen Mahl- und Schneidefelsen die idyllisch zwischen grünem Wald, saftigen Wiesen und roten Sandsteinfelsen liegen, laden heute den Wanderer, Radfahrer und Spaziergänger und Rast und Erholung ein.
Der Mühltal-Miniaturpark zeigt an der Robertsmühle den Nachbau von zehn Mühltalmühlen im Maßstab 1:20. Die Mühlen wurden in ihrer ursprünglichen Funktion und mit dem Aussehen, das sie um etwa 1900 hatten, nachgebildet. Im Sommer können die Besucher auf dem Wasserspielplatz und im Kneippbecken ihre Waden kühlen. Quelle und mehr

Müller der bis 1953 betriebenen Meuschkensmühle bei Weißenborn war Milo Barus, der damals als stärkster Mann der Welt galt und Hufeisen sowie Eisenstangen verbiegen sowie Pferde tragen konnte. Über ihn gibt es nicht nur einen Kinofilm (1983) mit Günter Lamprecht in der Hauptrolle, sondern auch ein YouTube-Video. Im ehemaligen Wohnhaus von Milo Barus, dem heutigen Waldgasthof " Milos Waldhaus", sowie im Mühltalmuseum des thüringischen Holzlandes der Naupoldsmühle und im brandenburgischen Artistenmuseum Klosterfelde (Artistenmuseum.de) kann man Zeitdokumente seiner legendären Kraftakte bestaunen. mehr bei Wikipedia

Kurz hinter dem Miniaturpark schwenkt der Weg auf eine stillgelegte Bahntrasse. Darauf radelt es sich dann wie von selbst nach Hartmannsdorf, wo der Radweg nach Süden schwenkt und uns entlang der B7 nach Bad Köstritz bringt. In Caaschwitz zeigt der Wegweiser, abweichend von unserer Radwanderkarte, nach links in den Ort und führt uns an die Weiße Elster.

 

Flutschaden an der Weißen Elster bei Bad Köstritz.

Parallel zum Fluss gelangen wir zum Freibad Bad Köstritz, wo es rechts in den Ort hinein geht. Direkt am Radweg und gleich neben der Köstritzer Schwarzbierbrauerei (seit 153 wird hier gebraut) finden wir nach 84 durchweg genussvollen Kilometern eine ruhig gelegene, preisgünstige Pension. Beim abendlichen Rundgang fällt uns als kleine Attraktion lediglich das Museum Heinrich Schütz ins Auge. Es erinnert an den Komponist und Hofkapellmeister, der am 8.Oktober 1585 als Gastwirtssohn in Köstritz "eine Meile Weges von Gera entfernt" das Licht der Welt erblickte. Heinrich Schütz wirkte u. a. als Organist am Kasseler Hof, bevor er 55 Jahre das Kapellmeisteramt am kurfürstlichen Hof in Dresden inne hatte. Vom alten Schloss steht nur noch das Torhaus.

Möglichkeiten zum Abendessen gibt es u. a. im Restaurant der Seniorenresidenz mit dem schönen Namen "Verweilzeit" ebenso wie in einem Restaurant mit Biergarten direkt an der Hauptkreuzung des Ortes.

Köstritz: Schütz-Haus.

Auf der Homepage der Stadt erfahren wir: „Das Köstritzer Schwarzbier, einst von Goethe und Bismarck ob seines guten Geschmacks gerühmt, hat unsere Stadt am Mittellauf der Weißen Elster weit über Deutschlands Grenzen hinaus berühmt gemacht. Seit fast 200 Jahren werden gärtnerische Traditionen der Dahlien- und Rosenzucht gepflegt. Eine Wiege der deutschen Dahlienzucht stand hier in Köstritz. Das als BUGA-Begleitprojekt 2007 eröffnete Dahlien-Zentrum pflegt und würdigt diese Tradition.“  Quelle und mehr - weitere Fotos und Infos bei Wikipedia
 

Nach Gera

Der Ort Bad Köstritz selbst hat weit weniger zu bieten als der Namenszusatz "Bad" erwarten lässt. Richtig schön ist der Kurpark, durch den wir auf dem wiederum gut ausgeschilderten Fernradweg „Thüringer Städtekette“ am Morgen Richtung Süden die knapp zehn Kilometer nach Gera in Angriff nehmen. Zu den wohl schönsten Architekturen des ehemaligen Schlossparkes gehört ohne Zweifel der kleine ionisch klassizistische Tempel. In der Überlieferung auch als Freundschafts- oder Musentempel bezeichnet, von den älteren Köstritzern liebevoll aber nur "Die weiße Frau genannt". Die strahlend weiße Frauenplastik wurde nach ihrer fast 100-jährigen Abwesenheit zum Dahlienfest des Jahres 2000 unter großer Anteilnahme der Köstritzer Bürger wieder aufgestellt. Quelle und mehr

Naturnah führt der Weg zunächst an einigen Teichen vorbei, ehe er der Weißen Elster bis Gera folgt. In Gera, das etwa 96.000 Einwohner zählt und damit drittgrößte Stadt Thüringens ist, biegen wir an der Kirche von Gera-Untermhaus, kurz vor Schloss Osterstein, über die Brücke links ab und fahren am Hofwiesenpark, dem Gelände der Bundesgartenschau 2007, vorbei in Richtung Innenstadt. Vom prächtigen Schloss kann man von unten außer dem Turm nur wenig sehen, aber viel mehr existiert auch nicht. mehr

Das historische Zentrum der Stadt bildet bis heute der Markt mit dem 1576 eingeweihten Geraer Rathaus, dem barocken Simsonbrunnen und der Stadtapotheke mit schönem Erker. Am Stadtgraben sind Reste der Stadtmauer mit Wehrturm erhalten geblieben. Durch mehrfache Zerstörungen und Stadtbrände, das Wachstum der Stadt während der Industrialisierung, die Bombardements des Zweiten Weltkriegs und schließlich die Stadtumbauten in der DDR sind in Gera nur wenige Bauwerke aus der Zeit vor dem 18. Jahrhundert erhalten. Vor allem seit Ende der 1990er Jahre wurde aber ein Großteil der historischen Bausubstanz im Stadtzentrum und in den angrenzenden Stadtteilen restauriert. Quelle und mehr

Nach unserer kleinen Stadtrundfahrt, u. a. mit einem Besuch der Orangerie und des Marktplatzes, radeln wir vorbei an modernen Einkaufstempeln hinter dem Buga-Gelände wieder Richtung Radweg. Allerdings haben wir dabei ein paar Probleme, da die Schilder in Gera sehr klein und schwer zu finden sind. Aber wozu hat man ein Navi dabei? Das führt uns schnell auf guten Wegen aus der Stadt hinaus.

Übrigens: Gera hat mit dem Geraer Stadtwald im Westen des Stadtgebietes die größte zusammenhängende Waldfläche aller Thüringer Städte. Ein weiteres großes Waldgebiet – ein Ausläufer des Holzlandes – befindet sich im äußersten Nordwesten der Stadt. Im Nordosten befindet sich der Zeitzer Forst, der zu Sachsen-Anhalt gehört.

Drachenschwanz-Brücke

Industrierevier wurde zum Landschaftspark

Vom 27. April 2007 bis zum 14. Oktober 2007 fand in Gera und Ronneburg die Bundesgartenschau statt - die erste, die an zwei Standorten ausgerichtet wurde. Geras historischer Hofwiesenpark, der Küchengarten sowie die angrenzende Orangerie und das Theater wurden aus diesem Anlass umgestaltet bzw. modernisiert. mehr über Gera

Kurz hinter dem Bahnhof Gera Süd trennen sich Elster-Radweg und Thüringische Städtekette. Wir schlagen wieder die Generalrichtung Ost ein, pausieren kurz beim Naturlehrpfad Gera-Süd und kommen auf tollen Wegen in den Buga-Park Ronneburg, dessen Attraktion ein Erlebnisbergwerk ist. Das renaturierte Haldengelände im Gessental wird von einer eigenwilligen Brücke namens „Drachenschwanz“ überquert, der mit 240 Metern Länge damals längsten Holzspannbrücke Europas. Nur die Schilder „Sanierungsgebiet. Betreten verboten!“ lassen noch erahnen, wie unwirtlich es hier einstmals ausgesehen hat. Auf dem Berg setzt der 23 Meter hohe Entdeckerturm in der Landschaft eine Marke.

Der Uranerzbergbau, der in der Region Ronneburg sowohl unter Tage als auch im Tagebau betrieben worden war, wurde nach der politischen Wende 1990 eingestellt. Die in eine GmbH umgewandelte Wismut begann danach mit der Sanierung des Geländes, zu dem u. a. der Tagebau Lichtenberg mit der angrenzenden Nordhalde sowie als weithin sichtbare Landmarken die beiden Spitzkegelhaldenpaare von Reust und Paitzdorf gehörten.

Im Laufe der Arbeiten wurde die Nordhalde vollständig in das Tagebaurestloch umgelagert, wobei eine künstliche Erhebung, die Schmirchauer Höhe, entstand. Die Abtragung der Spitzkegelhalden erfolgte in den Jahren 2004 bis 2006. Quelle und mehr

 

Schmölln mit Ernst-Agnes-Turm. 

Nach Altenburg

Vorbei am See in Ronneburg und entlang der Bahntrasse erreichen wir das von einer Burg überragte Posterstein. Die weithin sichtbare mittelalterliche Höhenburg Burg Posterstein wurde 1191 erstmals urkundlich erwähnt. Die Burg und die Burgkirche - ausgestattet mit einem einmaligen Schnitzwerk barocken Ursprungs - sind weithin bekannte touristische Anziehungspunkte. Auch der Ort selbst mit einer Vielzahl gut erhaltener landschaftstypischer Fachwerkhäuser und Vierseithöfe lädt zu einem Besuch ein.

Anschließend passieren wir Nöbdenitz mit seiner „1000-jährigen Eiche“, die als die älteste Stieleiche Europas gilt, und steuern Schmölln an. Die Ausschilderung entspricht hier nicht unserer Karte, so dass wir uns entschließen, auf der hervorragenden, kaum befahrenen Landstraße zu bleiben. Wieder mal geht es unter der Autobahn 4 hindurch. Bald taucht links auf der Höhe der Ernst-Agnes-Turm von Schmölln auf. Eine ältere Dame erzählt uns, dass die Sprotte mit dem Juni-Hochwasser „uns ordentlich Ärger gemacht hat“. Jetzt ist sie wieder ein braves Flüsschen, an dem entlang wir bis Saara-Lehndorf rollen, wo die Sprotte in die Pleiße mündet. Linker Hand thront auf dem Berg ein imposantes Gebäude, vermutlich ein Radarturm des Flughafens Leipzig.

Bei Mockern folgen wir der verkehrsreichen und lauten Bundesstraße 93, die bald darauf in Poschwitz, kurz hinter Altenburg, auf die B 7 und B 180 trifft. Der Radweg muss sich dem unterordnen. Auf einem kurzen Stück Feldweg verfahren wir uns, da der Radwegweiser nicht an der Einmündung in einen kleinen Waldweg steht, sondern erst 30 Meter tief im Wald. Da hatte wohl der Schilderaufsteller einen Aussetzer. Am Ende des Waldes gelangen wir an einen schönen See, den „Großen Teich“, haben Altenburg nun vor uns und finden auch ohne Beschilderung bald in die Innenstadt.

Altenburger Skatbrunnen

Altenburg hat rund 35.000 Einwohner und ist eine mehr als tausend Jahre alte ehemalige Residenzstadt. Die Stadt wurde auch durch das nach 1810 hier erfundene Kartenspiel Skat bekannt, das im Schloss- und Spielkartenmuseum näher beleuchtet wird. Wer in Deutschland Karten spielt, hält wahrscheinlich ein Produkt aus Altenburg in der Hand. Vorm Schloss steht ein Denkmal.

Doch Altenburg hat weit mehr zu bieten als Spielkarten. Die Residenzstadt ist reich an Sehenswürdigkeiten, allen voran das auf einem Felsen über der Stadt thronende Schloss. Neben liebevoll restaurierten Gebäuden laden Parks, wie zum Beispiel die grüne Oase am Großen Teich, dazu ein, entdeckt zu werden. Einen Besuch in Altenburg hat wohl noch niemand bereut, doch viele, die hier waren, haben sich in die Stadt verliebt und kommen regelmäßig wieder. Schauen Sie selbst: Auf den folgenden Internetseiten finden Sie aktuelle Informationen über Altenburg und erfahren allerlei Wissenswertes aus der Historie. Homepage der Stadt - Wikipedia  

Radwanderführer  
Der Radwanderführer von BVA weist hier noch die ursprüngliche Route aus. Der GPS-Track und der Bikeline-Radwanderführer von Esterbauer sind hier bereits auf dem aktuellen Stand und entsprechen der Beschilderung. Die Route führt vorbei am Spielkartenmuseum, Schloss Altenburg und dem Lindenau-Museum zum Endpunkt bei Kauerndorf, wo sie nach offiziell angegeben 225 km endet. Wir stärken uns noch bei einem netten Fischrestaurant am Rande des Marktplatzes, wo anscheinend gerade höllenmäßig laut der Soundcheck für ein Fest (Thüringen Radrundfahrt der Frauen) stattfindet, ehe wir uns auf den letzten Abschnitt unserer Tour machen: den Pleiße-Radweg nach Leipzig.
Radwanderführer

 

Pleiße-Radweg: Von Altenburg nach Leipzig

Das Seengebiet südlich von Leipzig sieht auf der Karte verlockend aus. Doch dem zunächst gar nicht ausgeschilderten Pleißeradweg folgend, sehen wir davon nicht viel. Hinter Windischleuba ist die Route, die normalerweise genau zwischen zwei Seen hindurch führt, leider gesperrt, eine Umleitung nicht ausgeschildert. Zum Glück habe ich in Altenburg den BVA-Radwanderführer „Leipzig und Umgebung“ erworben, mit dessen Hilfe wir über Pähnitz den Weg wieder finden. Am Ende des Waldes geht es nach holpriger Fahrt links ab nach Fockendorf - ebenfalls ohne Beschilderung. Schade! Infos zum Pleißeradweg gibt es u. a. hier - und hier ist die Karte.

In Treben stärken wir uns beim Bäcker für die Weiterfahrt, die uns über teilweise sehr schlechte Wege, streckenweise aber auch neben der Pleiße durch ein früheres Kohleabbaugebiet führen wird. Links der Straße ist der Tagebau „Vereinigtes Schleenhain“ noch aktiv, das Braunkohlekraftwerk Lippendorf in der Ferne unübersehbar.

 


Die Deutzener Kugel
Interessant zu lesen sind die Ausführungen über den Wasserturm Deutzener Kugel, der wie viele derartige Bauwerke von der Dortmunder Firma August Klönne gebaut worden ist. Während andernorts diese Industriedenkmäler sorgsam restauriert worden sind, streitet man in Deutzen noch darum. mehr

Über Regis-Breitingen, vorbei an dem Industriedenkmal Deutzener Kugel und über Neukieritzsch, gelangen wir gegen 15 Uhr an den Stausee Rötha. Ab Regis ist der Pleiße-Radweg ausgeschildert. Eine ruhige Einkehrmöglichkeit finden wir in Rötha nicht, so dass wir über Böhlen unser Tagesziel Markkleeberg ansteuern. Dort wollen wir in der Nähe des Markleeberger Sees übernachten, finden an diesem Freitag aber kein Quartier. Die Inhaberin der ruhig gelegenen Landpension Pleißenaue gibt uns einen Tipp. Im südlichsten Leipziger Stadtteil Dölitz buchen wir nach einer anstrengen Fahrt eine erschwingliche Unterkunft bei der „Dölitzer Romantik“, wo wir auch speisen können, was wir nach 103 km Tagesetappe auch verdient haben.

Touristisches Ziel  

Ausflug nach Leipzig  
Mit der Straßenbahn gelangt man von Leipzig-Dölitz innerhalb von 25 Minuten in die Leipziger City. So bleibt genügend Zeit, diese quirlige sächsische Stadt an der Pleiße ausführlich anzuschauen und sich von den besonders groß dimensionierten Gebäuden wie dem Neuen Rathaus mit seinem 114 Meter hohen Turm und dem Opernhaus beeindrucken zu lassen. Nikolaikirche und Alte Börse am Naschmarkt mit der Statue des jungen Goethe davor, der Leipziger Hauptbahnhof mit seinen 23 Fernbahngleisen, das Hochhaus der Universität („Weisheitszahn“ genannt) und natürlich die Mädler-Passage und Auerbachs Keller sind ein „Muss“ für alle Leipzig-Besucher. Unterwegs passiert die Straßenbahn die Karl-Liebknecht-Alle, in der Leipzigs Kneipenszene lebendig ist: Hier reiht sich ein Lokal neben das andere, und überall sitzen an diesem lauen Sommerabend die Menschen draußen auf ihrer „Karli“, wie die Allee liebevoll genannt wird. mehr

Zu Messezeiten war Leipzig, wo Pleiße und Elster sich vereinen, immer die heimliche Hauptstadt der DDR. Hier trafen sich Ost und West viel ungezwungener als anderswo. Rund um Leipzig herum jedoch befand sich eines der größten Industriegebiete der DDR, das der einst 700.000 Einwohner zählenden Stadt (heute 520.000) immense Umweltprobleme bescherte.

So ist im Merian-Heft „Leipzig“ von 1977, Seite 26, zu lesen: „Wohin am Wochenende? Denn Leipzigs unmittelbare Umgebung gehört zu den reizlosesten ganz Mitteleuropas: Fernstraßen und Schienenstränge führen durch schier endlose Felder, den Horizont begrenzen oft nur die Schlote der Industrieanlagen“ wie etwa der Leunawerke.

Auch wenn die Luft sauberer geworden ist auf Kosten zahlloser Arbeitsplätze sieht man in der Region noch viele Narben aus jener Zeit. Doch die Renaturierung schreitet voran, das Seengebiet in ehemaligen Braunkohlentagebauten entwickelt sich zu einem attraktiven Naherholungsgebiet.

Und kulturell gehört Leipzig seit jeher zur Spitze mit Gewandhaus, Thomanerchor, der Buchmesse und zahlreichen Buchverlagen, der Kabarettszene, dem Opernhaus, dem Bahnhof und vielem mehr. Die Nikolaikirche war einer der Ausgangspunkte für die Wende, die Leipziger Montagsdemonstationen übten schließlich den entscheidenden Druck auf die DDR-Machthaber aus.

Vor der Thomaskirche steht das Denkmal des in Eisenach geborenen Johann Sebastian Bach, der 27 Jahre lang als Kantor an der Thomaskirche wirkte. Und im Süden der Stadt wartet bei Stötteritz das Völkerschlachtdenkmal auf Besucher. Das  als eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt wurde ab 1898 als Mahn- und Denkmal an die Völkerschlacht 1813 errichtet. Seine Architektur ist über klassische Motive stark symbolbehaftet und wirkt durch Höhe und Stärke der Wände und Säulen äußerst massiv.

Über die Grenzen Deutschlands hinaus ist die Stadt vor allem durch die Leipziger Messe bekannt, die als einer der ältesten Messeplätze der Welt gilt, aber nach der Wende auf der grünen Wiese neu erbaut wurde und ein wenig von ihrem einstigen Glanz verloren hat. 

Immerhin bleibt Leipzig eine bedeutende Buchstadt: Die Leipziger Buchmesse mit dem größten Lesefestival Europas „Leipzig Liest“, die Deutsche Nationalbibliothek, zahlreiche Ausbildungsstätten, Dauerausstellungen und Museen zeugen noch heute von der Buchstadt Leipzig.
Quelle und mehr über Leipzig - Leipzig-Stadtbummel von Rolf-Erich Schwarz


Teil 1: Von Eisenach nach Jena

Video bei YouTube

Etappen/Entfernungen

Jena-Altenburg 51 km
Altenburg-Leipzig: 53 km

Links

Radtouren in und um Leipzig

 

 

Radwanderführer

Leipzig und Umgebung - zwischen Saale und Mulde

 

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Blick auf das ins Hügelland eingebettete Dörfchen  Laasdorf.

Vor Stadtroda gibt es am Radweg sogar ein Ortsschild - vorbildlich!

Romantisch: Radeln neben dem Zeitzbach.

Wunderschöne Mühlen wie hier die Walkmühle bei Stadtroda prägen an diesem Tag unsere Radtour.

Bei der Janis-Mühle kann man auch einkehren.

Blick auf Bad Klosterlausnitz.

In der Meuschkensmühle bei Weißenborn war ein Milo Barus Müller: der stärkste Mann der Welt.

Die Amtsschreibermühle bei Hartmannsdorf.

Eisenbahntrasse nach Caaschwitz.

Hier macht Radeln richtig Spaß: bei Caaschwitz.

Die "Weiße Frau" im Kurpark Bad Köstritz.

Entlang der Weißen Elster nach Gera.

Gera-Untermhaus mit Brücke, Schloss Osterstein und Marienkirche.

Die Orangerie des Geraer Schlosses.

Gera: Marktplatz mit Rathaus.

Schöner Radweg vor Ronneburg.

Gasthaus und Burg Posterstein.

Blick über den Großen Teich auf Altenburg.

Marktblick: die Skatstadt Altenburg.
Folgende Fotos (4): Stadt Altenburg

Das Altenburger Schloss von oben betrachtet.

Altenburger Schloss: Die Stadt war lange Zeit Residenzstadt - entsprechend sind die Dimensionen des Schlosses.

 

Entlang der Pleiße geht die Tour weiter nach Leipzig.

Industriedenkmal: die Deutzener Kugel.

Blick übers Wasser des Stausees auf Rötha.

Leipzig: Neues Gewandhaus und "Weisheitszahn".

Neues Gewandhaus mit Brunnen: Die größte und zugleich prachtvollste Brunnenanlage des Leipziger Stadtgebiets ist der Mendebrunnen. Er befindet sich auf dem Augustusplatz vor dem (neuen) Gewandhaus und ist der einzig erhalten gebliebene Teil des alten Platzensembles.

Hier liegen die Wurzeln der Wende im Deutschland des Jahres 1989: Leipziger Nikolaikirche.

Leipziger Hauptbahnhof.

Blick in die Mädler-Passage.



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