Die Heideschleife
13. Die Heideschleife: Von Burgdorf
über
Hermannsburg nach Bergen und zurück
- Auf einen Blick
flach, ca. 140 km in zwei Tagen
Schöne Bauerndörfer
Bäuerliche Museen
Gedenkstätte Eschede (ICE-Unglück 1998)
Die Heideflüsse Oertze und Aller
Gedenkstätte Bergen-Belsen
eine der letzten britischen Kasernen in Bergen-Hohne
Historisches Kraftwerk Oldau
Übernachten
am Spargelradweg Burgdorf
Eine
interessante, äußerst abwechslungsreiche Tour führt uns durchs flache
Celler Land nach Norden bis Eschede und weiter nach Hermannsburg, wo wir
übernachten. Am nächsten Tag geht es über Bergen zurück, vorbei am
britischen Militärstützpunkt Bergen-Hohne und durch Winsen/Aller nach
Celle. Wer Zeit und Lust hat, kann von der Strecke aus einen Abstecher in
die Celler Innenstadt machen, die jedoch auch Ziel einer weiteren Rundtour
(Tour 14) ist.
Das Radwegenetz im Celler Land
wurde 2005 hervorragend hergerichtet und neu ausgeschildert.
Nicht jeder möchte gleich den gesamten
Spargelradweg auf einmal abradeln. Daher habe ich neben dem großen
Rundkurs auch mehrere Ein- und Zweitagestouren ausgearbeitet.
Da die norddeutsche Tiefebene wenige Steigungen bietet, ist der Spargelradweg
insbesondere für weniger geübte Radler ideal geeignet. Es sei denn, der
Nordwestwind bläst mal wieder mit voller Kraft. In diesen Fällen
empfehlen wir die Anreise mit der Bahn zu einem der nördlich gelegenen
Bahnhöfe und die Fahrt zurück mit schiebendem Wind.
Flott nach Flotwedel
Von Burgdorf aus machen wir uns an einem
herrlichen Mai-Sonntag auf den Weg nach Hermannsburg in der Lüneburger
Heide. Der Raps steht in voller Blüte, die Obstbäume am Straßenrand
prangen in leuchtendem Weiß, das Grün der Bäume ist noch hell und
frisch, und auf den Feldern sprießen die frischen Triebe - die ideale
Jahreszeit zum Fahrrad fahren.
Von Burgdorf aus radeln wir zunächst gen Nordosten entlang des Flüsschens
Aue, durchqueren den Wald nach Dachtmissen und lassen uns auf
asphaltiertem Weg durch die Feldmark gen Hänigsen treiben. Die
Bockwindmühle auf der Anhöhe ist unsere Zielmarke. Ein Stückchen geht
die Fahrt gen Altmerdingsen, dann links ab bis zum Abzweig nach Bröckel.
Der Weg dorthin ist ausgeschildert.
Malerisches Langlingen
Spargelfelder
liegen nur wenige direkt am Wegesrand, aber in Bröckel gibt es
einige ziemlich große Exemplare davon. Da diese Felder überall gleich
aussehen, wählen wir den Tourenverlauf nach anderen Kriterien wie
landschaftlichem Reiz und autofreien Wegen aus. Auf wenig befahrenen Straßen
folgen wir der hervorragenden, im Herbst 2002 angebrachten Beschilderung
des Landkreises Celle nach Langlingen. Das dortige Bauernhausmuseum
hat zwar noch geschlossen, aber auch die Außenanlagen und der Kräutergarten
sind einen kleinen Rundgang wert.
Das Dorfmuseum in Langlingen wurde 1989 im Kornspeicher des ehemaligen
Grethenhofes eingerichtet. Dort gewinnt der Besucher einen Eindruck vom
Leben und Arbeiten auf dem Lande in den vergangenen 100 Jahren. Mehrmals
im Jahr finden im Museum "Aktionssonntage" statt.
Von Langlingen
aus können wir nun entweder auf dem Radwanderweg Gifhorn-Celle nach Wienhausen
fahren und das dortige Kloster besichtigen oder die Aller gen Nordburg
überqueren. Wir wählen den kürzeren Weg, da das Kloster Wienhausen
bereits in eine andere Rundtour einbezogen ist und wir dort eine längere
Besichtigung und einen Bummel durch den herrlichen Park empfehlen.
An der romantischen Aller
Wir radeln also über Schwachhausen
nach Offensen, nicht ohne vorher einen kurzen Abstecher zum
Hotelrestaurant Allerperle (mit Biergarten) und dem Wehr zu unternehmen.
Offensen gefällt mit seinen hübschen Fachwerkhäusern am Wegesrand,
anschließend folgen wir dem dort aufgestellten Radwegweiser nach rechts
und überqueren die Aller wiederum an einem Wehr. Der folgende Weg, in den
wir nach rechts einbiegen, kommt von Wienhausen.
Bis zum ersten links wegführenden Asphaltweg holpert es gehörig, aber
der Weg nach Lachendorf führt wiederum durch eine idyllische
Landschaft. Im Wald ruft der Kuckuck, und immer wieder künden Windräder
von der Energiewende.
In Lachendorf, früher Bahnstation an der Eisenbahnstrecke
Celle-Braunschweig und heute noch Haltepunkt für die Museumsbahn, stoßen
wir auf eine neue, lärmschutzumwallte Siedlung, folgen dem Radweg neben
der Straße nach rechts und in der Kurve nach links und erreichen bald den
Ort. Von dort fahren wir in Richtung Jarnsen weiter und wenden uns
beim Kreisel gen Beedenbostel, einem Dorf wie es im Buche steht.
Viele zum Verkauf stehende Häuser und leere Fenster deuten darauf hin,
dass hier die Zeiten auch schon besser waren. Der Dorfgasthof bei der
Kirche hat geschlossen, aber bei der Wassermühle am Flüsschen Aschau hat
das Café mit dem treffenden Namen "Kaffeemühle" (ab 14 Uhr geöffnet)
wegen Konfirmationsgästen bereits um 13 Uhr die Türen einladend weit
auf. Ein riesiges Stück Torte bringt Kraft für die Weiterfahrt. Nun geht
es stramm nach Norden, der Südostwind schiebt uns hurtig vorbei am
ehemaligen Kaliwerk "Mariaglück" in Höfer.
Mühle und Mahnmal in Eschede
Über Habighorst
erreichen wir Eschede. Das ICE-Unglück von 1998 hat diesen sonst
stillen Ort weltweit in die Schlagzeilen gebracht. Eine Gedenkstätte
neben der wieder aufgebauten Brücke sowie 101 neben den Gleisen
gepflanzte Bäume erinnern an die 101 Opfer der Katastrophe. Wir machen
noch einen Abstecher zur Windmühle, die an der Niedersächsischen Mühlenstraße
liegt, und radeln anschließend ins Streudorf Rebberlah. Die
Einwohner dieses Dörfchens hatten nach dem ICE-Unglück wegen der zerstörten
Brücke drei Jahre lang große Umweg in Kauf nehmen müssen.
Von Rebberlah aus folgen wir dem Radweg Hannover-Lüneburg bis Starkshorn.
Am beschilderten Wegekreuz nördlich des 94 Meter hohen Quetzberges biegen
wir nach Norden Richtung Schafstall/Lutterloh ab. Wer abends mit
der Bahn wieder zum Ausgangspunkt zurück fahren möchte, radelt ab
Schafstall ostwärts vorbei am Wandererheim und über Siedenholz nach Unterlüß.
Die anderen nehmen den Weg nach Lutterloh und folgen von dort der
Beschilderung durch den Wald nach Hermannsburg (schön der Weg über
Weesen). Alternativ kann man auch den Radweg neben der Straße
nehmen. Hermannsburg bietet reichlich Übernachtungsmöglichkeiten. Und im
Ort stehen genügend Lokale zur Auswahl, wo man dem sicherlich hungrigen
Magen etwas Adäquates bieten kann.
Rückfahrt über Bergen
Die
Kleinstadt Bergen ist durch den Truppenübungsplatz Bergen-Hohne
nicht nur bei Bundeswehrsoldaten weit bekannt. Auch in England kennt man
den Namen wegen der dort stationierten Soldaten. Zunächst radeln wir von Hermannsburg
aus westwärts zum Hof Grauen. Das nach rechts weisende Schild an
der Ausfallstraße nach Beckedorf lässt sich leicht übersehen.
Hier wird die anmutige Landschaft ein wenig hügelig. Vor Siddernhausen
folgen wir dem Wegweiser zum Steingrab. Weiter geht's an Dohnsen
vorbei bis zu einer Straße, dann links und gleich wieder rechts Richtung
Nindorf. Aber nach wenigen Meter biegen wir links ab und radeln an den
paar den Ort Roxhüllen bildenden Häusern vorbei Richtung Wohlde.
Unterwegs liegt noch ein Hügelgrab mit beachtlichen Dimensionen am Wege:
Grabhügel der älteren Bronzezeit.
Bald erreichen wir Bergen, wo ebenfalls ein Bauernmuseum Geschichte
bewahrt. Am Museum vorbei führt die Straße aus dem Ort heraus, doch
gleich in der scharfen Rechtskurve nehmen wir links den
kopfsteingepflasterten Mühlendamm und verweilen ein paar Augenblicke am
idyllischen Dorfweiher. Nach dem Bahnübergang weist uns ein Schild zu dem
nach rechts abzweigenden Weg nach Bergen-Belsen.
Von dort radeln wir immer entlang der Landstraße L 298 Richtung Winsen,
vorbei an der britischen Kaserne. Kurz danach sehen wir rechts die Gedenkstätte
Belsen, wo tausende von Menschen von den Nazischergen umgebracht
worden sind. Von Winsen/Aller führt der beschilderte Radweg nach Oldau
mit seinem historischen Wasserkraftwerk und auf meist beschatteten
Wegen nach Hambühren. Hier verweilen wir an einem der typischen,
eichenbestandenen Gerichtsplätze dieser Region. In Hambühren
biegt gleich beim Dorfplatz der Allerradweg ab und führt uns bis nach Celle.
Da Celle eine Extratour und einen längeren Aufenthalt wert ist,
lassen wir die Stadt auf dieser Tour aus und überqueren hinter Hambühren
die Spargelstraße (B 214). Nun radeln wir durch den Wald nach Wietzenbruch.
Der idyllisch gelegene Biergarten am Alten Kanal (mit Spargelkarte)
lädt zur letzten Pause ein, ehe wir die Rückfahrt nach Burgdorf
in Angriff nehmen. Über die Ortschaften Dasselsbruch, Großmoor
und Ehlershausen (siehe Rundtour "Kräutergarten und
Fachwerk") erreichen wir wieder die Niedersächsische
"Spargelhauptstadt" Burgdorf - mit vielen Eindrücken einer
abwechslungsreichen Tour im Gedächtnis.
Weitere Informationen
Flotwedel und Langlingen: Im
Jahre 1257 wurde die Kirchengemeinde Langlingen selbständig und löste
sich von der Mutterkirche Wienhausen. In der darüber ausgestellten
Urkunde hat ein Gut oder Gutsherr noch keinen Platz gefunden. Die ersten
Namensträger der Familie von "Lankelege" erscheinen in den
Urkunden der Jahre 1226 und 1267. Das stattliche Gutshaus Spörcken, der
Name erinnert an den ersten Lehnsinhaber Everd Sporeke (1360), liegt
gleich neben der sehenswerten Kirche, die in den Jahren 1994 bis 1996
renoviert wurde, wobei an der Decke ganz überraschend ein Himmel voller
Engel entdeckt und freigelegt wurde.
Wohl nicht weniger sehenswert ist das Dorfmuseum, das in einem alten
Speicher untergebracht ist. Das Bauernhaus, dem der Speicher zugeordnet
ist, weist seit dem Sommer 1996 ganz stilecht eingerichtete Wohn- und
Schlafräume auf. "Greithenhüs" kann so die Atmosphäre bäuerlichen
Lebens aus der Zeit vor der Jahrhundertwende sehr nachdrücklich
vermitteln.
Eine besondere Attraktion ist der Kräutergarten mit über 180 Heil,
Duft-, Gewürz- und Färbepflanzen. Außerdem gibt es in Langlingen ein
privates Trecker-Museum.
Langwedel gehört übrigens wie Wienhausen, Bröckel und Eicklingen zur
Samtgemeinde Flotwedel, die rund 11.500 Einwohner hat. Der Name Flotwedel
ist eine alte Landschafts- und Gaubezeichnung. Erstmalig in einer
Grenzbeschreibung um das Jahr 1000 wird dieser Name erwähnt. Damals
bildeten 18 Ortschaften dieses Gebiet.
Quelle: www.flotwedel.de
Wienhausen und das Kloster: Was
wäre Wienhausen ohne sein Kloster! Schon das Wappen des Ortes weist
dieses aus. Eine erste Urkunde aus dem Jahre 1022 nennt den Ort noch
Huginhusen. Das soll auf den fränkischen Vornamen Hugo zurückgehen. In
alten Quellen werden die Franken Hugones genannt. Sollte hier noch ein
Anklang an die Zeit von Widukind und Karl dem Großen vorliegen?
1054 bekommt der Ort Markt-, Zoll- und Schiffahrtsrecht. Später jedoch
begünstigte der Landesherr die Stadt Celle. Aus Wienhausen wäre also nie
mehr geworden als aus anderen Dörfern, wenn nicht Agnes v. Meißen, die
Schwiegertochter Heinrichs des Löwen, ein 1229 in Nienhagen gegründetes
Zisterzienser-Nonnenkloster schon wenige Jahre später nach Wienhausen
geholt hätte. Das war 1231. Agnes verstarb 1248 und wurde in Wienhausen
beigesetzt.
Das Kloster ist ein Juwel niederdeutscher Backsteingotik und
Fachwerkbaukunst. Es ist heute wohl das bekannteste der sechs Lüneburger-Heide-Klöster.
Ein Besuch des Klosters ist lohnend. Es ist eine Schatzkammer und zeigt
gotische Kunst im ursprünglichen Zusammenhang, kostbarste Malereien in
der Allerheiligenkapelle, gotische Kreuzgänge, Kapitelsaal, Bildwerke,
Gemälde und Kulturgeräte - ein Genuss unvergleichlicher
mittelalterlicher Klosterkultur.
Geöffnet: Teppichausstellung mit Audioführungen vom 1.7. bis 28.9.:
sonntags und an kirchlichen Feiertagen 12-18 Uhr, werktags u. an nicht
kirchl. Feiertagen 10-18 Uhr, montags geschlossen. Für Gruppen ist eine
Anmeldung unbedingt erforderlich! Tel. 05149 / 186224.
Sehenswert im nahen Dorf Bockelskamp ist der Findelhof, wo diverse
Ausstellungen, Flohmärkte und Feste stattfinden.
Quelle: www.region-celle.de und www.wienhausen.de,
www.findelhof.de
Aller und Oldau: Die
Aller entspringt bei Seehausen am Rande des nördlichen Lappwaldes und ist
auf 117 km von Celle bis zur Mündung in die Weser schiffbar. Eine Fahrt
mit der "Allernixe" oder der "Wappen von Celle" zeigt
die Landschaft von Celle bis Bannetze aus einer interessanten Perspektive.
Seit 1918 ist die Aller zwischen der Leinemündung in die Aller und Celle
kanalisiert. Im Zuge der Aller-Kanalisierung wurde der Bau von vier
Staustufen erforderlich. Durch einen Vertrag im Jahre 1908 übernahm der
Staat den Ausbau der Staustufen Oldau, Bannetze, Marklendorf und
Hademstorf, während die Stadt Celle die Ausnutzung der Wasserkräfte an
den Staustufen Oldau und Marklendorf pachtete.
Die drei oberen Stauanlagen schneiden größere und stärkere Krümmungen
durch Durchstiche ab. Die untere Staustufe, Hademstorf, ist im Mündungsdreieck
der Leine in die Aller angelegt, so dass die Schiffahrt ein Stück der
Leine benutzen und die gerade hier sehr ungünstige Aller vermeiden kann.
Das Wehr befindet sich im Gegensatz zu den beiden oberen Anlagen, bei
denen es im Fluss liegt wie in Marklendorf, im Durchstich. Die Längen der
Staustufen sind 14, 11, 11 und 12 km. Die Schleusen selbst sind sämtlich
als Schleppzugschleusen mit 165 m nutzbarer Länge, 10 m Torweite und 2,5
m Drempeltiefe erbaut.
Das Kraftwerk Oldau besitzt drei Turbinen mit 4 m Durchmesser. 36
Kubikmeter Wasser lassen die Laufräder 32 mal in der Sekunde rotieren.
Der Generator arbeitet mit 1500 Umdrehungen in der Minute. Die
durchschnittliche Jahresleistung der Anlage beträgt 3 Mio. kWh. Die
Schleuse gleich nebenan wurde von 1912 bis 1914 erbaut. Sie hat eine
nutzbare Länge von 165 und eine Torweite von zehn Metern.
Geöffnet: Mai bis September 14 bis 18 Uhr, Info: Tel. +49 (5143) 1890
oder 8775.
Quelle: www.nibis.ni.schule.de
Übersicht
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Link:
Niedersächsische
Spargelstraße e.V.
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Heu-Hotel im Celler Land.

Dorfmuseum in Langlingen.

Allerschleife zwischen Nordburg und
Schwachhausen.

Liebevoll restauriertes Fachwerk liegt in Offensen direkt am Wege.

Kunst am Wegesrand - hier in Beedenbostel.

Bergbaurelikte in Höfer.

101 Bäume erinnern an die Toten des 3. Juni.

Gedenkstätte Eschede in Erinnerung an das ICE-Unglücl vom 3. Juni 1998.

Die Oertze in Hermannsburg.

Ein Dorf namens Grauen - aber gar nicht greulich.

Steingräber
finden sich in der Gegend zahlreich.
Hier ein Grab bei Siddernhausen.

Dorfstraße wie anno dazum: Siddernhausen.

Bauernhausmuseum in Bergen.

Panzer vor der britischen Kaserne in Bergen-Hohne.

Spargelstecher auf einem Feld in Burgdorf-Otze.
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