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Autor: Dieter Hurcks Copyright 1/2010

Radeln entlang der Niedersächsischen Spargelstraße (12) - von Gifhorn nach Burgdorf

Eine Tour entlang der rund 750 km langen Niedersächsischen Spargelstraße ist nicht nur für Gourmets ein Genuss, auch Radler kommen voll auf ihre Kosten - und zwar auch außerhalb der Spargelzeit. Von Gifhorn führt die Tour nun westwärts durchs Peiner Land über Edemissen zurück zum Ausgangspunkt Burgdorf.
Teil 11 - Übersicht mit Tagestouren
GPS-Track 12 Edemissen-Burgdorf

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Über die stillen Dörfer

12. Von Gifhorn über Edemissen nach Burgdorf

Das nächste Ziel auf dem Weg in die etwa 50 km entfernte Spargelstadt Burgdorf, wo der Verein Niedersächsische Spargelstraße e.V. seinen Sitz hat, ist Edemissen. Wer am Tag zuvor Gifhorn noch nicht erkundet hat, sollte das am Vormittag nachholen, denn Zeit ist ja wegen der Kürze dieser Tagesetappe genug. 

 

Auf einen Blick
Strecke: flach, 50 km
schmucke, ruhige Dörfer - etwas für Naturliebhaber
Einkehrmöglichkeit beim Flugplatz Eddesse

Gifhorn 

Gifhorn liegt in der südlichen Lüneburger Heide und entwickelte sich im 12. Jahrhundert direkt am Wegekreuz zweier alter Handelsstraßen. Die Salzstraße führte von Lüneburg nach Braunschweig und die Kornstraße von Celle nach Magdeburg. Heute hat Gifhorn über 43.000 Einwohner und ist wirtschaftlich geprägt durch die Nähe zum Wolfsburger VW-Werk.
Sehenswert ist die von Fachwerkhäusern aus dem 16. Jahrhundert geprägte Altstadt mit modernen Boutiquen hinter historischen Fassaden.

Das kulturelle Angebot ist von hohem Niveau und kann sich für eine Stadt in der Größenordnung Gifhorns sehen lassen. Als Beispiel sei das Klassik-Open-Air-Happening Feuer & Wasser live genannt. Jedes Jahr im Sommer zieht dieses außergewöhnliche Musikfest fast achttausend Besucher aus Nah und Fern in seinen Bann. Die passende Kulisse bieten der Schlosssee und der Schlosshof des Gifhorner Wasserschlosses. In der Regierungszeit von Herzog Franz zu Braunschweig und Lüneburg entstand 1525 dieses Welfenschloss Gifhorn im Baustil der Renaissance. Neben den kulturellen Darbietungen präsentiert es über drei Etagen die Kulturgeschichte der Region.

Gifhorns Umgebung ist von Heidegebieten und Flusslandschaften wie dem Urstromtal der Aller und der idyllisch sich dahinschlängelnden Ise geprägt. Dieses vielseitige Wasserwandergebiet wird vom Elbe-Seitenkanal und dem Tankumsee bei Isenbüttel ergänzt. Ein bei Naturfreunden beliebtes Ziel ist der vielarmige Heidesee am Rande von Gifhorn, einer der Lieblingsplätze von Hermann Löns, der ihn auch entdeckt haben soll. ...
¤Eine neue Attraktion ist der alte Wasserturm in Gifhorn. In 90 Metern Höhe befindet sich nun das Panoramacafé im Wasserturm, das höchst gelegene Café der Lüneburger Heide. ... Wer zu Fuß absteigt, wird mit Blicken auf das dicke Mauerwerk und die schweren gußeisernen Druck- und Ablaufleitungen, die sich in voller Höhe durch den Turmkörper ziehen, belohnt.
Infos: Tel. 05371 / 88175 - Internet www.gifhorn4u.de

 

Ab in den Winkel

Der Weg aus Gifhorn heraus führt zunächst bis ans Ende der Gifhorner Fußgängerzone. An der Fußgängerampel überqueren wir die Fallerslebener Straße und fahren in die Oldaustraße hinein, die bald Winkeler Straße heißt. Dieser folgen wir, bis von rechts die Straße Weiland auftaucht. Dort finden wir das etwas unglücklich angebrachte Schild nach Winkel, dem wir folgen.

Nach Überqueren der B 4 kommen wir auf den Winkeler Weg. Über den Kellerberg erreichen wir den Hermann-Löns-Weg, der unter der Bahn hindurch gen Ribbesbüttel führt. Dahin wollen wir nicht. Also ein Stück zurück und kurz hinter dem malerischen "Lönskrug" links durch die Birkenheide in den Wald zum Lönsstein. Die letzten 100 m sind zu Fuß zu bewältigen.

Nach der "Stein-Besichtigung" geht`s zurück zum Eichkamp und links weiter über den Brückenkamp. Über eine Brücke des Allerkanals radeln wir in den Schäferweg, der bald links abknickt und vor der Schallschutzwand der ICE-Strecke Hannover-Stendal endet.
Kurz davor geht der Weg entlang einer Koppel weiter und stößt bald auf eine Straße (wenn die Brücke in Sicht kommt, rechts halten!). Die schmale Straße führt über die Brücke nach Leiferde.

In Vollbüttel können die Freunde der laufenden Bilder voll auf ihre Kosten kommen. 100 Jahre Geschichte der Kinematographie warten auf interessierte Gäste im Kinomuseum. Ab Leiferde müssen wir es nun auf der Straße Richtung Volkse rollen lassen. Dort folgen wir der Wegweisung nach Seershausen/Eickenrode. Bald trennen sich beide Wege, wir biegen links ab nach Eickenrode. Flott geht die Fahrt auf der Asphaltpiste voran. In Eickenrode halten wir uns links und radeln auf einer schmalen Straße über Ankensen mit seinem großen Reiterhof ins "Spargeldorf" Edemissen.

Öl und Ritter

Von Edemissen radeln wir durch ein ehemaliges Ölfördergebiet ins Burgdorfer Land hinein, passieren kleine, stille Dörfer und erleben Natur pur. Wer in Burgdorf ein Quartier gefunden hat, kann von dort noch - Zeit genug ist vorhanden - die schöne Gegend drum herum erradeln. An Wochenende besteht nachmittags von 14 bis 17 Uhr die Gelegenheit, attraktive Ausstellungen in Stadtmuseum, zeitweise auch im Rathaus zu besichtigen. Dort wird alljährlich im Frühsommer ein Teil der Burgdorfer Fahrradsammlung gezeigt, meist mit thematischen Schwerpunkten.  

Die Gemeinde Edemissen hat rund 13.000 Einwohnern und besteht aus 14 liebenswerten Ortschaften zwischen den Flüsschen Fuhse und Erse. Die Wälder des Berkhöpen und Tadensen, die weiten Wiesen in den Naturschutzgebieten, Naturbadeseen, Fahrrad- und Spazierwege laden zum Erholen ein. Mit viel Feingespür ausgewählte Rundwege, ausgestattet mit Rast- und Informationsmöglichkeiten, zeichnen die Landgemeinde aus. Nicht das Sensationelle tritt in den Vordergrund, vielmehr die kleinen Besonderheiten und Anekdoten, die so mancher Edemisser Einwohner zu erzählen weiß.

Besonders sehenswert sind die Rittergüter in Abbensen und Ankensen und insbesondere der Malerhof des 1996 verstorbenen Kunstmalers Hans Nowak in Voigtholz-Ahlemissen. Wer in Edemissen übernachtet, sollte diese Ziele unbedingt ansteuern. Pläne für Rundkurse bietet die Gemeindeverwaltung an. Im Sommer locken zudem Naturbadeseen in Wehnsen und Wipshausen.

Spargel und Kartoffeln

Gerade in der Erntezeit locken die kulinarischen Genüsse zahlreiche Besucher in den Norden des Landkreises Peine. In der Spargelsaison, von Anfang Mai bis zum 24. Juni, kann man in den heimischen Gaststätten oft nur noch mit Vorbestellung das köstliche Gemüse genießen.
Und wenn die "tolle Knolle" erst gerodet ist, wird der Kartoffelmarkt auf dem Hof Mohwinkel in Wehnsen zu einem Anziehungspunkt für Zigtausende. Mit großem Erfolg fand 2001 das erste Edemisser Spargelfest statt. Ein Bestandteil war der von der Gemeinde Edemissen in Zusammenarbeit mit dem Verein für Heimatgeschichte angelegte Philosophische Garten am Zehntspeicher. Dank neuer Ideen konnten die Besucher einen philosophischen Spaziergang durch Edemissen mit allen Sinnen genießen. Weiterhin erlebten die Besucher kulturelle und kulinarische Angebote im alten Dorfkern der Ortschaft Edemissen.
Ob und wann es weitere Spargelfeste gibt, erfahren Sie unter www.edemissen.de im Internet.

Auf nach Burgdorf

Von Edemissen nach Burgdorf nehmen wir zunächst die Straße westwärts Richtung Abbensen, biegen aber im Örtchen Oedesse an der Kreuzung gleich wieder rechts ein und folgen dem Schild nach Klein Eddesse. Bald passieren wir eine Pumpe, die an die lange Tradition der Ölförderung in dieser Gegend erinnert. Weiter nördlich gibt es sogar einen Ort namens Texas.

Wir radeln geradewegs in den Wald hinein und an der Schranke vorbei rechts in den Forstweg, der nach etwas mehr als einem Kilometer auf die Landstraße Edemissen-Eddesse stößt. Dieser folgen wir nach links und erblicken bald ein Hinweisschild zum Flugplatz Klein Eddesse. Bei schönem Wetter lohnt es sich, die paar Meter dorthin zu fahren, sich im Biergarten bewirten zu lassen und dabei den Flugbetrieb zu beobachten.

Ansonsten radeln wir weiter bis Eddesse, an der Kreuzung links Richtung Dollbergen und hinter der Fuhsebrücke rechts
in den schmalen Weg. Er führt über einem Bach unter der Brücke der ICE-Strecke Hannover-Stendal hindurch. Wieder auf Asphalt, biegen wir links ab und radeln nach Katensen, ebenfalls ein klitzekleines Dorf. Dort folgen wir dem Schild nach Schwüblingsen, wo der Dorfgasthof mit einem Biergarten lockt. Eine kleine Kirche bildet den Dorfmittelpunkt.

Fachwerkschloss und Landratsvilla

Wir folgen der Wegweisung nach Hänigsen und radeln auf der Beerbuschstraße nordwärts, folgen dann dem Knick und gelangen bald an einen Wanderparkplatz. Neben dem großen Waldplan in den Waldweg einbiegen. Diesem Weg, der nach etwa 300 Metern links abknickt, folgen wir. Kurz hinter dem Knick liegen rechterhand ein wenig versteckt zwei Brutteiche.
Wer gleich weiterradelt, gelangt bald an eine Wegekreuzung mit Beschilderung zum Großen Stern, einem Wegekreuz mit fünf Waldwegen. Diese Richtung schlagen wir ein und biegen beim großen Stern scharf links ab, um gleich darauf den Asphaltweg rechts zu nehmen. Dieser führt - seit 2009 beschidlert - strikt geradeaus bis zum Gut Backhausenhof gen Burgdorf. Hinter dem Gut rechts ab und auf dem verlängerten Peiner Weg, einem Birken bestandenen Feldweg, geradewegs in Burgdorfs Zentrum mit dem malerischen Fachwerkschloss und der bezaubernden Landratsvilla, in der heute das Rathaus II untergebracht ist. Die Beschilderung zeigt nach rechts. Dieser Weg ist zwar längern, führt aber landschaftlich schöner entlang der Aue ins Stadtzentrum.

Burgdorf - eine Stadt mit Spargeltradition

Im Zeitalter des Stadtmarketings möchte jede Stadt eine eigene "Marke" kreieren, um für Besucher attraktiv zu sein. Burgdorf hat in dieser Hinsicht lange ein Dornröschendasein geführt. Doch am 19. März 1998 begann mit der Gründung des Vereins Niedersächsische Spargelstraße e.V. eine neue Zeit. Der Spargel, der in Burgdorf eine lange Tradition hat, wurde für den Tourismus neu entdeckt.

Noch heute erinnern sich viele Köche und Restaurantbesitzer im Lande an die Burgdorfer Konservenfabrik, die große Mengen des edlen Stangengemüses aus Burgdorf in viele europäische Länder lieferte. Burgdorf, das im Jahr 2004 sein Stadtjubiläum feiert, hat in seiner 725jährigen Geschichte durch Kriege und Feuersbrünste schwer gelitten. Insbesondere das Feuer im Jahre 1809 vernichtete bis auf die Häuser am Brandende die gesamte Altstadt.

Die neue Zeit hat in Burgdorf das Alte nicht verdrängt; sie hat sich dazugesellt. Da ist das Burgdorfer Rathaus an der Marktstraße. 1805 ursprünglich in klassizistischer Bauweise und nach dem großen Brand von 1809 im gleichen Stil im Jahre 1818 wieder errichtet, zählt es zu den schönsten Fachwerkbauten des Stadtkerns. Hier wird u.a. im Frühsommer ein Teil der Sammlung historischer Fahrräder ausgestellt. Das Schloss, als historischer Mittelpunkt der Stadt, ist ein repräsentatives Fachwerkgebäude und steht an der Stelle, an der sich im 13. Jahrhundert das alte "castrum burgtorfe" befand. Diese Wehranlage wurde im Laufe der Zeit dreimal zerstört und wieder aufgebaut. Der jetzige Bau entstand 1643 und wurde in den Jahren 1979 bis 1982 renoviert.

Ein Museumsbesuch lohnt sich

In einem typischen Ackerbürgerhaus wurde das Stadtmuseum eingerichtet, das sonnabends und sonntags nachmittags beachtliche Ausstellungen zeigt. Das Gebäude entstand nach dem Stadtbrand von 1658 auf wohl noch älteren Brandmauern und blieb vom großen Brand 1809 verschont.

Auch im Rathaus I an der Marktstraße finden Ausstellungen wie die Fahrradgalerie oder die Präsentation der Spargelsammlung im Mai/Juni statt. In den "Heeßeler Tannen" finden sich Reste einer altsächsischen Wallburg, die um das Jahr 1000 bewohnt war.

Die St.-Pankratius-Kirche ist das Wahrzeichen der Stadt und verfügt über eine kostbare und klanglich hervorragende Hans-Scherer-Barock-Orgel aus dem 16. Jahrhundert, die 1814 für die Kirche erworben werden konnte.
Burgdorf-Otze besitzt eine sehenswerte alte Kapelle, deren Altarraum im 13. Jahrhundert enstand, während der übrige Teil um 1450 angefügt wurde. Als Kostbarkeit birgt sie einen spätgotischen Schnitzaltar. In der 1696 errichteten Kapelle in Ramlingen befinden sich bemerkenswerte Holzschnitzereien aus dem 15. Jahrhundert.


Infos:
www.burgdorf.de und www.vvvburgdorf.de
 

Teil 11: Von Hankensbüttel nach Gifhorn
Übersicht aller Etappen inkl. Rundkurse

Links
Niedersächsische Spargelstraße e.V.  


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Die 12. und letzte Etappe des großen Rundkurses führt zurück nach Burgdorf.



Baumlehrpfad im Gifhorner Winkel.



Noch ein Lönsstein ....



Idyllisch unter Bäumen versteckt: der Allerkanal.



Herbstliches Spargelfeld mit roten Beeren.



Wie gemalt: Hof Hiete in Edemissen.



Spargelfest: Die reiche Ernte ....



... kann man sich direkt schälen lassen - mit einer
Maschine von Hepro aus Delbrück in Westfalen.




Die Bockwindmühle liegt zwischen Burgdorf und Otze.

Spargelverkauf auf dem Spittaplatz.



Spargelpflug in der frühsommerlichen Spargelausstellung. Ein ständig geöffnetes Spargelmuseum befindet sich in Nienburg.



Burgdorfer Fachwerkschloss.



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