Julius-Trip-Ring
in Hannover
Eine
Radtour durch den Stadtwald Eilenriede, durch Parks, Grünanlagen, entlang
der Leine, der Ihme, vieler Kleingartenkolonien und des Maschsees. Rund
20.000 Kleingärten soll es in Hannover geben, die rund 5 Prozent der
Stadtfläche bedecken.
Hannover hat
viel Grün zu bieten, darunter die grüne Lunge, die Eilenriede.
Und darauf ist der Hannoveraner zu recht stolz, wie der Homepage der Stadt
zu entnehmen ist: "Mit rd. 640 Hektar verfügt
Hannover über den größten Wald Europas im Herzen einer Großstadt -
selbst der Hydepark in London und der Pariser Bois de Bologne können da
nicht mithalten." Also ein ideales Radelrevier.
Aus Anlass des 100. Todestages des hannoverschen
Gartenbaumeisters Julius Trip (1857-1907) wurde ein Radweg angelegt, der
meist im Grünen auf 25 km Länge rund um die City Hannovers führt und
mit einer viereckigen Plakette ausgewiesen ist, die unter den normalen
Radwegweisern hängt. Im April 2008 wurde er eröffnet.
Start
am Maschsee
Der
Maschsee ist Hannovers Naherholungsmagnet Nr. 1. Er wurde in den 1930-er
Jahren künstlich angelegt. Am Südwestufer befindet sich, ein wenig
versteckt, die 1935 in Betrieb genommene Maschseequelle. Wer Zeit hat,
sollte den See einmal ganz umrunden, obwohl diese Umrundung nicht zum
Julius-Trip-Ring gehört. Der Maschsee ist auch der Ausgangspunkt des
regionalen Radwandernetzes der Hannover Region.
Dieser
Ring wurde benannt nach Julius Trip (1857–1907),
der von 1897 bis 1907 erster Stadt-Gartendirektor von Hannover war. Wie
der Homepage der Stadt zu entnehmen ist, begründete er eine eigenständige
Gartenverwaltung, die bis heute Bestand hat. Während seiner Amtszeit
schuf Julius Trip zahlreiche neue Gartenanlagen unterschiedlicher Art. mehr
und Quelle
Wir
radeln also vom modernisierten Strandbad ganz im Süden am Westufer nach
Norden, umrunden den Sportpark, wo unter anderen die Bundesligisten
Hannover 96 (Fußball) und TSV Hannover-Burgdorf (Handball) ihre
Heimspiele austragen und einige Bundesleistungszentren angesiedelt sind.
Auch eine Freilichtbühne ist dort zu finden.
Herrenhäuser
Gärten
Nun folgen wir der Leine nach Linden, früher Sitz des Weltunternehmens
Hanomag und eine traditionsreiche Arbeiterstadt mit heute multikultureller
Bevölkerung und noch vielen kleinen, inhabergeführten Läden.
Am Wege liegt, direkt mit Flussblick, das seit 1875 bestehende
"Dornröschen", ein idyllischer Biergarten. Ein
Stückchen weiter treffen wir bei einem kleinen Abstecher auf das 1913
errichte Wehr Herrenhausen. Es sorgt, wie der Broschüre zu entnehmen ist,
für die Schiffbarkeit von Leine und Ihme im Stadtgebiet und dient dem
Hochwasserschutz. Seit 1999 erzeugt es Strom.
"Die Anlage, die im Sinne des Landschaftsschutzes geschickt in das
Leinewehr integriert wurde, besteht aus dem Wasserkraftwerk und der
Fischaufstiegsanlage, die erstmalig den schwimmenden Leinebewohnern den
Weg flussaufwärts ermöglicht. Das Wasserkraftwerk Herrenhausen ist
bereits das zweite dieser Art im Kraftwerkspark der Stadtwerke Hannover
und nutzt gemeinsam mit der aus dem Jahre 1922 stammenden Anlage Am
Schnellen Graben 50% des technisch nutzbaren Wasserkraft-Potentials in
Hannover." Quelle und weitere Infos zum Leinewehr und dem als
Expo-Projekt angelegten Wasserkraftwerk lesen
Sie hier.
Vom
Leinewehr ist es nun nicht mehr weit zu den Herrenhäuser Gärten, in die man allerdings nicht
mit dem Rad hinein darf. Dort soll demnächst das im Krieg zerstörte
Hauptgebäude des Schlosses wieder aufgebaut werden. Mehr dazu auf dieser Internetseite.
Links
und rechts des Radweges befinden sich zahlreiche Attraktionen wie das Wilhelm-Busch-Museum, das Hauptgebäude der
Universität sowie der herrliche Berggarten mit seiner
Blütenpracht und den wohltemperierten Gewächshäusern, die sich im
Winter ideal als Besuchsziel eignen.
Der Berggarten wurde 1666 auf einem
abgetragenen Sandberg nördlich des Schlosses als Küchengarten angelegt.
Er entstand gleichzeitig mit dem Großen
Garten und ist damit einer der ältesten Botanischen Gärten Deutschlands.
Quelle
und Infos zur Geschichte des Berggartens. Schöne Bilder und einen
Flash-Film gibt es hier.
Schulbiologiezentrum
Wir radeln weiter nordwärts, rechts am Berggarten vorbei. Ein großes Schild weist, kurz nach der Unterquerung der Bahnlinie
Hannover-Minden-Ruhrgebiet, auf eine Attraktion der besonderen Art hin, die besonders
Familien mit Kindern ansprechen dürfte: Links der Straße Vinnhorster Weg
liegt im Wald das über 80 Jahre alte Schulbiologiezentrum Hannover mit
seinem 6,5 Hektar großen Waldgelände.
Gegründet
wurde es, wie der Homepage des Vereins zu entnehmen ist, von Dr. Gerhard
Winkel, der am 10. Februar 2009 im Alter von 83 Jahren verstarb. "Er
entwickelte seit 1961 die Schulgartenarbeit unter seinem ganzheitlichen
Ansatz hin zur Naturschutzerziehung und Umweltbildung. Vielfältige und
Weg weisende Veröffentlichungen begründeten seinen Einfluß auf Theorie
und Praxis im Biologieunterricht. Mit dem didaktischen Ansatz einer
forschenden Schulbiologie gab er dem naturwissenschaftlichen Unterricht in
Hannover und weit darüber hinaus viele Impulse, durch die er auch die Gründung
zahlreicher weiterer Umweltzentren unterstützte.
Bis zuletzt gab er unseren Fördervereinen Anregungen für die
Weiterentwicklung des Schulbiologiezentrums."
So
ist dort ein großer Steingarten zu sehen, es gibt Tiergehege und ein
Tropenhaus. In großen und kleineren Kübeln ist nachzuvollziehen, wie
sich Materialien wie Zeitungspapier, Stroh, Laub oder Plastik im Laufe der
Jahre zersetzen.
Mehr
zu dieser sehenswerten Anlage unter schulbiologiezentrum.info.
Hainholz
und Vahrenwald
Gelegentlich geht die Tour auch mal durch städtisches Gebiet, werden
Schnellstraßen unter- oder überquert. Aber schnell liegt der Lärm der
Großstadt wieder hinter uns. So am Knick des Niedersachsenrings, wo wir
auf einem Grüngürtel radeln, der in den 1970-er Jahren einmal als
Verbindungsstraße von West- und Messeschnellweg geplant war aber, für
uns Radler und die Anwohner ein Glück, nie gebaut wurde.
In Hainholz dokumentiert eine acht Meter hohe Stele die kulturelle
Stadtteilarbeit. Diese Säule spiegelt die aus über 80 Nationalitäten
bestehende Vielfalt der Hainhölzer Bevölkerung wieder.
Die
"Hainholz Stele" ist auch Titelbild einer Dokumentation
über ein inregriertes Handlungskonzept zur Stadtentwicklung von
2005.
Darin steht u.a. (ab Seite 33): "Das Projekt wurde initiiert,
organisiert und durchgeführt von dem in Hainholz lebenden und arbeitenden
ehemaligen Kunstprofessor Siegfried
Neuenhausen, der viele Jahre an der Hochschule für Bildende
Künste in Braunschweig gelehrt hat. An der Gestaltung waren Anwohnerinnen
und Anwohner verschiedenen Alters, verschiedener sozialer Herkunft und
unterschiedlicher Nationalitäten beteiligt." PDF-Download
Mehr über die Geschichte von Hainholz und der angrenzenden Stadtteile
lesen Sie hier.
Durch
die Eilenriede
An den Stadtteil List stößt der Stadtwald Eilenriede, den wir nun
durchqueren. Ein wahrer Genuss - vor allem an sehr heißen Tagen.
Zunächst radeln wir am Steuerndieb vorbei, queren den Messeschnellweg und
erreichen bald den Stadtteil Kleefeld.
Der Name Steuerndieb erinnert übrigens an die einstige Funktion des Ortes
als Wachstation der Landwehren. Mehr dazu und zur Geschichte
Hannovers bei Wikipedia.

Beliebtes Ausflusziel: das Knusperhäuschen beim
Bischofshol.
Beim
Bischofshol, nahe des Messeschnellwegs gelegen, konkurrieren gleich zwei Biergärten um Radler und
Spaziergänger. Hier kehrt der Hannoveraner traditionsgemäß gerne ein,
ehe er weiter durch den Wald und zurück zum Maschsee radelt oder wandert.
In der Eilenriede befinden sich einige Denkmäler und andere Relikte aus
längst vergangenen Zeiten wie der Schiffgraben.
Bei Wikipedia lesen wir u.a.: "Der erste Teil des Names
Eilenriede (Eilen) leitet sich ab von den dort früher hauptsächlich
vorkommenden Erlen (Ellern). Der zweite Teil des Namens (Riede) ist eine
alte Bezeichnung für sumpfigen Boden. ... Es wird vermutet, das die
Eilenriede einst der westliche Teil des Nordwaldes
war. Dieses große, zusammenhängende Waldgebiet bedeckte bis ins späte
Mittelalter große Teile Niedersachsens zwischen Braunschweig und
Hannover. Ab 1241 erhielt die Stadt Hannover ein Mitbenutzungsrecht an den
Waldungen der Eilenriede. 1371 wurde sie den Bürgern Hannovers von den
Herzögen Wenzeslaus und Albrecht von Sachsen geschenkt als Dank für die
Unterstützung in einem Erbfolgekrieg. Dies gab den Bürgerinnen und Bürgern
das Recht, das Waldgebiet als ihr Eigentum zu nutzen und zu pflegen.
Gleichzeitig bestand die Verpflichtung, das Waldgebiet zu erweitern."
Mehr
wirklich interessante Fakten über die Eilenriede finden
sich bei Wikipedia!
Fazit: Eine schöne Tour ohne Steigungen auf durchweg
ausgezeichneten Wegen mit viel Grün und wenig Verkehrshektik, die einem
ganz neue Perspektiven von Hannover vermittelt. Leider haben wir manchmal
den Weg verpasst, weil die kleinen Plaketten leicht zu übersehen sind und
wir an manchen Stellen (z.B. in Hainholz) gar keine fanden. Man sollte
also immer mal wieder auf die recht brauchbare Karte schauen, die es z.B.
im ADFC-Laden in der Rambergstraße oder beim Touristenbüro Hannover
gibt.
Selbst wer glaubt, Hannover gut zu kennen, findet auf dieser Tour zu neuen
Erkenntnissen. Rauf aufs Rad!
Radwanderführer
herunterladen
von hannover.de (PDF ca. 1,4 MB)
Noch
ein anderer Führer
von Tourismus-Region Hannover
Mehr
Touren in der Region Hannover
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Klein und unscheinbar: die Radwege-Plakette.

Das Solarboot verkehrt auf dem Maschsee.

Das Gebäude steht am Eingang zum Berggarten.

Fantastische Blumenpracht im Berggarten im Mai.

Attraktion für die Kinder: Tiere und
Pflanzen und Gelegenheit zum "Selber-was-machen".

Schöne
Blüten, putzige Tiere. 
Haupthaus
des Schulbiologiezentrums. 
Prachtblüte
und Vogelscheuche. 
Viele
unterschiedliche Steine aus Niedersachsen. 
Im
Schulbiologiezentrum Hannover können auch Erwachsene eine Menge lernen.

Man darf auf dem Gelände sogar Fahrrad fahren. 
"Hainholz-Stele": Bunt bemalte Säule an der Fenskestraße, Ecke
Voltmerstraße und Melachtonstraße in Hainholz.

Prachtvolle Kirche in Hainholz.

Abstecher zum Pelikan-Gelände an der Podbielskistraße.
Radtouren-DVDs
- ideal für Beamerschauen
Info und bestellen hier
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