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Autor: Dieter Hurcks Copyright 7/2019

160 km rund um Hannover
Auf dem Grünen Ring, der als 80 km langer Basisring plus Schleifen rund um Hannover führt, lassen sich schöne, selbst für viele "Ureinwohner" wenig bekannte Ecken entdecken. Wir haben die Tour an zwei Tagen absolviert.

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Quartiere an
Fernradwegen in
Deutschland

80 erlebnisreiche Kilometer per Pedale
rund um Hannover

Der Grüne Ring am 
blauen Band

Plus zusätzliche Schleifen für weitere Entdeckertouren

Radfahren in und um Hannover bietet Entdeckernaturen viele neue Erlebnisse. Vom Sattel aus eröffnen sich völlig neue Blicke auf die die niedersächsische Landeshauptstadt und die Hannover Region. Wer den Julius-Trip-Ring und die innerstädtischen Routen schon gefahren ist, dem sei eine Tour auf dem samt Extra-Schleifen 160 km langen Grünen Ring empfohlen. Beginnen wir mit dem etwa 80 km langen Basisring, für den man sich reichlich Zeit nehmen sollte.

Das Schöne ist, dass man nicht die gesamten rund 80 Kilometer des Basisrings auf einmal fahren muss, sondern sich je nach Kondition, Lust und Wetter auch kürzere Etappen vornehmen kann. Möglich macht dies die exzellente Nahverkehrsinfrastruktur der Region. Alternativ nimmt mancher lieber die Anreise zum Kurs, Fachchinesich: Track, in Kauf. Als Track wird auch die GPS-Route bezeichnet, die man von der Webseite der Stadt Hannover herunter laden kann:

Navigation per GPS-Track und Blau-Zeichen

Allerdings hat mein Navigationsgerät namens Teasi One den Track leider nicht darstellen können. Er wurde als blaue Linie angezeigt, als das Navi zum Track hin navigierte. Als wir jedoch auf dem Track waren, verschwand die Linie oder wurde, was eigentlich korrekt ist, als grüne Linie angezeigt. Nur bewegte sich der Pfeil nicht mit uns auf dem Kurs weiter. Auf dem Smartphone dagegen funktionierte das Ganze reibungslos. Vermutlich kann das Teasi, da mir das schon öfter passiert ist, nicht alle GPX-Standards verarbeiten.

Blaue Brücke

Das kann folgende Ursache haben, wie bei Wikipedia erklärt wird: „Als XML-Dialekt erlaubt das GPX-Format, eigene Erweiterungen einzubetten, wobei diese nicht Bestandteil des GPX-Schemas sind. Ein Beispiel sind die GPX-Extensions von Garmin.“

Was GPX-Daten sind, erklärt Wikipedia

Wie man GPS-Dateien öffnet und bearbeitet, erklärt zum Beispiel das PC-Magazin CHIP

Kraftwerk Stöcken

Teil 1: Altwarmbüchen-Zweigkanal Linden

Von Burgdorf aus erreicht man den Grünen Ring am besten entweder am S-Bahnhof Anderten oder in Altwarmbüchen unweit des Sees (beides ca. 14 km entfernt). Wir finden schnell die für diesen Kurs typischen blauen Markierungen an Steinen, Pfählen oder Zäunen, sogar auf Gullydeckeln, die den Weg weisen. Bisweilen muss man ein wenig suchen, weil mancher Anstrich schon verblasst ist oder Holzpfähle gar umgefallen im hohen Grase liegen. Aber dank moderner Navigationstechnik lässt sich die Route doch ohne größere Probleme immer wieder finden.

Nur an den Abzweigungen der zusätzlichen Schleifen muss man aufpassen, dass man nicht ungewollt auf eine solche gerät, obwohl man dann, wenn man falsch liegt, wie schon Hermann Löns wusste, bisweilen die schönsten und überraschendsten Erlebnisse hat. Allerdings muss man dann natürlich eine Menge Kilometer mehr strampeln als geplant.

Die Route führt ab Altwarmbüchen zunächst südlich von Isernhagen nach Westen durch die Feldmark. Ein Abstecher zum Basselthof ist lohnenswert. In Langenhagen queren wir den Stadtpark und die Wunstorfer Straße, erreichen Godshorn und streifen Vinnhorst, durchfahren den Mecklenheider Forst mit dem Kinderwald und queren Autobahn 2 und Mittellandkanal. Südlich von Behrenbostel, kurz vor Garbsen, scheint uns der Autoverkehr zu erdrücken. Doch direkt nach Überquerung der Bundesstraße 6 verschwinden wir wieder im Grünen gen Havelse und Marienwerder, wo wir auf die Leine treffen, der wir nun, vorbei an Stöcken mit dem Kraftwerk sowie den großen Industriebetrieben und an Letter, folgen.

Wir haben die Tour am Zweigkanal Linden in Sichtweite des Conti-Turms nach etwa der halben Strecke beendet und sind dann zu den Herrenhäuser Gärten geradelt, um uns dort zu stärken. Denn unterwegs gab es dazu direkt am Kurs selten Gelegenheit. Man sollte daher ein wenig Proviant dabei haben.
Teil 2 soll an einem weiteren Tag mit gutem Radelwetter folgen.

 

Schleuse Anderten

Teil 2: Anderten-Zweigkanal Linden

Gipfelsturm auf den Kronsberg

Nachdem wir im ersten Teil unserer Tour die Etappe entgegen dem Uhrzeigerssinn vom Altwarmbüchener See über Langenhagen und Stöcken bis zum Zweigkanal Linden geradelt sind, sollte nun der Rest des Grünen Rings im Uhrzeigersinn erobert werden. Start war diesmal der S-Bahnhof Anderten, von wo aus wir an der Hindenburg-Schleuse – im Neusprech nun die Schleuse Anderten – den Grünen Ring erreichten. Diese 1928 fertiggestellte Schleuse arbeitet übrigens nach einem besonderen Wassersparprinzip: 75 Prozent des Wassers werden in Sparkammern zwischengespeichert, während nur der Rest aus dem Kanal entnommen wird.

Quelle und mehr: Wikipedia 

Entlang des Mittellandkanals fuhren wir bis zur Brücke des Autobahn 7, wo der Weg einen Rechtsschwenk macht und auf das Waldgebiet Gaim zuführt. Hier steht am Wegesrand noch eine letzte Ölförderpumpe Marke nickender Pferdekopf, die an die Zeit erinnert, als aus vielen Bohrlöchern das schwarze Gold gefördert wurde – wenn auch in nur geringen Mengen.

Wegweiser mit Ölpumpe

Hannovers höchste Erhebung

Bald erreichen wir den Kronsberg, wo an den – mit Ausnahme der Leineauen - ansonsten weitgehend gut befahrbaren Wegen des Grünen Rings stellenweise dieser unsägliche Schotter eingesetzt worden ist, der die Fahrradreifen verspringen lässt. Nach einigen Kilometern sehen wir links den auf 118 Meter erhöhten Kronsberg. Es lohnt sich, den kurzen, aber knackigen Anstieg auf den von Bäumen markant dominierten Hügel zu bezwingen. Die freie Rundum-Aussicht ist schon die Mühe wert. Hannovers fast hochhausfreie Skyline, die Reste des Expo-Geländes mit dem Wahrzeichen der Weltausstellung, dem Holland-Pavillon, der Messeturm und das Pressezentrum sowie der Hermesturm bilden die Hingucker. Nicht zu vergessen der gelbe Pavillon aus Litauen.

Expo bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Expo_2000 

Holzschaf mit blauem Kopf 

Am Ende des Kronsbergs, dessen Bebauung seit der Expo 2000 den Hang weiter hinauf geklettert ist, passieren wir den rechter Hand liegenden EXPO-Park Süd und radeln durch Laatzens Wohnbebauung nach Grasdorf, wo sich schon vor 3500 Jahren Menschen niedergelassen haben sollen. Lohnenswert ist ein kleiner Abstecher ins alte Dorf mit der barocken Pfarrkirche St. Marien.   mehr https://de.wikipedia.org/wiki/Grasdorf_(Laatzen)

Hinter Grasdorf führt die Route nun über die Leinebrücke und durch das Wasserschutzgebiet mit den blauen Sensen.

Die blauen Sensen

Auch an dieser Route wird der Weg durch blaue Pfähle und sonstige Erkennungsmerkmale in dieser Farbe markiert. Allerdings empfiehlt sich die Mitnahme eines Navis, da es durchaus Stellen gibt, wo die Weiterfahrt nicht so ganz deutlich herauszulesen ist. Ich habe bei dieser Tour die Fahrrad-App von Komoot auf meinem Android-Smartphone eingesetzt, die sich als echter Volltreffer erwiesen hat und mein bisheriges reines Navi Teasi One mehr als ausgestochen hat.  

Durchs südliche Leinetal

Von Grasdorf radeln wir nun ab dem Beobachtungsturm nordwärts an Alt-Laatzen vorbei und biegen kurz vor Wülfel wieder ab nach Westen. Zahlreiche Seen und Altwasser liegen am Wegesrand; vielen sieht man den trockenen Sommer 2019 deutlich an. Im Sundern, einem der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands (seit 1931), machen wir einen Abstecher zur unweit der Hauptroute gelegenen Ruine des von-Alten-Mausoleums.

Bald erreichen wir Devese. Dieser Ort im Calenberger Land zeichnet sich durch die sogenannten Rübenburgen aus. Dank des fruchtbaren Lösbodens in der Gegend erlangten die Bauern dort einen erklecklichen Reichtum. Die zu klein gewordenen Fachwerkhäuser wurden im 19. Jahrhundert durch größere Ziegelbauten ersetzt. Rund um Devese gab es einstmals drei Ziegeleien. Auch im Willy-Spahn-Park in Ahlem, kurz vor Ende dieser Radtour, gibt es übrigens eine solche Fabrik, die heute unter Denkmalschutz steht.

https://de.wikipedia.org/wiki/Hoffmannscher_Ringofen

Kali als Dünger

Von Devese aus rollen wir nun ein Stück durch Wettbergen und durch Empelde auf den Benther Berg zu. Dabei passieren wir den ehemaligen Kalischacht. Noch heute wird das Ortsbild von der Rückstandshalde des Kaliwerks „Hansa-Silberberg“ geprägt, das von 1894 bis 1973 produzierte und in den 1950er Jahren mehr als 1000 Mitarbeiter beschäftigte.

1859 hatte der Chemiker Adfolf Frak entdeckt, das Kali sich gut als Dünger eignet, was zu einem Boom bei der Kaliförderung führte. mehr: https://de.wikipedia.org/wiki/Adolph_Frank

Teile des Salzstocks werden heute als Kavernen zur Speicherung von Erdgas verwendet. Die Rückstandshalde in Empelde wird derzeit mit Bauschutt und Humus ummantelt und dadurch renaturiert. Die Halde des benachbarten Kaliwerkes Ronnenberg wurde bis September 2005 größtenteils abgetragen.

Bei einem Bergwerksunglück 1975 durchbrach eine Süßwasserader die Schachtwand. Die Schäden waren so groß, dass das Bergwerk aufgegeben werden musste. Bedingt durch den Bergbau kam es verschiedentlich zu Erdsenkungen und Einbrüchen im Stadtgebiet Ronnenbergs. Bei Benthe versank ein komplettes Haus. Über die Geschichte des Salzabbaus informiert das Niedersächsische Museum für Kali- und Salzbergbau.

Am Ortsausgang Empeldes liegt die urige Bergmannsschänke, die allerdings nur am Wochenende geöffnet hat.

Quelle und mehr: Wikipedia  https://de.wikipedia.org/wiki/Empelde

 

Englischer Friedhof

Hinter Empelde schwenkt der Grüne Ring nun nach Norden. Durch lauschige Waldpassagen und über die Lenther Allee erreichen wir Velber mit seiner aus dem 13. Jahrhundert stammenden Kapelle. Am Ortsausgang kann man in der Ferne schon die hellen Grabsteine des auf exterritorialem Gebiet liegenden englischen Friedhofs erkennen, die samt der Gedenkstätte an 2451 Opfer des 2. Weltkrieges erinnern. Eine Mahn- und Gedenkstätte der Region Hannover für die nationalsozialistische Judenverfolgung befindet sich etwa einen Kilometer entfernt an der Heisterbergallee 8 in Ahlem. mehr  https://de.wikipedia.org/wiki/Mahn-_und_Gedenkstätte_Ahlem

Der Grüne Ring führt aber, nicht deutliche kenntlich gemacht, von der Teerstraße links ins Grüne und hinter der S-Bahn-Trasse wieder an den Zweigkanal Linden (früher hieß er Stichkanal). Von hier kann man über diverse Radrouten wie dem Leine-Heide-Radweg oder dem nur 2,5 km entfernten Julius-Trip-Ring weiterfahren.

Fazit: Warum in die Ferne schweifen? In der Region Hannover gibt es so viel zu erleben und zu entdecken – und das alles auf umweltfreundliche Art und Weise mit dem Fahrrad. Und die Zusatzschleifen des Grünen Rings warten noch auf uns – für weitere Entdeckertouren.

Mittellandkanal

Informationen im Internet

Meine gedruckten Heftchen samt Karten stammen von 1997 bzw. aus dem Jahr 2000, sind aber noch immer zu gebrauchen. Eines enthält die Erläuterungen zu den Sehenswürdigkeiten, die durchaus interessante Details liefern. Es lohnt sich, diese kurzen Texte an den passenden, in der gedruckten Karte markierten und nummerierten Stellen zu lesen. Oder wussten Sie, dass sich in Gravestorpe (heute Grasdorf) schon vor 3500 Jahren die ersten Menschen niederließen oder wie die Hindenburgschleuse (heute: Schleuse Anderten) wassensparend funktioniert? Leider gibt diese gedruckten Wegweiser nicht mehr. Im Digitalzeitalter muss man sich die Infos dann eben online beschaffen (siehe Link-Tipps).

Man sollte sich auf dieser Route also Zeit nehmen, wie auch der Internetseite hannover.de zu entnehmen ist:

„Der Grüne Ring ist einer der beliebtesten Rad- und Wanderwege in der Region Hannover. Aus gutem Grund, denn auf der 160 Kilometer langen Strecke werden neun unterschiedliche Landschaftsräume durchquert und zehn Städte und Gemeinden miteinander verbunden. Auch das besondere Wegweisungssystem verlangt nach Beachtung.  Blau gestrichene Objekte wie Zäune, Bänke, Straßenlaternen, Holzpfosten, Bordsteinkanten oder Gullydeckel zeigen den Weg. Radler und Wanderer müssen sich so in der Landschaft orientieren und manchmal innehalten. Stehenbleiben, Sehen, Gucken, Staunen gehören zum Konzept.“

Auf dieser Tour habe ich die Fahrradnavigation von Komoot als App auf dem Smartphone erstmals ausführlich getestet. Lesen Sie den Komoot-Erfahrungsbericht.

Dieter Hurcks (8/2019)

Links

Der Grüne Ring in zehn Etappen

Grüner Ring  inkl. Innenschleifen und Außenschleifen Sehnde-Laatzen (23 km), Garbsen (23 km) und Ronnenberg-Gehrden (22 km)

Alle Radtouren in der Region Hannover

Den größten Bogen um die Landeshauptstadt schlägt der Regionsring mit 275 km. 15 Regionsrouten, die durch den Regionsring verbunden sind, können kombiniert werden: weiterlesen

Fahrrad-App der Region Hannover

Wer's noch weiter möchte, dem seien die Kulturrouten empfohlen.

 

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Spickzettel
Route:
Grüner Ring um Hannover
Start/Ziel: An vielen S-Bahnstationen möglich (siehe Text)
Länge: 80 km Basisring plus 80 km Schleifen
Schwierigkeit: leicht, nur wenige mäßige Steigungen (siehe Bericht) 

Radreiseführer: nur online (siehe Links)

Internet: Homepage - GPS-Tracks Grüner Ring

Start in Altwarmbüchen nahe des Sees

Blaue Markierungen leiten uns

Plätze für Pausen gibt's am Wegesrand

Auch nicht asphaltierte Wege sind durchweg 
gut befahrbar.

Feldweg bei Isernhagen

Im Langenhagener Stadtpark

Skurrile Figur am Wegesrand bei Godshorn

Kloster Marienwerder in der Renovierungsphase

An der Leine bei Marienwerder

Zum Kronsberg geht es steil hinauf - mit 
Hilfe des E-Motors kein Problem.

Kronsberg-Blick: Hannovers Skyline im Dunst

Blick zum Messegelände und Deister

Drei-Kaiser-Stein bei Bemerode

Kirche St. Marien in Grasdorf

Idyll mit Schwänen im Leinetal

Kurzer Abstecher: Das von Alten-Mausoleum

Meistens gute Wege; nur im Leinetal holpert 
es manchmal gehörig und die Vegetation will 
den schmalen Uferweg zurückerobern.

Der Englische Soldatenfriedhof zwischen Velber und Ahlem

Conti-Turm am Zweigkanal  

 

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