Von Bad Karlshafen an
der Weser bis zum Neckar
auf dem Hessischen Fernradweg R 4 (1)
Vogelsberg und
Odenwald ideal für E-Bikes
Der Weserradweg ist der ideale Zubringer zum hessischen Fernradweg R 4,
der an der Weserbrücke in Bad Karlshafen beginnt und in Hirschhorn, am
Neckar nahe Heidelberg gelegen, laut offizieller Angaben des Hessischen
Verkehrsministers nach 415 km endet.
Eine Tour mitten hindurch durchs
hessische Bergland und durch den Odenwald, die eine Menge Kondition
erfordert und mir viele bis dahin unbekannte Orte nahe brachte, die ich
vermutlich ohne mein E-Bike niemals anzusteuern gewagt hätte - schon gar
nicht beladen mit Gepäck für zehn Radeltage.
Übernachten
am Hessischen Fernradweg R 4
Ich bin in Springe, dem letzten Bahnhof in der Region Hannover,
angekommen und hinunter nach
Hameln an die Weser geradelt. Von dort rollt es sich flussnah und meistens
steigungsfrei bis Bad Karlshafen. Kurz vor Bad Karlshafen, wo die Diemel
in die Weser mündet und der R 4 beginnt, kann der Radler noch eine
Fährüberfahrt erleben. Es sei denn, er wagt die Fahrt über die
vielbefahrene Bundesstraße. Nicht zu empfehlen!
Mehr über den Weserradweg HIER.

Fährüberfahrt über die Weser bei Bad
Karlshafen.
Auf
dem R 4 von
der Weser über den Vogelsberg
Von Karlshafen aus verläuft der R 4 bis Trendelburg identisch mit
dem Diemelradweg, den wir
schon 2009 gefahren sind. Auf bisweilen etwas holprigen Wegen geht es, was
bei den hohen Temperaturen im Juli 2010 sehr angenehm war, durch schattige Wälder, begleitet von der einen oder anderen kräftigen
Steigung. Durchs Gehölz blinzelt die Diemel in der Nachmittagssonne.

Die Trendelburg in der Abendsonne.
Bald
ist Trendelburg erreicht, westlich des Reinhardswalds
mit der berühmten Sababurg gelegen und Anlaufpunkt für Besucher der Deutschen
Märchenstraße. Die Stadt liegt an der sogenannten Dornröschen-Route
der Märchenstraße.
Die sehenswerte Burganlage ist heute in Besitz eines Hotels mit
Restaurant. Nicht-Gäste dieses Betriebs sind, wie ein Schild am
Mauerdurchlass verkündet, nicht so gerne gesehen, werden aber, wenn sie
sich unauffällig bewegen, anscheinend geduldet. Von der
Restaurantterrasse hat man einen weiten Blick in Land. Auch auf der
anderen Seite des Städtchens öffnet sich der Blick in die Hochebene an
der Diemel, deren übers Wehr rauschende Fluten bis hinauf zu hören sind.

Über
die Trendelburg lesen wir bei Wikipedia: "Die
Trendelburg wurde im 13. Jahrhundert zum Schutz der hier verlaufenden
Handelswege vom Grafen Konrad III. von
Schöneberg (1249–1311) errichtet. Erstmals urkundlich erwähnt
wurde sie im Jahre 1303. In späteren Jahren gelangte die Burg in den
Besitz des Bistums Paderborn und wurde als Lehen
an die Herren
von Stoghusen (Stockhausen) als Amtssitz und Zollstation vergeben.
In
den Jahren 1443 und 1456 wurde die Burg bei Stadtbränden in
Mitleidenschaft gezogen. 1464 nahm Landgraf Ludwig
II. von Niederhessen
nach Ausbruch der Hessen-Paderbornischen
Fehde (1464-1471) die paderbornische Hälfte der Burg (die andere Hälfte
war bereits hessisch) gewaltsam in Besitz, und sie blieb auch nach der
Beilegung der Fehde im Jahre 1471 hessisch. Nach Zerstörungen der Stadt
und der Burg während der Zeit des Dreißigjährigen
Krieges wurde die Burg 1676 vom Landgrafen Carl von Hessen als Jagdschloss wieder
hergerichtet. Im Siebenjährigen
Krieg wurde die Burg kurzzeitig von französischen Truppen
eingenommen. In späteren Jahren wurde sie als Forstamt genutzt und ab
1901 als Wohngebäude. Seit 1949 dienen die Burggebäude als Hotel und
Restaurant." Quelle
und mehr

Trendelburgs
Rathaus bildet mit der Kirche ein anheimelndes Ensemble, das allerdings
erst nach einem langen, ziemlich steilen Anstieg zu erreichen ist. Die
kleine „Rapunzelstadt“ liegt nämlich hoch über dem Diemeltal. Beim
Gasthaus Brandner, gleich gegenüber dem Rathaus, kann man nächtigen und
deftig speisen. Ansonsten ist hier oben "tote Hose", für
Ruhesuchende genau das Richtige.
Von
Trendelburg nach Ziegenhain
Es
gibt Touren, die scheinbar nie zu ende gehen wollen. So sollte es bei der
heutigen sein. Denn die Route des R 4 von Fritzlar nach Ziegenhain
ist 2009, wie mir ein Radler erzählte und was ich nicht wusste, was auch
auf der Internetseite zum R 4 nicht explizit erwähnt wurde, verlegt
worden. Klar, dass die Planung anhand des Kartenmaterials (Stand 2007)
deshalb daneben lag und die Tour auf der ausgeschilderten Route daher um
mehr als zehn Kilometer länger werden würde.

Ev. Akademie für Diakoniemitarbeiter in Gesundbrunnen bei Hofgeismar.
Dabei
begann der Morgen ganz passabel. Flotte Abfahrt vom Quartier in Trendelburg
hinab ins Diemeltal, in Stamme links ab, weg von der Diemel Richtung Hümme
mit seiner Fachwerkkirche
von 1717. Idyllische Wege, teilweise auch mal nicht asphaltiert,
und die lückenlose Beschilderung führen mich rasch über Gesundbrunnen
mit seiner Evangelischen Akademie für Diakonie-Mitarbeiter nach Hofgeismar,
einer sehenswerten Fachwerkstadt.
"Am
Gesundbrunnen, der seit der Annexion Kurhessens durch Preußen 1866 keine
Kuranlage mehr ist, kann man die fürstliche Prachtentfaltung des
ausgehenden 18. Jahrhunderts bewundern. Wegen des Niedergangs des
Badebetriebs im 19. Jahrhundert ist hier ein einmaliges architektonisches
Ensemble erhalten geblieben."
Quelle und mehr: www.hofgeismar.de
Eine
alte Dame weist mich auf das älteste Haus der Stadt gegenüber dem Apothekenmuseum
hin, dass ich doch unbedingt noch fotografieren müsste. Ohne den Tipp hätte
ich es nicht gefunden, denn ein Hinweisschild war nicht vorhanden.
Auf
der Homepage der Stadt lesen wir:
"Hofgeismar liegt "in Hessen ganz oben'', ca. 25 km von Kassel
entfernt. Der Ort gehört zur Tourismusregion „Märchenland
Reinhardswald“ und liegt am Rande des Reinhardswaldes, direkt an der
Deutschen Märchenstraße."
Nach
21 km erreiche ich Zwerge mit einer flotten Abfahrt. Durchs
Warmetal geht es nach Niedermeiser und Obermeiser. Einen
malerischen Anblick bietet das Gehöft Hohenborn. Die Steigungen
halten sich noch in Grenzen. Erst hinter Zierenberg, etwa ab dem Gutshof
Bodenhausen, steigen Wege und Landstraßen merklich an.
Naumburger Frosch
Hinter
Wolfhagen, bei Burghasungen, schwenkt der Weg in die Natur,
was der Radler bald in seinen Waden und Oberschenkeln spürt. Der Rückblick
auf die Stadt mit Kirche und Schloss ist übrigens ganz imposant. Wer sich
die Schotterwege sparen will, kann auch auf der nicht sehr stark
befahrenen Landstraße gen Naumburg fahren. Denn auch der Weg durch
den Wald hat es in sich, obwohl er natürlich Naturfreunden eine Menge
bietet. Holzfäller hatten diesen zwar gesperrt, aber was soll der
ortsfremde Radler machen, wenn ihm keine Umleitung angeboten wird, als
einfach weiterzufahren.

Hoch gelegen wie der Ort selbst: Kirche in
Naumburg.
Von
Naumburg, einem schnuckeligen kleinen Städtchen, deren
Fachwerk-Altstadt in besuche, radle ich auf der Landstraße weiter. Die
R4-Beschilderung spart nämlich die Altstadt aus und schickt den Radler über
die Dörfer wie Elbenberg. Ja, es gibt dort ein Flüsschen namens
Elbe.
Meine
wegen der schwülwarmen Witterung häufig leere Wasserflasche fülle ich
mehrfach bei netten Leuten auf, die bereitwillig ihren „Kraneberger“
zur Verfügung stellen, so auch der Poststellenmitarbeiter in Naumburg und
ein Mann in Züschen, der mich auf den Mineralbrunnen des Ortes als
Alternative hinweist.

Das berühmte Postkartenmotiv des Fritzlarer
Marktplatzes.
Nun
ist es nicht mehr weit bis Fritzlar, wo ich eine längere Pause
einlege. Die Beschilderung führt mich parallel zum Ederradweg ostwärts
aus der Stadt heraus bis nach Wabern. Dagegen zeigt meine BVA-Karte
noch die alte Route, die südwärts verläuft. Ich bin irritiert, frage
einen Radler, der mir von der Routenverlegung berichtet. Die neue Route
verläuft über Borken, die Beschilderung ergibt, dass mein
Tagepensum etwa 10 bis 15 km länger würde als geplant. So lasse ich
streckenweise den R4 außen vor und schlage mich auf Straßen nach Ziegenhain
durch. Denn Gewitter droht und gelegentlich tröpfelt es vom Himmel.
Gegen
18.15 Uhr habe ich nach fast 130 km mein Quartier in Schwalmstadt-Ziegenhain
bei Treysa (Bahnstation an der Strecke Hannover-Kassel) erreicht –
gerade rechtzeitig vor einigen kräftigen Regengüssen. Für den Schwalm-Eder-Kreis
werden im Radio heftige Regenfälle und Gewitter angesagt. Draußen höre
ich eine Zeit lang die Sirenen der Feuerwehrwagen. Dann ist wieder Ruhe
und das Wetter beruhigt sich.
Teil 2: Von Ziegenhain nach
Höchst im Odenwald
Die Etappen mit GPS-Routen
(optimiert für Satelliten-Darstellung)
Springe-Trendelburg 129 km
Route
Trendelburg-Ziegenhain 128 km Route
Ziegenhain-Ullrichstein-Nidda 90 km Route
Nidda-Höchst i. Odenwald gesamt: 118 km Route
Höchst i. Odw.-Hirschhorn/Neckar (69 km)
und weiter nach Bad Wimpfen 131 km Route
Bad Wimpfen-Stuttgart 98 km Route
Mehr
zur GPS-Routenaufzeichnung hier
Offizieller
GPS-Track unter
http://www.radroutenplaner.hessen.de (Themenrouten)
Radwanderführer

Verwendete
BVA-Karten hier zu bestellen
Der
R4 bei Wikipedia
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