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Autor: Dieter Hurcks Copyright 7/2010

Hessischer Radfernweg R 4 für Sportliche (3): Von Höchst i. Odw. nach Hirschhorn. 
Der Hessische Radfernweg R 4 wird teilweise verharmlosend als familienfreundlich bezeichnet. Ich bin ihn im Rahmen meiner Tour "Quer durch Deutschland 2" von Bad Karlshafen an der Weser bis Hirschhorn am Neckar mit einem Pedelec gefahren. Mein Urteil: nur etwas für wirklich sportliche Radler ohne Gepäck oder halt für ambitionierte E-Biker. 
Teil 1
- Teil 2 - Teil 4 (Neckarradweg nach Stuttgart)

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3-Länder-Radweg

Von der Weser zum Neckar auf dem R 4 und weiter nach Stuttgart (3)

Im Odenwald geht´s rauf und runter
 
Die Zimmerwirtin in Höchst im Odenwald erzählt mir, dass der R 4 nach Hirschhorn leicht zu fahren und meist eben sei. „Vor allem im Mümlingtal“. Und dass „es ab Erbach nochmal über einen großen Berg geht“. Dann sei alles eben. Im Vertrauen darauf lasse ich meinen E-Motor öfter schnurren als üblich, was ein großer Fehler ist. Denn die Etappe bietet gerade zum Ende hin noch markante Steigungen. Folge: Zum Schluss fehlt mir erstmals bei einer Tagestour die Akkukapazität.  

Von meinem hoch gelegenen Quartier rolle ich hinunter in die Stadt und folge dort der Beschilderung nach Bad König, einer der ältesten Siedlungen im Mümlingtal. Es war bereits germanischer Siedlungsplatz. In der Römerzeit soll die Bezeichnung für den Ort "Quintiacum" gewesen sein.  

Mein Weg führt mich nun parallel zu Straße und Eisenbahn durchs Tal. Die erste Teilstrecke über Michelstadt und Erbach ist wirklich leicht zu fahren und das Mümlingtal streckenweise ganz idyllisch.

Dazu lesen wir bei Wikipedia: „Die Mümling ist ein 49,7 Kilometer langer Fluss, der dem Mümlingtal im Odenwald seinen Namen gibt. Auf bayerischer Seite wird er teilweise auch Mömling genannt (insbesondere auf Landkarten und anderen offiziellen Dokumenten).

Die Mümlingquelle liegt in der Ortslage von Beerfelden im hessischen Odenwald.“  Quelle und mehr

Schon nach einer Stunde habe ich Michelstadt erreicht, dessen kleines Rathaus sehr bekannt ist. Am Radweg fehlt jedoch jeglicher Hinweis auf die Altstadt. Überhaupt bekommt der Radler kaum Informationen zu Sehenswürdigkeiten, auch erfährt er häufig gar nicht, wie der Ort heißt, durch den er gerade radelt. An Erbach wäre ich beinahe vorbei geradelt.

Malerisches Michelstadt

Michelstadt ist die größte Stadt des Odenwaldkreises und grenzt unmittelbar an die Kreisstadt Erbach. Bei Wikipedia erfahren wir:

Michelstadt wurde im Jahre 741 n. Chr. erstmals urkundlich erwähnt ... und zählt zu den ältesten Siedlungen des inneren Odenwaldes. Seine Burg ist aus einem fränkischen Gutshof hervorgegangen. Diese wurde zu einem Zufluchtsort für die Bewohner der Umgebung ausgebaut; als fränkisches Königsgut schenkte es im Jahre 741 Fürst Karlmann (der Onkel Karls des Großen) dem Bonifatiusschüler Burkard, dem ersten Bischof von Würzburg. ...

Im Jahre 815 wurde die Mark „Michlinstat“ erneut verschenkt. Als Anerkennung für seine großen Verdienste als Vertrauter am Hofe Karls des Großen erhielt Einhard den Hauptort und alles Land im Umkreis von 2 Leugen (etwa 15 km) von Karls Sohn, Ludwig dem Frommen, als freies Eigentum. Er ist der Erbauer der Einhardsbasilika....

Besonders bekannt ist, wie schon angemerkt, das Rathaus: „Das Michelstädter Fachwerkrathaus, das auf einer Briefmarke der Deutschen Post verewigt und in der ganzen Welt bekannt ist, wurde im Jahre 1484 im Stil der Spätgotik errichtet, danach mehrfach im Inneren verändert und war von 1743 bis 1903 verschindelt. Das Erdgeschoss des Rathauses diente von Beginn an als Markthalle. Das Rathaus wurde in Rähmbauweise errichtet, der rückwärtige Teil (Ostwand) war ursprünglich ein Teil der Friedhofsmauer, auf den das obere Rähm des Erdgeschosses aufliegend errichtet wurde. Bis jetzt ist nicht bekannt, wer der Baumeister ist, vermutet wurde, dass die Anregung für den Bau von Schenk Adolar von Erbach und Bischof Johann von Dalberg (dessen Berater) ausgegangen sein könnte.“
Quelle und mehr

Nach dem ausgiebigen Stadtbummel im mit 16.600 Einwohnern doch recht kleinen, aber feinen Michelstadt ist es nur ein Katzensprung nach Erbach, der Kreisstadt des hessischen Odenwaldkreises. Erbach hat 13.400 Einwohner und liegt in 200 bis 560 Meter Höhe, was ich bald darauf zu spüren bekommen sollte.

Zuvor aber ist eine Stadtbesichtigung Pflicht, denn Erbach, bekannt vor allem durch seine filigranen Schnitz- und Drechselarbeiten, hat eine wunderschöne Altstadt. Herausragend ist natürlich das Schloss der Grafen zu Erbach-Erbach (Foto oben).



Das Templerhaus in Erbach im Odenwald.

Bei Wikipedia erfahren wir: „Nördlich des Schlosses befindet sich der mittelalterliche Kern Erbachs. Seit dem 14. Jahrhundert sind hier die Höfe der Burgmannen nachweisbar, von denen sich Teile bis heute im Bereich der Straße Städtel erhalten haben. Baugeschichtlich am bedeutendsten ist das sogenannte Templerhaus, Sitz der Familie Echter (Städtel 15a/ 21). Die sogenannte Habermannsburg (Städtel 26), Sitz der Familie von Habern, schließt nordwestlich an die Nebengebäude des Schlosses an. Das Burgmannenhaus Pavey bildet den nordwestlichen Abschluss der Burgsiedlung und lehnte sich an die Stadtbefestigung an.“ Quelle und mehr

An der Mümling in Erbach.

Einen Besuch wert ist auch das Deutsche Elfenbeinmuseum Erbach. Es besteht bereits seit 1966 und ist in Europa einzigartig. Denn es stellt fast ausschließlich Elfenbeinkunst aus. Zudem kann man ortsansässige Schnitzer bei ihrer künstlerischen Arbeit beobachten.

Erbach

Hinauf in die Wälder

Gleich nach Erbach geht es über mehrere Kilometer bergan nach Elsbach. Dann durch schattige Wälder und bezaubernde Berglandschaften. Doch immer wieder fordern heftige Steigungen Mensch und Maschine. Bis auf einige kürzere Schotterabschnitte sind die Waldwege ganz gut zu befahren. Nach 35 km Gesamtstrecke ist der Wald endlich zu Ende (Stechfliegen!) und mir steht eine berauschende Abfahrt bevor, die ich jedoch wegen der herrlichen Landschaft und fulminanten Ausblicke schon bald für eine längere Genießerpause unter einem Schatten spendenden Baum unterbreche. Bienen summen und Vögel zwitschern, in den Wipfeln säuselt leise der Wind. Die Welt mit ihren vielen Problemen scheint weit weg zu sein.



Viel Holz vor der Tür haben die Odenwälder - hier in Elsbach
oberhalb von Erbach.

Aber dann muss ich doch weiter. Nach einer flotten Abfahrt im Tal angekommen, kehre ich bei Schönnen in einem Biergarten ein. Alkoholfreies Hefeweizen ist isotonisch und gibt Kraft für die vielen Anstiege, die noch folgen sollten. Es geht durch Hetzbach und, nach einigen Orientierungsproblemen wegen unvollständiger Beschilderung, durch Beerfelden. Ab Ortsausgang beginnt die letzte, mehr als 16 km lange Walddurchfahrt.



Dieses Schild hat auch schon bessere Tage gesehen.

Wundern Sie sich nicht, wenn Sie hier Hinweisschilder sehen, die auf Orte mit dem Zusatz „Gesäß“ zeigen. Die Homepage der Stadt Beerfelden erklärt das exemplarisch so:

„Südwestlich von Beerfelden, im schönen Finkenbachtal, liegt das offene Reihendorf Falken-Gesäß mit seinen weit auseinandergezogenen Höfen und eingestreuten Einzelhäusern. Urkundlich wurde das Dorf 1321 unter dem Namen "Valkengesezze" zum ersten Mal erwähnt. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war in Falken-Gesäß die Landwirtschaft und die Nutzung der Waldbestände die Haupteinnahmequelle der Bevölkerung. Von etwa 1700 bis 1850 war auch das Gewerbe der Leinenweberei in Falken-Gesäß anzutreffen.“ Quelle und mehr



Kurz vor Rothenberg: Blick ins Tal auf den Ort. 

Auf an den Neckar

Der Weg nach Hirschhorn durch endlose Wälder mit zahlreichen Anstiegen scheint kein Ende zu nehmen. Als ich Rothenberg beim Sportplatz erreiche, glaube ich, es geschafft zu haben. Rechts im Wald steht ein kleiner Unterstand, von wo man einen tollen Blick ins Tal hat. Doch Pustekuchen. Es ist nicht das Neckartal und schon gar nicht Hirschhorn, was da von weit unten herauf grüßt.

Jetzt geht es nochmal richtig zur Sache: Ich muss links hoch über den nächsten Berg – und weitere folgen. Gegen 14.15 Uhr ist es dann endlich soweit. Ein Schild „Spielstraße“ signalisiert nach schier endlosen Walddurchfahrten: Hier beginnt wieder die Zivilisation. Ich kann es kaum fassen, dass der R 4 hier in Hirschhorn nach 69 Tageskilometern enden wird, der mich jede Menge Kraft gekostet hat, auch Willenskraft.

Die Wälder waren in der zweiten Hälfte gut zu durchfahren. Zum Schluss gab es noch ein paar Probleme mit herausragenden Felsnasen, so dass ich höllisch aufpassen musste und kaum Zeit für einen Blick in die Landschaft hatte.

Hirschhorn (Hessen): Am anderen Ende der Neckarbrücke weist ein Schild des R 4 auf das nächste Ziel hin. Aber kein Hinweis darauf, dass dieser anspruchsvolle Fernradweg genau hier beginnt.

Hirschhorn hat 3600 Einwohner und liegt an einer Doppelschleife des Neckars ungefähr 19 km östlich von Heidelberg. Der Neckar hat sich hier in die bewaldeten Höhen des Odenwaldes eingegraben. Bis auf den Stadtteil Ersheim erstreckt sich Hirschhorn auf der rechten Neckarseite, somit nördlich des Flusses. Ersheim bildet das einzige Gebiet des Bundeslands Hessen, welches südlich des Neckars liegt. Neckarsteinach ist die südlichste Stadt Hessens und hat einen ebenfalls Bahnhof (für Bahnfahrer gut zu wissen wegen des Hessen-Tickets). Quelle und mehr

Fazit der Radtour auf dem Hessischen Radfernweg R 4: Während der gesamten, nach offiziellen Angaben 415 km langen Tour sind mir keine Radler mit viel Gepäck entgegen gekommen, die den Anschein erweckten, den R 4 komplett zu fahren. Unterwegs gibt es, wie schon angemerkt, wenig Informationen über Sehenswertes rechts und links. Manchmal weiß man nicht einmal, wie der Ort heißt, den man gerade durchfährt. Schade eigentlich.

Ob ich diese Tour noch einmal machen würde, kann ich momentan nicht beantworten. Jedenfalls nicht ohne mein E-Bike. Aber wenn, dann sicher in kürzeren Etappen und in einer kleinen Gruppe oder mindestens zu zweit. Die Landschaft und die schönen Städtchen hätten es verdient.

Autor: Dieter Hurcks (9. Juli 2010)

Teil 4: Neckarradweg bis Stuttgart - Teil 2 - Teil 1

Radwanderführer



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Der R4 bei Wikipedia

GPS-Routen siehe am Ende von Teil 1

Offizieller GPS-Track unter 
http://www.radroutenplaner.hessen.de
(Themenrouten)

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Neben der Hümling radelt es sich bequem gen Michelstadt und Erbach.



Wasser und Schatten machen die große Sommerhitze einigermaßen erträglich.

Die Einhardsbasilika in Michelstadt wurde restauriert.



Schlechte Lichtverhältnisse für den Fotografen: das bekannte Michelstädter Fachwerkrathaus.

Autos und große Sonnenschirme machen gelungene Aufnahmen heutzutage fast in allen historischen Städten von vornherein zunichte - zumindest im Sommer.



Der Diebsturm an der Stadtmauer von Michelstadt.

Besseres Licht: Rathaus von der Rückseite.



Die Michelstädter Burg ist Teil eines sehenswerten Ensembles.

Schöner Weg neben der Mümling nach Erbach.



Erbach ist eine Hochburg für das Kunsthandwerk.



Ab Erbach geht es aufwärts nach Elsbach.



Toller Ausblick über den Odenwald vor der rasanten Abfahrt nach Schönnen.



Schöne Wälder, immense Blütenpracht.



Für Naturliebhaber ist der R 4 besonders attraktiv.



Auch solche Waldwege müssen bezwungen werden.



Jüdischer Friedhof am Ortseingang von Hirschhorn. 



Marktplatz in Hirschhorn mit kath. Pfarrkirche.



Blick auf Hirschhorn über den Neckar.



Symbolhaltig: Als ob er´s ahnt, dass bald sein Ende naht - R4-Schild kurz vor Hirschhorn. 


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