Vom Möhnesee nach Wiehl
im Oberbergischen Land
Ruhrradweg und
SauerlandRadring
Der
Montag beginnt mit einer Pleite. Denn die Staumauer ist gesperrt und eine
Umleitung, die unterhalb der Staumauer möglich gewesen wäre, nicht
ausgeschildert. So muss ich die vier Kilometer wieder zurück und bei Delecke
die Brücke der Bundesstraße 229 nehmen. Auf dieser Straße bleibe ich
bis hinauf nach Breitenbruch. Kurz nach dieser Ortschaft biege ich
rechts ab und rolle hinunter nach Niedereimer ins Tal der Ruhr.
4.
Nach Lennestadt-Altenhundem
Die
nagelneue Beschilderung des Ruhrradweges
ist im Juni 2010 noch durchgestrichen, also nicht offiziell freigegeben.
Dennoch ist es kein Problem, den Weg gen Meschede zu finden. Er führt
rund um das auf einem Berg liegende Arnsberg herum. Den Autotunnel
dürfen Radfahrer nicht benutzen. So sehe ich beide Tunneleingänge mit
etwa einer halben Stunde Zeitunterschied vom Ruhrtalradweg aus, der
nun wieder ostwärts schwenkt. Erst bei Oeventrup finde ich endlich
eine ruhig gelegene Bank zum Rasten.
Ein
2009 neu angelegter, 84 km langer Radweg zwischen Eslohe und Altenhundem
erschließt einen Teil des Sauerlands: der Sauerlandring. Zum Teil
führt der Weg über stillgelegte Bahntrassen, zum Teil aber auch entlang
viel befahrener Straße.
Um
dorthin zu gelangen, verlasse ich den Ruhrtalradweg und folge von Wennemen
der Beschilderung nach Eslohe, pausiere beim Bäcker in Olpe
(„Klein Olpe“ nennt die Bäckersfrau den Ort, schließlich gibt es
auch noch die Kreisstadt gleichen Namens). Von Wennemen soll laut meiner
Fahrradkarte 2011 eine Verbindung zum Sauerlandring hergestellt sein.
Ein
großes Teilstück der Piste ist schon fertig, der Asphalt scheint gerade
erst erkaltet zu sein. So rolle ich zügig auf der früheren Bahntrasse
bis kurz vor Wenholthausen, wo der Ausbau endet. Nun werden die
Radlerwaden nochmals kräftig gefordert. Parallel zu den zugewucherten
Bahngleisen, die demnächst als Radweg wieder zum Leben erweckt werden
sollen, geht es nämlich mit starken Steigungen weiter. In Sallinghausen
treffe ich auf das erste Schild: „Sauerlandring“. Geschafft! 60
km sind absolviert, insgesamt 114 km sollten es an diesem Radeltag werden.
Über
den Sauerlandring
Den
Flyer dieses Rundkurses hatte ich beim Fahrradpavillon in Hannover, einer
regionalen Fahrradmesse, eingesteckt. Nun kam er also zum Einsatz.
Besonders reizvoll bei dieser Tour: der Fledermaustunnel. Vorbei am
Heimatmuseum und am ehemaligen Bahnhof von Eslohe führt der
Sauerlandring nach Sieperting. Die ehemaligen Haltepunkte der
Bahnlinie sind mit Schildern markiert. Tisch und Bänke laden zum
Verweilen ein, so auch beim Haltepunkt „In der Marpe“. Kurz vor
Kückelheim zeigt dann ein Radwegweiser (Pfeil) geradeaus, aber der
richtige Weg zum Fledermaustunnel ist nur zu erreichen, wenn man
rechts abbiegt und dem mit drei rotweißen Pollern markierten Radweg in
einer Linkskurve steil hinauf folgt.
Nach
etwa 1200 Metern taucht dann der Eingang zum fast 800 m langen Tunnel auf.
Es ist natürlich kühl dort drinnen, Wasser tropft von der Decke. Die
schummerige Beleuchtung trägt ihren Teil dazu bei, dass man ein etwas
mulmiges Gefühl bekommt und schließlich froh ist, wenn wieder Tageslicht
am anderen Ende auftaucht.
Serkenrode
und Fretter heißen die weiteren Ortschaften. Nun endet der
Bahntrassenweg. Ab Frettermühle kann man über den Berg die
Schleife Lenhausen an der Lenne abkürzen und so das verkehrsreiche
Finnentrop umgehen, wo man auf bzw. neben der lauten, stark
befahrenen Bundesstraße 236 radeln muss. Überhaupt ist der schönste
Teil des westlichen Sauerlandrings damit Geschichte, denn vor Lenhausen
endet die Bahntrasse.

Ab
Borghausen geht es ein Stück durch lauschigen Laubwald, aber in Grevenbrück
wird der Radler nochmals mit starkem Verkehr konfrontiert. Über Trockenbrück
und, vorbei an einem markanten Schachtofen, über Theten (netter
kleiner Biergarten!) führt die Tour nach Meggen, wobei noch zwei
heftige Steigungen zu überwinden sind.
Dann
ist Altenhundem erreicht, von wo es nicht mehr allzu weit bis zu
meinem Tagesziel Benolpe ist. Die Fahrt dorthin über die
Bundesstraße 517 ist allerdings angesichts des Autoverkehrs kein
wirklicher Genuss. Für einen Radweg bleibt in solch engen Tälern halt
kein Platz.
Das
gilt auch für das östliche Teilstück über Schmallenberg und Bad
Fredeburg, wo die schönsten Passagen des Sauerlandrings ebenfalls auf
alten Bahntrassen verlaufen.
mehr
zum Sauerlandradring
auf der informativen Homepage
5.
Westwärts nach Wiehl
In
Benolpe, einem 500-Seelen-Dorf
unterhalb der Hohen Bracht, biegt
die Route auf eine parallel zur Bahn verlaufende Nebenstrecke ab. Nun geht
es mit leichtem Auf und Ab bis Welschen Ennest, von dort – zunächst
ebenfalls straßenfern – an Rahrbach vorbei durch Feld und Wald.
Neben dem Weg plätschert ein Bächlein, die Vögel zwitschern und es
duftet nach Heu.
In
Kruberg mündet der Radweg auf die Straße nach Olpe. Auf
der glatten Asphaltpiste geht es nun ständig bergan. Der Flyer muss sein
Potential wieder mal voll entfalten. Ab dem Gipfel kann ich es richtig
rollen lassen: 4 km flotte Fahrt bis Neuenkleusheim. Das bringt echten
Radelspaß, genau wie der anschließende Weg durch den Wald. Ich passiere Stachelau
am Fuß des gleichnamigen Berges und erblicke bald darauf die ersten Häuser
von Olpe. Die Radwegweisung führt mich ins Zentrum, wo die Olpe in
die Bigge mündet. 20 km sind absolviert.
Neukleusheim
Ab
Olpe folge ich der Biggestraße nach Rüblinghausen. Die mächtige
Autobahnbrücke der A 45 dominiert das Tal. Parallel zu A 45 radle ich südwärts
nach Saßmicke und anschließend neben der Bigge nach Gerlinger
Mühle. Die Radwegweisung ist stellenweise unklar bzw. lückenhaft,
was sich nachträglich nicht immer nachvollziehen lässt. Manchmal ist es
nur der Zweig eines Baumes, der den Radfahrer falsch fahren lässt,
manchmal ein ungünstig platziertes Schild, etwa erst nach der gemeinten
Einmündung.
Wendener Hütte
Vor
der großen Autobahnbrücke weist ein kleines Zusatzschild nach Wendener
Hütte, wo ein Industriemuseum die Geschichte des Bergbaus
dokumentiert. Am Weiher nebenan lässt sich trefflich rasten. Nächster
Ort: Rothemühle. Am Kreisel nach rechts und dann links ab und
hinauf nach Heid führt mich der Weg in die Einsamkeit der sauerländischen
Bergwelt. Nicht links ab nach Trömberg, sondern geradeaus radle ich
(unbeschildert) Wildbergerhütte entgegen. Ich kreuze eine Straße bei
Kamp und biege rechts ab auf den Rundwanderweg (grünes Schild), der
jedoch bald nach links abzweigt, während ich auf dem holpriger werdenden
Asphaltweg geradeaus weiter rolle. Vor dem Ortsschild von Nosbach geht es
links hinunter und in flotter Fahrt bis Wildbergerhütte.
Olpe
Auf
meiner veralteten Radwanderkarte ist noch ein Weg entlang des Südufers
der Wiehltalsperre eingezeichnet, den ich für meine Tour ausgewählt
hatte. Doch dieser Weg ist gesperrt, wie ich nach einiger Sucherei
feststelle und von einer Passantin bestätigt bekomme. So radle ich den
Berg hinauf nach Erdingen und biege einen Kilometer weiter rechts
ab. Über Ober- und Niederasbach rolle ich in rasanter Fahrt auf
einer Superpiste bis Denklingen hinunter und weiter nach Brüchermühle
– fast 5 km ohne treten zu müssen. Der Lohn des langen Anstiegs!
Tipp:
Ab Wildbergerhütte gibt es einen ruhigeren Radweg, der über Eichholz
nach Erdingen führt.
Von
Brüchermühle aus ist es nun nicht mehr weit bis nach Wiehl,
meinem Tagesziel, das ich nach 65 km erreiche. So bleibt an diesem Tag
viel Zeit zu kleinen Ausflügen und einem Waldspaziergang, wozu diese schöne
Gegend geradezu prädestiniert ist.
Fazit:
Radeln im Sauerland und im Oberbergischen Land macht mit einem Pedelec
erst richtig Spaß, da die Anstiege ihren Schrecken verlieren. Abends bin
ich zwar ganz schön müde, aber nicht total geschafft, wie es mit einem
normalen Tourenrad sicherlich der Fall gewesen wäre.
Etappen-Vorschlag
1. Hannover-Hameln 60 km
2. Hameln-Paderborn 77 km
3. Paderborn-Möhnesee 92 km
4. Möhnesee-Altenhundem 104 km
5. Altenhundem-Wiehl 70 km
6. Wiehl-Siegburg-Bonn-Köln 102 km
7. Köln-Hattingen 90 km
Gesamtstrecke:
595 km
Rückfahrt
per Bahn:
Hattingen-Essen-Minden-Hannover
Teil
3: Von Wiehl über Köln nach Hattingen
Teil 1: Von Hannover zum Möhnesee
Radwanderführer
DVD zur Tour
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Pleite am frühen Morgen: Die Staumauer ist gesperrt, eine Umleitung nicht
ausgeschildert.

Blick auf Arnsberg über die Ruhr.

Verdiente Pause in Oeventrup.

Idyllischer Fluss: die Ruhr.

Auf diesem noch nicht fertigen Teil
des SauerlandRadrings hinter Wenholthausen sind einige starke Steigungen
zu bezwingen.

Der SauerlandRadring ist bestens
ausgeschildert.

Erinnerungsstücke an die Zeit, als
hier noch Bahnverkehr herrschte.

Schloss
Lenhausen - Stammsitz der Familie von Plettenberg-Lenhausen, erbaut
1400

Blick auf Finnentrop über die Lenne.

Schachtofen in Theten.

Meggen: Blick über die Lenne.
Die Kirche von Altenhundem.
Hervorragende Radwege durchziehen das
Bundesland Nordrhein-Westfalen - hier bei Welschen Ennest.
Brückenheiliger an der Bigge bei
Rüblinghausen.

Autobahnbrücke
bei Saßmicke. 
Ortseingang
von Wiehl im Oberbergischen. 
Alte
Maschine auf Autokreisel in Wiehl.
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