Von Hannover nach Köln
und Hattingen an der Ruhr
Über
Teutoburger Wald, Haarstrang und
Sauerland an den Rhein und die Ruhr
Deutschland
ist ein Mittelgebirgsland. Mit meinem normalen Fahrrad habe ich Berge
bislang möglichst gemieden und mich, so weit möglich, auf die Flusstäler
beschränkt, was natürlich insgesamt längere Touren und mehr
Radelkilometer mit sich bringt. Das durch einen Elektromotor unterstützte
Radeln mit einem Pedelec, wie die durch einen Elektromotor das Treten
unterstützenden Maschinen offiziell heißen, jedoch rückt nun auch die
Mittelgebirgslandschaften in den Focus. Ich bezeichne mein Rad, einen
„Flyer“ aus der Schweiz, im Folgenden meistens als E-Bike.
Nach
dem Testlauf im Harz über Himmelfahrt hatte ich mir vorgenommen, einmal
von Hannover aus nach Köln zu radeln, und zwar auf möglichst geradem Weg
– ohne die Umwege entlang der Flüsse wie Ruhr und Rhein. Es galt also,
zunächst den Teutoburger Wald und dann den Haarstrang, das Sauerland und
das Oberbergische Land zu bezwingen. Dass am Ende noch eine Etappe nach
Hattingen an der Ruhr folgte, war zunächst nicht geplant.
1.
Von Hannover nach Hameln
Nach
Hameln gelangt man ab Hannover auf dem Regionsradweg
Nr. 01, der am Maschsee beginnt und nach gut 60 km endet. Die Radtour in
die Rattenfängerstadt Hameln führt zunächst über Hemmingen und
Bennigsen nach Springe. Dorthin gelangt man alternativ auch zum
preiswerten Großraumtarif mit der S-Bahn (am Wochenende und außerhalb
der Stoßzeiten ist die Fahrradmitnahme kostenlos).
Abgesehen
von einigen Lücken ist der Regionsradweg der Region Hannover gut
ausgeschildert. Ab Springe führt er über Bad Münder, wo ein
Abstecher ins Zentrum nicht nur wegen der dortigen Eisdiele lohnt. Ein
Besuch von Hamelns Altstadt ist natürlich Pflicht. Von dort ist es nicht
mehr weit bis zum Weserufer. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es in Hameln
reichlich, zum Beispiel in der am Weserufer liegenden Jugendherberge.
2.
Von Hameln nach Paderborn
Dem
Weserradweg folgend, ist bald der Ort Hagenohsen erreicht. Über
die Weserbrücke geht es hinüber nach Emmern. Dort folgt man, sich
rechts haltend, dem Schild nach Hämelschenburg und radelt auf dem
straßenbegleitenden Radweg weiter. Alternative: Direkt nach dem Abbiegen
gen Hämelschenburg vor einer Videothek links abbiegen. Leider befindet
sich seit Jahren dort kein Radwegweiser, der dem Ortsfremden hilft, den
landschaftlich viel reizvolleren Weg Richtung Bad Pyrmont zu
finden.
Zwar
gibt es vor Amelgatzen im Wald einige Steigungen zu bezwingen, doch alles
in allem lohnt sich diese Routenwahl wegen der Ruhe fernab des
Autoverkehrs. Beim Sportheim in Amelgatzen muss ich meine
Regenkleidung anziehen, die ich bis zum Tagesziel Delbrück bei Paderborn
anbehalte. Vor Bad Pyrmont biege ich direkt vor der Eisenbahnüberführung
links ab und radle so auf einem ruhigen Weg statt neben der lauten Straße
nach Lügde. Beim Bahnhof geht es durch die Unterführung zurück
zur Straße und weiter zum Schiedersee. Eine Gaststätte an der
Sperrmauer bietet sich für eine wohltuende Pause an.
Entlang
des Sees radle ich nun südwestwärts, bis ich auf die Beschilderung der Wellness-Radroute
treffe, die Ostwestfalens Kurorte verbindet und ebenfalls ideal für
Pedelec-Fahrer sowie sportlich ambitionierte Radler ist. Dieser Route
folge ich über Wöbbel, Billerbeck und Vahlhausen (auf der mit
einigen Steigungen versehenen Straße) nach Horn. Hinter Horn geht
es im Wald parallel zur Bundesstraße 1 mit einigen mächtigen Steigungen
über den Teutoburger Wald nach Kohlstädt. Der Weg ist bestens
ausgeschildert und fordert meinen elektronischen Helfer aufs Äußerste.
Von
Kohlstädt, das einst durch den Verkehr der alten B 1 quasi geteilt war,
radle ich über Schlangen, den Kurort Bad Lippspringe und Schloss
Neuhaus zu meinem Tagesziel Delbrück, 16 km hinter Paderborn. Es
regnet immer noch. 65 km der 113 Gesamtkilometer konnten sich meine
Regensachen bewähren. Es lohnt sich, gerade hier auf Qualität zu achten,
wenn man nicht durchweicht am Ziel ankommen will oder gar zum Aufgeben
gezwungen wird.
Mehr
über meine Praxiserfahrungen mit Kleidung und Fahrradzubehör
finden sie hier.
Übernachtungstipp für Paderborn
Wer
Paderborn noch nicht kennt, findet dort zum Beispiel in der Jugendherberge
und im zentral und vergleichsweise ruhig gelegenen Meinwerk-Institut
gute und günstige Übernachtungsmöglichkeiten.
3.
Zum Möhnesee
Ein
schöner Morgen, die Sonne scheint schüchtern durch die Wolkenlücken.
Heute will ich zum Möhnesee radeln, dem Urlaubsparadies für die
Leute aus dem Ruhrgebiet. Als gebürtiger Dortmunder ist mir der Stausee
vertraut, denn meine Eltern haben dort manches schöne Wochenende
verbracht.
Von
Paderborn aus folgt man am besten der Römerroute. Sie führt über
den Delbrücker Ortsteil Anreppen, wo Reste eines Römerlagers ausgegraben
wurden. Von dort radle ich zunächst auf der ausgeschilderten Römerroute
bis Mantinghausen und folge dann der Beschilderung nach Lippstadt.
Die
Radwegweisung in Nordrhein-Westfalen lässt kaum Wünsche offen. Dennoch
sollte man immer wieder mal einen Blick auf der Karte haben, um vielleicht
den einen oder anderen Umweg zu vermeiden. Es ist schließlich ein
Unterschied, ob man ein bestimmtes Ziel in einem bestimmten Zeitrahmen
erreichen möchte oder sich zwanglos treiben lassen kann. Hilfreich ist
mir beim Vermeiden von Umwegen oft mein Kompass am Lenker, der mich
rechtzeitig warnt, wenn die Richtung nicht mehr stimmt.
Lippstadts
Zentrum lohnt einen Kurzbesuch. Sehr schön sind die Anlagen entlang der
Lippe, die ich nun jedoch mit Ziel Bad Westernkotten und Erwitte
verlasse. Der markante Kirchturm Erwittes ist eine nicht zu übersehende
Zielmarke. Von dort kann man nun entweder über Bad Sassendorf und Soest
zum Möhnesee fahren oder aber südwärts über Anröchte. Ich
wähle diesmal die zweite Möglichkeit, die allerdings einige erhebliche
Steigungen mit sich bringt und mein E-Bike und natürlich auch meine
Beinmuskulatur ganz schön fordert.
Über
St. Laurentius erfahren wir auf der Homepage der Stadt Erwitte: "Der
älteste Teil der romanischen Kirche, der Wehrturm, hat ein Alter von über
800 Jahren. Bemerkenswert sind die kunstgeschichtlich wertvollen Tympana
über 2 Kirchenportalen, ferner im Innern der Kirche die seltene und in
Kunstkreisen weithin bekannte "Jakobsleiter". In einer
grundlegenden Renovierung wurde die romanische Basilika wiederhergestellt.
Das wertvollste Stück der Erwitter Pfarrkirche ist ein sogenanntes
Gnadenkreuz, etwa aus dem Jahre 1200. Im November des Jahres 1971 wurde
die Kirche von einer schweren Brandkatastrophe heimgesucht, bei der die
barocke Turmhaube mit allen Glocken sowie das Kirchendach ein Opfer der
Flammen wurden." Quelle
Von
Erwitte fahre ich zunächst nach Völlinghausen, von dort
nach Anröchte und über Mellrich nach Altenmellrich.
Danach geht es richtig „zur Sache“, der E-Motor muss zeigen, was er
drauf hat. Die herrliche Abfahrt entschädigt für das dennoch
anstrengende Treten. Alleine fährt ja auch ein Pedelec nicht, sondern es
macht nur das Treten leichter. Vor allem dann, wenn man viel Gepäck dabei
hat.
Als
die Kirche von Sichtigvor auftaucht, haben die Strapazen vorerst
ein Ende. Entlang der Möhne radelt es sich komfortabel bis zum See
und zu meinem Quartier in Körbecke. Nach 79 km genieße ich den
schönen Sonnen-Sonntag an der Talsperre. Abends gewinnt Deutschland im
WM-Auftaktspiel 2010 gegen Australien mit 4:0.
Homepage
der Stadt Möhnesee
Etappen-Vorschlag
1. Hannover-Hameln 60 km
2. Hameln-Paderborn 77 km
3. Paderborn-Möhnesee 92 km
4. Möhnesee-Altenhundem 104 km
5. Altenhundem-Wiehl 70 km
6. Wiehl-Siegburg-Bonn-Köln 102 km
7. Köln-Hattingen 90 km
Gesamtstrecke:
595 km
Rückfahrt
per Bahn:
Hattingen-Essen-Minden-Hannover
Teil
2: Vom Möhnesee ins Oberbergische Land
Teil 3: Vom Oberbergischen Land an
Rhein und Ruhr
Radwanderführer
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