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Autor: Dieter Hurcks Copyright 6/2012

Vom Kneippbad in die Sälzerstadt. 
Die Radtour auf der Paderborner Land-Route können Sie in jedem Ort starten oder beenden. Sie ist in beide Richtungen ausgeschildert (weißer und gelber Pfeil); die Touristikzentrale Paderborner Land empfiehlt, die Paderborner Land Route im Uhrzeigersinn (weißer Pfeil) zu fahren, was ich auch tat.
Teil 1: Altenbeken-Bad Wünnenberg - Teil 3 - Teil 4

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Quartiere an
Fernradwegen in
Deutschland

PB-LR Teil 2: Von Bad Wünnenberg über Büren nach Salzkotten. YouTube-Video

Eine Radtour zum Genießen

Herrliche Täler, Bäche und Flüsse und kaum noch Steigungen

Strahlend blauer Himmel, angenehme Temperaturen. Und dazu geht es zunächst erstmal bergab. Von meinem Quartier in Bad Wünnenbergs Oberstadt starte ich kurz vor neun Uhr, einigermaßen erholt von der strapaziösen Tour des Vortages, und rolle über die Straße „Zur schönen Aussicht“ hinunter ins Tal des Aabachs. Tagesziel ist diesmal Salzkotten.

Der Wegweiser zur Paderborner Land-Route gibt die Richtung vor. Bald geht es auf der kleinen Straße auf und ab und ich erreiche die Talsperre an der Staumauer. Hier ist wieder mal nur der Wegweiser aus der Gegenrichtung zu finden. Die Karte sagt mir: immer geradeaus, die Aabachtalsperre linker Hand auf dem Rundweg passieren.  

So geht es gut voran, meist sogar von grünen Laubdächern beschattet. Die 1983 in Betrieb genommene Talsperre ist übrigens als Folge der Hochwasserkatastrophe des Jahres 1965, die acht Menschenleben forderte und Schäden von rd. 50 Mio. Euro verursachte, zum Schutz der Region erbaut worden. Der Stausee wird von Erhebungen um die 500 Meter Höhe eingerahmt. Und eine davon muss erklommen werden … mehr zur Talsperre bei Wikipedia  

Die letzte größere Steigung des Tages 
Nach etwa zweieinhalb Kilometer biegt der Weg scharf rechts ab und folgt der ehemaligen Kreisstraße, bei der der Mittelstreifen teilweise noch zu erkennen ist. Muss aus der Zeit vor dem Talsperrenbau (von 1975 bis Mai 1978) stammen. Auf jeden Fall geht es nun noch einmal mächtig bergauf, und zwar ein ganz schönes Stück (fast drei Kilometer) bis zu einer Autostraße. Dort, am Gedenkkreuz für einen unter einer Linde erfrorener Postbeamten aus Salzkotten, ist einem Pättken neben der Leitplanke zu folgen, ehe der Weg, der ab hier Auen-Radweg heißt, in den Wald einbiegt. Etwa 50 Meter sind ziemlich matschig, danach kommen ein paar kurze, frisch geschotterte Abschnitte. Ansonsten gibt es den ganzen Tag lang an der Wegequalität nichts und an der Beschilderung nur wenig zu meckern.

Der 44 km lange Auen-Radweg, dem ich nun ein Stück folge, verläuft als Rundradweg durch die Flusstäler von Alme und Afte, vorbei an zahlreichen Mühlen und Sehenswürdigkeiten des Bürener Landes.

 

Bleiwäsche: höchst gelegenes Dorf der Tour 
Nach neun noch einmal richtig kräftezehrenden Kilometern ist der kleine Ort Bleiwäsche erreicht, dessen Bürger in Erinnerung an ein ehemaliges Bleiwerk die Skulptur eines Bleiwäschers aufgestellt haben. Die Wiederaufnahme des Bergbaus in Bleiwäsche erfolgte 1735 durch eine „Kompagnie“, die Verhüttung in Schmelzhütte bei Beringhausen.

Bleiwäsche ist übrigens das südlichste Dorf im Kreis Paderborn in Nordrhein-Westfalen und gehört zur Stadt Bad Wünnenberg. Gleichzeitig ist es mit 447 m ü. NN das höchstgelegene Dorf im Regierungsbezirk Detmold. Da Bleiwäsche im Alme-Afte-Bergland liegt, zählt der Ort mit seinen rund 900 Einwohnern landschaftlich bereits zum Sauerland. Quelle und mehr

Gleich gegenüber der Bleiwäscher-Skulptur führt die PB-LR weiter und verlässt den Ort, vorbei an einer Mariengrotte, an einem Holzschild mit der Aufschrift „Lühlingsweg“.

 

Schöne Täler, plätschernde Bäche 
Nun folgt eines der schönsten Stücke der gesamten Paderborner Land-Route, das rund neun Kilometer durch ein bezauberndes Tal führt. Unterwegs mündet der Lühlingsbach in die Nette, die wiederum an die Alme fließt: genau an der Grenze zwischen den Kreisen Brilon und Paderborn. Leider war diese Passage zwischen Siddinghausen und dem Multhäupter Hammer 2018 geschottert.

Ein Kilometer ist nun auf der Autostraße zu fahren, ehe der Radweg links in einen Wald führt. Der „Multhäupter Hammer“ bei der Wassermühle quert hier die Trasse der stillgelegten Almetalbahn. Heute wird im Multhäupter Hammer Strom mit der Kraft der Alme erzeugt, die in Schloß Neuhaus bei Paderborn in die Lippe mündet.

Die Almetalbahn 
Neben den noch vorhandenen Gleisen geht die Fahrt nun ohne größere Steigungen weiter. In Ringelstein gibt es einen Museumsbahnhof, neben dem ein roter Triebwagen der früheren Almetalbahn auf seinen Einsatz wartet.

Die Almetalbahn war eine etwa 60 km lange, zumeist eingleisige Eisenbahnnebenstrecke von Paderborn über Büren nach Brilon. Sie ist benannt nach der Alme, durch deren Tal sie in nord-südlicher Richtung führt. Zwischen Paderborn und Büren-Weiberg ist die Strecke stillgelegt und abgebaut, aber zunächst nicht entwidmet worden. Die verbliebene Trasse zwischen Büren-Weiberg und Brilon Wald wurde lange Zeit nur noch für den Güterverkehr und von einer Museumsbahn genutzt. Auf dem Abschnitt zwischen Brilon Stadt und Brilon Wald verkehren seit 2011 wieder Regionalzüge. Mehr über die Almetalbahn auch bei Wikipedia.

 

Nach 26 km taucht die Kirche von Siddinghausen auf. Weit vorne ist ein gerade vom Flughafen Paderborn-Ahden startendes Flugzeug zu beobachten. Zwei Kilometer weiter quere ich das Dorf Weine.

Ein Schild weist auf zehn Prozent Steigung hin, aber nach 100 Metern zweigt der Radweg zum Glück nach rechts ab. Über einen sehr schönen Weg neben der Alme erreiche ich gegen Mittag nach 33 km Büren. Zeit für eine Mittagpause auf dem Marktplatz, wo gerade Markt ist. Erdbeerkuchen und Kaffee beim Bäcker genießen, zwei Bananen auf dem Mark einkaufen und den Getränkevorrat ergänzen – schon kann`s weitergehen.

Ehemalige Kreisstadt Büren 
Ein imposantes Gebäude in Büren  ist das Jesuitenkolleg, vor dem sich gerade wegen einer Hochzeit Menschentrauben gebildet haben. Muss wohl die Prominenz der Stadt sein, die sich da vermählt hat.

Auf Bürens Homepage lesen wir über die Jesuitenkirche: "Die Immaculata-Kirche in Büren ist eines der prächtigsten barocken Baudenkmäler in Westfalen!

1640 verfügte Moritz von Büren als letzter männlicher Spross der Edelherren von Büren in seinem Testament den Bau eines Kollegs mit einer Kirche durch den Jesuitenorden. Die Jesuitenkirche ist eine für die hiesige Region einzigartige Barockkirche, die im Jahre 1773 vom Jesuitenorden nahe des Jesuitenkollegs fertiggestellt wurde. Das Jesuitenkolleg wurde 1717 bis 1728 auf Veranlassung des Edelherren Moritz von Büren errichtet.

Hier wirkte u.a. der große westfälische Baumeister Johann Conrad Schlaun mit. Eines der herrlichsten und in Westfalen überaus seltenen barocken Baudenkmäler, die Immaculata-Kirche (Jesuiten-Kirche) in Büren, ist 1991 nach einer vierjährigen, aufwendigen und mit allergrößter Sorgfalt durchgeführten Renovierung wieder das strahlend schöne Bauwerk, als das es von 1754 bis 1773 geschaffen wurde." Quelle und mehr

Weiter entlang der Alme 
Im Zickzackkurs führt der Radweg nach Überquerung der Alme wieder aus der Stadt hinaus gen Brenken. Weit hinten ist schon die riesige Autobahnbrücke der A 44 zu sehen. Nach 39 km lädt ein Pausenplatz neben einer kleinen Kapelle zum Verweilen ein.

Dahinter erinnert eine Installation an die Almetalbahn, die hier bereits demontiert ist. Und das kam so:

Im Jahre 1999 übernahm die Westfälische Almetalbahn GmbH den Streckenteil Paderborn–Büren mit dem Versuch, den Güterverkehr wieder zu beleben und für Ausflugsfahrten mit einer historischen Dampfeisenbahn zu nutzen. Es blieb allerdings bei einzelnen Bedarfsgüter- und Museumsbahnfahrten. Zum 30. Juni 2006 wurde dieser Streckenteil wegen notwendiger Sanierungsarbeiten stillgelegt und kurz darauf abgebaut. Die Demontage der Gleise durch die WAB geschah ohne jede Notwendigkeit, sie gilt als fragwürdig und vereitelt seither jede weitere Nutzung der Strecke. Quelle und mehr

Eisenbahntechnisch herrscht hier seitdem Diaspora. Schade um diese herrliche Strecke, über die ich als Paderborner Gymnasiast einst mit einem von einer schnaufenden Dampflok gezogenen Zug auf Klassenfahrt ging.

Auf hohem Thron: die Wewelsburg 
Über Ahden, wo vor der „Schweinebrücke“ ein Kastanie herrlich rot blüht, radele ich gemütlich weiter nach Wewelsburg. Bald ist die hoch gelegene Burg zu erkennen, die majestätisch auf einem Bergrücken thront. Unten lädt ein gemütlicher Biergarten bei einer alten Wassermühle „mit Burgblick“ zur Pause ein. Ich nehme an und lasse eine halbe Stunde lang diese beeindruckende Burganlage auf mich wirken. Hier verliefen einst weitere Radrouten wie die Kaiserroute und der Wellness-Radweg, die aber inzwischen eingestellt wurden. Auf radtouren.net finden Sie aber noch die GPS-Tracks.

Die Wewelsburg ist Deutschlands einzige Dreiecksburg in heute noch geschlossener Bauweise. Zwischen 1603 und 1609 wurde sie im Stil der Weserrenaissance als Nebenresidenz der Paderborner Fürstbischöfe hoch über dem Almetal auf einem Bergsporn erbaut. Die Wewelsburg liegt im gleichnamigen Ort (zugehörig zur Stadt Büren) im Kreis Paderborn.

Das Historische Museum des Hochstifts Paderborn befindet sich im Süd- und Ostflügel der Wewelsburg. Hier wird die Geschichte des Paderborner Landes von den Anfängen der Besiedlung bis zur Säkularisation (1802) vorgestellt.

Die Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg 1933-1945 befindet sich im ehemaligen SS-Wachgebäude am Burgvorplatz. Quelle und mehr

 

Bergab nach Salzkotten 
Nun geht es nochmal bergan, bis am Ortsausgang von Wewelsburg (wo man übrigens rechts ab zur Burg fahren sollte) schon der Kirchturm von Niederntudorf zu sehen ist. Ich spare mir angesichts der schnell gestiegenen Temperaturen die Schleife über Alfen und Borchen und fahre direkt, vorbei an der Kirche, von Niedern- Richtung Oberntudorf. Nach links in die Straße Lohnkämpen einbiegend, visiere ich nun das nächste Ziel an: Salzkotten. Noch einmal rollt es herrlich gen Westen. Als der „Melkeweg“ sich Richtung Upsprunge nach Norden wendet, schweift der Blick weit über die flache Paderborner Tiefebene. Das Hederquellgebiet in Upsprunge und die Saline in Salzkotten sind die letzten Sehenswürdigkeiten an diesem Tag, der wesentlich angenehmer war als der Tag zuvor.

Auf der Homepage der Stadt Salzkotten erfahren wir: „Das Salz - mit der Namensgebung und der mittelalterlichen Blütezeit der Stadt eng verbunden - hat für die Bürger der 25.000 Einwohner zählenden Stadt von heute im Wesentlichen nur noch Erinnerungswert.“ …

Sehenswert sind u. a. die Ölmühle und das Gradierwerk. „Die alte Salzkottener Oelmühle aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts befand sich am jetzigen Oelweg im Osten der Stadt. Sie wurde 1767 als Oel-, Grütze- und Sägemühle, 1838 nur noch als Mahlmühle bezeichnet. 1863 erfolgte die Aufgabe der Mühle und ihre Vermietung zu Wohnzwecken. … Als Rarität unter den ohnehin schon sehr seltenen Oelmühlen dürfte der Pressvorgang mit zwei Festkeilen und einem mittleren Lösekeil sein. Neben der Oelmühle sind auf der „Handwerksinsel" im Kleine-Park eine Holzschuhmacherwerkstatt, ein Backhaus sowie eine Stellmacherei mit Schmiede zu besichtigen.“ …

Das neue Gradierwerk wurde 1997 zum 750-jährigen Stadtjubiläum südlich des alten Gradierweges aufgebaut. Auf einer Länge von 50 Metern sind die Dornenwände 8 Meter hoch, der eingebaute, allerdings nicht öffentlich zugängliche, Treppenturm hat eine Höhe von 14 Metern. Die Anlage wird mit dem Solewasser der nahen Quelle »Neuer Sprudel« gespeist. …
Das frühere Gradierwerk, geplant und gebaut von Pfarrer Philipp Korte, hatte ein Länge von fast 600 Metern und wurde mit Aufkommen des Steinsalzes 1908 still gelegt. Der gesamte Komplex wurde 1920/21 abgerissen. ...

Die Salzgewinnung war während des ganzen Mittelalters ein wesentlicher Bestandteil des wirtschaftlichen Lebens der Stadt und mit besonderen Rechten verbunden. Erstmalig erwähnt werden die Salzwerke 1160, als das Kloster Hardehausen drei Häuser zum Salzsieden in „Saltcoten“ zugesprochen bekommt.“  Quelle und mehr

Fazit des Tages: Gegenüber der ersten Etappe von Altenbeken nach Bad Wünnenberg gab es  wesentlich mehr Einkehr- und Einkaufsmöglichkeiten und - außer am Anfang - kaum noch Steigungen. Dazu überwiegend sehr gute Wege, landschaftlich erlebnisreiche Passagen in heimeligen Bach- und Flusstälern und nur ganz wenige Schilderlücken. Zumindest habe ich mich auf dieser Etappe nicht ein einziges Mal verfahren.

Teil 1: Von Altenbeken nach Bad-Wünnenberg-Salzkotten
Teil 3: Salzkotten-Hövelhof

Etappen

Start - Ziel

km

Hövelhof - Paderborn

18,530 km

Paderborn - Bad Lippspringe

17,672 km

Bad Lippspringe - Altenbeken

12,727 km

Altenbeken - Lichtenau

24,660 km

Lichtenau - Bad Wünnenberg

40,395 km

Bad Wünnenberg - Büren

31,394 km

Büren - Borchen

23,562 km

Borchen - Salzkotten

16,897 km

Salzkotten - Delbrück

29,491 km

Delbrück - Hövelhof

35,900 km

Paderborner Land Route

251,232 km

Quelle: www.paderbornerlandroute.de 

Zum Teil verläuft die Paderborner Land-Route auf der gleichen Trasse wie die 2011 eingestellte Wellness-Radroute. Den Bericht über diese Tour, zu der auch eine DVD erschienen ist, finden Sie unter dem Link. Mit GPS-Hilfe lässt sich die abwechslungsreiche Route auch heute noch gut befahren.

500 km durch Westfalen - Übersicht 

Radwanderführer

Ich habe die Karte "Paderborner Land" benutzt, 2014 dann den Leporello von Publicpress (siehe Folge 4).

 

 

 

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Blick über die Aabachtalsperre Richtung Staumauer.

Der Bleiwäscher im höchst gelegenen Dorf der Tour: in Bleiwäsche. 

Durch ein schönes Tal führt - nach einer flotten Abfahrt - ab Bleiwäsche der Lühlingsweg.

Auf dem Foto von 2011 ist der Weg noch nicht geschottert: Herrlich ruhige Waldpassagen sorgen für Entspannung. Hier lässt sich richtig durchatmen.

Am Multhäupter Hammer queren wir die Schienen der Almetalbahn.

Museumsbahnhof in Ringelstein.

Die Alme bei Büren.

Die Jesuitenkirche in der früheren Kreisstadt Büren. 

Erinnerung an die Zeit der Almetalbahn, die bis 2006 fuhr und danach teilweise demontiert wurde. 

Autobahnbrücke der Strecke Dortmund-Kassel. 

Die Kirche von Ahden.

Blick Richtung Niederntudorf - das nächste Ziel.

Das neue Gradierwerk in Salzkotten mit Wasserrad.

Neben der Oelmühle steht das im späten 15. Jahrhundert errichtete Westerntor als Teil der Stadtbefestigung. Die Grundmauern wurden 1991 entdeckt, worauf die Rekonstruktion des einst zu einer Doppeltoranlage gehörenden Turms erfolgte.

Die Oelmühle in Salzkotten ist Teil eines historischen Ensembles an der Heder.

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