Leserzuschrift zum Ostseeküstenradweg 


"Zu oberflächlich"

Sehr geehrter Herr Hurcks,
innerhalb der Aktivregion Wagrien-Fehmarn befasst sich die Projektgruppe Radwege mit dem Zustand bzw. der Verbesserung der Radverkehrsinfrastruktur im nördlichen Teil von Ostholstein. Dazu zählt auch der Ostseeküstenradweg zwischen der Hohwachter Bucht und Neustadt. Durch Zufall stieß ich auf Ihre Beschreibung des Ostseeküsten-Radwegs unter Ziffer 3, der Strecke von der Insel Fehmarn bis Lübeck. Sicher kann man eine solche Route in einer Kurzfassung und sehr oberflächlich beschreiben, man kann aber auch eine Route der Realität entsprechend versuchen zu beschreiben, ohne an jeder Ecke nur „Haare in der Suppe" zu finden. Ihre Beschreibung fand ich äußerst oberflächlich, da sie Radtouristen wichtige Hinweise für ihre Tourenplanung vorenthält.

Dazu ein paar Beispiele: „Nachdem wir die riesige Brücke (gemeint ist die Fehmarnsundbrücke) hinter uns gelassen haben, . . . . - kein Wort darüber, dass sich auf der Brücke ein sog. Notgehweg befindet mit dem Zusatzzeichen „Radfahrer absteigen". Sicher haben Sie dem Zeichen folgend danach ca. 1,5 Kilometer weit Ihr Rad geschoben, oder etwa nicht?

„ . . . . zackt der Ostseeradweg auf holprigen, oft lehmverdreckten Wegen landeinwärts." Das ist die einzige kritische Anmerkung zum Ostseeküstenradweg, die leider nicht nur für den Bereich im Raum Großenbrode zutrifft, sondern an vielen anderen Teilstrecken ebenso, ohne bei Ihnen Erwähnung zu finden. So wird z. B. nicht erwähnt, dass, wenn Sie vom Süssauer Strand kommend an der Küste Richtung Dahme geradelt sind, Sie direkt in die Baustelle der Deicherhöhung fuhren und dafür bereits in Süssau vor der Abwzeigung zum Strand keinerlei Hinweis für eine Umleitung vorhanden ist. Sie dagegen formulieren es wie folgt: „Nun geht es ab nach Süden, immer die See im Blick, auf recht holprigem Pfad". In der Realität haben Sie unter diesen Bedingungen dort keinen Blick für die See sondern müssen schauen, dass sie nicht vom Rad fallen.

Warum Kellenhusen „quirlig" und Grömitz dagegen „wesentlich ruhiger" ist, ist Ihre Wahrnehmung, auch wenn Sie etwas weltfremd klingt.

Nach Grömitz würde mich interessieren, ob Sie entlang des Königsredders zur B 501 oder an der Steilküste entlang durch den Kagelbusch geradelt sind. Beide Streckenabschnitte scheinen aus Ihrer Sicht keiner Kritik würdig. In Neustadt scheint Ihnen die Reederei Deilmann, das Traumschiff und die Concorde-Katastrophe wichtiger zu sein, als die Tatsache, dass man auf dem Ostseeküstenradweg zwangsläufig am „Cap-Arcona-Denkmal" vorbei kommt.

Als letztes Beispiel wäre noch zu nennen die „Tunneldurchfahrt" vor Lübeck, bei der es sich real um einen kostenlosen Bus-Shuttle-Service handelt.

Ihnen waren die „paar holprigen Wegestrecken" schnell vergessen, ob es vielen anderen Radlern ebenso geht, bleibt dahingestellt.

Ihnen wünsche ich jedenfalls ein etwas kritischeren Blick bei der Beschreibung von Fernradwegen, damit Ihre Wahrnehmungen mehr den tatsächlichen Verhältnissen entsprechen, was wiederum allen nachfolgenden Radlerinnen und Radlern nützt.

Ihre Beschreibung ist jedenfalls keine besondere Hilfe für diejenigen, die wohlgemerkt „ehrenamtlich" als sog. Kümmerer bei den zuständigen Behörden für Verbesserungen einsetzen.

Rainer Aichele, 23. Juli 2011

 

Antwort

Hallo, Herr Aichele,
vielen Dank für Ihre Hinweise zu meinem Bericht.
Diesen habe ich erst nach längerem zeitlichen Abstand von der Tour verfassen können. Daher kommen wohl auch einige Ungenauigkeiten in meiner Erinnerung vor.

Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir textbezogene Verbesserungsvorschläge per Mail senden könnten, um die Beschreibugn auf einen aktuellen Stand zu bringen. Wir sind den Weg 2004 gefahren, und seitdem hat sich sicherlich eines verändert (verschlechtert, wie Sie schreiben).

Heutzutage verfasse ich meine Reiseberichte, wenn möglich, gleich abends mit meinem Netbook, wenn die Erinnerung an den Radeltag noch frisch ist. Das minimiert die Fehlerrate.

 

Das Denkmal in Neustadt/Holstein, das an die Versenkung der Cap Arcona gegen Ende des 2. Weltkriegs erinnert.
mehr dazu

Wahrnehmungen sind natürlich immer subjektiv. Wenn das nicht so wäre, bräuchte man gar keinen eigenen Bericht zu schreiben, sondern könnte den Text vom Verkehrsamt 1:1 übernehmen.

Die Tunneldurchfahrt in Lübeck ist in Teil 4 erläutert: "Seit dem Abriss der Travebrücke werden Fahrradfahrer samt Rad per Bus durch den Herrentunnel transportiert. Die Travequerung im Zuge der Bundesstraße 75 wurde 2005 durch diesen Herrentunnel ersetzt – eröffnet am 26. August 2005. Der Tunnel hat keinen Radweg und ist für Autofahrer gebührenpflichtig, während der Shuttle-Service für Radler und Fußgänger kostenlos ist."

Quelle und mehr zur Trave und Herrentunnel: http://de.wikipedia.org/wiki/Trave und http://de.wikipedia.org/wiki/Herrentunnel

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