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Autor: Dieter Hurcks Copyright 6/2010

Von Zittau nach Ueckermünde. 
Der Oder-Neiße-Radweg wurde als Modellprojekt des bundesweiten D-Netzes geschaffen und führt entlang der beiden Grenzflüsse zu Polen, der Neiße und der Oder, über rund 550 km von Zittau bis nach Ueckermünde. Ein Erfahrungsbericht von Dieter Hurcks aus dem Mai 2010, drei Tage vor dem Scheitelpunkt des Hochwassers.
Übersicht aller Etappen - Teil 6 - Teil 1

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Fernradwegen in
Deutschland

Oder-Neiße-Radweg (5)

Von Güstebieser Loose nach Mescherin

Tagesetappe: 84 km, durchweg eben

Der fünfte Tag unserer Radtour führt wieder durchs idyllische Oderbruch. Der Scheitelpunkt des Hochwassers eilt uns nach, doch wie sich später zeigte, sollten die modernisierten und von Deichgängern ständig überwachten Deiche halten. Ein ungewöhnlicher Zeitpunkt für eine Oder-Radtour, was wir natürlich bei der Urlaubsplanung noch nicht wissen konnten.

Bereits um 5.10 Uhr werde ich durch Klopfgeräusche geweckt, die mehrfach wiederkehren. Dann wieder Ruhe. Aber um 6.05 Uhr geht es los: Maschinengeräusche wie beim Mahlen, Rühren oder Zerkleinern. Dampf steigt knapp vor meinem Fenster in die Höhe. Der penetrante Essensgeruch verstärkt sich. An Schlafen ist nicht mehr zu denken. Um 7.10 Uhr, als ich gerade genervt aufgestanden bin, ist es wieder ruhig. Unten klingelt pausenlos ein Telefon.  

Beim Waschen und Zähneputzen stoße ich mir den Kopf an der überdimensionierten Ablage über dem Waschbecken. Haken zum Aufhängen der Kleidung oder des Handtuchs gibt es weder im Zimmer noch im Bad. Auch eine Nachttischlampe fehlt. An den Kleinigkeiten erkennt man am besten, ob der Vermieter seine Gäste mag oder ob es ihm nur ums Geldverdienen geht. Dieses Quartier ist mit 30 Euro im Einzelzimmer zzgl. 5 Euro fürs Frühstück das teuerste der gesamten Radtour.

Flucht aus Güstebieser Loose vor dem Essensdunst. Schnell hat uns die Natur am Oderdeich wieder. Im Radio haben wir gehört, dass man sich in Frankfurt (Oder) auf das Hochwasser intensiv vorbereitet und die Menschen in der gegenüber und tiefer liegenden Stadt Slubice vom Bürgermeister aufgerufen wurden, ihre gefährdeten Häuser zu verlassen.

Der Bilderbuchtag mit bayerischem, blau-weißen Himmel lässt das Oderbruch noch idyllischer erscheinen. Kaum zu glauben, dass hier bald die Fluten heranrollen werden. An der Zollbrücke bereitet sich der Wirt des kleinen Gasthauses auf die Gäste des Tages vor. Schmucke Fachwerkhäuser liegen geschützt hinterm Deich. Wir passieren eine Eisenbahnbrücke, auf deren westlicher Trasse der Oderbruchbahn-Radweg verläuft. Nun beschreibt der Strom einen großen Bogen nach Nordosten. In Neuglietzen klappert einer der zahllosen Oderstörche von seinem Nest herab, In Hohenwutzen stauen sich vor der Brücke nach Polen die Autos. In diesem Ort gibt es reichlich Gastronomie und Unterkünfte.

 

Verfahren in Hohensaaten

Kurz nach dem Blick auf Hohensaaten mit seiner spitzen Kirche warnt uns ein Mann vor der Weiterfahrt: „Da ist gleich Schluss. Ihr müsst hier abbiegen.“ Ein großer Baum und eine Bank stehen an der Stelle, wo es links ab zu den Schleusen geht. Ein Radwegweiser fehlt hier unverständlicherweise. Zwischen (!!!) den beiden Schleusen radeln wir nun auf einem nagelneuen Weg Richtung Schwedt. Auch an dieser Abzweigung ist die Beschilderung mickrig. Nur ein klitzekleines, wohl per Computer gedrucktes Schild informiert über den Weg. Wir hatten es zuerst übersehen und waren irrtümlich hinter der zweiten Schleuse abgebogen und nach einigen hundert Metern in einer Sackgasse gelandet.

Der im Bikeline beschriebene Radweg führt über Lunow, doch einen Wegweiser dorthin entdecken wir nicht. Erst eine ausgeschilderte Abzweigung nach Stolpe mit seinem stattlichen Burgturm, dem Grützpott mit fünf Meter dicken Mauern, führt uns wieder auf den richtigen Pfad.

Stolpe bietet sich als Ausgangspunkt für eine Entdeckungsreise in den Nationalpark "Unteres Odertal" an. Eine einzigartige, naturnahe Flußauenlandschaft, deren Poldersystem Brut- und Rastplatz für unzählige Wasservögel ist. Beim Grützpott handelt es sich um einen Wehrturm aus dem 12.Jh., von dem aus man einen sagenhaften Blick auf das Odertal und die angrenzende Grundmoränenlandschaft genießen kann.
Quelle - mehr: Wikipedia

Eine ausgeschilderte Radwegeumleitung verwirrt uns. Wo geht es nun wirklich lang?

Andere Radfahrer helfen weiter: immer am Kanal entlang. In Criewen kehren wir, nach 48 km zurück gelegter Wegstrecke,  in der „Linde“ ein und besuchen den Lenné-Park beim Schloss.

Criewen, ein altes Fischerdorf an der Oder, ist heute ein Ortsteil von Schwedt/Oder und Sitz der Verwaltung des Nationalpark Unteres Odertal. Quelle und mehr

 

Lennépark in Criewen

Über das Dorf Criewen und den Landschaftspark erfahren wir eine Menge auf der Internetseite des Nationalparks Unteres Odertal:

„1816 kaufte Rittmeister Otto von Arnim das schon über Jahrhunderte bestehende Gut Criewen. Er ließ das ebenfalls heute im Park gelegene Herrenhaus, in Criewen gern Schloss genannt, erbauen und beauftragte den Peter Joseph Lenné mit der Anlage eines Landschaftsparkes. Dafür musste das alte Dorf weichen und wurde weiter östlich wieder aufgebaut. So steht heute nur noch die Kirche an der alten Dorfstelle.

Der großzügige, gut erhaltene und hervorragend sanierte Park besticht durch seinen unmerklichen Übergang in die natürliche Landschaft. Immer wieder öffnet sich über Schneisen und Blickachsen die Weite der Natur. Heimischer Baumbestand bestimmt das Bild. Besonders schön sind einige angepflanzte "Exoten" z. B. Schwarzkiefern, Platanen und Sumpfzypressen. Der Park war schon in den Zeiten derer von Arnim der Dorfbevölkerung zugänglich.

Im Zentrum des Parkes steht die kleine aus dem 13. Jahrhundert stammende Feldsteinkirche, die heute freilich verputzt ist. Im 30jährigen Krieg zerstört, wurde sie ab 1668 wieder aufgebaut und 1692 eingeweiht, wie die Zahl in der Wetterfahne verrät. Aus dieser Zeit stammt auch die Sandsteintaufe im Innenraum. Den Altar schuf 1713 der Oderberger Tischlermeister Christian Kiel. 1830 wurde der Ostgiebel stufenförmig umgebaut und der Fachwerkturm in der heutigen Form errichtet. Die zu diesem Zeitpunkt eingebaute Patronatsloge derer von Arnim ist nicht mehr erhalten, jedoch das Gestühl mit dem Arnimschen Wappen, ebenso wie der Totenschild an der Empore.“ 
Quelle und mehr

Nach Schwedt

Ab Zützen radeln wir, wieder auf dem Deichweg, nach Schwedt, das schon von weitem an seinem Hochhaus mit Dreiecks-Solaranlage zu erkennen ist. Auf dem Marktplatz bietet eine Frau Bratwürste an. „Ist das eine Thüringer?“, frage ich. „Nein, eine Metzgerbratwurst“, antwort sie fast ein wenig pikiert. Die Wurst schmeckt ausgezeichnet.

Bei Wikipedia ist zu lesen: „Schwedt/Oder ist die nach Einwohnern größte Stadt im Landkreis Uckermark im Nordosten des Landes Brandenburg (Deutschland). Mit etwa 200 km² zählt sie zu den flächengrößten Kommunen Deutschlands.“

Vor den Toren der Stadt Schwedt/Oder erstreckt sich das Untere Odertal, das sich über eine Länge von 60 km von Hohensaaten und Stettin ausdehnt. Es handelt sich dabei im Wesentlichen um die 2 bis 3 km breite Oderaue, die im südlichen deutschen Teil von einer extensiven Weidewirtschaft, im nördlichen polnischen Teil von natürlichen Auwäldern und weiträumigen Seggen-, Röhricht- und Schilfbeständen geprägt ist.

Durch das Gesetz zur Errichtung des Nationalparks Unteres Odertal vom 29. Juni 1995 wurde das untere Odertal als Naturschutzgebiet gesichert. Im Jahr 2006 beschloss der Landtag Brandenburg eine Novellierung des Gesetzes – das Gesetz über den Nationalpark Unteres Odertal vom 9. November 2006 (Nationalparkgesetz „Unteres Odertal“ – NatPUOG). Quelle und mehr

Abend in Mescherin.

Weiter geht es gen Norden, vorbei an zwei riesigen Papierfabriken. Die Aussicht vom Radweg übers Land ist beeindruckend. Kurz hinter Gatow führt die Route durch einen Wald nach Friedrichsthal. In Gartz, das eine mittelalterliche Stadtmauer mit Stettiner Tor, Storchenturm, Pulverturm und Blauem Hut aufweist, pausieren wir bei einem Kiosk mit Biergarten, ehe wir die letzten Kilometer nach Mescherin in Angriff nehmen. 

Ab hier wird das Land hügeliger: ein Vorgeschmack auf den morgigen Tag, der uns nach Ueckermünde führen soll aber leider anfangs ein wenig Regen mit sich bringen wird.

Bei Wikipedia erfahren wir über Gartz: Die Stadt "liegt inmitten einer Endmoränenlandschaft im Nationalpark Unteres Odertal, 30 km südlich von Stettin. 6 km südlich von Gartz trennt sich die Oder in zwei Arme, nämlich die Westoder und die Ostoder. Die Westoder fließt direkt an der östlichen Stadtgrenze vorbei und bildet die Staatsgrenze zur Republik Polen. In Gartz mündet der Salveybach in die Westoder. Der Ortsteil Friedrichsthal ist der nördliche Endpunkt der Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße, die parallel zur Oder verläuft." Quelle und mehr


Teil 6: Von Mescherin nach Ueckermünde

Teil 1: Von Zittau nach Rothenburg-Lodenau

zur Übersicht Oder-Neiße-Radweg

 
Radwanderführer

    

Karte und offizielle Homepage des
Oder-Neiße-Radwegs


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Toller Radweg und ein blauweißer Himmel - was
will der Radler mehr?



Hier beginnt der Oderbruchbahn-Radweg.



Wasser und Wolken zaubern immer wieder
stimmungsvolle Bilder hervor.



Blick auf Hohensaaten.



Am Oderdeich gen Schwedt.



Blick auf Stolpe mit dem Grützpott. 



Das Herrenhaus in Criewen. 

Dorfkirche Criewen.

Kanalbrücke bei Schwedt. 

Schmuckes Städtchen: Schwedt/Oder.

Mächtiger Turm: Kirche in Garz.

Kirche mit hölzernem Turm in Mescherin.

Altes Zollhaus in Mescherin: Blick aus dem Quartierfenster auf die Oder.



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