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Autor: Dieter Hurcks Copyright 6/2010

Von Zittau nach Ueckermünde. 
Der Oder-Neiße-Radweg wurde als Modellprojekt des bundesweiten D-Netzes geschaffen und führt entlang der beiden Grenzflüsse zu Polen, der Neiße und der Oder, über rund 550 km von Zittau bis nach Ueckermünde. Ein Erfahrungsbericht von Dieter Hurcks aus dem Mai 2010, drei Tage vor dem Scheitelpunkt des Hochwassers.
Übersicht aller Etappen - Teil 5

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Zimmervermieter

Quartiere an
Fernradwegen in
Deutschland

Oder-Neiße-Radweg (4)

Von Frankfurt (Oder) nach Güstebieser Loose

Tagesetappe: 94 km, nur anfangs Steigungen

Am Vorabend dieses durch starken Gegenwind bestimmten Radeltages hatten wir per Straßenbahn die City besucht und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Frankfurt (Oder) schon besichtigt. So konnten wir am Morgen, durch eine ruhige Nacht und ein nahrhaftes Frühstück in einem ausgezeichneten und preiswerten Quartier gestärkt („Die kleine Pension“), gleich die nächste Etappe in Angriff nehmen, die uns nach Güstebieser Loose im Oderbruch führen sollte – rund 90 km weit.

Unter der Oderbrücke verlassen wir die Stadt und stehen bald vor einer Entscheidung: reguläre Route oder Alternativstrecke (grünes Schild). Wir versuchen die zweite Möglichkeit. Doch angesichts der bald endenden Asphaltpiste und des folgenden, vom Unwetter des Vortages aufgeweichten Feldwegs entschließen wir uns zur Umkehr. Der reguläre Weg führt steil hinauf zur  Bundesstraße 112, die wir ja schon zur Genüge kennen gelernt haben.

Auf einem prima Radweg geht es flott voran. Die eine oder andere Steigung ist leicht geschafft, ehe es nach einer Brücke wieder rechts ab in die Natur geht. Bald erreichen wir Lebus und registrieren schon zu dieser frühen Stunde einige Touristen, die das Oderhochwasser mit ihren Digitalkameras ablichten.

Auf der Lebus-Homepage ist zu lesen: „Die einstige Bischofsstadt, um 1109 erstmalig urkundlich erwähnt, ist besonders reizvoll gelegen, mit einem Stadtteil auf der Lebuser Hochfläche und einem anderen am Fuße der steilen Hochfläche direkt an der Oder.

Weit überragt der Burgberg, der sich in Turm-, Schloß- und Pletschenberg unterteilt,  die Altstadt von Lebus mit einem beieindruckenden Panoramablick entlang der Oder bis weit ins polnische Land.

Der Besucher ahnt kaum, auf welche bemerkenswerte Geschichte Lebus zurück blicken kann. Schon vor über 3000 Jahren siedelten sich an der mittleren Oder Menschen an. Der Bergrücken an der Oder erweckte schon früh das Interesse der Menschen. Heute noch lassen sich die Reste der starken Lebuser Befestigungsanlagen erkennen.“ Quelle und mehr

Von nun an erleben wir nahezu den ganzen Tag Natur pur: rechts die Niederung des Oderbruchs, die ein unendlich großes Wasserreservoir zu bieten scheint, und unter uns entweder der Radweg auf dem Deich oder davor. Egal wo wir fahren: Der Wind bläst fast immer mit Stärke 3 bis 4, in Böen 5 bis 6, von vorn. Das kostet enorm viel Kraft! 

Trotzdem unternehmen wir einen Abstecher nach Reitwein, wo die Stüler-Kirche als Juwel angepriesen wird. Die Kirche wurde im Krieg zerstört und ist nun Mahnmal und Ort kultureller Events zugleich. Ein Backsteinbau mit eigener Note. Außerdem bietet der Ort einen Friedhof, auf dem sowjetische Soldaten ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

Über die Stüler-Kirche (Foto) lesen wir bei Wikipedia: „Die Dorfkirche des brandenburgischen Ortes Reitwein ist eine evangelische Backsteinkirche. Sie wurde am Fuße der Reitweiner Berge im neugotischen Stil zwischen 1855 und 1858 nach einem Entwurf des Berliner Architekten Friedrich August Stüler erbaut. Der Geheime Oberbaurat war ein Schüler Schinkels. Seit ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg ist sie nurmehr als Ruine erhalten, wird aber weiterhin für Gottesdienste und kulturelle Veranstaltungen genutzt. Quelle und mehr  

Weiter am Deich entlang gegen den Wind kämpfend, erreichen wir Küstrin-Kietz, wo die Warthe in die Oder mündet und eine Menge Wasser mitbringt.

Eine starke Festung: Gorgast

Ich unternehme mit meinem Pedelec einen Abstecher zum Fort Gorgast, das 1883 errichtet worden ist. Über die alte B 1 und den anschließenden Radweg sind die 5 km schnell zurück gelegt. Die Seelower Höhen 13 km weiter erspare ich mir wegen des starken Gegenwindes und weil ich meinen Mitradler nicht zu lange warten lassen will. Auf den Seelower Höhen fand die letzte Schlacht des 2. Weltkriegs statt. Eine Gedenkstätte erinnert daran.

Erbaut zwischen 1883 und 1889, ist das Fort Gorgast das besterhaltende Außenfort der einstigen preußischen Festung Küstrin. Die Geschichte der Festung Küstrin reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Von den Hohenzollern als befestigte Residenz (Hauptstadt der Neumark) in altitalienischem Stil erbaut, wurde sie im 17. und 18. Jahrhundert zuerst von niederländischen später dann von französischen Ingenieuren ausgebaut. Neue Werke kamen hinzu. Seit dem 30jährigen Krieg wurde die dort stationierte Garnison ständig erweitert. Anfang des 18. Jahrhunderts zählte die Küstriner zu den bedeutendsten Festungen im preußischen Königreich. Quelle und mehr

 

Fantastische Blicke auf die Oder

Zurück am Oderdamm, unterqueren wir unter der neuen Unterführung die Bahn und anschließend die neue Bundesstraße 1. Rechts die Oderinsel, vor uns Bleyen und ein Imbiss am Radweg, wo es frischen Matjes gibt. Gut gestärkt, kämpfen wir uns gegen den Nordwestwind weiter nordwärts. Die Aussicht vom Deich über das Land ist fantastisch. Keine Autos, wenige Häuser, fast keine anderen Radler – das ist Einsamkeit und Natur pur. Bis Kienitz geht es noch einmal richtig Kräfte zehrend zur Sache.

Bei der Gaststätte „Zum Hafen“ stärken wir uns noch einmal, ehe wir die letzten Kilometer zum Quartier in Güstebieser Loose in Angriff nehmen. Eine anstrengende Radtour, die nach 93 Kilometern ihren Abschluss findet. Die Wirtin hat das kräftige Abendbrot schon vorbereitet. Gut gestärkt unternehmen wir den Abendspaziergang, der die Muskeln entspannt. Den ganzen Tag auf dem Rad zu sitzen, zwingt einem schon eine bestimmte Körperhaltung auf. Und Laufen ist das beste Abwehrmittel gegen Verspannungen.

In der Pension gibt es sogar einen Billardtisch. Aber nur einer der rund zehn Queues hat noch eine Spitze. Das Dreieck wurde schon mehrfach mit Klebeband zu reparieren versucht. Trotzdem spielen wir ein paar Partien, zumal es nichts kostet, weil auch die Geldeinwurfeinheit defekt ist. Den für die Region zu hohen Einzelzimmerpreis von 30 Euro plus fünf Euro fürs Frühstück gleicht das nicht aus.

Die abendliche Ruhe in dem verstreut liegenden Dorf lässt uns eine ruhige Nacht erwarten. Unser Zimmer befindet sich über einer Halle mit riesigen Kübeln und Konservendosen. Es riecht penetrant nach Essen. Am nächsten Morgen wissen wir, warum. Dieses Quartier wurde aus der Übernachtungsliste gestrichen!

Wie soll man sich an diesem Waschbecken die Zähne
putzen geschweige denn sich waschen, ohne sich den
Kopf einzuhauen?


Teil 5: Von Güstebieser Loose nach Mescherin

Teil 1: Von Zittau nach Rothenburg-Lodenau

zur Übersicht Oder-Neiße-Radweg

 
Radwanderführer

    

Karte und offizielle Homepage des
Oder-Neiße-Radwegs


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Wir verlassen Frankfurt (Oder) und radeln am Fluss entlang unter der Brücke hindurch.



In Lebus leckt die Oder schon am Weg.



Auf oder neben dem Oderdeich lässt es sich prima radeln - wenn nur der Wind nicht wäre.



Malerisches Grenzland.



Weiter Himmel, wunderbare Radwege.



Das Oderhochwasser steigt weiter ... 



... und schafft unvergessliche Landschaftsbilder.







Einfach nur zum Genießen.



Pfingstsonntag 2010: Die Fähre nach Gozdowice in Polen wurde eingestellt.

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