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Autor: Dieter Hurcks Copyright 6/2010

Von Zittau nach Ueckermünde. 
Der Oder-Neiße-Radweg wurde als Modellprojekt des bundesweiten D-Netzes geschaffen und führt entlang der beiden Grenzflüsse zu Polen, der Neiße und der Oder, über rund 550 km von Zittau bis nach Ueckermünde. Ein Erfahrungsbericht von Dieter Hurcks aus dem Mai 2010, drei Tage vor dem Scheitelpunkt des Hochwassers.
Übersicht aller Etappen - Teil 4

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Fernradwegen in
Deutschland

Oder-Neiße-Radweg (3)

Von Guben nach Frankfurt (Oder)

Tagesetappe: 84 km, starke Steigungen bei Frankfurt (Umleitung)

Punkt 9 Uhr starten wir im verschlafenen Guben, dessen Altstadt früher auf der anderen Seite der Oder lag (heute Gubin) und im Krieg fast vollständig zerstört wurde. Es ist Pfingstmontag. Vorbei an der Postmeilensäule radeln wir an einem Bachlauf aus der Stadt. Ein Mann ruft uns nach: „Aber nichts fotografieren, das hier ist die Hölle!“ Na ja, ganz so schlimm war es auch nicht, aber schon ein bisschen deprimierend. Das sollte sich noch steigern: in Eisenhüttenstadt.

Doch zuvor radeln wir ab Coschen noch einmal durch die herrliche Natur der Flussniederung, erleben an der Neißemündung bei Ratzdorf das von zahlreichen Touristen abfotografierte Oderhochwasser bzw. dessen deutlich sichtbare Vorboten. An die Mündung selbst heranzukommen ist nicht mehr möglich. Das Sühnekreuz steht im Wasser, auch das in jenen Tagen in vielen Zeitungen bundesweit abgebildete Pegelhäuschen ist unerreichbar geworden. Das Wasser hat sich schon weit vorgeschoben und leckt bereits an den durchgängig nach dem Oderhochwasser 1997 modernisierten und erhöhten Deichen. Der Schäfer ist dabei, seinen Elektrozaun abzubauen, beruhigt aber die Menschen: „Nur keine Panik!“

Weiter geht es auf oder hinter dem Deich auf ausgezeichnetem Untergrund und bei perfekter Beschilderung bis zur Abzweigung nach Neuzelle. Trotz starken Gegenwinds radeln wir die 3,4 km bis zum Kloster mit seiner alles überragenden Klosterkirche St. Marien. Das Innere ist wirklich sehenswert und erinnert mich an die Wallfahrtskirche Heilige Linde in Masuren.

Bei Wikipedia heißt es: „Das Kloster Neuzelle (Nova Cella) war eine in der Niederlausitz gelegene Zisterzienserabtei. Sie wurde im 13. Jahrhundert gegründet und bestand bis 1817, als sie von der preußischen Regierung säkularisiert wurde. Die Besitztümer wurden an das preußisch staatliche Stift Neuzelle überführt. Das Stift bestand bis 1955 und wurde 1996 als öffentlich-rechtliche Stiftung des Landes Brandenburg wiedergegründet. Der Klosterkomplex gehört zur gleichnamigen Gemeinde.

Die Klosterkirche dient bis heute der katholischen Gemeinde des Ortes Neuzelle als Pfarrkirche. In der Klosterbrauerei wird die Brautradition der Zisterzienser auch gegenwärtig noch fortgeführt.“

Und über die Klosterkirche St. Marien heißt es: „Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges wurde die Klosteranlage schwer beschädigt und erst zwei Jahre nach dem Westfälischer Frieden kehrten die Mönche 1650 wieder zurück. Abt Bernardus ließ zwischen 1655 und 1658 die wiederaufgebauten Gebäude von italienischen Künstlern mit Fresken und Stuckaturen versehen. Sein Nachfolger ließ die Klosteranlage konsequent im Stil des süddeutschen Barocks umgestalten. Die prächtige Barockisierung des Gebäudes ließ die Raumstruktur der dreischiffigen Hallenkirche mit ihren eng gesetzten Pfeilern und den schmalen Seitenschiffen jedoch unangetastet. Fast alle heute noch bestehenden Gebäude der Anlage stammen überwiegend aus der Zeit des Barock. Die Neuzeller Klosterkirche ist der bedeutendste Sakralbau der Niederlausitz.“ Quelle und mehr

 

Auf nach Frankfurt (Oder)

Mit Rückenwind geht es flott zurück an den Deich. Eisenhüttenstadt erreichen wir über die Brücke des Oder-Spree-Kanals. Ein sowjetisches Ehrenmal und die trutzige Nikolaikirche bieten sich als Fotomotive an. Der Weg zum Feuerwehrmuseum ist zwar zunächst ausgeschildert, aber wir finden nur die Feuerwache. Auf dem Weg zum Dokumentationszentrum „Alltagskultur der DDR“ kehren wir auf der Eisenbahnbrücke um. Heftige Windböen und drohender Regen lassen uns zurückfahren – eine gute Entscheidung, denn da prasselt es auch schon los. Ein Carport bietet Schutz gegen das Nass von oben.

Eisenhüttenstadt macht nicht gerade einen einladenden Eindruck, bietet aber dennoch einige Besonderheiten. So lesen wir auf der Homepage der Stadt:

„Der ganz besondere Reiz von Eisenhüttenstadt liegt in dem Spannungsfeld zwischen Idylle und der Betriebsamkeit einer bedeutenden Industrie. Es ist die einzige Stadt in Deutschland die nach dem Kriege völlig neu gegründet wurde.

Eisenhüttenstadt ist Architekturgeschichte. Ganze Wohnkomplexe der Stadt stehen hier unter Denkmalschutz. Inzwischen wurde ein großer Teil modernisiert.“

Die Stadt wurde quasi um das Stahlwerk herum aufgebaut: „1950 wurde der Beschluss zum Bau des Eisenhüttenkombinats Ost (EKO) und einer Wohnstadt bei Fürstenberg (Oder) gefasst.
Am 18. August 1950 erfolgte dann der erste Axthieb zum Baubeginn des geplanten Eisenhüttenkombinats. .... EKO Stahl wurde 1951 in Eisenhüttenstadt unter dem Namen Hüttenwerk Hermann Matern als das wichtigste Hüttenwerk der DDR gegründet. Ab 1963 firmierte es unter Eisenhüttenkombinat Ost und war mit 12.000 Beschäftigten das größte Metallurgiekombinat der DDR. EKO verfügte bereits vor der Wende neben den Hochöfen und dem Stahlwerk auch über ein modernes Kaltwalzwerk für Flachstahl.“  Quelle und mehr
 

Bergauf-bergab zum Ziel

Bald lugt wieder die Sonne durch die Wolken, dann ist es wieder so kalt, dass wir die warmen Jacken anziehen. Ein stetes Hin und Her des launischen, extrem mai-kühlen Wetters. Hinterm Oderdeich radeln wir bis zur Abzweigung nach Ziltendorf. Dort, in Aurith, gibt es einen schönen Biergarten, den die Gäste anscheinend kurz zuvor beim Regenguss fluchtartig verlassen hatten. Wir stärken uns für die letzte Etappe nach Frankfurt/Oder.

Die sollte es in sich haben. Eine Umleitung über Wiesenau bietet einige Kräfte zehrende Steigungen auf. Weiter hinauf geht es ab Brieskow-Finkenheerd. Uns entgegen kommende Radler, besonders die Damen der Gruppe, wirken sehr erschöpft. Frankfurt/Oder liegt in einer Moränenlandschaft mit erklecklichen Hügeln. Über den Buschmühlenweg, der später in den Fernsehberichten vom Hochwasser überflutet gezeigt wird, erreichen wir endlich die Stadt.

Aufgrund der vielen Steigungen und des Windes sind wir ziemlich platt, als gegen 16.30 Uhr unser Quartier in Sicht kommt. Gegen 17.30 Uhr setzt ein heftiges Unwetter ein, das uns zunächst beschließen lässt, diesen Abend in der gemütlichen und vor allem warmen und trockenen Pension zu verbringen. Aber als sich das Wetter dann doch bessert, nehmen wir die Straßenbahntickets unserer Vermieterin dankend an und erleben so doch noch einen interessanten Abend in der Grenzstadt an der Oder.

Bei Wikipedia ist zu lesen: „Seit dem 1. Januar 1999 führt die Stadt die Zusatzbezeichnung „Kleiststadt“ – nach Heinrich von Kleist, der hier 1777 geboren wurde. ... Die Oder bildet die östliche Stadtgrenze und zugleich die deutsche Staatsgrenze zu Polen. Auf dem anderen Ufer des Flusses befindet sich Słubice, die ehemalige Dammvorstadt Frankfurts.

Die St. Marienkirche ist die ehemalige Hauptpfarrkirche Frankfurts. 1253 wurde mit dem ursprünglichen Bau in den Formen der norddeutschen Backsteingotik begonnen. 1945 war sie nur noch eine Ruine.

Bürohochhaus: der Oderturm

Die Stadt Frankfurt ist ein Wissenschafts- und Forschungsstandort. Mit dem Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik, das eine weltweit anerkannte Forschungseinrichtung im Technologiepark Ostbrandenburg ist, haben sich Firmen aus dem Bereich Mikroelektronik und Mikrosystemtechnik, Informations- und Kommunikationstechnik sowie der Umwelt- und Energietechnik angesiedelt.“ Quelle und mehr

Wie dieser Turm heißt, lässt sich auf der für Touristen 
wenig informativen Homepage der Stadt nicht ermitteln.


Teil 4: Von Frankfurt (Oder) nach Güstebieser Loose

Teil 1: Von Zittau nach Rothenburg-Lodenau

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Radwanderführer

    

Karte und offizielle Homepage des
Oder-Neiße-Radwegs


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Die Neißemündung bei Ratzdorf ist aufgrund des Hochwassers nur zu erahnen.



Das Pegelhäuschen an der Neißemündung.



Toller Radweg, spektakuläre Ausblicke.



Blick auf das Kloster Neuzelle mit ev. Kirche
und katholischer Stiftskirche.



Kloster Neuzelle: Stiftskirche St. Marien.



Kleines Ausflugslokal am Oderradweg bei Ziltendorf.



Ehemaliger Speicher an der Oder, jetzt Gasthaus.



Die Oderbrücke verbindet jetzt ohne Grenzkontrollen die beiden Nachbarländer.

Blick über die Oderbrücke gen Polen.



Agressive Preisangebote locken die deutschen Käufer in Scharen nach Slubice.



Zum Einkaufen fahren viele nach Polen.



Backsteingotik: Rathaus von Frankfurt (Oder).

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