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Autor: Dieter Hurcks Copyright 7/2009

Eine Radtour entlang der Mulde 
Teil 1 - Teil 2- Teil 3 -Teil 4 - Freiberger Mulde

Einträge für
Zimmervermieter

Quartiere an
Fernradwegen in
Deutschland

Durchs wilde 
Muldistan (4)

Von Bad Düben nach Dessau

Die knapp 60 Kilometer bis Dessau kann man sich eigentlich sparen. Der Weg bis zum Muldenstausee bei Schlaitz - von der anderen Seite grüßt Bitterfeld - erzählt ein wenig vom Raubbau an der Natur, deren Narben in Form großer Braunkohletagebaugebiete, die heute als Seen genutzt werden, unübersehbar sind.



Ein bisschen vom Geraubten hat sich die Natur inzwischen wieder zurück geholt.  Am See entlang fahren wir auf dem oberen Weg, steigen nicht, wie von großen Schildern empfohlen, die Treppen hinunter zum Wiesenweg. Den erreichen wir an der Biegung nach Westen über eine Naturtreppe sowieso, ehe wir vor dem "Haus am See" etwa 60 Meter ganz steil wieder hinauf müssen. Die Seeterrassen haben schon geöffnet, so dass wir uns noch einen Kaffee gönnen.



Dieser See sollte ein paar Wochen später häufig im Fernsehen und sehen sein. Sein Name: Goitzschesee (sprich: Gottsche), auch als Bernsteinsee bezeichnet. Das ist ein Seengebiet, das aus dem ehemaligen Braunkohlentagebau Goitzsche in Sachsen-Anhalt hervorgegangen ist. Die Seenplatte besteht aus den Teilseen Mühlbeck, Niemegk, Döbern und Bärenhof. Der Tagebaurestsee gehört zum Bitterfelder Bergbaurevier

Der See umschließt zusammen mit dem Muldestausee die im Zentrum der Landschaft liegende Ortschaft Pouch. 1990 wurde mit der Flutung durch die Einleitung von Muldewasser begonnen, die planmäßig 2006 abgeschlossen sein sollte. 2002 ließ jedoch bereits ein durch das gewaltige Muldehochwasser ausgelöster Dammbruch an der Mulde die Goitzsche innerhalb von zwei Tagen um 7 Meter bis weit über den Sollpegelstand volllaufen, bis sie überlief und dabei die Stadt Bitterfeld teilweise unter Wasser setzte. Quelle: Wikipedia 

All das konnten wir natürlich damals auf unserer Rdatour nicht ahnen. Wir fragten uns nur, warum ein so kleines, harmlos scheinendes Flüsschen so hohe Deiche hat. Jetzt wissen wir, warum!


Nach Dessau
So, wie die Landschaft nun eintöniger wird, verschlechtert sich auch das Wetter. Deshalb radeln wir ohne große Pausen nach Dessau, wo die Mulde in die Elbe mündet: auf schlechten Wegen oder guten Straßen über Burgkemnitz und Möhlau. Gegen 15 Uhr erreichen wir die ehemalige Residenz des Landes Anhalt, in der Hugo Junkers das erste Ganzmetall-Verkehrsflugzeug der Welt baute. Als Gauhauptstadt der Nazis gehörte die Stadt zu den bevorzugten Zielen der alliierten Bomber. Die Innenstadt wurde am 7. März 1945 zu 84 Prozent zerstört, entwickelte sich zu DDR-Zeiten als drittgrößte Stadt Sachsen-Anhalts zu einem Industriezentrum, dessen Arbeitskräfte in riesigen Plattenbausiedlungen wohnten. Seit der Wende hat sich das Stadt sehr zum Positiven entwickelt, auch wenn die Narben der Vergangenheit nie völlig verschwinden dürften.

Am Dessauer Hauptbahnhof gibt es eine Touristeninformation, wo uns ein netter Mann einen kleinen Stadtplan mit den vielen Sehenswüdigkeiten Dessaus in die Hand drückt. Die Zeit, das hinter dem modernen Bahnhof gelegene Bauhaus, eines der wichtigsten Architekturdenkmäler des 20. Jahrhunderts, zu besichtigen, sollte man auf jeden Fall einplanen.

Für Radfahrer gibt es sogar eine geführte Radtour zu den interessantesten Orten der Bauhausarchitektur wie Meisterhäuser, Siedlung Törten und Laubenganghäuser. Namen wie Walter Gropius, Paul Klee, Hannes Meyer und Wassily Kandiski stehen für das historische Bauhaus, das 1925/26 aufgrund seiner Schließung in Weimar nach Dessau übersiedelte. Info: agentur reisewerk, Tel. 03491 / 407280, www.reisewerk.de

Fazit dieser insgesamt knapp 320 Kilometer langen Tour durchs wilde Muldistan an die Elbe: Ungeübte sollten sich auf den Abschnitt Zwickau-Bad Düben beschränken. Denn auf den anderen Teilstücken warten viele Schwierigkeiten, aber auch jede Menge Sehenswürdigkeiten und kulturelle Highlights auf all jene, die mit Abenteurlust, Pioniergeist und der Fähigkeit, sich auch einmal richtig zu quälen, gesegnet sind. Alle anderen sollten lieber das Auto als Fortbewegungsmittel nehmen, wie es auch die Vogtländer selber tun, die immer wieder unsere Räder mit dem vielen Gepäck bestaunten. Waren wir etwa die ersten Radler im wilden Muldistan?

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Freiberger Mulde

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Muldeweg hinterm Deich.

Gedenktafel - das zerstörerische Hochwasser im August 2002 durchbrach den Deich, so dass das Muldewasser in den See lief und Bitterfeld überflutete.

Der große Braunkohlentagebau bei Bitterfeld vor der Flut 2002.

Der Weg nach Dessau verläuft vielfach entlang von Straßen.

Die Muldebrücke in Dessau (2002).

Der Bahnhof in Dessau.