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Autor: Dieter Hurcks Copyright 7/2009

Eine Radtour entlang der Mulde 
Teil 1 - Teil 2- Teil 3 -Teil 4 - Freiberger Mulde

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Deutschland

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Durchs wilde 
Muldistan (3)

Vom Wechselburg nach Bad Düben

Pünktlich um Neun, mit noch etwas bleiernen Beinen, starteten wir bei herrlichem Wetter. Die dritte Etappe wird zum Tag der Schlösser und Burgen. 

Zuerst mussten wir wieder mehrmals ordentlich schieben, ehe wir erneut nahe am Fluss entlang radeln konnten. So erreichten wir Rochlitz, wo wir im Angesicht des über einem Wehr thronenden Schlosses auf einer der zahlreichen Hängebrücken die Mulde überquerten.

Rochlitz ist wegen des Sächsischen Marmors bekannt, einem in der Nähe abgebauten marmorähnlichen Vulkangestein namens Porphyr. Uns waren schon die rötlichen Felder in der Gegend aufgefallen. Anschließend durchradelten wir auf glatten Asphaltpisten in leicht welliger Gegend mehrere Dörfer. Blühende Kirsch- und Apfelbäume säumten die kaum befahrenen Wege. Die rostigen Gleise der toten Bahnstrecke waren unsere ständigen Begleiter. Den gerade aufblühenden Raps konnten wir schon in der Nase spüren, die Luft wurde immer milder, der Himmel blauer.

Ein Tag also wie aus einem Radtouren-Bilderbuch. Passend dazu: die imposante Anlage des über 1000 Jahre alten Schlosses über der historischen Altstadt von Colditz (über 700 Jahre alt), wo natürlich auch noch feste gebaut wurde. Das Schloss erlangte als Kriegsgefangenenlager der Nationalsozialisten zweifelhafte Berühmtheit. Sogar ein Fluchtmuseum gibt es dort, das die zum Teil intelligenten Versuche der internierten Offiziere dokumentiert, den alten Mauern zu entkommen.

In Colditz gibt es, wie andernorts, auch zwölf Jahre nach der Wende noch genug verfallene Häuser, deren Erhaltung im Sozialismus nicht die höchste Priorität hatte. Und bei Straßen und (Rad-) Wegen herrscht besonders im ländlichen Bereich ebenfalls noch enormer Nachholbedarf.

Nach Grimma 
Wir verlassen die Stadt. Ein paar Kilometer weiter, eine längere Steigung liegt hinter uns, überqueren wir die Freiberger Mulde, die sich bei Sermuth mit der Zwickauer vereinigt. Ein kaum noch lesbares Holzschild weist den Weg zum Zusammenfluss. Kurz hinter Kössern, beim Gasthof Kleinbothen mit einladendem Biergarten, legen wir unsere Mittagspause ein. Der Wirt erzählt ein bisschen aus der Geschichte seines Heimatortes und schenkt uns einen Bierdeckel der nicht mehr existenten Brauerei Colditz. Wie dieser Brauerei sei es vielen Betrieben dort ergangen: verkauft an Westler, ausgeschlachtet, stillgelegt. Ein Wunder, dass die Vogtland-Sachsen trotz alledem ihren Humor behalten haben.

Auf einer alten Bahntrasse führt uns der Radweg vorbei an der Ruine des Klosters Nimbschen nach Grimma. Hier besichtigen wir den Markt mit wunderschönem Renaissance-Rathaus und sehenswerten Bürgerhäusern, darunter das zum Museum umfunktionierte Haus des Verlegers Georg Joachim Göschen (1752-1828), der ausgerechnet an diesem Tage 250 Jahre alt geworden wäre. Göschen, gebürtiger Bremer, hatte als Leipziger Jungverleger Goethes Schriften herausgebracht und sich dann mit dem Dichterfürsten zerstritten. Der machte ihm gleich noch den Schiller abspenstig und wechselte zur Konkurrenz Cotta. Göschens Leistung: Sein florierendes Unternehmen brachte Vorläufer des Taschenbuches heraus, so dass sich auch weniger Betuchte damals ein Buch leisten konnten. Am 5. April 1828 starb der Verleger in Grimma, seinen Verlag verkauften die Erben - ausgerechnet an Cotta.

Nach Wurzen 
Dass Reisen bildet, zeigt diese Radtour besonders eindrucksvoll. Über Trebsen mit Schloss radelten wir nach Wurzen - auch hier gibt es natürlich ein Schloss - und machten auf dem vor dem 13. Jahrhundert angelegten Markt bei strahlendem Sonnenschein Rast im Schatten des munter plätschernden Ringelnatz-Brunnens. Er erinnert an den Dichter Joachim Ringelnatz, der 1883 in dieser schönen Stadt geboren wurde. Frisch renovierte Häuser sorgen hier für eine Atmosphäre, die zum Weiterfahren einen starken Willen erfordert. Wir stärkten uns für die letzten knapp 40 Kilometer bis Bad Düben.

Wurzen nennt sich selbst "Die große Kreisstadt", und der uns von den freundlichen Damen im Verkehrsamt übergebene Stadtführer soll uns "Ein gutes Stück Sachsen" vermitteln. Über 16.000 Einwohner zählt der Ort, in dem von 1902 bis 1915 Braunkohle gefördert wurde, als man an die riesigen Tagebauten aus DDR-Zeiten noch nicht dachte. Hier wurde schon 1904 eine der ersten elektrischen Straßenbahnen Deutschlands in Betrieb genommen.

Wurzen, das per S-Bahn an Leipzig angebunden ist, hat die sauerländische Brauerstadt Warstein sowie das niedersächsische Barsinghausen als Partnerstädte. Die "Skyline" wird durch die beeindruckenden Türme der ehemaligen Krietschmühle beherrscht. Der denkmalgeschützete Stadtkern lohnt auf jeden Fall einen Besuch: Dom St. Marien, Schloss, Wenceslaikirche, Pesthäuschen und vieles mehr ist im kleinen Stadtführer als sehenswert angepriesen. Auch wer noch nie eine der in vielen sächsischen Städten zu findenden Postdistanzsäulen gesehen hat, wird hier fündig. Nun aber schleunigst weiter!

Rund sechs Kilometer hatten wir bis Wurzen auf der stark befahrenen Bundesstraße 107 "herunter gestrampelt", um Zeit zu gewinnen. In Schmölen lockte ein Hinweisschild in den "Stasibunker". Für die Weiterfahrt mussten wir uns zwischen romantischen, aber schlechten Wegen durch die Muldenaue und weniger romantischen, aber gut befahrbaren Wegen rechts des Flusses entscheiden. Wir wählten angesichts der fortgeschrittenen Uhrzeit letztere Variante über Nischwitz und Thallwitz.

Hinter Eilenburg wurden die Wege grottenschlecht (Stand: 2002). Ausgebesserte Stellen mit grobem Schotter oder rutschigem Splitt sowie schlaglochübersäte Feldwege stellten an Mensch und Material hohe Anforderungen. Vermutlich sind die Wege heute besser, denn auch an der Elbe sind als Folgen des Hochwassers viele Wege erneuert worden.

Als Entschädigung für die "Tor-Tour" gab's beim Fährhaus Gruna (trotz Ruhetages) von der netten Wirtin Antje Bieligk etwas zu trinken und sogar Schnittchen. Der Fährmann setzte uns an seinem Ruhetag (Achtung: Montag ist in Sachsen vieles geschlossen!) für einen Euro pro Nase über. Nun waren es nur noch wenige Kilometer bis Bad Düben, wo wir nach über 100 Kilometern gegen 20 Uhr die Hammermühle erreichten.

Später erfuhren wir, dass diese Fähre durch das Hochwasser 2002 weit abgetrieben und schließlich vom Geäst eines Baumes aufgehalten wurde.

Quartier: Hammermühle, Gasthof und Pension, Lange Str. 2 (Ortsteil Hammermühle), Tel. 034243 / 22370.

Das Buch zur Tour

 


Abendstimmung an der Mulde bei Bad Düben



Fähre in Gruna


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Auf dem Weg zur Basilika "Zum heiligen Kreuz" in Wechselburg.

Die Basilika in Wechselburg.

Blick über die Mulde am frühen Morgen.

St. Otto am Markt in Wechselburg.

Flotte Abfahrt nach langem Anstieg.

Blick auf Schloss Rocklitz über die Mulde.

"Würmer baden" an der Mulde.



Schloss Colditz an der Mulde.




Blick auf die beim Hochwasser 2002 zerstörte Hängebrücke von Grimma.




Das Rathaus in Grimma.



Marktplatz in Wurzen.


mehr Bilder zur Muldetour Teil 3 hier

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