Durchs wilde
Muldistan (2)
Von Aue nach Wechselburg
Der Muldental-Radweg führt von
Aue zunächst nach Schlema. 1998 wurde die einst ebenfalls vom Bergbau
geprägte Gemeinde Kurort. Schon anfangs des 20. Jahrhundert lockte das
weltbekannte Radiumbad Genesung suchende Menschen aus aller Welt
hierhin.
Ein Besucherbergwerk und das das Museum für Uranbergbau bieten dem
Urlauber eine Menge Wissenswertes. Wir radeln bald weiter. Entlang der
Strecke fällt ein langer Graben auf. Wie wir erfahren, handelt es sich um
ein altes Grabensystem, den Floßgraben. Diese bergbauliche Anlage wurde
zwischen 1556 und 1559 errichtet, um Grubenholz von der Zwickauer Mulde
nach den Bergwerken Schneebergs zu flößen. Es ist ein Meisterwerk
damaliger Vermessung. Der ursprünglich 15,3 Kilometer lange Graben
erstreckt sich vom sogenannten Rechenhaus bei Bockau bis nach Oberschlema,
wo er in den Schlemabach mündet. Der Flößersteig entlang des Floßgrabens
ist einer der beliebtesten Rad- und Wanderwege der Region.
Wer
Zeit hat, sollte einen Abstecher nach Schneeberg machen, in die
Barockstadt des Erzgebirges, deren komplett unter Denkmalschutz gestellter
Stadtkern nach einem Großfeuer 1719 wieder aufgebaut wurde. In dieser
idyllischen "Weihnachtsstadt des Erzgebirges", aus der viele der
kunstvoll geschnitzten Weihnachtspyramiden stammen, gibt es viel zu sehen,
ua. ein Museum für bergmännische Volkskunst sowie das technische Museum
"Siebenschlehener Pochwerk".
Alternativ
bietet sich die Fahrt nach Hartenstein an. Im 12. Jahrhundert führte
die Historische Salzstraße durch diese Gegend. Schere Fuhrwerke rollten
darauf von von Halle nach Böhmen. Ihr Verlauf ist streckenweise noch an
tief ausgefahrenen Hohlwegen zu erkennen. Die kleine Stadt, in der 1609
der Barockdichter und Arzt Paul Flemming (1609-40) geboren wurde, wird
auch das Tor zum Westerzgebirge oder die Perle des Muldentales genannt.
Heute erinnern eine Gedenktafel und ein überlebensgroßes Bronzedenkmal
an den berühmten Sohn der Stadt. Alte, gut restaurierte Fachwerkhäuser
geben dem Marktplatz einen ganz besonderen Reiz. Dem kann man allerdings
erst nach Bewältigung einiger kräftzehrender Anstiege erliegen. Und
Vorsicht: In der Gegend wurden kräftig neue Straßen gebaut, so dass
einen ältere Straßenpläne leicht in die Irre führen können.
An der Silberstraße
Etwas außerhalb der Stadt, dort,
wo der Thierfelder Bach in die Zwickauer Mulde mündet, erhebt sich eine
der schönsten Burgen in Sachsen. Burg Stein gehört zwar nicht zu
den größten sächsischen Gemäuern, doch besonders die Oberburg, zum
Teil noch aus romanischer Zeit stammend, vergegenwärtigt dem Besucher die
rauhen mittelalterlichen Sitten, die endlosen Fehden und das Recht roher
Gewalt. Das Feudalmuseum ist für Freunde des Mittelalters ein absolutes
Muss. Beeindruckend sind noch heute die doppelten Mauern, deren Inneres über
einen Wehrgang verfügt.
Über
Silberstraße, wo wir auf das erste Radwegeschild treffen, radeln
wir nach Wilkau-Haßlau und treffen gegen 12.30 Uhr in Zwickau ein.
Nach einer Stärkung im Galerie Café auf dem Hauptmarkt, gleich in
Sichtweite des Robert-Schumann-Denkmals sowie des Gewandhauses von 1522-25
mit seinem fünfgeschossigen Giebel, besichtigen wir die malerische
Altstadt. Inklusive des Geburtshauses des berühmten Komponisten Robert
Schumann (1810-56) und des Doms St. Marien. Zwickau, heute Sitz eines großen
VW-Werkes, hat eine lange Auto-Tradition.
Denn 1904 wurde hier der erste "Horch" - lateinisch: Audi
! - produziert. Aus Horch wurde DKW, später Auto-Union, in Zwickau wurden
die Porsche-Rennwagen von Stuck und Rosemeyer gefertigt, nach dem Krieg
war der Name Trabant mit der Stadt verbunden, dessen letztes Exemplar am
30. April 1991 vom Band lief.
Die schönste Etappe
Ab Zwickau folgte die für uns schönste
Etappe dieser Muldental-Radtour. Fast immer direkt linksseitig des Flusses
ging es auf meist gut ausgebauten Wegen zügig weiter. Nächster Ort war Glauchau,
wo Beatles-Fans das Museum "Sgt. Peppers Club" in der
August-Bebel-Straße besuchen können. Das Rathaus mit Meißener
Glockenspiel und der historische Markt laden zum Verweilen.
Über
Glauchau mit seinen Schlössern Hinterglauchau und Vorderglauchau kamen
wir über Schlunzig mit seinem Storchennest auf dem Dach der Kirche nach Waldenburg.
Der wunderschöne Stadtpark mit vielen Wasserflächen, der Grünfelder
Park, ist ein 1790 bis 1800 angelegter Naturpark in englischem Stil und
eines der dedeutendsten Beispiele sächsischer Gartenbaukunst. Nicht weit
davon befinden sich das Schloss sowie die St. Bartholomäus-Kirche, die
ein in der Welt einzigartiges Hilgengeläut besitzt. Waldenburg blickt auf
eine im 14. Jahrhundert begründete Töpfertradition zurück, die im 16.
Jahrhundert ihre Blütezeit erreichte. Immerhin fünf Töpfereien pflegen
die Tradition noch heute.
Kurz
darauf erreichten wir, einige kurze, aber teilweise recht steile
Steigungen in den Beinen, Wolkenburg mit Mühle und Schloss. Dort
war, direkt beim Café an der Brücke, eine Pause angesagt. Links der
Mulde führte uns der Weg weiter vorbei am größten Schlauchwehr Europas
in Thierbach/Zinnberg in die Töpferstadt Penig mit ihrem
mittelalterlichen Stadtgrundriss und der aus der Zeit um 1800 stammenden
Wohnbebauung, an der immer noch fleißig restauriert und renoviert wird.
Amerika in Deutschland
Nach kurzer Rundfahrt über
Kopfsteinpflasterstraßen (bzw. die Bürgersteige) führte ein steiler
Anstieg zu der Fabriksiedlung Amerika mit ehemals eigener Bahnstation und
sehenswerten Fachwerkhäusern. Ein steiler Weg bringt uns auf die
sonnenbeschienene Hochfläche. Dieses Teilstück forderte uns nochmals
eine größte Kraftanstrengung ab. Wir staunten, welch breite Straße zu
den paar im Wald versteckten Häusern hinabführt.
In
der Abendsonne radelten wir, rechts die majestätische Rochsburg im
Blick, steil abwärts nach Lunzenau. Spätestens hier war klar,
dass wir diese Etappe mit 95 Kilometern erheblich zu lang geplant hatten.
Einerseits wegen der vielen Anstiege, andererseits wegen der vielen
Sehenswürdigkeiten und schönen Städtchen entlang der Strecke. Eine lag
noch vor uns: das 381 m lange und 68 m hohe Eisenbahn-Viadukt bei Göhren,
das bei unserer Ankunft auch gerade von einem rot leuchtenden Personenzug
überquert wurde. Die Spiegelung in der ruhig dahin fließenden Mulde
verstärkte den Eindruck dieses imposanten Bauwerks.
Das Göhrener
Viadukt ist eine Eisenbahnbrücke auf der Strecke Leipzig-Chemnitz im
Ortsteil Göhren, südlich von Wechselburg
in Sachsen. Das
Göhrener Viadukt gehört neben der Elster- und Göltzschtalbrücke
zu den eindrucksvollsten deutschen Brückenbauten aus der Frühzeit des
Eisenbahnbaues. Sie überspannt das Tal der Zwickauer
Mulde mit einer Höhe von 68 Meter, teilweise in zwei Etagen. Quelle: Wikipedia
Basilika Wechselburg in Sicht
Fünf
Kilometer weiter thront die Kirche von Wechselburg hoch über dem Tal der
Mulde, davor etwas grau und unscheinbar das Kloster mit der zum
Weltkulturerbe erhobenen Basilika, Stiftskirche der Augustinerchorherren
und einer der besterhaltenen romanischen Großbauten Deutschlands. Diese
mussten wir natürlich am nächsten Morgen unbedingt besichtigten. Das
kleine Kloster wird übrigens seit 1993 wieder von - derzeit fünf - Mönchen
des Benediktinerordens bewirtschaftet. Es wurde vom bayerischen Kloster
Ettal gegründet. Um 5.40 Uhr steht täglich das erste Gebet an - gemäß
dem Ordensmotto "Ora et labora" (Bete und arbeite!), Gearbeitet
wird im eigenen Jugend- und Familienhaus natürlich auch. So bieten die Mönche
neben Seelsorge u.a. auch Weiterbildungskurse an.
Unsere
Unterkunft liegt direkt am Markt: die Pension Zum Speicher, Tel. 037384 /
6521.
Gleich
nebenan bietet der Sächsische Hof erstklassige, preiswerte Küche. Und
die Gelegenheit, mit Einheimischen über Gott und die Welt zu plaudern.
Einer von ihnen, Gerd Zillmann, empfahl uns seinen Laden, wo wir auch am nächsten
Morgen unsere Vorräte ergänzten.
Teil 1 - Teil 2 - Teil
3 -Teil
4 - Freiberger Mulde
Das Buch zur Tour
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Vogtländisches Sägewerk bei Sosa.

Eingedeicht: zu recht, wie das
zerstörerische Hochwasser im August 2002 gezeigt hat.

Zittau.. 
Geburtshaus
von Robert Schumann in Zwickau. 
Industrieruine
(2002). 
Beeindruckende
Ausblicke: Kirche mit Wehr. 
Große
Straße zu kleiner Ansiedlung: das ehemalige Fabrikdorf Amerika.

Die Rochsburg an der "Straße der Burgen".

Eisenbahnviadukt Göhren.

Am Ziel: Marktplatz in Wechselburg.
mehr Bilder
zur Muldetour Teil 2 hier
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