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Autor: Dieter Hurcks Copyright 7/2009

Eine Radtour auf dem Muldental-Radweg 
Teil 1 - Teil 2- Teil 3 -Teil 4 - Freiberger Mulde

Einträge für
Zimmervermieter

Quartiere an
Fernradwegen in
Deutschland

Durchs wilde 
Muldistan (2)

Von Aue nach Wechselburg

Der Muldental-Radweg führt von Aue zunächst nach Schlema. 1998 wurde die einst ebenfalls vom Bergbau geprägte Gemeinde Kurort. Schon anfangs des 20. Jahrhundert lockte das weltbekannte Radiumbad Genesung suchende Menschen aus aller Welt hierhin.



Ein Besucherbergwerk und das das Museum für Uranbergbau bieten dem Urlauber eine Menge Wissenswertes. Wir radeln bald weiter. Entlang der Strecke fällt ein langer Graben auf. Wie wir erfahren, handelt es sich um ein altes Grabensystem, den Floßgraben. Diese bergbauliche Anlage wurde zwischen 1556 und 1559 errichtet, um Grubenholz von der Zwickauer Mulde nach den Bergwerken Schneebergs zu flößen. Es ist ein Meisterwerk damaliger Vermessung. Der ursprünglich 15,3 Kilometer lange Graben erstreckt sich vom sogenannten Rechenhaus bei Bockau bis nach Oberschlema, wo er in den Schlemabach mündet. Der Flößersteig entlang des  Floßgrabens ist einer der beliebtesten Rad- und Wanderwege der Region.

Wer Zeit hat, sollte einen Abstecher nach Schneeberg machen, in die Barockstadt des Erzgebirges, deren komplett unter Denkmalschutz gestellter Stadtkern nach einem Großfeuer 1719 wieder aufgebaut wurde. In dieser idyllischen "Weihnachtsstadt des Erzgebirges", aus der viele der kunstvoll geschnitzten Weihnachtspyramiden stammen, gibt es viel zu sehen, ua. ein Museum für bergmännische Volkskunst sowie das technische Museum "Siebenschlehener Pochwerk".

Alternativ bietet sich die Fahrt nach Hartenstein an. Im 12. Jahrhundert führte die Historische Salzstraße durch diese Gegend. Schere Fuhrwerke rollten darauf von von Halle nach Böhmen. Ihr Verlauf ist streckenweise noch an tief ausgefahrenen Hohlwegen zu erkennen. Die kleine Stadt, in der 1609 der Barockdichter und Arzt Paul Flemming (1609-40) geboren wurde, wird auch das Tor zum Westerzgebirge oder die Perle des Muldentales genannt. Heute erinnern eine Gedenktafel und ein überlebensgroßes Bronzedenkmal an den berühmten Sohn der Stadt. Alte, gut restaurierte Fachwerkhäuser geben dem Marktplatz einen ganz besonderen Reiz. Dem kann man allerdings erst nach Bewältigung einiger kräftzehrender Anstiege erliegen. Und Vorsicht: In der Gegend wurden kräftig neue Straßen gebaut, so dass einen ältere Straßenpläne leicht in die Irre führen können.  

Zwickaus markantestes Haus: das Gewandhaus.

An der Silberstraße 
Etwas außerhalb der Stadt, dort, wo der Thierfelder Bach in die Zwickauer Mulde mündet, erhebt sich eine der schönsten Burgen in Sachsen. Burg Stein gehört zwar nicht zu den größten sächsischen Gemäuern, doch besonders die Oberburg, zum Teil noch aus romanischer Zeit stammend, vergegenwärtigt dem Besucher die rauhen mittelalterlichen Sitten, die endlosen Fehden und das Recht roher Gewalt. Das Feudalmuseum ist für Freunde des Mittelalters ein absolutes Muss. Beeindruckend sind noch heute die doppelten Mauern, deren Inneres über einen Wehrgang verfügt.

Über Silberstraße, wo wir auf das erste Radwegeschild treffen, radeln wir nach Wilkau-Haßlau und treffen gegen 12.30 Uhr in Zwickau ein. Nach einer Stärkung im Galerie Café auf dem Hauptmarkt, gleich in Sichtweite des Robert-Schumann-Denkmals sowie des Gewandhauses von 1522-25 mit seinem fünfgeschossigen Giebel, besichtigen wir die malerische Altstadt. Inklusive des Geburtshauses des berühmten Komponisten Robert Schumann (1810-56) und des Doms St. Marien. Zwickau, heute Sitz eines großen VW-Werkes, hat eine lange Auto-Tradition.  Denn 1904 wurde hier der erste "Horch" - lateinisch: Audi ! - produziert. Aus Horch wurde DKW, später Auto-Union, in Zwickau wurden die Porsche-Rennwagen von Stuck und Rosemeyer gefertigt, nach dem Krieg war der Name Trabant mit der Stadt verbunden, dessen letztes Exemplar am 30. April 1991 vom Band lief.

Die schönste Etappe 
Ab Zwickau folgte die für uns schönste Etappe dieser Muldental-Radtour. Fast immer direkt linksseitig des Flusses ging es auf meist gut ausgebauten Wegen zügig weiter. Nächster Ort war Glauchau, wo Beatles-Fans das Museum "Sgt. Peppers Club" in der August-Bebel-Straße besuchen können. Das Rathaus mit Meißener Glockenspiel und der historische Markt laden zum Verweilen.

Über Glauchau mit seinen Schlössern Hinterglauchau und Vorderglauchau kamen wir über Schlunzig mit seinem Storchennest auf dem Dach der Kirche nach Waldenburg. Der wunderschöne Stadtpark mit vielen Wasserflächen, der Grünfelder Park, ist ein 1790 bis 1800 angelegter Naturpark in englischem Stil und eines der dedeutendsten Beispiele sächsischer Gartenbaukunst. Nicht weit davon befinden sich das Schloss sowie die St. Bartholomäus-Kirche, die ein in der Welt einzigartiges Hilgengeläut besitzt. Waldenburg blickt auf eine im 14. Jahrhundert begründete Töpfertradition zurück, die im 16. Jahrhundert ihre Blütezeit erreichte. Immerhin fünf Töpfereien pflegen die Tradition noch heute.

Kurz darauf erreichten wir, einige kurze, aber teilweise recht steile Steigungen in den Beinen, Wolkenburg mit Mühle und Schloss. Dort war, direkt beim Café an der Brücke, eine Pause angesagt. Links der Mulde führte uns der Weg weiter vorbei am größten Schlauchwehr Europas in Thierbach/Zinnberg in die Töpferstadt Penig mit ihrem mittelalterlichen Stadtgrundriss und der aus der Zeit um 1800 stammenden Wohnbebauung, an der immer noch fleißig restauriert und renoviert wird.

Amerika in Deutschland 
Nach kurzer Rundfahrt über Kopfsteinpflasterstraßen (bzw. die Bürgersteige) führte ein steiler Anstieg zu der Fabriksiedlung Amerika mit ehemals eigener Bahnstation und sehenswerten Fachwerkhäusern. Ein steiler Weg bringt uns auf die sonnenbeschienene Hochfläche. Dieses Teilstück forderte uns nochmals eine größte Kraftanstrengung ab. Wir staunten, welch breite Straße zu den paar im Wald versteckten Häusern hinabführt.

In der Abendsonne radelten wir, rechts die majestätische Rochsburg im Blick, steil abwärts nach Lunzenau. Spätestens hier war klar, dass wir diese Etappe mit 95 Kilometern erheblich zu lang geplant hatten. Einerseits wegen der vielen Anstiege, andererseits wegen der vielen Sehenswürdigkeiten und schönen Städtchen entlang der Strecke. Eine lag noch vor uns: das 381 m lange und 68 m hohe Eisenbahn-Viadukt bei Göhren, das bei unserer Ankunft auch gerade von einem rot leuchtenden Personenzug überquert wurde. Die Spiegelung in der ruhig dahin fließenden Mulde verstärkte den Eindruck dieses imposanten Bauwerks.

Das Göhrener Viadukt ist eine Eisenbahnbrücke auf der Strecke Leipzig-Chemnitz im Ortsteil Göhren, südlich von Wechselburg in Sachsen. Das Göhrener Viadukt gehört neben der Elster- und Göltzschtalbrücke zu den eindrucksvollsten deutschen Brückenbauten aus der Frühzeit des Eisenbahnbaues. Sie überspannt das Tal der Zwickauer Mulde mit einer Höhe von 68 Meter, teilweise in zwei Etagen. Quelle: Wikipedia

Basilika Wechselburg in Sicht 
Fünf Kilometer weiter thront die Kirche von Wechselburg hoch über dem Tal der Mulde, davor etwas grau und unscheinbar das Kloster mit der zum Weltkulturerbe erhobenen Basilika, Stiftskirche der Augustinerchorherren und einer der besterhaltenen romanischen Großbauten Deutschlands. Diese mussten wir natürlich am nächsten Morgen unbedingt besichtigten. Das kleine Kloster wird übrigens seit 1993 wieder von - derzeit fünf - Mönchen des Benediktinerordens bewirtschaftet. Es wurde vom bayerischen Kloster Ettal gegründet. Um 5.40 Uhr steht täglich das erste Gebet an - gemäß dem Ordensmotto "Ora et labora" (Bete und arbeite!), Gearbeitet wird im eigenen Jugend- und Familienhaus natürlich auch. So bieten die Mönche neben Seelsorge u.a. auch Weiterbildungskurse an.

Gleich nebenan bietet der Sächsische Hof erstklassige, preiswerte Küche. Und die Gelegenheit, mit Einheimischen über Gott und die Welt zu plaudern. Einer von ihnen, Gerd Zillmann, empfahl uns seinen Laden, wo wir auch am nächsten Morgen unsere Vorräte ergänzten.

 

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Freiberger Mulde

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Sägewerk bei Sosa.

Eingedeicht: zu recht, wie das zerstörerische Hochwasser im August 2002 gezeigt hat.

Geburtshaus von Robert Schumann in Zwickau.

Industrieruine (2002).

Beeindruckende Ausblicke: Kirche mit Wehr.

Große Straße zu kleiner Ansiedlung: das
ehemalige Fabrikdorf Amerika.



Die Rochsburg an der "Straße der Burgen".




Eisenbahnviadukt Göhren.



Am Ziel: Marktplatz in Wechselburg.





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