Münsterland: die Route
der 100 Schlösser
Das Münsterland
gilt gemeinhin als flach, was es auch durchweg ist. Jedoch gibt es einige
Erhebungen, über die der Bayer zwar müde lächeln dürfte, die jedoch
den Durchschnittsradler doch ganz schön fordern können. Aber keine
Bange: Mal ab und an ein paar hundert Meter schieben tut der Muskulatur
ganz gut.
Die Tourismus-Strategen haben die große Zahl an Schlössern und
Burgen im Land zwischen dem Ruhrgebiet, den Niederlanden und Ostwestfalen
zur Konstruktion einer “100 Schlösser Route” genutzt. Diese umfasst
eine Strecke von mehr als 1400 durchweg gut ausgeschilderten Kilometern,
wobei jedoch die “Schlösserdichte” sich äußerst ungleichmäßig
darstellt. 2008 wurde diese Route durch den ADFC
zertifiziert und mit vier Sternen ausgezeichnet.
Start in Ibbenbüren
Sei’s drum. Wir starten unsere Tour in Ibbenbüren auf Karte 1
des von der Bielefelder Verlagsanstalt herausgegebenen Radwanderführers
„100 Schlösser Route“. Gleich hinter dem Naherholungsgebiet Aasee der
50.000 Einwohner zählenden Bergbaustadt radeln wir durch leicht hügeliges
Gelände parallel zur Bahnstrecke. Wunderbar ruhig ist es, nur ab und zu
überholt uns ein Auto oder donnert ein Zug vorbei. Hinter Laggenbeck können
wir rechts die A 30 sehen und hören und sind froh, nicht in einer der
Blechkisten sitzen zu müssen.
Durch Hambühren mit dem Haus Velpe, einem ehemaligen Rittergut,
radeln wir westwärts. Es ist ein herrlicher Spätsommertag im September
2004. Selbst der kurze Anstieg hinter Velpe kann unsere gute Laune nicht
trüben.
In Lotte, das immer mit dem Zusatz “bei Osnabrück” verkauft
wird, obwohl es noch zu Nordrhein-Westfalen gehört, gönnen wir uns beim
Bäcker ein Stück Himbeertorte mit Schlagsahne - gleich gegenüber dem
schmucken Haus Hewerth, vor dem ein “Wappenbrunnen” leise plätschert.
Kleine Museen laden ein
Kurz hinter Lotte gibt es ein Traktorenmuseum, das allerdings
gerade geschlossen hat. Zu besichtigen ist es vom 1. April bis 31. Oktober
freitags von 14 bis 14 sowie samstags, sonntags und feiertags von 10 bis
18 Uhr.
Von hier kann man der alten Route folgen, die mit einem blechernen
Schloss-Symbol gekennzeichnet und naturnah - sprich: durch hügeliges Gelände
und auf Wirtschaftswegen - geführt ist. Dagegen weist das rot-weiße
“moderne” Schild den Weg entlang der glatten, leichter befahrbaren
Asphaltstraße. Wir wählen die Stille!
Nach einigem Auf und Ab erblicken wir die Kirche von Westerkappeln,
unternehmen einen Abstecher zu unserem ersten Wasserschloss, dem
ehemaligen Rittergut “Haus Cappeln”. Seine Entstehung geht auf die
Grafen von Ravensberg zurück, die im 12. Jh. in Westerkappeln
Grundherrschaft und Hoheitsrechte hatten. Nach der kurzen Außenbesichtigung
radeln wir an der Wassermühle Velpe/Westerkappeln, einer ehemaligen Gutsmühle,
die 1560 von der Familie von Velpe erbaut wurde, vorbei gen Mettingen.
Vorsicht: Direkt vor der Mühle birgt eine quer über den Weg verlaufende,
schlecht erkennbare Abflussrinne höchste Sturzgefahr!
Wasch- und Quatsch-Stelle
Kurz vor Mettingen weist ein hölzernes Schild auf eine alte
Waschstelle hin, die noch nach dem 2. Weltkrieg bis in die Zeiten der
ersten Waschmaschinen genutzt wurde. Aber “nicht zum Waschen, sondern
zum Spülen”, wie uns eine ältere Dame aufklärt. Und in der Hauptsache
seien die Damen des Dorfes hierher “zum Quatern” gekommen.
Mettingen ist ein
schönes Örtchen mit mehreren kleinen Museen und einer alles überragenden
Kirche. Sehenswert ist vor allem das Ensemble rund um den Schultenhof.
Bergbau-Tradition
Auf Mettinger Gebiet befindet sich mit dem Ibbenbürener
Nordschacht (1.545 m) der tiefste Steinkohlenschacht der Erde. Die Ibbenbürener
Anthrazit-Lagerstätte, eine ca. 55 km² große Karbonscholle - der
Schafberg nördlich der Stadt Ibbenbüren - bildet die Grundlade für das
nördlichste deutsche Steinkohlenrevier. Während die obersten, teilweise
zutage tretenden Flöze bereits im Mittelalter bergmännisch abgebaut
wurden, konzentriert sich die heutige Gewinnung auf die in großer Tiefe
in Mächtigkeiten von 1 bis 2,5 m waagerecht liegenden Anthrazit-Flöze.
Kraftwerke im weiteren Umkreis sowie der im Nahbereich der Zeche
errichtete 770 MW-Block setzen Anthrazit-Feinkohle zur Elektrizitätserzeugung
ein. Nusskohle wird unsubventioniert am europäischen Markt zur Wärmeerzeugung
vertrieben. Betreiber des Steinkohlenbergwerkes ist die DSK Anthrazit
Ibbenbüren GmbH.
Nicht von ungefähr ist Mettingen als das "Tüöttendorf"
bekannt. Haben doch die Menschen mit dieser einmaligen Berufsbezeichnung
die Geschichte und das äußere Gesicht der am Nordhang des Schafberges
gelegenen Gemeinde nachhaltig beeinflusst. Aber was bedeutet das
eigenwillige Wort "Tüötten"? Es ist kaum zu glauben: Dieses Händlervölkchen
besaß eine eigene, 1902 erstmalig entdeckte Geheimsprache, in der sie
sich mit "Tüötten" bezeichneten; das Wort stammt aus dem
altgermanischen tiüchan = ziehen, toddeln, strecken.
Vieles gäbe es hierzu und zur Geschichte der "Tüötten"
noch zu sagen. Besuchen Sie daher einmal das "Tüöttenmuseum"
im Romantik Hotel Telsemeyer, das mit anschaulichen Bildern, Karten,
Gebrauchsgegenständen und Schriften die Geschichte dieser in Deutschland
einmaligen Leinenhausierhändler aufzeigt (Quelle: www.mettingen
de).
Leinenhändler
Vorbei an der Alten Ruthemühle mit Backhaus und Korbmuseum
erreichen wir hinter Recke den Mittelland-Kanal, den wir jedoch bald
wieder landeinwärts verlassen. Nun werden die Wege holpriger. Durch das
Naturschutzgebiet “Heiliges Feld”, von dem wir allerdings die
Highlights nicht sehen, weil der Zugang für Fahrradfahrer verboten ist, nähern
wir uns Hopsten, unserem ersten Tagesziel nach 84 km. Den Tag beschließt
eine kleine Ortsgrundfahrt mit Fotoshooting u.a. vom “Tödde von
Hopsten”. Hopsten nennt sich die „Töddengemeinde“ und besitzt
folglich eine Töddenskulptur an prädestinierter Stelle.
Tüötten oder Tödden oder vielleicht doch Tiötten? Wer waren
diese Menschen mit den für aussenstehende eigentümlich anmutenden
Bezeichnungen? Die Tüötten waren die aus dem Tecklenburger Land
stammenden Leinenverkäufer, die mit ihren Leinenpacken ursprünglich ins
benachbarte Holland und später durch halb Europa reisten und es so zu
Ansehen und Wohlstand brachten.
Entstanden war die Töddentradition jedoch aus bitterer Not: Gutes
Ackerland war im nördlichen Tecklenburger Land rar. Auf den sandigen
armen Böden reiften nur Hanf und Flachs - die Rohstoffe der
Leinenherstellung - in ausreichendem Maße (Quelle: www.steinfurt.city-map.de).
Kanal-Mündung
Die Wallfahrtkapelle Breischen ist das erste markante Zwischenziel
am zweiten Radeltag. Das Ziel ist Gronau und liegt 98 km entfernt. In
Dreierwalde radeln wir ein Stück entlang der Hörsteler Aa. Die Wege sind
vielfach schattig, was uns an diesem warmen Tag die Hitze gut aushalten lässt.
Über Hörstel erreichen wir nach Überqueren des Mittellandkanals bei
Kilometerstand 33 das Kloster Gravenhorst. Es wirkt ein wenig zu neu, um
richtig Eindruck zu schinden, bietet aber Gastronomie und eine saubere
Toilettenanlage. Nebenan rauscht auf der A 30 der Autoverkehr vorbei.
Vom Kloster aus unterqueren wir die Autobahn und schieben 200 m
bergauf durch einen wundervollen Wald. Eine rasante Abfahrt belohnt uns für
die Mühe. Auf der „Millionenbrücke“ überqueren wir letztmals den
Mittelland-Kanal, der wenige hundert Meter später in den
Dortmund-Ems-Kanal mündet. “Am nassen Dreieck” heißt denn auch
folgerichtig die Gastwirtschaft dort, deren Biergarten zu dieser frühen
Stunde schon gut besetzt ist. Ein bekanntes Ausflugsziel eben! Über den
Kanal führt eine sehenswerte Stahlbogenbrücke.
Schattige Wege
Schöne Fachwerkhäuser grüßen in Bevergen. Bevergern ist eine
kleine, reizvolle, vormalige Ackerbürgerstadt. Sie ist seit 1325 bezeugt
und hat seit 1366 Stadtrechte. Sehens- und besuchenswert ist die spätgotische,
katholische Pfarrkirche mit reichem, künstlerisch wertvollem
Schnitzwerk (16. bis 18. Jhd.) und zwei bedeutenden Marienskulpturen (15
Jhd.). Neben der Kirche liegt das Heimathaus mit beachtenswerten
Sammlungen aus Geschichte, Brauchtum, Handwerk und sakralen Kunstgegenständen
des Städtchens sowie der sprachwissenschaftlichen Bibliothek von Prof.
Dr. Anton Hilckman.
Die Bevergerner Schleusenanlage (an der
Westfalenstraße) besteht aus einer großen Schleuse (erbaut 1911/1915)
und einer kleinen Schleuse aus dem Jahre 1899. Informationen erhalten
Interessierte über eine Informationstafel auf der Besucherplattform.
Besonderheiten: Schleusenhöhe (Wasserspiegelunterschied) ca. 8m, Länge
der Schleusenkammer ca. 165 m (Quelle: www.hoerstel.de/bev.htm).
Malerisches Schloss
Südlich von Bevergen bezaubert das malerische Wasserschloss
Surenburg bei Riesenbeck mit wunderschönen Gartenanlagen. Das Haus Surenburg gehört zu den kleineren Wasserburgen Westfalens,
ist aber heute das bedeutendste
weltliche Bauwerk des Tecklenburger Landes und gehört nach Lage
und Gestalt zu den besonders
malerischen Schlössern des Münsterlandes.
Zur Gesamtwirkung tragen die zahlreichen hochstämmigen Alleen
ebenso bei wie der abwechslungsreiche, weitgedehnte Forst, der mit
einheimischen und exotischen Baumarten das Schloss mit seinen
Wirtschaftsgebäuden und Gärten eng
umschließt. Es soll der Wohnsitz von Constantin Freiherr von Heeremann, dem ehemaligen Präsidenten
des Deutschen Bauernverbandes, sein (Quellen:
www.hoerstel.de u.a.).
Durch den schattenspendenden Forst führt uns der Weg gen Rheine.
76.000 Einwohner leben in der Stadt an der Ems, deren Kirchturm markant am
Horizont steht, als wir den Fluss neben der Eisenbahnstrecke überqueren
und entlang der Ems in die City rollen.
Flott auf der Bahntrasse
Nach kurzer Rast in Rheine erreichen wir zügig das 14.000
Einwohner zählende Neuenkirchen. Die Route, die seit Rheine auf einer
ehemaligen Bahntrasse verläuft, ermöglicht zügiges Fortkommen. Die
Eisdiele am Ort muss ausdrücklich gelobt werden. Gleich gutes Eis habe
ich bisher nur in Wiedenbrück, im Hannoverschen Hauptbahnhof und in Bad Münder
gegessen.
Der doppeltürmige Kirchturm von Neuenkirchen ist als Ganzes schwer
aufs Foto zu bannen, zu eng ist der Ortskern bebaut.
Bald rollen wir wieder auf der Bahntrasse und erfreuen uns am Idyll
mit Schafen und Kirche in Welbergen. Bei der Kirche handelt es sich um einen im 1. Jahrhundert entstandenen
einschiffigen romanischen Bau. Die historische Verbindung mit Haus Welbergen
schaffen das große Renaissance-Epitaph mit der Wappentafel der Famile
Oldenhuis in der Kirche sowie der Gräber der Famile von Druffel auf dem
Kirchhof.
An Wettringen vorbei radelnd erreichen wir Ochtrup. Am Ortseingang
begrüßt uns ein imposanter Industriebau. Die Textilindustrie hatte in
dieser Region früher eine große Bedeutung, ist inzwischen aber nach
China „ausgewandert“. Die Villa Winkel und die Windmühle beim Freibad
sind schöne Fotomotive, letzteres erfordert jedoch einen kräftigen Tritt
in die Pedale. Bei der Kornwindmühle auf dem Ochtruper Berg handelt es sich um
eine der letzten im holländischen Stil errichteten Windmühlen vom Typ
"Wallholländer". Sie ist als Denkmal unter Schutz gestellt und
trägt Wahrzeichencharakter für die Stadt Ochtrup. Die Mühle wurde im
Jahre 1848 errichtet. Mit dem Sterben der Windmühlen in Westfalen wurde
auch die Ochtruper Mühle 1955 stillgelegt, bis 1972 der Heimatverein
Renovierungsarbeiten an der Mühle aufnahm. 1988 bis 1992 fand eine
durchgreifende Sanierung statt, um die Funktionsfähigkeit
wiederherzustellen. Heute arbeiten wieder drei Windmüller aus der Familie
Nobbenhuis auf der Mühle.
Ochtrup, bestehend aus den Stadtteilen
Ochtrup, Langenhorst und Welbergen, ist ein Mittelzentrum mit rund 19.000
Einwohnern und liegt im nordwestlichen Münsterland. Ochtrup reicht mit
seiner Nordwestgrenze bis an die Dreiländerecke "Driland". Hier
stoßen die Grenzen der Länder Nordrhein-Westfalen,
Niedersachsen und die Niederlande aneinander. Ochtrup verfügt über ausgedehnte
Tonvorkommen, und so gibt es heute noch zwei Betriebe, in denen das alte Töpferhandwerk
weiterhin gepflegt wird. Im Töpfermuseum
kann man sich über die Geschichte dieses Wirtschaftszweiges informieren
(Quelle: www.ochtrup.de).
Nun ist das Tagesziel Gronau nicht mehr fern. Am Dreiländersee
legen wir eine letzte Rast in der Nachmittagssonne ein. Am Kiosk kann man
preiswert speisen und den Tretbooten und Segelschiffen zuschauen. Zum
Quartier auf einem preisgekrönten Ferienbauernhof ist es nicht mehr weit.
Rocken und rollen
Gronau ist die Heimatstadt Udo Lindenbergs. Wo früher das Herz der
Textilindustrie schlug, lockt jetzt das von Udo initiierte Rockmuseum die
Besucher an. Eingebettet ist es in die Parklandschaft der Euregio, ein
fantasievoll gestaltetes Gelände aus Kunst, Wasser und Gärten.
Das Museum wurde am 21. Juli 2004 als
europaweit einziges Haus der Rock- und Popgeschichte geöffnet. Das
Ausstellungskonzept erzählt die Kulturgeschichte der Popularmusik im 20.
Jahrhundert, unterstützt durch modernste Medientechnologie. Ganz bewusst
unternimmt das Museum dabei den Schritt, der Popkultur und ihrer künstlerischen
Vielfalt ein seriöses Kleid und ein neues Forum zu geben.
Das Museum ist kein Ort, der allein
Devotionalien präsentiert. Im Zentrum steht die Musik. Die Ausstellung
verknüpft Erlebnis mit Information, sinnliche Erfahrung mit Interaktion:
Klangkorridore und mediale Installationen machen Sound erlebbar.
Tondokumente herausragender Musiker versetzen den Besucher in ehemalige
Konzertstätten. Stars werden hautnah projiziert - und ihre Erinnerungsstücke
werden lebendig. Die Entwicklung des Sounds wird - von der Wachswalze bis
zur digitalen Klangkunst - zu hören sein. Rhythmusfelder laden ein zum
Trommeln. Man kann
eintauchen in eine neue Komposition zum Thema Trance. Musik wird fühlbar
(Quelle: www.rock-popmuseum.de).
Ausflug nach Holland
Was ein echter Backfischfreund und Lakritzfan ist, der wird die
zehn Kilometer bis Enschede gern in Kauf nehmen. Zwar wird dort wie schon
vor zwei Jahren immer noch kräftig gebaut, aber Fisch und Lakritze gibt
es dort - selbst wenn nicht Dienstag oder Sonnabend und damit Markttag
ist.
Zurück geht es zügig entlang der B 54, die in Holland N 35 heißt,
zur 100-Schlösser-Route. Diese führt durch dünn besiedelte Gegenden.
Mangels Sehenswürdigkeiten erreichen wir schnell Nienborg mit der Burg,
der Wassermühle und dem Langen Haus, in dem seit 1989 die
Landesmusikakademie untergebracht ist. Durch das Burgtor - der jetzige Bau
stammt im Kern aus dem 14. Jahrhundert - kehren wir auf die Hauptstraße
zurück.
In Heek wird gerade der Marktplatz gereinigt. Kirche und Stift
Metelen sind ein schönes Fotomotiv, ehe uns hinter der Brüningmühle Schöppingen
empfängt. “Auschwitz 969 km” steht auf einem gelbschwarzen Mahnmahl.
Das Künstlerdorf mit seinen Galerien und Malerwerkstätten wirkt
ausgestorben.
Über den Berg
In Schöppingen verwirrt uns die Wegebeschilderung mit ihren gleich
gestalteten, aber in verschiedene Richtungen weisenden Pfeilen. Klar ist:
Wir müssen bergauf. Nach ein paar Schlenkern und Schiebeeinlagen finden
wir uns dann, auf dem Gipfel des Schöppinger Bergs, am Fusse des
“Fernsehturms” wieder und entdecken bald den Wegweiser nach Leer
(nicht zu verwechseln mit dem nahen Laer).
Die Gemeinde Schöppingen mit dem
Ortsteil Eggerode liegt an den Ausläufern der Baumberge im westlichen Münsterland, Kreis
Borken, (NRW, Deutschland). Im Mittelalter war der Ort Hauptstadt des
Skopinggaues (Skopingen = Schöppingen). Urkundlich wird der Ort Schöppingen
erstmals 838 erwähnt.
Kulturgeschichtlich bedeutsame Sehenswürdigkeiten sind u.a. die St.
Brictius-Kirche mit westfälischer Tafelmalerei aus der Mitte
des 15. Jahrhunderts (romanischer Turm/1100 und gotische
Hallenkirche/1455) mit dem bekannten Altarbild des „Meisters von Schöppingen", sowie das im Renaissancestil
erbaute Rathaus (1583). International bekannt wurde Schöppingen 1990,
als dort das Künstlerdorf eröffnet wurde. In zwei historischen Bauernhöfen wurden nach der
Renovierung der Hof der Literaten und der Hof der Bildenden Künstler
eingerichtet.
Das Rathaus wurde in der heutigen Form,
zweigeschossig mit Satteldach und Staffelgiebeln im Jahre 1583 gebaut. Das
Rathaus ist weit über Schöppingens Grenzen hinaus als kunsthistorisches
Kleinod bekannt.
Vom Schöppinger Berg (156 m) aus genießt man eine hervorragende
Weitsicht über das nordwestliche Münsterland bis weit in die Niederlande hinein.
Auf dem Hochplateau steht die Bergkapelle.
"Hiärgott, wat häs Du us ne schöne Wiält üöverloaten - Mein
Gott wie schön ist die Welt, die Du uns überlassen hast", beginnt
das Gebet in der Bergkapelle (Quelle: www.schoeppingen.de).
Zügig geht es durch den Wald talwärts. Kurz vor Burgsteinfurt,
unserem Tagesziel, kehren wir im Haus Veltrup ein. Der Kornspeicher des
ehemaligen, in den 70er Jahren abgebrannten Gutes, beherbergt heute ein
heimeliges Lädchen und lädt bei gutem Wetter auf der sattgrünen Wiese
zur Rast im Kaffeegarten ein.
Nach knapp 85 km erreichen wir unser Quartier in Burgsteinfurt und
genießen den schönen Abend bei einem ausgedehnten Stadtbummel. Leider
ist wegen des Golfplatzes das malerische Schloss nur von einer Seite zugänglich.
Mächtige Wasserburg
Das Schloss Steinfurt ist eine der ältesten und
mächtigsten Wasserburgen des Münsterlandes - und eine der schönsten!
Mit außergewöhnlichem Charakter. Weil die flache Landschaft weder hohe
Berge noch schroffe Klippen aufweisen konnte, ließen die damaligen
Baumeister breite Wassergräben und künstliche Inseln anlegen, auf denen
sie ihre Festungsanlage errichteten. So schufen die "Edlen
Herren" auch das Fundament für die Stadt Steinfurt: Im Schutze der
Burg entstand die erste Marktsiedlung - genannt "Stat to
Stenvorde".
Die Steinfurter Burg - im Laufe der Zeit mehrfach zerstört, wieder
aufgebaut und erweitert - zeigt facettenreiche Elemente aus Romanik,
Rokoko und Klassizismus. Noch heute leben hier die Nachfahren der Erbauer:
die Familie des Fürsten zu Bentheim und Steinfurt. Doch sind Gäste -
nach Anmeldung - willkommen. Doppelkapelle, Burghöfe und der prächtige
Rittersaal mit seinen geheimnisvollen Kreuzgewölben lassen die
Vergangenheit lebendig werden.
Der Giebel des Alten Rathauses
beherrscht auch heute noch den Marktplatz Burgsteinfurts. Der Rathausturm
ruht auf einem so genannten Kaiserstiel. In der ehemals offenen Halle
befanden sich die Stadtwache und eine Arrestzelle. Mehrfach restauriert
beherbergt das Rathaus heute den Verkehrsverein Steinfurt (Quelle: www.steinfurt-touristik.de).
Auf nach Münster
Von Burgsteinfurt aus radeln wir südwärts durch den Bagno, dem
ehemaligen Lustgarten des Grafen zu Bentheim-Steinfurt. Direkt am Schloss
schuf der Reichsgraf eine exotische Gartenlandschaft mit chinesischem
Palais und griechischem Tempel, kleinen Brunnen und Terrassenkaskaden. Für
seine Hofkapelle ließ der Graf 1774 inmitten des Bagnos nach dem Vorbild
der Schlossgalerie "Grand Trianon" in Versailles einen
Konzertsaal errichten: die "Grande Galerie pour les Concerts"
mit aufwendigen Stuckdekorationen im "Louis XVI-Stil",
grottierter Wandnische, Spiegelwänden und Deckenspiegeln. Im Frühjahr
1997 öffneten sich - nach umfangreichsten Restaurierungen und
Rekonstruktionen - wieder die Türen für eine Reihe glanzvoller
musikalischer Veranstaltungen.
Bei Laer erreichen wir wieder den 100-Schlösser-Radweg. Vielfach
geht die Fahrt nun auf typisch münsterländischen Pättkes, schmalen
Pfaden, über Altenberge und Nordwalde nach Greven. Dort steht der neu
angelegte Emsradweg kurz vor der Fertigstellung und Freigabe. Über den
regionalen Radweg R 40 erreichen wir am frühen Nachmittag Münster.
Verwendetes Kartenmaterial: 100 Schlösser Route, Bielefelder
Verlagsanstalt, ISBN 3-87073-051-X, 9,95 € - bestellen
Weitere
Titel hier
Die 100 Schlösser Route ist erstklassig
(Oktober 2008)
ADFC-Qualitätsradroute
mit vier Sternen
Die 100 Schlösser Route wird vom Allgemeinen
Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) mit vier von fünf möglichen Sternen als
ADFC-Qualitätsradroute ausgezeichnet. Der stellvertretende
ADFC-Bundesvorsitzende Bertram Giebeler überreicht heute die
Zertifizierungsurkunde an den Verbandsvorsitzenden der Münsterland
Touristik und die Landräte der Region. Die Übergabe findet in der Burg
Hülshoff bei Havixbeck statt.
Die 100 Schlösser Route überzeugte vor allem
durch ihre abwechslungsreiche Routenführung und die perfekte Wegweisung
im Rahmen des NRW-Radverkehrsnetzes. Auf 960 Kilometern schlängelt sich
die Strecke durch das Münsterland. Die meist verkehrsarmen Wege verbinden
mehr als 100 Wasserschlösser und Burgen miteinander. Mit ihren vier
Rundkursen, die gänzlich ohne Steigungen auskommen, ist die Route auch
sehr gut für Wochenendtouren geeignet.
Zehn Kriterien fließen in die Gesamtbewertung
ein, darunter die Qualität der Oberfläche, die Sicherheit, die Anbindung
an öffentliche Verkehrsmittel und die touristische Infrastruktur entlang
der Strecke. Nur Radfernwege, die die strengen Prüfkriterien des ADFC
erfüllen, können die Auszeichnung als ADFC-Qualitätsradroute erhalten.
Voraussetzung hierfür ist eine detaillierte Bestandsaufnahme durch
geschulte Routentester, die den gesamten Streckenverlauf der Route mit dem
Fahrrad abfahren. Dabei kommen standardisierte Prüfungsunterlagen zum
Einsatz, mit deren Hilfe die Tester die einzelnen Etappen bewerten.
Der Erfolg des kreisübergreifenden
Kooperationsprojektes ist nicht zuletzt auch auf aktuelle Verbesserungen
zurückzuführen, die nach der ersten Befahrung durch die Routentester
vorgenommen wurden. So sind es vor allem die Radreisenden, die ganz
konkret vom Zertifizierungsprozess profitieren.
Weitere Informationen zur Zertifizierung von
Radfernwegen durch den ADFC und weitere ADFC-Qualitätsradrouten gibt es
unter www.adfc.de/5926_1.
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Kühe in Ibbenbüren.

Ruhige Straßen bei Laggenbeck - nur
ab und zu ein Zug oder Auto stören die Ruhe.

Haus
Hewerth in Lotte. 
Haus
Cappeln in Westerkappeln. 
Mettingen:
Skulpturen erinnern an die Geschichte des "Tüottendorfes". 
Schöner
Ortskern in Hopsten. 
Ehemaliges
Kloster Gravenhorst. 
Farbenpracht
vor dem Haus Surenburg. 
WDR-Funkhaus
in Rheine. 
Villa
Winkel in Ochtrup. 
Rock-
und Pop-Museum in Gronau. 
Auch
der Initiator Udo Lindenberg ist auf der Frontseite des Museums zu finden. 
Euregio:
Wasser, Kunst und Pflanzen in Gronau. 
Das
Burgtor in Nienborg. 
Skulptur
in Heek. 
Das
Rathaus in Burgsteinfurt. 
Burgsteinfurt:
Schlossmühle und Restaurant. 
Burgsteinfurt
besitzt eine gut erhaltene Schlossanlage. 
Mühle
in Laer. 
Typisch
münsterländisches Pättken. 
Das
Ziel Münster ist nicht mehr fern. Über Greven sind es jedoch noch ein
paar Kilometer mehr.
Übernachtungen
Hopsten:
Gasthof und Restautrant "Zum heiligen Feld", Heinrich
Schmidt, Ibbenbürener Str. 24, 48496 Hopsten, Tel.: 0 54 58 / 70 95, 30
Euro im DZ, komfortabel
Gronau:
Ferienhof Laurenz, Am Fürstenbusch 20, Tel.: 02562/3100,
25 € im DZ, außerhalb gelegen, ruhig, eigene Gastronomie mit
reichlichem Essen
Burgsteinfurt:
Privatzimmer Anneliese Laues, Gerichtstr. 23, Tel.
02551-2823, 20 Euro in zwei aneinander liegenden Zimmern, harte Bettcouch,
gutes Frühstück, citynah
Münster: Jugendgästehaus Aasee (Jugendherberge),
Bismarckallee 31,
48151 Münster, Tel: 02 51 / 53 02 8 - 12, E-Mail: jgh-muenster@djh-wl.de,
komfortabel, stadtnahe Lage, 29,50 € im Zweibett-Zimmer.
Etappen
Ibbenbüren-Hopsten 84 km
Hopsten-Gronau 98 km
Gronau-Burgsteinfurt 84 km
Burgsteinfurt-Münster 80 km
Zu
dieser Radtour ist
eine mit Musik vertonte Diaschau auf DVD erschienen.
Bestellseite
Teil
1 der Schlösser-Tour (2001)

Teil
2 der Schlösser-Tour (2007)
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