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Autor: Dieter Hurcks Copyright 9/2004

Von dieser 346 km langen Tour von Ibbenbüren durchs Münsterland ist eine vertonte Fotoschau auf DVD erschienen: weitere Infos.

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Zimmervermieter

Quartiere an
Fernradwegen in
Deutschland

Münsterland: die Route
der 100 Schlösser  

Das Münsterland gilt gemeinhin als flach, was es auch durchweg ist. Jedoch gibt es einige Erhebungen, über die der Bayer zwar müde lächeln dürfte, die jedoch den Durchschnittsradler doch ganz schön fordern können. Aber keine Bange: Mal ab und an ein paar hundert Meter schieben tut der Muskulatur ganz gut.

Die Tourismus-Strategen haben die große Zahl an Schlössern und Burgen im Land zwischen dem Ruhrgebiet, den Niederlanden und Ostwestfalen zur Konstruktion einer “100 Schlösser Route” genutzt. Diese umfasst eine Strecke von mehr als 1400 durchweg gut ausgeschilderten Kilometern, wobei jedoch die “Schlösserdichte” sich äußerst ungleichmäßig darstellt. 2008 wurde diese Route durch den ADFC zertifiziert und mit vier Sternen ausgezeichnet.  

Start in Ibbenbüren

Sei’s drum. Wir starten unsere Tour in Ibbenbüren auf Karte 1 des von der Bielefelder Verlagsanstalt herausgegebenen Radwanderführers „100 Schlösser Route“. Gleich hinter dem Naherholungsgebiet Aasee der 50.000 Einwohner zählenden Bergbaustadt radeln wir durch leicht hügeliges Gelände parallel zur Bahnstrecke. Wunderbar ruhig ist es, nur ab und zu überholt uns ein Auto oder donnert ein Zug vorbei. Hinter Laggenbeck können wir rechts die A 30 sehen und hören und sind froh, nicht in einer der Blechkisten sitzen zu müssen.

Durch Hambühren mit dem Haus Velpe, einem ehemaligen Rittergut, radeln wir westwärts. Es ist ein herrlicher Spätsommertag im September 2004. Selbst der kurze Anstieg hinter Velpe kann unsere gute Laune nicht trüben.

In Lotte, das immer mit dem Zusatz “bei Osnabrück” verkauft wird, obwohl es noch zu Nordrhein-Westfalen gehört, gönnen wir uns beim Bäcker ein Stück Himbeertorte mit Schlagsahne - gleich gegenüber dem schmucken Haus Hewerth, vor dem ein “Wappenbrunnen” leise plätschert.

Kleine Museen laden ein

Kurz hinter Lotte gibt es ein Traktorenmuseum, das allerdings gerade geschlossen hat. Zu besichtigen ist es vom 1. April bis 31. Oktober freitags von 14 bis 14 sowie samstags, sonntags und feiertags von 10 bis 18 Uhr.

Von hier kann man der alten Route folgen, die mit einem blechernen Schloss-Symbol gekennzeichnet und naturnah - sprich: durch hügeliges Gelände und auf Wirtschaftswegen - geführt ist. Dagegen weist das rot-weiße “moderne” Schild den Weg entlang der glatten, leichter befahrbaren Asphaltstraße. Wir wählen die Stille!

Nach einigem Auf und Ab erblicken wir die Kirche von Westerkappeln, unternehmen einen Abstecher zu unserem ersten Wasserschloss, dem ehemaligen Rittergut “Haus Cappeln”. Seine Entstehung geht auf die Grafen von Ravensberg zurück, die im 12. Jh. in Westerkappeln Grundherrschaft und Hoheitsrechte hatten. Nach der kurzen Außenbesichtigung radeln wir an der Wassermühle Velpe/Westerkappeln, einer ehemaligen Gutsmühle, die 1560 von der Familie von Velpe erbaut wurde, vorbei gen Mettingen. Vorsicht: Direkt vor der Mühle birgt eine quer über den Weg verlaufende, schlecht erkennbare Abflussrinne höchste Sturzgefahr!

 

Wasch- und Quatsch-Stelle

Kurz vor Mettingen weist ein hölzernes Schild auf eine alte Waschstelle hin, die noch nach dem 2. Weltkrieg bis in die Zeiten der ersten Waschmaschinen genutzt wurde. Aber “nicht zum Waschen, sondern zum Spülen”, wie uns eine ältere Dame aufklärt. Und in der Hauptsache seien die Damen des Dorfes hierher “zum Quatern” gekommen.

Mettingen ist ein schönes Örtchen mit mehreren kleinen Museen und einer alles überragenden Kirche. Sehenswert ist vor allem das Ensemble rund um den Schultenhof.

Bergbau-Tradition

Auf Mettinger Gebiet befindet sich mit dem Ibbenbürener Nordschacht (1.545 m) der tiefste Steinkohlenschacht der Erde. Die Ibbenbürener Anthrazit-Lagerstätte, eine ca. 55 km² große Karbonscholle - der Schafberg nördlich der Stadt Ibbenbüren - bildet die Grundlade für das nördlichste deutsche Steinkohlenrevier. Während die obersten, teilweise zutage tretenden Flöze bereits im Mittelalter bergmännisch abgebaut wurden, konzentriert sich die heutige Gewinnung auf die in großer Tiefe in Mächtigkeiten von 1 bis 2,5 m waagerecht liegenden Anthrazit-Flöze. Kraftwerke im weiteren Umkreis sowie der im Nahbereich der Zeche errichtete 770 MW-Block setzen Anthrazit-Feinkohle zur Elektrizitätserzeugung ein. Nusskohle wird unsubventioniert am europäischen Markt zur Wärmeerzeugung vertrieben. Betreiber des Steinkohlenbergwerkes ist die DSK Anthrazit Ibbenbüren GmbH.

Nicht von ungefähr ist Mettingen als das "Tüöttendorf" bekannt. Haben doch die Menschen mit dieser einmaligen Berufsbezeichnung die Geschichte und das äußere Gesicht der am Nordhang des Schafberges gelegenen Gemeinde nachhaltig beeinflusst. Aber was bedeutet das eigenwillige Wort "Tüötten"? Es ist kaum zu glauben: Dieses Händlervölkchen besaß eine eigene, 1902 erstmalig entdeckte Geheimsprache, in der sie sich mit "Tüötten" bezeichneten; das Wort stammt aus dem altgermanischen tiüchan = ziehen, toddeln, strecken.

Vieles gäbe es hierzu und zur Geschichte der "Tüötten" noch zu sagen. Besuchen Sie daher einmal das "Tüöttenmuseum" im Romantik Hotel Telsemeyer, das mit anschaulichen Bildern, Karten, Gebrauchsgegenständen und Schriften die Geschichte dieser in Deutschland einmaligen Leinenhausierhändler aufzeigt (Quelle: www.mettingen de).

Leinenhändler

Vorbei an der Alten Ruthemühle mit Backhaus und Korbmuseum erreichen wir hinter Recke den Mittelland-Kanal, den wir jedoch bald wieder landeinwärts verlassen. Nun werden die Wege holpriger. Durch das Naturschutzgebiet “Heiliges Feld”, von dem wir allerdings die Highlights nicht sehen, weil der Zugang für Fahrradfahrer verboten ist, nähern wir uns Hopsten, unserem ersten Tagesziel nach 84 km. Den Tag beschließt eine kleine Ortsgrundfahrt mit Fotoshooting u.a. vom “Tödde von Hopsten”. Hopsten nennt sich die „Töddengemeinde“ und besitzt folglich eine Töddenskulptur an prädestinierter Stelle.

Tüötten oder Tödden oder vielleicht doch Tiötten? Wer waren diese Menschen mit den für aussenstehende eigentümlich anmutenden Bezeichnungen? Die Tüötten waren die aus dem Tecklenburger Land stammenden Leinenverkäufer, die mit ihren Leinenpacken ursprünglich ins benachbarte Holland und später durch halb Europa reisten und es so zu Ansehen und Wohlstand brachten.
Entstanden war die Töddentradition jedoch aus bitterer Not: Gutes Ackerland war im nördlichen Tecklenburger Land rar. Auf den sandigen armen Böden reiften nur Hanf und Flachs - die Rohstoffe der Leinenherstellung - in ausreichendem Maße (Quelle: www.steinfurt.city-map.de).

Kanal-Mündung

Die Wallfahrtkapelle Breischen ist das erste markante Zwischenziel am zweiten Radeltag. Das Ziel ist Gronau und liegt 98 km entfernt. In Dreierwalde radeln wir ein Stück entlang der Hörsteler Aa. Die Wege sind vielfach schattig, was uns an diesem warmen Tag die Hitze gut aushalten lässt. Über Hörstel erreichen wir nach Überqueren des Mittellandkanals bei Kilometerstand 33 das Kloster Gravenhorst. Es wirkt ein wenig zu neu, um richtig Eindruck zu schinden, bietet aber Gastronomie und eine saubere Toilettenanlage. Nebenan rauscht auf der A 30 der Autoverkehr vorbei.

Vom Kloster aus unterqueren wir die Autobahn und schieben 200 m bergauf durch einen wundervollen Wald. Eine rasante Abfahrt belohnt uns für die Mühe. Auf der „Millionenbrücke“ überqueren wir letztmals den Mittelland-Kanal, der wenige hundert Meter später in den Dortmund-Ems-Kanal mündet. “Am nassen Dreieck” heißt denn auch folgerichtig die Gastwirtschaft dort, deren Biergarten zu dieser frühen Stunde schon gut besetzt ist. Ein bekanntes Ausflugsziel eben! Über den Kanal führt eine sehenswerte Stahlbogenbrücke.

Schattige Wege

Schöne Fachwerkhäuser grüßen in Bevergen. Bevergern ist eine kleine, reizvolle, vormalige Ackerbürgerstadt. Sie ist seit 1325 bezeugt und hat seit 1366 Stadtrechte. Sehens- und besuchenswert ist die spätgotische, katholische Pfarrkirche mit reichem, künstlerisch wertvollem Schnitzwerk (16. bis 18. Jhd.) und zwei bedeutenden Marienskulpturen (15 Jhd.). Neben der Kirche liegt das Heimathaus mit beachtenswerten Sammlungen aus Geschichte, Brauchtum, Handwerk und sakralen Kunstgegenständen des Städtchens sowie der sprachwissenschaftlichen Bibliothek von Prof. Dr. Anton Hilckman.

Die Bevergerner Schleusenanlage (an der Westfalenstraße) besteht aus einer großen Schleuse (erbaut 1911/1915) und einer kleinen Schleuse aus dem Jahre 1899. Informationen erhalten Interessierte über eine Informationstafel auf der Besucherplattform. Besonderheiten: Schleusenhöhe (Wasserspiegelunterschied) ca. 8m, Länge der Schleusenkammer ca. 165 m (Quelle: www.hoerstel.de).

Malerisches Schloss

Südlich von Bevergen bezaubert das malerische Wasserschloss Surenburg bei Riesenbeck mit wunderschönen Gartenanlagen. Das Haus Surenburg gehört zu den kleineren Wasserburgen Westfalens, ist aber heute das bedeutendste weltliche Bauwerk des Tecklenburger Landes und gehört nach Lage und Gestalt zu den besonders malerischen Schlössern des Münsterlandes.  Zur Gesamtwirkung tragen die zahlreichen hochstämmigen Alleen ebenso bei wie der abwechslungsreiche, weitgedehnte Forst, der mit einheimischen und exotischen Baumarten das Schloss mit seinen Wirtschaftsgebäuden und Gärten eng umschließt. Es soll der Wohnsitz von Constantin Freiherr von Heeremann, dem ehemaligen Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes, sein (Quellen: www.hoerstel.de u.a.).

Durch den schattenspendenden Forst führt uns der Weg gen Rheine. 76.000 Einwohner leben in der Stadt an der Ems, deren Kirchturm markant am Horizont steht, als wir den Fluss neben der Eisenbahnstrecke überqueren und entlang der Ems in die City rollen.

Flott auf der Bahntrasse

Nach kurzer Rast in Rheine erreichen wir zügig das 14.000 Einwohner zählende Neuenkirchen. Die Route, die seit Rheine auf einer ehemaligen Bahntrasse verläuft, ermöglicht zügiges Fortkommen. Die Eisdiele am Ort muss ausdrücklich gelobt werden. Gleich gutes Eis habe ich bisher nur in Wiedenbrück, im Hannoverschen Hauptbahnhof und in Bad Münder gegessen.

Der doppeltürmige Kirchturm von Neuenkirchen ist als Ganzes schwer aufs Foto zu bannen, zu eng ist der Ortskern bebaut.

Bald rollen wir wieder auf der Bahntrasse und erfreuen uns am Idyll mit Schafen und Kirche in Welbergen. Bei der Kirche handelt es sich um einen im 1. Jahrhundert entstandenen einschiffigen romanischen Bau. Die historische Verbindung mit Haus Welbergen schaffen das große Renaissance-Epitaph mit der Wappentafel der Famile Oldenhuis in der Kirche sowie der Gräber der Famile von Druffel auf dem Kirchhof.

An Wettringen vorbei radelnd erreichen wir Ochtrup. Am Ortseingang begrüßt uns ein imposanter Industriebau. Die Textilindustrie hatte in dieser Region früher eine große Bedeutung, ist inzwischen aber nach China „ausgewandert“. Die Villa Winkel und die Windmühle beim Freibad sind schöne Fotomotive, letzteres erfordert jedoch einen kräftigen Tritt in die Pedale. Bei der Kornwindmühle auf dem Ochtruper Berg handelt es sich um eine der letzten im holländischen Stil errichteten Windmühlen vom Typ "Wallholländer". Sie ist als Denkmal unter Schutz gestellt und trägt Wahrzeichencharakter für die Stadt Ochtrup. Die Mühle wurde im Jahre 1848 errichtet. Mit dem Sterben der Windmühlen in Westfalen wurde auch die Ochtruper Mühle 1955 stillgelegt, bis 1972 der Heimatverein Renovierungsarbeiten an der Mühle aufnahm. 1988 bis 1992 fand eine durchgreifende Sanierung statt, um die Funktionsfähigkeit wiederherzustellen. Heute arbeiten wieder drei Windmüller aus der Familie Nobbenhuis auf der Mühle.

Ochtrup, bestehend aus den Stadtteilen Ochtrup, Langenhorst und Welbergen, ist ein Mittelzentrum mit rund 19.000 Einwohnern und liegt im nordwestlichen Münsterland. Ochtrup reicht mit seiner Nordwestgrenze bis an die Dreiländerecke "Driland". Hier stoßen die Grenzen der Länder Nordrhein-WestfalenNiedersachsen und die Niederlande aneinander. Ochtrup verfügt über ausgedehnte Tonvorkommen, und so gibt es heute noch zwei Betriebe, in denen das alte Töpferhandwerk weiterhin gepflegt wird. Im Töpfermuseum kann man sich über die Geschichte dieses Wirtschaftszweiges informieren (Quelle: www.ochtrup.de).

Nun ist das Tagesziel Gronau nicht mehr fern. Am Dreiländersee legen wir eine letzte Rast in der Nachmittagssonne ein. Am Kiosk kann man preiswert speisen und den Tretbooten und Segelschiffen zuschauen. Zum Quartier auf einem preisgekrönten Ferienbauernhof ist es nicht mehr weit.

Rocken und rollen

Gronau ist die Heimatstadt Udo Lindenbergs. Wo früher das Herz der Textilindustrie schlug, lockt jetzt das von Udo initiierte Rockmuseum die Besucher an. Eingebettet ist es in die Parklandschaft der Euregio, ein fantasievoll gestaltetes Gelände aus Kunst, Wasser und Gärten.

Das Museum wurde am 21. Juli 2004 als europaweit einziges Haus der Rock- und Popgeschichte geöffnet. Das Ausstellungskonzept erzählt die Kulturgeschichte der Popularmusik im 20. Jahrhundert, unterstützt durch modernste Medientechnologie. Ganz bewusst unternimmt das Museum dabei den Schritt, der Popkultur und ihrer künstlerischen Vielfalt ein seriöses Kleid und ein neues Forum zu geben.

Das Museum ist kein Ort, der allein Devotionalien präsentiert. Im Zentrum steht die Musik. Die Ausstellung verknüpft Erlebnis mit Information, sinnliche Erfahrung mit Interaktion: Klangkorridore und mediale Installationen machen Sound erlebbar. Tondokumente herausragender Musiker versetzen den Besucher in ehemalige Konzertstätten. Stars werden hautnah projiziert - und ihre Erinnerungsstücke werden lebendig. Die Entwicklung des Sounds wird - von der Wachswalze bis zur digitalen Klangkunst - zu hören sein. Rhythmusfelder laden ein zum Trommeln. Man kann eintauchen in eine neue Komposition zum Thema Trance. Musik wird fühlbar (Quelle: www.rock-popmuseum.de). 

Ausflug nach Holland

Was ein echter Backfischfreund und Lakritzfan ist, der wird die zehn Kilometer bis Enschede gern in Kauf nehmen. Zwar wird dort wie schon vor zwei Jahren immer noch kräftig gebaut, aber Fisch und Lakritze gibt es dort - selbst wenn nicht Dienstag oder Sonnabend und damit Markttag ist.

Zurück geht es zügig entlang der B 54, die in Holland N 35 heißt, zur 100-Schlösser-Route. Diese führt durch dünn besiedelte Gegenden. Mangels Sehenswürdigkeiten erreichen wir schnell Nienborg mit der Burg, der Wassermühle und dem Langen Haus, in dem seit 1989 die Landesmusikakademie untergebracht ist. Durch das Burgtor - der jetzige Bau stammt im Kern aus dem 14. Jahrhundert - kehren wir auf die Hauptstraße zurück.

In Heek wird gerade der Marktplatz gereinigt. Kirche und Stift Metelen sind ein schönes Fotomotiv, ehe uns hinter der Brüningmühle Schöppingen empfängt. “Auschwitz 969 km” steht auf einem gelbschwarzen Mahnmahl. Das Künstlerdorf mit seinen Galerien und Malerwerkstätten wirkt ausgestorben. Es ist bekannt für sein Blues-Festival.

Über den Berg

In Schöppingen verwirrt uns die Wegebeschilderung mit ihren gleich gestalteten, aber in verschiedene Richtungen weisenden Pfeilen. Klar ist: Wir müssen bergauf. Nach ein paar Schlenkern und Schiebeeinlagen finden wir uns dann, auf dem Gipfel des Schöppinger Bergs, am Fusse des “Fernsehturms” wieder und entdecken bald den Wegweiser nach Leer (nicht zu verwechseln mit dem nahen Laer).

Die Gemeinde Schöppingen mit dem Ortsteil Eggerode liegt an den Ausläufern der Baumberge im westlichen Münsterland, Kreis Borken, (NRW, Deutschland). Im Mittelalter war der Ort Hauptstadt des Skopinggaues (Skopingen = Schöppingen). Urkundlich wird der Ort Schöppingen erstmals 838 erwähnt.
Kulturgeschichtlich bedeutsame Sehenswürdigkeiten sind u.a. die St. Brictius-Kirche mit westfälischer Tafelmalerei aus der Mitte des 15. Jahrhunderts (romanischer Turm/1100 und gotische Hallenkirche/1455) mit dem bekannten Altarbild des „Meisters von Schöppingen", sowie das im Renaissancestil erbaute Rathaus (1583). International bekannt wurde Schöppingen 1990, als dort das Künstlerdorf eröffnet wurde. In zwei historischen Bauernhöfen wurden nach der Renovierung der Hof der Literaten und der Hof der Bildenden Künstler eingerichtet.

Das Rathaus wurde in der heutigen Form, zweigeschossig mit Satteldach und Staffelgiebeln im Jahre 1583 gebaut. Das Rathaus ist weit über Schöppingens Grenzen hinaus als kunsthistorisches Kleinod bekannt.

Vom Schöppinger Berg (156 m) aus genießt man eine hervorragende Weitsicht über das nordwestliche Münsterland bis weit in die Niederlande hinein. Auf dem Hochplateau steht die Bergkapelle. "Hiärgott, wat häs Du us ne schöne Wiält üöverloaten - Mein Gott wie schön ist die Welt, die Du uns überlassen hast", beginnt das Gebet in der Bergkapelle (Quelle: www.schoeppingen.de).

Zügig geht es durch den Wald talwärts. Kurz vor Burgsteinfurt, unserem Tagesziel, kehren wir im Haus Veltrup ein. Der Kornspeicher des ehemaligen, in den 70er Jahren abgebrannten Gutes, beherbergt heute ein heimeliges Lädchen und lädt bei gutem Wetter auf der sattgrünen Wiese zur Rast im Kaffeegarten ein.

Nach knapp 85 km erreichen wir unser Quartier in Burgsteinfurt und genießen den schönen Abend bei einem ausgedehnten Stadtbummel. Leider ist wegen des Golfplatzes das malerische Schloss nur von einer Seite zugänglich.

Mächtige Wasserburg

Das Schloss Steinfurt ist eine der ältesten und mächtigsten Wasserburgen des Münsterlandes - und eine der schönsten! Mit außergewöhnlichem Charakter. Weil die flache Landschaft weder hohe Berge noch schroffe Klippen aufweisen konnte, ließen die damaligen Baumeister breite Wassergräben und künstliche Inseln anlegen, auf denen sie ihre Festungsanlage errichteten. So schufen die "Edlen Herren" auch das Fundament für die Stadt Steinfurt: Im Schutze der Burg entstand die erste Marktsiedlung - genannt "Stat to Stenvorde".
Die Steinfurter Burg - im Laufe der Zeit mehrfach zerstört, wieder aufgebaut und erweitert - zeigt facettenreiche Elemente aus Romanik, Rokoko und Klassizismus. Noch heute leben hier die Nachfahren der Erbauer: die Familie des Fürsten zu Bentheim und Steinfurt. Doch sind Gäste - nach Anmeldung - willkommen. Doppelkapelle, Burghöfe und der prächtige Rittersaal mit seinen geheimnisvollen Kreuzgewölben lassen die Vergangenheit lebendig werden.

Der Giebel des Alten Rathauses beherrscht auch heute noch den Marktplatz Burgsteinfurts. Der Rathausturm ruht auf einem so genannten Kaiserstiel. In der ehemals offenen Halle befanden sich die Stadtwache und eine Arrestzelle. Mehrfach restauriert beherbergt das Rathaus heute den Verkehrsverein Steinfurt (Quelle: www.steinfurt-touristik.de).

 

Auf nach Münster  
Von Burgsteinfurt aus radeln wir südwärts durch den Bagno, dem ehemaligen Lustgarten des Grafen zu Bentheim-Steinfurt. Direkt am Schloss schuf der Reichsgraf eine exotische Gartenlandschaft mit chinesischem Palais und griechischem Tempel, kleinen Brunnen und Terrassenkaskaden. Für seine Hofkapelle ließ der Graf 1774 inmitten des Bagnos nach dem Vorbild der Schlossgalerie "Grand Trianon" in Versailles einen Konzertsaal errichten: die "Grande Galerie pour les Concerts" mit aufwendigen Stuckdekorationen im "Louis XVI-Stil", grottierter Wandnische, Spiegelwänden und Deckenspiegeln. Im Frühjahr 1997 öffneten sich - nach umfangreichsten Restaurierungen und Rekonstruktionen - wieder die Türen für eine Reihe glanzvoller musikalischer Veranstaltungen.

Bei Laer erreichen wir wieder den 100-Schlösser-Radweg. Vielfach geht die Fahrt nun auf typisch münsterländischen Pättkes, schmalen Pfaden, über Altenberge und Nordwalde nach Greven. Dort steht der neu angelegte Emsradweg kurz vor der Fertigstellung und Freigabe. Über den regionalen Radweg R 40 erreichen wir am frühen Nachmittag Münster.  


Verwendetes Kartenmaterial: 100 Schlösser Route, Bielefelder Verlagsanstalt, ISBN 3-87073-051-X, 9,95 € - bestellen

Weitere Titel hier

Die 100 Schlösser Route ist erstklassig (Oktober 2008)

ADFC-Qualitätsradroute mit vier Sternen

Die 100 Schlösser Route wird vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) mit vier von fünf möglichen Sternen als ADFC-Qualitätsradroute ausgezeichnet. Der stellvertretende ADFC-Bundesvorsitzende Bertram Giebeler überreicht heute die Zertifizierungsurkunde an den Verbandsvorsitzenden der Münsterland Touristik und die Landräte der Region. Die Übergabe findet in der Burg Hülshoff bei Havixbeck statt.

Die 100 Schlösser Route überzeugte vor allem durch ihre abwechslungsreiche Routenführung und die perfekte Wegweisung im Rahmen des NRW-Radverkehrsnetzes. Auf 960 Kilometern schlängelt sich die Strecke durch das Münsterland. Die meist verkehrsarmen Wege verbinden mehr als 100 Wasserschlösser und Burgen miteinander. Mit ihren vier Rundkursen, die gänzlich ohne Steigungen auskommen, ist die Route auch sehr gut für Wochenendtouren geeignet.

Zehn Kriterien fließen in die Gesamtbewertung ein, darunter die Qualität der Oberfläche, die Sicherheit, die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel und die touristische Infrastruktur entlang der Strecke. Nur Radfernwege, die die strengen Prüfkriterien des ADFC erfüllen, können die Auszeichnung als ADFC-Qualitätsradroute erhalten. Voraussetzung hierfür ist eine detaillierte Bestandsaufnahme durch geschulte Routentester, die den gesamten Streckenverlauf der Route mit dem Fahrrad abfahren. Dabei kommen standardisierte Prüfungsunterlagen zum Einsatz, mit deren Hilfe die Tester die einzelnen Etappen bewerten.

Der Erfolg des kreisübergreifenden Kooperationsprojektes ist nicht zuletzt auch auf aktuelle Verbesserungen zurückzuführen, die nach der ersten Befahrung durch die Routentester vorgenommen wurden. So sind es vor allem die Radreisenden, die ganz konkret vom Zertifizierungsprozess profitieren.

Weitere Informationen zur Zertifizierung von Radfernwegen durch den ADFC und weitere ADFC-Qualitätsradrouten gibt es unter www.adfc.de/5926_1.

 

Kühe in Ibbenbüren.

Ruhige Straßen bei Laggenbeck - nur ab und zu ein Zug oder Auto stören die Ruhe.

Haus Hewerth in Lotte.

Haus Cappeln in Westerkappeln.

Mettingen: Skulpturen erinnern an die Geschichte des "Tüottendorfes".

Schöner Ortskern in Hopsten.

Ehemaliges Kloster Gravenhorst.

Farbenpracht vor dem Haus Surenburg.

WDR-Funkhaus in Rheine.

Villa Winkel in Ochtrup.

Rock- und Pop-Museum in Gronau.

Auch der Initiator Udo Lindenberg ist auf der Frontseite des Museums zu finden.

Euregio: Wasser, Kunst und Pflanzen in Gronau.

Das Burgtor in Nienborg.

Skulptur in Heek.

Das Rathaus in Burgsteinfurt.

Burgsteinfurt: Schlossmühle und Restaurant.

Burgsteinfurt besitzt eine gut erhaltene Schlossanlage.

Mühle in Laer.

Typisch münsterländisches Pättken.

Das Ziel Münster ist nicht mehr fern. Über Greven sind es jedoch noch ein paar Kilometer mehr. Hier steht auch ein Schild zum Radweg "Historische Stadtkerne in NRW"

 

Übernachtungen

Hopsten: Gasthof und Restautrant "Zum heiligen Feld", Heinrich Schmidt, Ibbenbürener Str. 24, 48496 Hopsten, Tel.: 0 54 58 / 70 95, 30 Euro im DZ, komfortabel

Gronau: Ferienhof Laurenz, Am Fürstenbusch 20, Tel.: 02562/3100, 25 € im DZ, außerhalb gelegen, ruhig, eigene Gastronomie mit reichlichem Essen

Burgsteinfurt: Privatzimmer Anneliese Laues, Gerichtstr. 23, Tel. 02551-2823, 20 Euro in zwei aneinander liegenden Zimmern, harte Bettcouch, gutes Frühstück, citynah

Münster: Jugendgästehaus Aasee (Jugendherberge),  Bismarckallee 31, 48151 Münster, Tel: 02 51 / 53 02 8 - 12, komfortabel, stadtnahe Lage, 29,50 € im Zweibett-Zimmer.

Etappen  
Ibbenbüren-Hopsten 84 km  
Hopsten-Gronau 98 km  
Gronau-Burgsteinfurt 84 km  
Burgsteinfurt-Münster 80 km  

Zu dieser Radtour ist eine mit Musik vertonte Diaschau auf DVD erschienen.

Bestellseite

Teil 1 der Schlösser-Tour (2001)

Teil 2 der Schlösser-Tour (2007)

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