Radtouren A bis Z - Fahrradbücher - Fahrrad-DVDs - FahrradwitzeLinks - Bahn + Rad - Recht + Gesetz - E-Bike - Home

Autor: Dieter Hurcks Copyright 6/2012

Von den Hügeln ins flache Land. 
Wir verlassen das Müritz-Touristenzentrum Waren. Hinter Plau am See wird das Land allmählich flacher, ehe es bei Ludwigslust Richtung Elbeniederung geht. Teil 2 - Teil 1

Einträge für
Zimmervermieter

Quartiere an
Fernradwegen in
Deutschland

Mecklenburger Seen-Radweg
(Teil 3)

Von der Müritz an die Elbe: Über Plau am See nach Ludwigslust.
 
4. Etappe: Von Waren/Müritz nach Plau am See

Wunderbarer Beginn eines am Ende doch eher frustrierenden Tages. Die zwölf Kilometer von Alt Schloen nach Waren an der Müritz sind schnell geschafft. Unterwegs unternehme ich noch einen Abstecher zum nur 500 Meter entfernt am See liegenden Schloss Torgelow. Obwohl Montag ist, herrscht in Warens Hafen und in der Altstadt schon ein munteres Touristentreiben. Die Stadt hat sich zu einem beliebten Wassersportzentrum entwickelt.



Auch sonst gibt es in Waren/Müritz einiges zu sehen wie die historische Altstadt (1235), die Klosteranlage mit Klostermauer und Garten (1298), Klosterkirche und Drehbrücke sowie die 1860 erbaute Windmühle.

Bald nervt mich das Gewusel und ich verlasse die Stadt auf dem Müritz-Rundweg, der vielfach parallel mit dem Mecklenburgischen See-Radweg verläuft. Nach Überquerung des Flüsschens Elde sollte man links bleiben. Nun geht es bergauf-bergab durch einen wunderschönen Wald. Nach 23 km Gesamtstrecke erreiche ich das Örtchen Klink mit seinem pompösen Schloss. Zu DDR-Zeiten beherbergte es, wie mir eine Dame erzählte, ein Sanatorium, nun ein Hotel.

Werbetafel des Luftkurortes Waren/Müritz.

Über Sietow Dorf und Zierzow radelt es sich gut, ab Zierzow ein Stück auf einem nagelneuen Radweg entlang der B 192 (geänderte Wegeführung gegenüber meiner Karte) nach Gotthun. Bei Kilometer 36 passiere ich eine Ferienhaussiedlung am Ufer auf einem grob geschotterten Weg. Neun Kilometer weiter erreiche ich den Hafen von Röbel.

Röbel-Rundfahrt 
Hier kehre ich ein und schaue mir das Ablegen der Müritz-Flotte an. Da der Seen-Radweg direkt von hier nach Nordwesten verläuft und die Altstadt ausspart, drehe ich noch eine Runde durch Röbel: Die riesige Holländer-Windmühle, die bunten Häuser und die mächtige St. Nikolaikirche geben schöne Fotomotive ab. Besonders markant ist der 1912 erbaute Wasserturm. Er war der erste Stahlbetonbau in Norddeutschland. 1999 wurde seine Sanierung abgeschlossen.

Schloss Klink am Müritzsee.

Die St. Marienkirche, eine frühgotische Hallenbacksteinkirche, ist ca. 1250 entstanden und hat eine Aussichtsplattform. Die wuchtige Kirche St. Nikolai entstand ca. 1280. Im Turm und im Kreuzgewölbe befinden sich wechselnde Ausstellungen. Quelle und mehr

Der Weg nach Minzow (56 km) mit der ansehnlichen Backsteinkirche (leider geschlossen) führt zunächst durch einen Wald und ist ziemlich holprig, wie überhaupt die Qualität des Seen-Radwegs nun mit jedem Kilometer abzunehmen scheint. Zwischendurch führt er aber wieder über kleine, asphaltierte Straßen, was das Urteil kurz revidiert. Bis zum südlichsten Punkt dieser Tagesetappe, Bütow, herrscht teils kräftiger Gegenwind. Erst danach weht es eher von der Seite und später sogar von hinten, je mehr der Radweg nach Norden abdreht.

Blick vom Radweg auf Röbel.

Wegweisung miserabel bei Plau 
Flott voran geht es ab Kaesling trotzdem nicht, da ein holpriger Wiesenweg 2,5 km lang das Fortkommen erschwert. Die letzten paar Hundert Meter bis Rogeetz radele ich dann auf einem neu angelegten Betonspurenweg, um nach Überqueren der B 198 wieder als Feldweg weiterzulaufen. Stuer-Vorwerk und Bad Stuer heißen die nächsten Zwischenziele. Doch ab dem neuen Restaurant „Im Bärenwald“ stottert die Wegweisung. Ich frage einen Radler nach dem Weg zum Plauer See, da auf meiner Karte ein Uferweg eingezeichnet ist. Ein einziges nagelneues Schild nach Plau finde ich noch, dann verliere ich im Wald die Orientierung: mehrere Gabelungen des Weges, kein einziger Hinweis, wie es weitergeht. Auch in einer Bungalowansammlung am See ist Schicht im Schacht: Sackgasse!

Also heißt es: hoch schieben zur Bundesstraße 103, Augen zu und durch. Nach etwa fünf Kilometern beginnt plötzlich linker Hand ein Radweg, der aber gleich wieder endet. Keinerlei Hinweis, wie und wo man weiterfahren kann. Die Radwegeführung ist völlig unsinnig, eine rechtzeitige Orientierung kaum möglich. In Appelburg endet der rechtsseitige Radweg schon wieder. Er führt links weiter (ohne Hinweis), so dass man wiederum über die viel befahrene Bundesstraße wechseln muss.

Ich unternehme noch einen Abstecher hinab zur Seluster Bucht, um den Plauer See wenigstens ein zweites Mal an diesem Tag zu Gesicht zu bekommen. Bei einem Kiosk unterhalte ich mich mit zwei netten Einheimischen, die mir einerseits den Weg zur Jugendherberge erklären und andererseits die Besonderheiten des landestypischen Humors verklickern. Er ist tatsächlich gewöhnungsbedürftig, weil „tiefgründig“, da es bei jeder Bemerkung zu prüfen gilt, ob sie denn nun ernst gemeint ist oder Spaß ist.

Rechtzeitig vor dem Gewitter habe ich mein Quartier in der örtlichen Jugendherberge bezogen. Ein Tag mit Höhen und Tiefen neigt sich seinem Ende zu. Da ich in der Jugendherberge ein Zweibettzimmer als Einzelzimmer gebucht hatte, wollte ich mich gerade an die Arbeit für diesen Reisebericht begeben, als es an der Tür klopfte und ein Radler aus Bad Bentheim Einlass begeht mit dem Hinweis, er sei vom Herbergsvater in genau dieses Zimmer eingewiesen worden.

Da wir gleiche Interessen feststellten, wurde der Abend bei einem Spaziergang entlang der Müritz-Elde-Wasserstraße Richtung See mit anschließendem Abendessen sehr kommunikativ. Der angebotene Fisch aus der Müritz war eine echte Delikatesse.

Als ich gegen 22 Uhr in der Jugendherberge noch Fernsehen wollte, musste ich registrieren, dass es dort keine Möglichkeit gab: Der Fernsehraum war abgeschlossen. Einzige Service-Einrichtungen, die ich entdeckte, waren ein Automat für alkoholfreie Getränke und eine Tischtennisplatte im Keller.

 

Über Lübz ab ins Flache

5. Etappe: Nach Ludwigslust

Morgens um sechs Uhr stand die Sonne genau auf den gelben Vorhängen unseres Zimmers und hatten dem gleißenden Licht kaum etwas entgegenzusetzen. Da es erst ab 8 Uhr Frühstück gibt, unternehme ich vorher noch einen kleinen Spaziergang. Die Brötchen sind Klasse: frisch und saftig und nicht so trocken wie bei einigen Quartieren zuvor. Um Punkt neu Uhr sitze ich gut gestärkt auf dem Rad und suche einen Wegweiser des Mecklenburger Seen-Radwegs. Dort wo laut meiner Karte die Route verläuft, finde ich keinen und radele links entlang des Kanals westwärts.

Der Kanal heißt Müritz-Elde-Wasserstraße und wird mir an diesem Tag mit Ziel Ludwigslust noch öfter begegnen. Über eine steile Brücke klettere ich samt Fahrrad, wie in der Karte angezeigt, auf die andere Seite und frage mich zur B 191 durch. Es wäre einfacher auf der parallel südlich des Kanals verlaufenden Straße gegangen. Egal. Am Ortsausgang hinter der Elde-Brücke steht wieder mal KEIN Radwegweiser, auch nicht an der Straße nach Reppentin und schon gar nicht an der Abzweigung nach Schlemmin. Da fragt man sich, ob Radler hier überhaupt erwünscht sind … Erst mitten im Wald finde ich einen Geradeaus-Pfeil, der mir versichert: Hier bist du richtig. Aber gerade an den entscheidenden Stellen, da fehlen oft Hinweise, wie es weitergeht.

Ein zweihundert Meter vor mir strampelnder Tourenradler mit Gepäcktaschen und Rucksack, den ich schon ein paar Mal getroffen hatte, nimmt in Schlemmin die falsche Straße, weil auch hier ein Radwegweiser des „Seen-Radwegs“ fehlt. Immerhin weist einer nach Kritzow, was meine Karte als richtig anzeigt, aber ohne das Logo des Seen-Radwegs. Es wäre eine Kleinigkeit, eines draufzukleben.

Hebebrücke in Plau am See.

In die Bierstadt Lübz 
Immerhin verläuft die Fahrt an diesem Radeltag fast ausschließlich auf Asphaltstraße, so dass das Vorankommen, auch wegen der flacher werdenden Topografie, nun leichter fällt. Der Wind hat sich zurückgenommen im Vergleich zu den Tagen vorher. Kopfsteinpflasterstraßen mit durch den Regen aufgeweichten schmalen Sandstreifen am Rande wie in dem Ort Benzin bleiben zum Glück die Ausnahme.

Nach 18 km ist die Bierstadt Lübz erreicht, deren Brauerei in der Region ohne Zweifel das Monopol hat. Auch das andere ostdeutsche Bier aus dem Harz, Hasseröder, hat hier einen guten Stand. Man besinnt sich wieder auf regionale Produkte bzw. auf solche aus den neuen Bundesländern, was ja nach der Wende bekanntlich und auch, aus damaliger Sicht der lange hinter Westprodukten herhechelnden DDR-Bürger, verständlicherweise ganz anders war. Trotzdem habe ich mehrere Leute gesprochen, die sich die DDR zurück wünschten, weil „die Existenz damals sicher“ gewesen sei. Warum das so war, haben aber anscheinend nicht alle begriffen.

Hinter Lübz radelt es sich wunderbar über Lutheran, Beckendorf mit seinem Windpark, Lancken und Stralendorf gen Darze. Fast hätte ich am Ortsausgang das Linksabbiegen verpasst, da ich im Ort auf der Straße geblieben war und irgendwo ein Linkspfeil gestanden haben muss (oder auch nicht?). Jedenfalls führt der Seen-Radweg nun auf einer super Piste nach Südwesten durch einen herrlichen Wald. Ab dem Drei-Häuser-Dorf Voigtsdorf sind es nur noch zwei Kilometer nach Parchim, wo ich zwischen den Häusern links einen Weg entdecke, der zu einem Pausenplatz mit Bank am See führt. Fast 40 km sind gegen 12 Uhr zurückgelegt und damit die Hälfte dieser Tagesetappe.

Einfahrt zu den Karpfenteichen vor Neustadt-Glewe.

Das Land wird flacher. Und langweiliger 
Ab Parchim, wo man noch einen Abstecher in den mittelalterlichen Stadtkern unternehmen kann, führt der Weg wieder nach Nordwesten. Das Land wird noch flacher und damit auch langweiliger. Man kann halt nicht alles haben. Die Kornfelder mit den bunten Blumen weichen riesigen Grasflächen sowie Maisfeldern. Hier herrscht intensive Landwirtschaft, und auch riesige Biogasanlagen sind nicht zu übersehen. Ab Malchow radele ich neben der Elde-Müritz-Elde-Wasserstraße bis Garwitz, wo der Gasthof „Zur Schleuse“ 100 Meter neben der Strecke zur Pause einlädt.

Etwa sieben Kilometer weiter schwenkt der Weg wieder nach Süden und verläuft nun neben einem Naturschutzgebiet, das jedoch kaum zu sehen und fast durchgängig eingezäunt und durch verschlossene Tore gesichert ist. Nur einmal führt ein Pfad einen Damm hoch und erlaubt einen verstohlenen Blick über die Friedrichsmoorer bzw. Neuhöfer Karpfenteiche. Über Neuhof geht es weiter nach Neustadt-Glewe, das laut Karte ein Schloss und eine mittelalterliche Burg besitzt.

Nun ist es nicht mehr weit zum Ziel: Ludwigslust.

Nochmal 13 km weiter erreiche ich Ludwigslust, das Endziel meiner Seen-Radtour. Denn die Gegend entlang der Elbe zwischen dem nur noch 42 km entfernten Dömitz und Bleckede sowie das restliche Stück des Mecklenburgischen See-Radwegs nach Lüneburg habe bereits auf diversen anderen Touren bereist. So bleibt mir bis zur Zugabfahrt genügend Zeit, endlich Schloss und Schlosspark Ludwigslust ausgiebig zu erkunden. Auf der Homepage lesen wir:

„Die historische, künstlerische und geistesgeschichtliche Dimension höfischen Residierens, Lebens und der fürstlichen Sammelleidenschaft wird im Schloss erlebbar. Kamine, Spiegel, Supraporten, Parkettfußböden, Kronleuchter, Ornamente und Dekorationen aus Ludwigsluster Carton (Papiermaché), Möbel, Uhren, Gemälde und Büsten repräsentieren höfische Kunst und Wohnkultur des ausgehenden 18. und  frühen 19. Jahrhunderts, ergänzt durch hochkarätige Werke der französischen Künstler Oudry und Houdon.“

24 Fontänen im Schlosspark Ludwigslust.

Der Schlosspark ist gigantisch groß und ermattet wohl jeden Fußgänger, während der Radler die vielen Sehenswürdigkeiten vergleichsweise schnell und mühelos entdecken kann. Es lohnt sich!

Warum Herzog Friedrich von Mecklenburg-Schwerin sein Schloss im Jahre 1772 hierhin bauen ließ, weiß niemand. Und Geld genug hatte er dafür auch nicht. So fehlte ihm für eine angemessene Ausstattung mit Marmor und Holzschnitzereien die „Kohle“. Folge: Das Schloss ist heute bekannt für seine Stuckaturen und Verzierungen aus Pappmaché. Wer es nicht weiß, wird den Unterschied zu echtem Stuck nicht erkennen!

Ausführliche Details zum Schloss gibt es hier bei Wikipedia.

Louisen-Mausoleum, erbaut 1809 für Herzogin Louise, Gemahlin des
Herzogs Friedrich Franz I.

Über die Stadt Ludwigslust selbst lesen wir auf deren Homepage: „Ludwigslust mit seinen knapp 13.000 Einwohnern ist Kreisstadt des größten Kreises in Mecklenburg/Vorpommern und liegt etwa 35 km südlich der Landeshauptstadt Schwerin inmitten der sogenannten "Griesen Gegend".

Ludwigslust ging hervor aus dem ritterlichen Gut Klenow, welches seine erste urkundliche Erwähnung im Jahre 1333 fand. 1616 verkaufte die Familie von Klenow ihr Gut an die mecklenburgischen Landesherren und Klenow ging an das Herzogliche Domanium über. Nach dem Dreißigjährigen Krieg war der Ort reichlich wüst und leer.

Doch die wald- und wiesenreiche Umgebung von Klenow mit ihren Wildbeständen ließ diesen Ort immer öfter zum Aufenthaltsort des Herzogs Christian Ludwig II. werden. Hier konnte er seiner Jagdleidenschaft nachgehen und so wurde Anfang des 18. Jahrhunderts mit dem Bau eines kleinen Jagdschlosses begonnen. Ihm zu Ehren erhielt der Ort 1754 den Namen "Ludwigs Lust".“ Quelle und mehr

Bahnhof Ludwigslust: Hier heißt es das Rad die Treppe hochwuchten, schieben, tragen ...

Vom Schloss ist es nicht weit zum Bahnhof, von dem aus ich über Wittenberge, Stendal und Wolfsburg wieder gen Hannover reise. Am nächsten Tag soll es Regen geben …

Der Mecklenburgische Seen-Radweg führt weiter über Dömitz und entlang der Elbe nach Bleckede und weiter nach Lüneburg. Wer mehr Glück mit dem Wetter hat, sollte die Tour unbedingt zuende fahren. Es lohnt sich!

 

Siehe auch Elberadweg Magdeburg-Cuxhaven sowie Mecklenburg-Tour Schaalsee und Schweriner See

Teil 2 - Teil 1 - Waren und die Müritz

Etappen

Radwanderführer

zurück zur Hauptseite

Mein Quartier: mecklenburgisches Landhaus in Alt Schloen.

Schloss Torgelow am gleichnamigen See beherbergt ein Internat.

Am Hafen von Waren/Müritz.

Von hier starten die Ausflusdampfer zur Müritz-Rundfahrt.

Unendliche Weiten: Der Name des Müritzsees bedeutet "großes Meer".

Guter Weg, prächtige Blumen: kurz vor Röbel.

Ein Ausflug in Röbels Altstadt lohnt sich.

Röbels Holländer-Windmühle überragt alles.

Energielieferant: Biogasanlage und Windpark bei Minzow und Dambeck. 

Hier beginnt ein etwa 2,5 Kilometer langer Feld- und Wiesenweg nach Rogeetz, der 2013 ausgebaut werden soll.

Viele Schilder, aber keines für den Seen-Radweg nach Plau.

Tolles Schild nach Plau, aber danach geht es nicht weiter.

Blick über die Wasserstraße auf Plau am See.

Nicht Erdöl und nicht Diesel: Benzin heißt der Ort vor Lübz.

Wieder eine fantastische Allee.

Der Turm in Lübz.

Backsteinkirche und eiszeitliche Feldsteine als Mauer.

Merkwürdig geschnittene Bäume bei Parchim.

Parkseite von Schloss Ludwigslust...

... und Stadtseite.

 



Radtouren-DVDs - ideal für Beamerschauen
Info und bestellen hier