Mecklenburger Seen-Radweg
(Teil 2)
Ins Herzen des
Nationalparks Müritz.
3.
Etappe: Nach Waren/Müritz
Der Abend in
Neustrelitz zu Fuß (wegen Regens) war nicht sehr ergiebig. Rathaus und
Stadtkirche, eine elend lange menschenleere Fußgängerzone in der
Strelitzer Straße und ein stark bevölkertes Einkaufszentrum - das war es
dann auch schon. Ein Erlebnis für mich war, dass die Apotheke am Kreisel
noch existiert. Bei einem DDR-Besuch 1976 haben wir dort ein Medikament
eingekauft. Der Apotheker wollte kein Geld, weil er keine Lust hatte, die
vielen Formulare, die zu DDR-Zeiten wohl beim Verkauf an „Wessis“
anfielen, auszufüllen.
Übernachten
am Seen-Radweg
An
solche Erlebnisse erinnert man sich. Damals führte die „96“, die als
Bundesstraße immer noch so heißt, quer durch die Stadt. Nach der Wende
baute man flugs schon Mitte der 1990er Jahre eine Umgehungsstraße. Bei
der morgendlichen Ausfahrt mache ich ein paar Fotos, u.a. von einem Schloss,
der Schlosskirche mit den zwei spitzen Türmen und dem Slawendorf,
ehe mich wieder der Wald verschluckt.

Blick durch den Zaun ins Slawendorf.
Auf
der Homepage des Slawendorfes ist zu lesen: "Etwa vom 7. Jahrhundert
bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts wurde Mecklenburg-Vorpommern von
slawischen Stämmen besiedelt. Noch heute zeugen Ortsnamen vom Slawischen
Einfluss. In Erinnerung an diese Zeit wurde im November 1994 mit dem Bau
des Slawendorfes Neustrelitz am Zierker See begonnen. Das Areal von 1,4 ha
wird zur Landseite durch einen aus ca. 1300 Baumstämmen bestehenden
Palisadenzaun und zur Seeseite durch einen ca. 180m langen Flechtzaun
begrenzt.
Auf dem Gelände befinden sich zahlreiche unterschiedliche gestaltete Gebäude
und Unterstände. In der Kulthalle befindet sich eine kleine Ausstellung.
Vom Wachturm hat man eine schöne Aussicht auf den Zierker See."
Nach
15 km erreiche ich Userin und
die Useriner Mühle, wo der
Wirt gerade seinen Biergarten geöffnet hat. Userin liegt am vier
Kilometer langen Useriner
See, der zum Müritz-Nationalpark
gehört. Der Useriner See wird von der oberen Havel
durchflossen; das leichte Gefälle ermöglichte die Anlage des Ortsteils
Useriner Mühle. Die Havel fließt weiter in den ebenfalls etwa 4 km² großen
Woblitzsee,
von wo aus Schiffsverkehr über den Kammerkanal nach Neustrelitz und in
die Obere Havel-Wasserstraße in Richtung Berlin
möglich ist. Der große Labussee
ist von Zwenzow aus gut zu überblicken.
Schön: Die Seendichte wächst merklich. Der Mecklenburger Seen-Radweg
kann nun wirklich glänzen.
Bis
Wesenberg geht es richtig gut
voran, dass die Reifen qualmen. Den in der Karte eingezeichneten
Findlingsgarten übersehe ich: kein Schild am Radweg!? Immer wieder
schillert das sonnenbestrahlte Wasser eines Sees durch den Nadelwald.
Hinter
Wesenberg komme ich an eine Kreuzung mit fünf Wegen. Der Radwegweiser
zeigt diffus in eine Richtung, so dass wieder mal Raten angesagt ist. Ich
tippe den richtigen Weg (Richtung Restaurant). Die ersten 20 km sind
geschafft. Am Ende des Waldes wieder kein Schild. Es geht rechts zur Straße,
dann links bis zur Kreuzung und rechts über den ampelgesicherten Weg
weiter gen Wustrow, bald aber
wieder links ab in den Wald.
Mühsamere
Fahrt
Nun wird die Fahrt etwas mühsamer. Der Weg wechselt von märchenhaft
glattem Asphalt zu baumwurzel-durchsetzten Waldwegen am Gobenowsee
bei Seewalde, die zudem auch noch einige Steigungen aufweisen. Das
Fahren erfordert äußerste Konzentration. Das See-Idyll kann man nur bei
einem Halt genießen. Nach Seewalde
geht es zunächst schön am See entlang, aber steil hinauf nach Neu-Canow
heißt es kräftig schieben. Das dürfte nicht jeder alleine schaffen!
Im
folgenden Verlauf kann man gut das Schleusen der Paddler und Yachten
beobachten. An diesem Sonntag ist richtig Betrieb auf den Kanälen. Bei
der Diemitzer Schleuse lege ich
eine Pause im Gasthof „Zum Biber“ ein. Der Weg nach Mirow
ist ganz angenehm zu fahren. Der Ort selbst besitzt ein Schloss, das
gerade renoviert wird, und einen Yachthafen.

Das Torhaus
auf der Mirower Schlossinsel.
Auf
der Homepage ist zu lesen: „Die Stadt
Mirow liegt inmitten einer bezaubernden Wald- und Seenlandschaft der
Mecklenburgischen Kleinseenplatte. Die romantische Schlossinsel mit dem
historischen Torhaus (1588 erbaut), dem Residenzschloss und der ehrwürdigen
Johanniterkirche lädt zum Verweilen ein. Direkt an der Müritz-Havel-Wasserstraße
gelegen, bietet Mirow ideale Bedingungen für alle Wassersportarten.“
Durch
das zusammen
mit dem Wall 1588 erbaute Torhaus, auf das man auf die Schlossinsel gelangt, schritten gekrönte
Häupter wie Friedrich II. von Preußen ebenso wie Tausende deutscher
Kriegsgefangene im Mai 1945 auf ihrem erzwungenen Weg nach Sibirien. Das
Torhaus steht noch heute und ist neben der Kirche Mirows ältestes Gebäude.
Quelle
und mehr

Flugplatz Lärz kurz vor Rechlin
mit Museums-Jet.
Luftfahrttechnik zum Anschauen
Das nächste Ziel heißt Rechlin,
wo zur Nazizeit u. a. die Torpedos für die U-Boote entwickelt wurden -
Blindgänger inklusive. Der Weg dorthin ist auf einer Eisenbahntrasse geführt
und flott zu befahren. Nur kurz vor Rechlin ist plötzlich Schluss mit dem
Asphalt. Etwa vierhundert Meter, dann auf den Bahndamm hochschieben und über
die alte Stahlbrücke, schon beginnt wieder der Asphalt. Ein Passant sagte
mir, dass der Radweg hier wegen Munitionsfunden unterbrochen sei.
Sei`s
drum. Rechts sehe ich einen Flughafen mit ausgemusterten Maschinen und ein
paar Hangars. Bis zum Luftfahrttechnischen
Museum Rechlin sind es noch sechs Kilometer. Für fünf Euro kann
man es besichtigen. Da ich schon das riesige Museum in Peenemünde gesehen habe (siehe Bericht „Ostseeküstenradweg
Ost“), verzichte ich auf einen Besuch.

Platz vorm Museum in Rechlin.
Rechts geht´s weiter ...
Auf
einer Vereins-Homepage lese ich: „Das 1998 eröffnete
Luftfahrttechnische Museum in Rechlin dokumentiert die untypische
Entwicklung eines mecklenburgischen Dorfes. Seine Geschichte ist maßgeblich
durch die Forschungen in der Luftfahrttechnik, aber insbesondere den
Aufbau der größten Erprobungsstelle der deutschen Luftwaffe in den
1930er Jahren geprägt. Neue Versuchsmuster und Vorserienmaschinen aller
Landflugzeuge und ihre Bewaffnungen wurde hier getestet. … Zahlreiche
Ausstellungsstücke verdeutlichen den Stand der Luftfahrttechnik der
30er/40er Jahre und damit die Aufgaben und Ziele der in Rechlin
errichteten Erprobungsstelle.“ Quelle
und mehr
In
Rechlin kehre ich noch kurz
beim (recht teuren) „Seglerheim“ ein, da ein Regenschauer droht und es
richtig kalt und böig geworden ist. Doch das Unwetter bleibt aus, die düsteren
Wolken verziehen sich. Apropos teuer: Im Naturpark
Müritzsee weiß man durchaus, was „die Preise kosten“.
Beim
Luftfahrttechnischen Museum finde ich zunächst nicht die richtige
Ausfahrt und lande in Rechlin Nord. Dann habe ich sie doch: die Straße
nach Boek - ein schöner Ort.
Boek ist das Südtor zum Müritz-Nationalpark und der einzige Ort
am Ostufer der Müritz. Allerdings liegt Boek nicht unmittelbar am See.
Eine rund einen Kilometer lange Allee führt zur Müritz.
Der Ortskern wird durch das Gutshaus dominiert. Um den Hauptplatz im
Zentrum befinden sich verschiedene Hotels und Pensionen. Neben einem
Zinnminiaturenwerkstatt (täglich 9-17 Uhr) gibt es bei Boek einen rund 80
Hektar großen Wildpark mit einheimischen Tierarten.
Sehenswert ist auch eine kleine Backsteinkirche an der Ortsdurchfahrt.
Quelle und mehr
In
Schwarzenhof stehen Radler und
rätseln, wie es weitergeht. Ich folge dem Schild nach Federow und lande auf einem teilweise sandigen Waldweg, der mich
etwa drei Kilometer Umweg kostet. In Federow kehre ich beim Bauernhofcafé
„Bunte Kuh“ ein und
bestelle Bockwurst mit Kartoffelsalat. Radeln macht ganz schön hungrig.
Von hier sind es nur noch fünf Kilometer bis Waren/Müritz.

Diese Straße bringt mich zügig nach
Alt Schloen.
Mein
Quartier habe ich in Alt Schloen
gebucht. So radele ich auf einem autobahn-ähnlichen Radweg neben einer
kaum befahrenen schmalen Straße nach Kargow
und weiter über Neu Schloen
nach Schloen. „Alt Schloen“
taucht auf keinem Wegweiser auf, aber ich vertraue meiner BVA-Karte und
finde zum Ziel. Geschafft, nach genau 101 Kilometern.
Die
private Unterkunft ist ruhig und bestens in Ordnung. Sie wird von einem
netten Ehepaar betrieben. Die Frau erzählt mir, dass sie nach der Wende
ihr Elternhaus zurück gekauft habe und seitdem diese Pension betreibe.
Bei der Fußball-EM gewinnt Deutschland am Abend gegen Dänemark mit 2:1.

Kornfelder und Hügel: typisch für
die Landschaft am Müritzsee.
Fazit
dieses anstrengenden, aber schönen Radeltages:
Im Raum Rechlin lückenhafte Beschilderung, so dass ich mich einmal sogar
komplett verfahre und dabei etwa drei Kilometer Umweg auf recht sandigen
Waldwegen zu verkraften habe. Sand- und Waldwege wechseln mit tollen
Asphaltstraßen und -radwegen, die mir bisweilen arg überdimensioniert
erscheinen.
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3 - Teil 1
Etappen
Radwanderführer
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Das Neustrelitzer Schloss wurde
komplett zerstört - hier eines der erhaltenen Nebengebäude. Einen Besuch
wert ist jedoch der Schlosspark. mehr

Die weiße Brücke in Neustrelitz.

Typisches Straßendorf: Groß-Quassow.
Auf toller Piste durch den Nadelwald
gen Wesenberg.
Bruchwald mit grünem Wasser bei
Seewalde.
Sandweg vor See.
Kanäle und Schleusen sind typisch
für diese wasserreichste Etappe des Mecklenburgischen Seen-Radwegs.
Bootshafen am Mirower See.

Diese
Asphaltpiste auf einer ehemaligen Eisenbahntrasse führt zügig nach
Rechlin. 
Geballte
Blumenpracht bei Rechlin. 
Schmucker
Ort: Blick auf Boek. 
Mal
pfui, mal hui wie hier: Beschilderung bei Federow. 
Rast
im Bauernhof-Café in Federow. 
Wasserloch
bei Schloen.
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Mein
Video zu dieser Tour bei YouTube
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