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Autor: Dieter Hurcks Copyright 6/2012

Von Neustrelitz nach Waren/Müritz. 
Dieser Radeltag bietet endlich das, was der Name der Tour verspricht: Seen. Die Tour verläuft oft auf verkehrsarmen Straßen und hervorragenden Radwegen, aber auch auf sandigen und mit Baumwurzeln gespickten Wegen. Daran wird aber noch weiter gearbeitet.  Teil 3 - Teil 1

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Zimmervermieter

Quartiere an
Fernradwegen in
Deutschland

Mecklenburger Seen-Radweg
(Teil 2)

Ins Herzen des Nationalparks Müritz.
 
3. Etappe: Nach Waren/Müritz

Der Abend in Neustrelitz zu Fuß (wegen Regens) war nicht sehr ergiebig. Rathaus und Stadtkirche, eine elend lange menschenleere Fußgängerzone in der Strelitzer Straße und ein stark bevölkertes Einkaufszentrum - das war es dann auch schon. 

Ein Erlebnis für mich war, dass die Apotheke am Kreisel noch existiert. Bei einem DDR-Besuch 1976 haben wir dort ein Medikament eingekauft. Der Apotheker wollte kein Geld, weil er keine Lust hatte, die vielen Formulare, die zu DDR-Zeiten wohl beim Verkauf an „Wessis“ anfielen, auszufüllen.

 

An solche Erlebnisse erinnert man sich. Damals führte die „96“, die als Bundesstraße immer noch so heißt, quer durch die Stadt. Nach der Wende baute man flugs schon Mitte der 1990er Jahre eine Umgehungsstraße. Bei der morgendlichen Ausfahrt mache ich ein paar Fotos, u.a. von einem Schloss, der Schlosskirche mit den zwei spitzen Türmen und dem Slawendorf, ehe mich wieder der Wald verschluckt.

Blick durch den Zaun ins Slawendorf.

Auf der Homepage des Slawendorfes ist zu lesen: "Etwa vom 7. Jahrhundert bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts wurde Mecklenburg-Vorpommern von slawischen Stämmen besiedelt. Noch heute zeugen Ortsnamen vom Slawischen Einfluss. In Erinnerung an diese Zeit wurde im November 1994 mit dem Bau des Slawendorfes Neustrelitz am Zierker See begonnen. Das Areal von 1,4 ha wird zur Landseite durch einen aus ca. 1300 Baumstämmen bestehenden Palisadenzaun und zur Seeseite durch einen ca. 180m langen Flechtzaun begrenzt.
Auf dem Gelände befinden sich zahlreiche unterschiedliche gestaltete Gebäude und Unterstände. In der Kulthalle befindet sich eine kleine Ausstellung. Vom Wachturm hat man eine schöne Aussicht auf den Zierker See." 

Nach 15 km erreiche ich Userin und die Useriner Mühle, wo der Wirt gerade seinen Biergarten geöffnet hat. Userin liegt am vier Kilometer langen Useriner See, der zum Müritz-Nationalpark gehört. Der Useriner See wird von der oberen Havel durchflossen; das leichte Gefälle ermöglichte die Anlage des Ortsteils Useriner Mühle. Die Havel fließt weiter in den ebenfalls etwa 4 km² großen Woblitzsee, von wo aus Schiffsverkehr über den Kammerkanal nach Neustrelitz und in die Obere Havel-Wasserstraße in Richtung Berlin möglich ist. Der große Labussee ist von Zwenzow aus gut zu überblicken. Schön: Die Seendichte wächst merklich. Der Mecklenburger Seen-Radweg kann nun wirklich glänzen.

Bis Wesenberg geht es richtig gut voran, dass die Reifen qualmen. Den in der Karte eingezeichneten Findlingsgarten übersehe ich: kein Schild am Radweg!? Immer wieder schillert das sonnenbestrahlte Wasser eines Sees durch den Nadelwald.

Hinter Wesenberg komme ich an eine Kreuzung mit fünf Wegen. Der Radwegweiser zeigt diffus in eine Richtung, so dass wieder mal Raten angesagt ist. Ich tippe den richtigen Weg (Richtung Restaurant). Die ersten 20 km sind geschafft. Am Ende des Waldes wieder kein Schild. Es geht rechts zur Straße, dann links bis zur Kreuzung und rechts über den ampelgesicherten Weg weiter gen Wustrow, bald aber wieder links ab in den Wald.

 

Mühsamere Fahrt 
Nun wird die Fahrt etwas mühsamer. Der Weg wechselt von märchenhaft glattem Asphalt zu baumwurzel-durchsetzten Waldwegen am Gobenowsee bei Seewalde, die zudem auch noch einige Steigungen aufweisen. Das Fahren erfordert äußerste Konzentration. Das See-Idyll kann man nur bei einem Halt genießen. Nach Seewalde geht es zunächst schön am See entlang, aber steil hinauf nach Neu-Canow heißt es kräftig schieben. Das dürfte nicht jeder alleine schaffen!

Achtung: Es hat sich was getan - 2014 verlief der Radweg schon nicht mehr über den Wurzelweg und ohne den steilen Anstieg direkt Richtung Canow! siehe auch Havel-Radweg

Im folgenden Verlauf kann man gut das Schleusen der Paddler und Yachten beobachten. An diesem Sonntag ist richtig Betrieb auf den Kanälen. Bei der Diemitzer Schleuse lege ich eine Pause im Gasthof „Zum Biber“ ein. Der Weg nach Mirow ist ganz angenehm zu fahren. Der Ort selbst besitzt ein Schloss, das gerade renoviert wird, und einen Yachthafen. Ab Sommer 2014 erstrahlt das Schloss in neuem Glanz.

Das Torhaus auf der Mirower Schlossinsel.

Auf der Homepage ist zu lesen: „Die Stadt Mirow liegt inmitten einer bezaubernden Wald- und Seenlandschaft der Mecklenburgischen Kleinseenplatte. Die romantische Schlossinsel mit dem historischen Torhaus (1588 erbaut), dem Residenzschloss und der ehrwürdigen Johanniterkirche lädt zum Verweilen ein. Direkt an der Müritz-Havel-Wasserstraße gelegen, bietet Mirow ideale Bedingungen für alle Wassersportarten.“

Durch das zusammen mit dem Wall 1588 erbaute Torhaus, auf das man auf die Schlossinsel gelangt, schritten gekrönte Häupter wie Friedrich II. von Preußen ebenso wie Tausende deutscher Kriegsgefangene im Mai 1945 auf ihrem erzwungenen Weg nach Sibirien. Das Torhaus steht noch heute und ist neben der Kirche Mirows ältestes Gebäude. Quelle und mehr

Flugplatz Lärz kurz vor Rechlin mit Museums-Jet.

Luftfahrttechnik zum Anschauen
Das nächste Ziel heißt Rechlin, wo zur Nazizeit u. a. die Torpedos für die U-Boote entwickelt wurden - Blindgänger inklusive. Der Weg dorthin ist auf einer Eisenbahntrasse geführt und flott zu befahren. Nur kurz vor Rechlin ist plötzlich Schluss mit dem Asphalt. Etwa vierhundert Meter, dann auf den Bahndamm hochschieben und über die alte Stahlbrücke, schon beginnt wieder der Asphalt. Ein Passant sagte mir, dass der Radweg hier wegen Munitionsfunden unterbrochen sei.

Sei`s drum. Rechts sehe ich einen Flughafen mit ausgemusterten Maschinen und ein paar Hangars. Bis zum Luftfahrttechnischen Museum Rechlin sind es noch sechs Kilometer. Für fünf Euro kann man es besichtigen. Da ich schon das riesige Museum in Peenemünde gesehen habe (siehe Bericht „Ostseeküstenradweg Ost“), verzichte ich auf einen Besuch.

Platz vorm Museum in Rechlin. Rechts geht´s weiter ...

Auf einer Vereins-Homepage lese ich: „Das 1998 eröffnete Luftfahrttechnische Museum in Rechlin dokumentiert die untypische Entwicklung eines mecklenburgischen Dorfes. Seine Geschichte ist maßgeblich durch die Forschungen in der Luftfahrttechnik, aber insbesondere den Aufbau der größten Erprobungsstelle der deutschen Luftwaffe in den 1930er Jahren geprägt. Neue Versuchsmuster und Vorserienmaschinen aller Landflugzeuge und ihre Bewaffnungen wurde hier getestet. … Zahlreiche Ausstellungsstücke verdeutlichen den Stand der Luftfahrttechnik der 30er/40er Jahre und damit die Aufgaben und Ziele der in Rechlin errichteten Erprobungsstelle.“

In Rechlin kehre ich noch kurz beim (recht teuren) „Seglerheim“ ein, da ein Regenschauer droht und es richtig kalt und böig geworden ist. Doch das Unwetter bleibt aus, die düsteren Wolken verziehen sich. Apropos teuer: Im Naturpark Müritzsee weiß man durchaus, was „die Preise kosten“.

Beim Luftfahrttechnischen Museum finde ich zunächst nicht die richtige Ausfahrt und lande in Rechlin Nord. Dann habe ich sie doch: die Straße nach Boek - ein schöner Ort. Boek ist das Südtor zum Müritz-Nationalpark und der einzige Ort am Ostufer der Müritz. Allerdings liegt Boek nicht unmittelbar am See. Eine rund einen Kilometer lange Allee führt zur Müritz. 

Der Ortskern wird durch das Gutshaus dominiert. Um den Hauptplatz im Zentrum befinden sich verschiedene Hotels und Pensionen. Neben einem Zinnminiaturenwerkstatt (täglich 9-17 Uhr) gibt es bei Boek einen rund 80 Hektar großen Wildpark mit einheimischen Tierarten.

Sehenswert ist auch eine kleine Backsteinkirche an der Ortsdurchfahrt.
Quelle und mehr

In Schwarzenhof stehen Radler und rätseln, wie es weitergeht. Ich folge dem Schild nach Federow und lande auf einem teilweise sandigen Waldweg, der mich etwa drei Kilometer Umweg kostet. In Federow kehre ich beim Bauernhofcafé „Bunte Kuh“ ein und bestelle Bockwurst mit Kartoffelsalat. Radeln macht ganz schön hungrig. Von hier sind es nur noch fünf Kilometer bis Waren/Müritz.

Diese Straße bringt mich zügig nach Alt Schloen.

Mein Quartier habe ich in Alt Schloen gebucht. So radele ich auf einem autobahn-ähnlichen Radweg neben einer kaum befahrenen schmalen Straße nach Kargow und weiter über Neu Schloen nach Schloen. „Alt Schloen“ taucht auf keinem Wegweiser auf, aber ich vertraue meiner BVA-Karte und finde zum Ziel. Geschafft, nach genau 101 Kilometern.

Die private Unterkunft ist ruhig und bestens in Ordnung. Sie wird von einem netten Ehepaar betrieben. Die Frau erzählt mir, dass sie nach der Wende ihr Elternhaus zurück gekauft habe und seitdem diese Pension betreibe. Bei der Fußball-EM gewinnt Deutschland am Abend gegen Dänemark mit 2:1.

Kornfelder und Hügel: typisch für die Landschaft am Müritzsee.

Fazit dieses anstrengenden, aber schönen Radeltages: Im Raum Rechlin lückenhafte Beschilderung, so dass ich mich einmal sogar komplett verfahre und dabei etwa drei Kilometer Umweg auf recht sandigen Waldwegen zu verkraften habe. Sand- und Waldwege wechseln mit tollen Asphaltstraßen und -radwegen, die mir bisweilen arg überdimensioniert erscheinen.

weiter bei Teil 3 - Teil 1 - Waren und die Müritz

Etappen

Radwanderführer

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Das Neustrelitzer Schloss wurde komplett zerstört - hier eines der erhaltenen Nebengebäude. Einen Besuch wert ist jedoch der Schlosspark. mehr 

Die weiße Brücke in Neustrelitz.

Typisches Straßendorf: Groß-Quassow.

Auf toller Piste durch den Nadelwald gen Wesenberg.

Bruchwald mit grünem Wasser bei Seewalde.

Sandweg vor See.

Kanäle und Schleusen sind typisch für diese wasserreichste Etappe des Mecklenburgischen Seen-Radwegs.

Bootshafen am Mirower See.

Diese Asphaltpiste auf einer ehemaligen Eisenbahntrasse führt zügig nach Rechlin.

Geballte Blumenpracht bei Rechlin.

Schmucker Ort: Blick auf Boek.

Mal pfui, mal hui wie hier: Beschilderung bei Federow.

Rast im Bauernhof-Café in Federow.

Wasserloch bei Schloen.



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