Mecklenburgs Natur
per Rad entdecken (2)
Eine Radtour von Zarrentin am Schaalsee zum Schweriner See
Zarrentin hat
nur 4600 Einwohner und lag zu DDR-Zeiten im Grenzsperrgebiet. Das
bedeutete für die Einwohner eine Unzahl an Einschränkungen ihrer
persönlichen Freiheit. Und der See selbst war auch tabu. Diese
Radeletappe führt entlang des Sees bis Roggendorf und dann über
Gadebusch nach Schwerin, wo gerade die Bundesgartenschau Besuchermassen
anlockte.
Durchs
Biosphärenreservat Schaalsee
Ein
Samstagmorgen im Mai 2009. Die Sonne scheint und der Wind weht im
Gegensatz zu den ersten beiden Tagen, an denen er uns schon zu schaffen
machte, leicht aus West. Von unserem Quartier in der Amtsstraße, gleich
am südlichen Ende des Schaalsees gelegen, radeln wir nach einem
ausgiebigen Frühstück mit Blick aufs sonnenglänzende Wasser Richtung Lassahn.
Vorbei am Paalhus, dem Informationszentrum des Biosphärenreservates und
Sitz des Amtes für das Biosphärenreservat, rollt es sich gemütlich auf
gut asphaltierten Radwegen oder der wenig befahrenen Straße nordwärts.
Hier kann der Mensch richtig durchatmen.
Ein Besuch des Paalhuses lohnt sich übrigens: Eine moderne
Dauerausstellung mit Eiszeittunnel, Vivarium, Tiertelefon und vielen
anderen ungewöhnlichen Einblicken zeigt den Wandel von der Eiszeit bis
zur heutigen Kulturlandschaft. Eintritt frei! mehr
Die DDR-Grenze verlief zwar westlich des Schaalsees und weiter
nördlich mitten hindurch, aber schon weit am östlichen Ufer wurde das
Gelände penibel überwacht. Davon zeugt noch heute eine lange Reihe von
Laternen auf einem Kornfeld rechts der Straße.
Ein Museum, das die Grenzgeschichte dokumentiert, befindet sich weiter
nördlich in Schlagsdorf bei Ratzeburg. www.grenzhus.de/

Reetdachhaus in Lassahn.
Raps,
Mohn und Kraniche
Ein verrücktes Jahr: Raps, Mohn und Kornblumen blühen zur gleichen Zeit,
selbst die Kastanien, die weiter südlich längst verblüht sind, protzen
noch mit ihrer Blütenpracht. Es ist still hier, selbst beim Radeln hört
man die Lerchen singen. Gelegentlich ist in den Wiesen ein Storch zu
sehen, der nach Essbarem stochert. Der Wind treibt die Blütenpollen über
die Roggenfelder, was meinem Mitradler allerdings die Tränen in die Augen
treibt. Vier Kraniche kreuzen hoch in den Lüften.
In Lassahn pausieren wir bei der Kirche, von wo aus man einen
schönen Seeblick hat; genau so schön wie ein paar Meter weiter beim
Gasthaus mit herrlichem Biergarte unter Bäumen.

Von
der Lassahner St.-Abundus-Kirche hat man einen schönen Blick auf den
Schaalsee.
Die
St.-Abundus-Kirche in Lassahn ist die Pfarrkirche der zum
Kirchenkreis Parchim gehörenden Kirchgemeinde Lassahn der
Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs. Das Bauwerk befindet
sich etwa 350 Meter östlich des Lassahner Sees, einem Teil des
Schaalsees, im Zarrentiner Ortsteil Lassahn im Westen
Mecklenburg-Vorpommerns. ... Ihr ältester erhaltener Teil, der
quadratische Chor mit der Sakristei aus Feldsteinen, stammt aus den Jahren
um 1240. ...
Spendengelder ermöglichten den Neuguss einer im November 1993
eingeweihten Glocke mit der Inschrift „Ehre sei Gott in der Höhe“.
Zwei ausgediente Glocken sind auf dem Kirchhof ausgestellt. Quelle:
Wikipedia
Eine interessante Homepage
befasst sich detailliert mit dieser Kirche. Auch ein Luftbild ist dort zu
sehen.
Bald erreichen wir Kneese. Dieser Ort lag, wie die informative
Homepage von Gadebusch verrät, "bis zur Wende am äußersten
Westrand der DDR und war als Sperrgebiet ausgewiesen. Dies führte zu
erheblichen Eingriffen in das Leben und in das Eigentum der Bevölkerung.
In Dutzow wurde z.B. ein Teil des Dorfes planiert, weil er den
Grenzanlagen im Wege stand. ... Heute ist von der Grenze fast nichts mehr
zu erkennen.Wo früher die Grenzanlagen verliefen, befindet sich heute die
Badestelle der Gemeinde Kneese am Schaalsee. Auch die früheren Kasernen
der Grenztruppen in Kneese Dorf haben heute einen besseren Zweck
erhalten."
Nächster Ort ist Roggendorf, wo wir uns beim örtlichen Laden mit
Proviant eindecken, denn Dorfläden sind in der Gegend selten geworden.
"Die Gemeinde Roggendorf ist nach der Stadt Gadebusch mit 1121
Einwohnern die größte Gemeinde im Amt Gadebusch und ist ländlicher
Mittelpunkt zwischen Gadebusch und Ratzeburg. Roggendorf liegt an der
Bundesstraße 208 und hat gute Verkehrsbedingungen in alle
Himmelsrichtungen."
In Möllin befindet sich auf einer Fläche von rund 10.000 qm
die historische Hofanlage des Rauchhauses
Möllin. Dabei
handelt es sich um eine der letzten komplett erhaltenen Hofanlagen aus den
Jahren um 1800. Zentrum ist ein 1796 errichtetes Haus ohne Schornstein, wo
Mensch und Tier unter einem Dach lebten.
Weiter
geht es nach Gadebusch:
"Markante
Sehenswürdigkeiten laden zum Verweilen ein, wie z.B. das Rathaus, welches
saniert und durch einen Erweiterungsbau ergänzt wurde, die Stadtkirche
St. Jakobus und St. Dionysius mit ihrer Königskapelle, der Grablege der Königin
Agnes von Schweden sowie das Renaissanceschloss als Baudenkmale und städtische
Dominanten. Ein Kleinod unserer Stadt ist die Museumsanlage in der
Amtsstraße.
Der Ortsteil Wakenstädt war Schauplatz einer der großen Feldschlachten
des Nordischen Krieges von 1712. Eine Gedenkstätte erinnert an dieses
Ereignis."
Quelle: www.gadebusch.de
Das schmucke Schloss Gadebusch hat eine ereignisreiche Geschichte, wie der Homepage
"Gutshäuser und Schlösser in Mecklenburg-Vorpommern" zu
entnehmen ist:
"1571 wurde das Schloss an Stelle einer Burg unter Verwendung
mittelalterlicher Bauteile durch den Baumeister Christoph Haubitz für
Herzog Christoph von Mecklenburg erbaut. Im 19. Jahrhundert wurden einige
Gebäudeteile abgetragen. Das Gebäude ist dreigeschossig und besitzt
einen Treppenturm mit vier Etagen. 1903 wurde die Anlage restauriert. In
dem Gebäude hatten nach 1918 unterschiedliche Verwaltungen ihren Sitz.
Nach 1945 befanden sich im Schloss ein Museum, ein Internat, ein
Kindergarten und später die Verwaltung. Im Jahr 2000 wurde das Gebäude
an einen Unternehmer aus Baden-Württemberg verkauft." Quelle:
www.gutshaeuser.de
Gottmannsförde heißt ein winziger Ort mit einem bedeutenden
Gutshaus. Wie alle Güter, wurde auch dieses zu DDR-Zeiten zerschlagen und
in 40 Hofstellen aufgeteilt. Wie der informativen Homepage zu entnehmen
ist, wurde im Jahre 1952 in Gottmannsförde die LPG „Leuchtende
Zukunft“ gegründet.
Weiter heißt es dort: "Im Verbund mit vielen Nachbarbetrieben
entstand im Jahr1978 das Volkseigene Gut Warnitz, mit einer Gesamtgröße
von ca. 6000 ha.
Nach der Wende kehrte Raimar v. Böhl u. v. Klass mit seiner Frau Dorothea
aus Augsburg nach Gottmannsförde zurück. Im Mai 1991 kaufte er das völlig
heruntergewirtschaftete Gutshaus und den verwilderten Park. Im Herbst 1991
wurden die landwirtschaftlichen Flächen von Gottmannsförde zurückgepachtet.
Inzwischen hat der Sohn Alexander den Gutsbetrieb in der 6. Generation übernommen."
Quelle: www.gottmannsfoerde.de
Nun steigt die Straße ein wenig an bis Herren Steinfeld. Von dort
sind es nur noch ein paar Kilometer bis in die Landeshauptstadt
Mecklenburg-Vorpommerns, nach Schwerin.
Auch hier dominiert ein Gutshaus den Ort, wie wir von der Homepage
erfahren:
"Herren
Steinfeld besaß - wie der Name schon sagt - ein Herrenhaus Steinfeld.
Es ist zu vermuten, dass es sich um eine herzogliche Domäne handelte,
denn eine Darstellung dieses Hauses findet sich in der Schlössergalerie
im Schloss Schwerin. Offenbar wurde dieses Haus von der herzoglichen
Familie teilweise bewohnt. Das Herrenhaus existiert seit langem nicht
mehr, nur die Auffahrt und einige solitäre Parkbäume deuten noch - wie
bei vielen anderen verlustigen Herrenhäusern auch - auf den Standort des
Hauses hin. Die Gutsanlage wurde in den letzten Jahren durch
Eigenheimparzellierung völlig überbaut."
Quelle: www.gutshaeuser.de

Rapsfelder blühen noch Ende Mai: Straße nach
Herren Steinfeld kurz vor Schwerin.
Teil
3: Schwerin und der Schweriner See
Teil
4: Vom Schweriner See nach Ludwigslust
Teil
1: Von Burgdorf bei Hannover nach Zarrentin am Schaalsee
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Frühstück mit Blick auf den Schaalsee.

Überbleibsel der Grenzüberwachung am
Schaalsee.

Tolle
Radwege, meist von Bäumen beschattet, machen das Radeln zum Genuss. 
Baumsilhouette
bei Lassahn.
 Eine
Landschaft wie in Masuren.
Typische Landschaft, von der
Eiszeit geformt. 
Mecklenburg
ist gut fürs Klima. 
Versorgungslücken: Dorfläden sind selten. Daher heißt
es: Einkaufen!

Allee
nach Möllin. 
Ehemaliges Spritzenhaus (oben, jetzt Buswartehäuschen) ...

... und Rauchhaus in Möllin.

Rathaus
von Gadebusch. 
Das
Renaissanceschloss in Gadebusch, unweit der Museumsanlage gelegen.
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