Radtouren A bis Z - Fahrradbücher - Fahrrad-DVDs - FahrradwitzeLinks - Bahn + Rad - E-Bike - Home

Autor: Dieter Hurcks Copyright 10/2009

Auf den Spuren der DDR-Zeit in Berlin 
28 Jahre trennte die Mauer Berlin West von Ost. Auf dem Mauerradweg findet man Spuren.
Teil 1 - Teil 2 - Teil 3 - Video Berliner Mauer 1971-1993

Einträge für
Zimmervermieter

Quartiere an
Fernradwegen in
Deutschland




Mauerradweg (4)
 
Von Hohen Neuendorf zum Ostbahnhof, 40 km

Der Mauerradweg war zum Zeitpunkt unserer Tour noch nicht ausgeschildert. Inzwischen ist das anders: „Der Weg ist ausgeschildert und in mehrere Etappen aufgeteilt. Ein großer Teil des Wegs verläuft entlang der ehemaligen Außengrenze zwischen Berlin und dem Bundesland Brandenburg.“ Quelle  

Ab und zu sehen wir zwar Radwegweiser, wissen aber nie genau, zu welchem Radweg sie gehören. So bleibt das Fahren nach Karte und Kompass die beste Lösung. Und die hat uns noch nie im Stich gelassen. Dennoch verfahren wir uns, nachdem wir den (ehemaligen Grenz-) Turm der Deutschen Waldjugend passiert haben und landen an einem Bach in der Bieselheide – eine idyllische Gegend, die wir anders nie entdeckt hätten. Im Jahr 2017 ist der Mauerradweg natürlich wesentlich besser zu befahren und auch besser ausgeschildert. mehr

Also: den einen Kilometer zurück. Dann finden wir den im Bikeline-Führer beschriebenen Geierpfad, der uns nach Glienicke/Nordbahn geleitet. Schöne Wohngebiete, ruhige Lage.

Beim Buddhistischen Haus an der Enkircher Straße (Berlin West) verweilen wir und lesen auf einer Tafel, dass der Arzt Paul Dahlke einst hier wohnte.

Es ist schon ein Kreuz. So ganz sicher ist man nie, ob man sich nun im ehemaligen West- oder Ostteil der Hauptstadt befindet.

Besonders absurd war die Situation an der Straße Sandkrug, die wie ein Entenschnabel in den Westteil ragte und zu Mauerzeiten den Verkehr auf der Oranienburger Chaussee zu zeitraubenden Umwegen zwang.

Wir jedoch schieben einfach unser Rad über ein brachliegendes, sandiges und steil abfallendes Grundstück, durchqueren ein kleines Wäldchen und stehen auf der Burgfrauenstraße. Ostwärts führt nun der Radweg an Hermsdorf vorbei, dann auf Stegen entlang des Tegeler Fließes bis Lübars - einst Berlins kleinstes Dorf.

Ich erinnere mich noch gut an eine TV-Liebeserklärung des Liedermachers Reinhard May an diesen heimligen Ort in der nördlichsten Spitze West-Berlins, wo er eine zeitlang lebte.  

Lichter der Großstadt 
Damit haben wir den landschaftlich attraktiven Teil des Mauerradweges hinter uns gebracht. Entlang der „Heidekrautbahn“ und des Friedhofes Rosenthal führt der Weg neben Gleisen. Rechts sehen wir das Häusermeer des Märkischen Viertels, das inzwischen viel farbenfroher daher kommt als bei meinem ersten Besuch 1972.

Aus der Ferne grüßt der Fernsehturm am Alexanderplatz. Auf dem Wilhelmsruher Damm signalisiert eine eingelassene Metallplatte mit Inschrift innerhalb einer Reihe Pflastersteine den Mauerverlauf. Wir radeln weiter vorbei am S-Bahnhof Wilhelmsruh, wo sich unsere Versorgungsengpässe mangels Geschäften bzw. Kiosk nicht beheben lassen. Daher radeln wir die Kopenhagener Straße nach Wilhelmsruh hinein. Dort gibt es eine große Auswahl an Geschäften.

Wieder auf dem Mauerradweg, folgen wir nun der S-Bahn-Strecke ein ganzes Stück auf einem recht gut befahrbaren Radweg.

Nur die vielen Glassplitter, die uns in Berlin manchen Schrecken eingejagt haben, stören das positive Bild. Wir müssen einen wohl gesonnenen Beschützer als Begleiter gehabt haben, denn alle blieben von Pannen verschont. Schon ein kleines Wunder. Nach Durchquerung des Bürgerparks in Pankow passieren wir einen Kinderbauernhof und anschließend den S-Bahnhof Wollankstraße. Die Häuser im Sperrgebiet hatten durch die Mauer besonders gelitten, manchen sieht man es noch an, andere sind bereits fein heraus geputzt. Pankow wurde in der Zeit des Kalten Krieges als Synonym für „Regierungssitz der sowjetisch besetzten Zone“ benutzt.

Nun nähern wir uns allmählich den „historisch bedeutenden“ Orten. Über die Brehmestraße radeln wir nach Pankow hinein und zwischen S-Bahn-Gleisen und der Gartenkolonie Bornholm I zur berühmten Bösebrücke. Hier öffneten die Grenzer in der Nacht vom 9. zum 10. November 1989 den ersten Grenzübergang. Die Bilder hat wohl jeder schon mehrfach im Fernsehen verfolgt. Heute rollt fast unaufhörlich der Verkehr über die Brücke, die über einen Fahrstuhl an die darunter liegende S-Bahn-Station Bornholmer Straße angebunden ist. Ein langes Stück der Hinterlandmauer entlang der Bornholmer verhindert, dass übermütige Touristen die steile Böschung hinab stürzen.

Eine lange Rampe, der Schwedter Steg, ermöglicht es Radfahrern und Fußgängern, zügig weiter südwärts mitten durch den Mauerpark hindurch Richtung Bernauer Straße zu rollen. Vom dort jahrzehntelang an der Buswendeschleife stehenden Aussichtspodest habe ich so manches mal hinüber nach Ost-Berlin und zum Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion geschaut, das mit der Max-Schmeling-Halle, wo die Basketballer von Alba Berlin spielen, inzwischen einen prominenten Nachbarn bekommen hat. Die Halle war für die bekanntlich nicht nach Berlin vergebenen Olympischen Spiele 2000 errichtet worden.

Der Übergang von der Bernauer in die Eberswalder Straße verursacht bei mir noch heute ein kribbeliges Gefühl.  

Bernauer Straße 
Aber wir wollen ja in die andere Richtung, entlang der Bernauer Straße zum Nordbahnhof - einst Stettiner Bahnhof. Hier spielten sich nach dem mitten in der Nacht begonnenen Mauerbau am 13. August 1961 unbeschreibliche menschliche Dramen ab. Erinnern wir nur an Ida Siekmann, die bei der Flucht aus dem Fenster aufs Pflaster von Wedding stürzte und starb. Oder an den Grenzsoldaten Conrad Schumann, dessen Sprung über den Stacheldrahtverhau an der Ecke Bernauer/Ruppiner Straße in die Geschichte einging. Nach der Wende beging Schumann Selbstmord.

Auch mehrere Fluchttunnel wurden hier in der Bernauer Straße gegraben. So war es eine Pflicht, an diesem schicksalsgeprüften Ort ein Mahnmal zu errichten. Neben den Gedenkkreuzen für die Maueropfer wurde ein Stück Mauer wieder aufgebaut anstatt ein Stück im Originalzustand stehen zu lassen. Doch die Originalmauer war längst von den so genannten Mauerspechten zerstört worden, weil sich die zuständigen Stellen wieder einmal nicht rechtzeitig hatten einigen können. An Stelle der erst 1985 gesprengten Versöhnungskirche, die mitten auf dem Grenzstreifen stand, befindet sich heute ein ovaler Lehmbau. Eine Bildergalerie erinnert an die Geschichte der Bernauer Straße.

Am Ende der Bernauer Straße steht der 28 Jahre lang zugemauerte Eingang zum Nordbahnhof. Wir biegen rechts in die Gartenstraße, unterfahren eine verrostete Brücke und biegen links in die Liesenstraße. Wir wundern uns, wie viele Schlenker doch diese Mauer gemacht hat. Zum Beispiel an der Chausseestraße. Als Besucher ist einem das früher gar nicht richtig bewusst geworden. In der Kieler Straße steht ein denkmalgeschützter Wachturm vor Hochhäusern. Er wirkt heute wie ein Spielzeug - und war jahrelang eine Bedrohung für jeden, der von Berlin nach Berlin wollte.

Am Schifffahrtskanal entlang, auf dem sich gerade zwei Lastkähne tuckernd begegnen, radeln wir über den 1748 geweihten Invalidenfriedhof, biegen hinter dem hochmodernen Bau des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technik - auf dem Dach eine riesige Solaranlage - am früheren Übergang Invalidenstraße links in die Invalidenstraße und rollen anschließend auf der Luisenstraße mitten durch den Komplex von Humboldt-Universität, Krankenhaus Charité und Max-Planck-Institut. Rechts in die Reinhardstraße einbiegend, erreichen wir das Regierungsviertel. Mit dem Rad hat man schnell die wichtigsten Gebäude aus der Nähe angeschaut, einen Blick auf die Menschenschlangen vor dem Reichstag geworfen und über die immer noch zahlreichen Kräne gestaunt.  

Reichstag und Potsdamer Platz 
Vorbei am Brandenburger Tor radeln wir auf der Ebertstraße südwärts zum Potsdamer Platz, suchen das im Vergleich mit seinen Nachbarn winzig wirkende Weinhaus Huth, das viele Jahre lang als einziges Bauwerk die Ödfläche des Potsdamer Platzes überragte. Die Nachbildung der ersten Ampel, das Cineplex Kino, Sony-Center, Daimler-City u.s.w. sind schnell abgeradelt. So recht kann sich niemand mit dieser für uns Naturliebhaber abstoßenden Form urbaner Bebauung anfreunden.

Trotzdem: der Anhalter Bahnhof, der Martin-Gropius-Bau in der Zimmerstraße mit der Mauer- und Nazi-Gedankausstellung und dem Peter-Fechter-Denkmal gehören zum Pflichtprogramm. Und natürlich der Checkpoint Charlie - alles historisch bedeutende Orte dieser Tour.  Ein schneller Abstecher über die Friedrichstraße zum Gendarmenmarkt erlaubt den Gruppenmitgliedern, die hier noch nicht waren, ein paar Wissenslücken zu schließen. Es gibt ja so viel zu sehen in Berlin. Und weil Hunger und Durst quälen, radeln wir die Friedrichstraße noch ein bisschen weiter hinauf, vorbei am Bahnhof Friedrichstraße und dem Tränen-Palast, queren die Spree und biegen in den Schiffbauer Damm ein, wo wir bei der aus Bonn übergesiedelten „Ständigen Vertretung“ in der Märzsonne ein Kölsch und den „Halven Han“ genießen, einen Käsehappen auf rheinische Art.

Palast der Tränen 
Der denkmalgeschützte Tränenpalast, die ehemalige Ausreisehalle der Grenzübergangsstelle im Bahnhof Friedrichstraße innerhalb Ost-Berlins, ist heute eine Dokumentationsstätte. Quelle: Wikipedia

Nun geht die Tour rund um Berlin (West) zuende. Am Axel-Springer-Haus vorbei zackt sich der Mauerradweg südostwärts bis nach Kreuzberg hinein. Vom ehemaligen Übergang Prinzenstraße ist nichts mehr zu sehen. Eine Infotafel erinnert daran, dass man von der U-Bahn-Station Moritzstraße nach nur wenigen Metern gen Norden an die Mauer stieß. Beim Künstlerhaus Bethanien biegen wir auf den Mariannenplatz, bestaunen einen übrig geblieben Bewohner aus Mauerzeiten, der 2003 immer noch in seiner zusammengeschusterten Bretterbehausung mit beigestelltem Bus und Wohnwagen lebte,  und suchen uns am Heinrichplatz ein Café, wo wir die Zeit bis zur Bahnabfahrt im Warmen verbringen können.

Natürlich ist es ein typisches Kreuzberger Lokal, die Rote Harfe. Die Preise sind allerdings nicht unbedingt auf Studenten und Niedriglohnbezieher zugeschnitten - nur das Interieur. Trotzdem: Das Lokal hat eine ganz eigene Atmosphäre. Groß ist der Kontrast zum neuen Ostbahnhof, dem Start und Ziel unserer Radreise.

 

Radwanderführer Berliner Mauer








Teil 1: Vom Ostbahnhof nach Rudow 

Teil 2: Von Rudow nach Geltow

Teil 3:  Von Geltow nach Hohen Neuendorf

 



Links
Mauerradweg Berlin (offizielle Seite)
Diaschau zur Berliner Mauer
mit historischen Fotos 
Video Berliner Mauer 1971-1993
Berliner Mauer
 
Mauerradweg 
Tourenbericht 
Berliner Mauerweg (Wiki)
Mauer in Berlin Übersicht 
Geschichte Berlins

 

Radtouren-DVDs - ideal für Beamerschauen
Info und bestellen hier

 

zurück zur Hauptseite



Das Tegeler Fließ im März.

Lübars - ein Dorf in Berlin, das vor allem zum Mekka der Pferdefreunde geworden ist.

Das Märkische Viertel.

Mauerradweg bei Wilhelmsruh.

Mauer-Markierungen wie diese findet man an vielen Stellen in Berlin.

Mauerrest an der Bornholmer Straße (2003).




Mauer-Gedenkstätte Bernauer Straße.




Eingang des Nordbahnhofs an der Gartenstraße/Ecke Bernauer Straße.




Wachturm an der Kieler Straße im Bezirk Mitte.




Mauerrest am Invalidenfriedhof.




Gedenktafel am Invalidenfriedhof.




Ankunft am Reichstag.




Museales Relikt: Checkpoint Charlie
YouTube-Video Checkpoint Charly



Mauerreste an der Niederkirchner Straße.




Der Kreis schließt sich: Zurück an der 
East Side Gallery
nahe des Berliner 
Ostbahnhofs.