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Autor: Dieter Hurcks Copyright 10/2009

Auf den Spuren der DDR-Zeit in Berlin 
28 Jahre trennte die Mauer Berlin West von Ost. Auf dem Mauerradweg findet man Spuren.
Teil 1 - Teil 2 - Teil 4 - Video Berliner Mauer 1971-1993

Einträge für
Zimmervermieter

Quartiere an
Fernradwegen in
Deutschland

Mauerradweg (3)
 
In Berlins Norden: Von Geltow nach
Hohen Neuendorf (82 km)


Zur Werder Insel, die wir abends aus der Anglerklause in Geltow gesehen haben, müssen wir natürlich hin. So ändern wir an diesem noch ereignisreich werdenden Tag kurzerhand den Plan und fahren „andersherum“ um den Großen Zernsee.

Über die Eisenbahnbrücke gelangen wir schnell ans andere Ufer, durchqueren ein tristes Gewerbegebiet und erreichen bald die Werder Insel mit der Bockwindmühle und der Kirche. Über Caputh, bekannt als Einsteins Sommerresidenz, gelangen wir an den Templiner See und fahren auf der Uferstraße nordwärts an der Cecilienhöhe vorbei wieder nach Potsdam. Natürlich war der Weg auf der anderen Seite, wo sich unter anderem ein Olympia Leistungszentrum und ein Campingplatz befinden, schöner und idyllischer, aber man muss halt auch die andere Seite kennen lernen: stillgelegte Fabriken, dem Verfall preisgegeben Häuser.

Um nicht mitten durch die Stadt zu müssen, radeln wir den Weg zurück durch den auch mehrere Besuche lohnenden Babelsberger Park. An der Parkbrücke rasten wir in einem für unsere Radfahrer-„Verkleidung“ viel zu vornehmen (und teuren) Restaurant. 800 Meter danach überqueren wir auf zwei Rädern die „Brücke der Einheit“, die berühmte Glienicker Brücke, die Schauplatz manchen Agententausches zwischen Ost und West gewesen sein soll.

Weil die Fähre zwischen Wannsee und Kladow (Fahrplan hier) im März nur selten verkehrt und die nächste Abfahrtszeit für uns viel zu spät liegt, beschließen wir, stattdessen über die Glienicker Brücke zu rollen und uns entlang Havel und Jungfernsee nach Neu Fahrland durchzuschlagen.

Über die Schwanenallee erreichen wir einen gut befahrenen Uferradweg, der direkt am geschichtsträchtigen Schloss Cecilienhof entlang führt, in dem Churchill, Stalin und Truman 1945 das Potsdamer Abkommen unterzeichneten. Dann geht's am Ufer nicht weiter.

Wir durchqueren eine Kleingartenkolonie und gelangen an die B 2, die von entkernten Kasernengebäuden gesäumt wird. Hier müssen tausende von Soldaten der Roten Armee gedient haben. Die Altlasten zu beseitigen oder gar etwas Nützliches daraus zu machen, wird noch Millionensummen verschlingen. Über Nedlitz erreichen wir Krampnitz. Glücklicherweise hat man auf der Strecke nach Groß Glienicke inzwischen einen Radweg angelegt, so dass wir neben der stark befahrenen Straße Richtung Falkensee sicher unser Zwischenziel erreichen. Beim Bäcker gibt es Kaffee und Kuchen, eine willkommene Stärkung und ein bisschen Wärme an diesem kalten Montag im März 2003.  

Sturz am Pfahl 
Ausgerechnet unser Mitfahrer Fritz, der schon zuhause massiv gegen die mitten auf Radwegen platzierten rotweißen Pfähle ankämpft, bleibt auf der Straße Am Park in Groß Glienicke mit der Pedale an einem solchen obrigkeitlich angeordneten Verletzungsrisiko hängen und stürzt schwer. Nach einer Dreiviertelstunde hat der begnadete Bastler jedoch den Schaden an der Gangschaltung selbst behoben, das Gesicht verpflastert und die Brille halbwegs gerichtet. Die zerkratzten Gläser lassen sich allerdings nicht reparieren. Die Gläser müssen später ausgetauscht werden, ein ärgerlicher Kostenfaktor, wenn sie nicht durch Polieren wieder einigermaßen zu richten sind.

Und noch ein Tipp für Brillenträger - den aber sicher die meisten bereits befolgen, die unterwegs schon mal ein Malheur mit der Brille hatten: Zur Radtour möglichst immer eine Ersatzbrille mitnehmen, es darf ruhig die etwas ältere, abgelegte sein. Einen Bäcker findet man überall, aber einen Optiker nicht so oft.

Uns allen sitzt nach diesem Vorfall der Schreck in den Gliedern, als es weitergeht. An einem diverse Müllberge verbergenden Mauerelement mit dahinter noch intaktem Drahtgitterzaun zum Groß Glienicker See radeln wir über die holprige Gutsstraße und die Privatstraße, die tatsächlich so heißt, aber keine ist, zur Potsdamer Chaussee. Rechter Hand blicken wir über den ehemaligen britischen Besatzerflugplatz Berlin Gatow, seit 1995 Luftwaffenmuseum.

Durch die Rieselfelder 
Da der Grenzstreifen links der Straße vorbildlich aufgeforstet worden ist, führt ein Radweg rechtsseitig durch den Waldstreifen. Vorbei am Gatower Golfplatz und dem Landschaftsfriedhof Gatow inmitten der Rieselfelder gelangen wir ans Ende der Potsdamer Chaussee. Hier, wo sie Wilhelmstraße heißt, mündet links der Grenzweg ein. Dieser führt wieder direkt über den Mauerstreifen und passiert die Grünanlage Hahneberg und kurz darauf das gleichnamige Fort.

Nun überquert der Radweg die Heerstraße, wo ehedem der gleichnamige Kontrollpunkt und die GÜST (Grenzübergangsstelle) Staaken aneinander stießen. Wir radeln über die Bergstraße bzw. wegen des groben Pflasters über deren Fußweg zur 700 Jahre alten und geschichtsträchtigen Dorfkirche Alt Staaken. Heute leuchtet sie frisch renoviert in strahlendem Weiß.

Übernachten am Mauerradweg bei Staaken

Über den Nennhauser Damm fahren wir nordwärts und machen einen kurzen Abstecher zum Außenlager Falkensee, das zum Konzentrationslager Sachsenhausen gehörte. Eine aus massiven Bruchsteinen gebaute Häftlingsbaracke steht noch, von den anderen sind nur die Bodenplatten zu sehen. Ein beklemmender Ort - trotz des herrlichen Sonnenscheins. Beklommen wird man auch, wenn man erfährt, dass die Brücke über den Nennhauser Damm einen Durchlass für den Transrapid besitzt. Doch die Strecke Hamburg Berlin wurde bekanntlich nie gebaut ...  

Wald und Wasser 
Bei der Siedlung Falkenhöh (ehemals Ost Berlin) beginnt eines der schönsten Teilstücke des Mauerradweges. Bis auf erschrocken vors Rad springende Hunde und einige Hügel hemmt hier nichts das Surren der Räder. Wir passieren den Eiskeller, ein früher komplett von der Grenze umschlossenes Stück West Berlin und radeln zur Schönwalder Allee und zum Laßzinssee. An einem Beobachtungsstand - die Sonne steht schon bedenklich tief - machen wir die letzte Pause dieses Tages. Kilometerweit geht es weiter durch ein Waldgebiet, das Naturschutzgebiet Rohrpfuhl. Am Gasthof Erlengrund, einer West Berliner Exklave, erreichen wir die Havel. Der Weg schwenkt nordwärts. Die West Berliner Halbinsel Heiligensee im Blick, radeln wir zügig auf der zum Radfernweg Berlin-Kopenhagen gehörenden Piste bis zum Grenzturm Nieder Neuendorf, in dem ein Museum eingerichtet ist.

Leider schwenkt der Radweg bald darauf vom Ufer weg und folgt der Spandauer Allee.

Rechts sehen wir das riesige Werk der kanadischen Weltfirma Bombardier Transportation - früher VEB Lokomotivbau - Elektrotechnische Werke „Hans Beimler“ Henningsdorf, dann ADtrans. Hier werden S Bahn Züge und Waggons gebaut.

Der Standort Hennigsdorf ist in seiner Wirtschaftsstruktur historisch geprägt durch seine zweigleisige Struktur: Stahl und Schienenverkehrstechnik. Quelle

Allmählich wird uns die Zeit knapp. In der Dämmerung fällt das Karte Lesen zunehmend schwerer, und im Waldstück Richtung Stolpe Süd, das zur Stolper Heide gehört, sehen bald alle Wege gleich aus. So schaffen wir es gerade noch bis nach Frohnau, wo wir über den Karmeliterweg direkt die S Bahn Station erreichen.

Alle atmen erleichtert auf, erst recht, als wir in Hohen Neuendorf die Station verlassen und direkt gegenüber unsere Pension „Zum strammen Max“ sehen. Die 82 km haben geschlaucht, die Moral sank mit der untergehenden Sonne. Ein „strammer Max“ zum Abendbrot brachte uns wieder auf die Beine. Die Nacht jedoch wurde zumindest für die etwas unruhig, die kein Oropax dabei hatten. Das Piepen der sich schließenden S Bahn Türen war nicht zu überhören.  

 

Radwanderführer Berliner Mauer





Teil 1: Vom Ostbahnhof nach Rudow 

Teil 2: Von Rudow nach Geltow

Teil 4:  Von Hohen Neuendorf zum Ostbahnhof

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Werder lohnt auf jeden Fall einen Besuch.



Die Bockwindmühle in Werder.



Mauerrest bei Groß Glienecke.



Metallgitterzaun am Groß-Glienicker See.



Auf dem Hahnenberg.



Außenlager Berlin Falkensee.



Märkische Heide, märkischer Sand: kurz vor
Frohnau - toller Weg, aber viele frei laufende
Hunde, von denen einer einem Mitfahrer vors 
Rad lief und einen Sturz verursachte.

Blick von Nieder Neuendorf auf Heiligensee: Das
Seeufer war früher Grenze und durch Mauer und
Zäune weitgehend verstellt.

Wachturm in Nieder Neuendort. - Hier entlang
führt auch der Havel-Radweg.

Links
Diaschau zur Berliner Mauer mit historischen Fotos
Video Berliner Mauer 1971-1993
Berliner Mauer
 
Mauerradweg 
Tourenbericht 
Berliner Mauerweg (Wiki)
Mauer in Berlin Übersicht 

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