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Autor: Dieter Hurcks Copyright 10/2009

Auf den Spuren der DDR-Zeit in Berlin 
28 Jahre trennte die Mauer Berlin West von Ost. Auf dem Mauerradweg findet man Spuren.
Teil 1 - Teil 3 - Teil 4

Einträge für
Zimmervermieter

Quartiere an
Fernradwegen in
Deutschland




Mauerradweg (2)
 
Von Rudow nach Geltow, 70 km

Der zweite Tag lässt sich gut an. Wir wollen einen Abstecher nach Potsdam machen und gegenüber der Werderinsel am See übernachten, in Geltow. Die Sonne scheint, der im Wetterfunk angesagte Nebel hat sich andernorts breit gemacht. Teil 3

Frohgemut radeln wir auf der Waßmannsdorfer Chaussee südwärts. Beim Dörferblick, einem zur Aussichtsplattform nach Schönefeld umfunktionierten 86 Meter hohen Müllberg, der zwischen 1958 und 1971 dort aufgetürmt wurde, steht die erste Bergprüfung auf dem Programm. Von hier schauten die West-Berliner zu Mauerzeiten weit hinein ins  Brandenburgische - natürlich geht das heute ebenfalls, und auch wir verfolgen einige startende Jets auf dem Flughafen Schönefeld.

Im Internet finden wir einen bedauernden Kommentar zu dieser Stelle Berlins: „Früher konnte man auf dem amerikanischen Zollweg immer die Mauer entlang bis zur Gropiussstadt laufen oder radeln, aber nach der Wende wurde alles Privatbesitz, und nun haben Pferdehöfe den Mauerstreifen erobert. Von Brandenburg aus erreicht man den Hügel nur noch über einen schmalen Pfad.“ (www.schockwellenreiter.de/reisen/doerferblick.html).

Genau das wussten wir nicht und versuchten, auf dem Kolonnenweg weiter zu kommen. Querfeldein mussten wir schieben, um dann doch weit vom Schuss in einer Siedlung bei Großziethen zu stranden.

Dörferblick  
Mehr Informationen und Bilder zum zum Dörferblick bietet die Internerseite www.schockwellenreiter.de/reisen/doerferblick.html

Birken und nochmal Birken  
Über die Rudower Chaussee gelangten wir aber wieder zum Mauerradweg, der nun durch Birkenbestände auf sandigem Grasuntergrund nordwärts führt. Bei Buckow sind die Gleise einer ehemaligen Müllbahn zu überqueren, ehe der Weg scharf nach Westen zackt. An der Ecke Am Buschfeld/Ringslebener Straße wartet die Pension „Mauerblümchen“ auf Gäste. Auf der Ringslebenstraße fühlen wir uns wie kleine Fische im großen (Häuser-) Meer.

Danach wird der Weg richtig beschwerlich. Wieder aufgeweichter Rasen als Untergrund, holprig und kräftezehrend zu befahren. An der Nahtstelle von Buckower Damm (Buckow/West) und Karl-Marx-Allee (Großziethen/Ost) versteckt sich der Mauerradweg schamvoll hinter Werbetafeln. Grund hat er, denn hier muss der Radler höllisch aufpassen, nicht in die frisch gepflügte vorletzte Furche zu fallen - die letzte Furche hat der Landwirt gottseidank ausgelassen. So erreichen wir die auf der Karte angekündigten Findlinge und biegen nach Süden ab. An Lichtenrade vorbei holpern und schlingern unsere schwer beladenen Räder bis zum Kirchhainer Damm/Gerickestraße. Am Roten Dudel vorbei erreichen wir die Paplitzer Straße.

Federung empfehlenswert 
Hier hat der große Straßenplaner eine Schikane vorgesehen. Nordwärts durch eine schöne Wohnsiedlung von Lichtenrade, dann auf der Wolziger Zeile über die Bahn und das Ganze Retour auf der Mozartstraße zum Ex-Mauerstreifen. Mittags haben wir nicht einmal 25 km geschafft. Der Mauerstreifen schlaucht ganz schön. Ein gut gefedertes Fahrrad macht doch vieles leichter ...

Nun wird die Gegend immer ländlicher. Hochhäuser rechts, riesige Ackerflächen links des Weges. Aus dem einst kahlen Mauerstreifen ist ein schmuckes Birkenwäldchen geworden.  Der Weg ist nun asphaltiert und wir rollen zwischen den skatenden, radelnden, joggenden oder einfach nur gemächlich bummelnden Berlinern bei strahlendem Sonnenschein weiter nordwärts.

Die vielen Hunde werden zum Problem. Mancher Vierbeiner springt, erschreckt angesichts unserer beladenen Fahrradungetüme, direkt in die Spur. Beinahe-Auffahrunfälle sind die Folge. Rechts zieht Marienfelde vorbei, bald ist Lichterfelde zu sehen. Rechts am Weg weist der Radwanderführer eine „Geisterstadt“ aus - für uns bleibt sie unsichtbar.

Dafür lässt die Kirschenallee erahnen, wie es hier bald blühen wird. Japaner haben vor lauter Freude über den Mauerfall Kirschbäume gestiftet, die aus dem Todesstreifen einen Obstbaumhain gemacht haben. Noch (März 2003) trennt die neu gebaute Eisenbahnstrecke der Anhalter Bahn, die über eine Behelfsbrücke überquert werden kann, die beiden Teile. Aber eine von einer Bürgerinitiative (sic!) durchgesetzte Unterführung ist bereits im Bau.

Bald erreichen wir den nun schon guten alten Bekannten, den Teltowkanal. Wir folgen ihm bis zur Knesebeckbrücke Teltower Damm/Zehlendorfer Straße. Der Anstieg kurz davor rührt von einer ehemaligen Brücke über den Kanal im Zuge der Wupperstraße, die im 2. Weltkrieg zerstört und nicht wieder aufgebaut wurde.

In Teltow kehren wir „Bei Berndardt“ ein, wo es auch kleinere Portionen für Radler gibt (z.B. ein paar Wiener mit Bratkartoffeln).

Zurück zur Knesebeckbrücke und auf der Nordseite (= ehemals Berlin West) am Kanal entlang bis zur Sachtlebenstraße. An Kleinmachnow vorbei, wo wir in der Berlepschstraße an einem Mahnkreuz für den 1966 erschossenen 17jährigen Karl-Heinz Kube innehalten, führt der Weg nun, leidlich befahrbar, auf der Trasse der ehemaligen Stammbahn etwa 2 km schnurgerade entlang des Mauerstreifens bis zur Autobahn 115 und dem ehemaligen Kontrollpunkt Dreilinden - heute Raststätte.

Die Stammbahn - sie verbindet Zehlendorf, Kleinmachnow, Stahnsdorf und Teltow mit Berlin einerseits und mit der Landeshauptstadt Potsdam anderseits - soll übrigens reaktiviert werden, wofür sich eine Bürgerinitiative ebenso einsetzt wie die Berliner Grünen. www.stammbahn.de/ - zur Geschichte

Schlotter-Schotter  
Hinter der Autobahn beginnt ein langer gerader Weg, der kürzlich frisch geschottert wurde und bis zur Nathanbrücke über den Teltowkanal durch den Berliner Forst Düppel führt: der Königsweg. Die Räder schlottern genau so wie unsere müden Knochen. Doch wir müssen weiter.

Unter den S-Bahn- bzw. Fernbahngleisen hindurch gelangen wir zum Griebnitzsee, wo noch ein bunt bemaltes Element der Hinterlandmauer steht. Am See entlang mit seiner stattlichen Uferbebauung radelt es sich erbaulich bis Babelsberg.

Durch den Babelsberger Park fahren wir nach Potsdam, erreichen über eine nagelneue Brücke schnell den Bahnhof, überqueren uns rechts haltend die Lange Brücke, passieren das Filmmuseum und biegen kurz danach, die Breite Straße überquerend, auf den gut ausgeschilderten Radweg R 1 ein, der uns der untergehenden Sonne entgehen bis zu unserem Quartier in Geltow geleitet.

Ein wenig abseits vom Mauerradweg, aber in einer herrlichen Urlaubslandschaft fernab des Lärms der Großstadt.

In Geltow, Ortsteil Wildpark West, beziehen wir unser Privatquartier und speisen nach dem Duschen ganz ausgezeichnet in der Anglerklause. Dabei fällt der Blick immer wieder auf die beleuchtete Kirche der Werder-Insel. Ein stimmungsvoller Ausklang dieses schönen Tages.

Übrigens soll die Garnisonskirche in Potsdam wieder aufgebaut werden. Die Diskussion läuft schon lange und war auch im Juli 2014 noch nicht beendet. Info zum Wiederaufbau und mehr zur Geschichte dieser Kirche.

Inzwischen ist der Mauerradweg ausgeschildert und
mit solchen Informationstafeln versehen (7/2014).

Links
Diaschau zur Berliner Mauer mit historischen Fotos 
Video Berliner Mauer 1971-1993
Berliner Mauer
 
Mauerradweg 
Tourenbericht 
Berliner Mauerweg (Wiki)
Mauer in Berlin Übersicht

Radwanderführer Berliner Mauer








Teil 1: Vom Ostbahnhof nach Rudow 

Teil 3:  Von Geltow nach Hohen Neuendorf

Teil 4:  Von Hohen Neuendorf zum Ostbahnhof

Havel-Radweg

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Die Waßmannsdorfer Chaussee führt zum Dörferblick.

Auf dem ehemaligen Kolonnenweg.

Gedenkkreuze erinnern an die Todesschüsse an der Mauer.

Autobahnraststätte Dreilinden, früher gefürchteter Grenzkontrollpunkt der DDR.



Hinterlandmauer am Griebnitzsee.



Durch den Babelsberger Park führt die Tour nach Potsdam





Potsdam: Residenz Heilig Geist Park.



Hier ist das Potsdamer Filmmuseum untergebracht.



Reste vergangener Zeiten entdeckt man manchmal erst auf den zweiten Blick.





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