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Autor: Dieter Hurcks Copyright 9/2018

Von Eutin zur Ostsee und nach Plön
Durchs meist nur sanft hüglige Seengebiet der Holsteinischen Schweiz führt eine rund 200 km lange Radrunde zwischen Eutin, Plön und der Ostseeküste.

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Holsteinische-Schweiz-
Radtour

200 km per Pedelec auf der HSR durchs Land der Hügel und Seen

Auf meiner Touren-Landkarte gab es bis zum Juni noch einen weißen Flecken: die Holsteinische Schweiz mit ihren rund 200 Seen. Zwar bin ich schon mal den Ostseeküstenradweg von Flensburg nach Lübeck geradelt, aber bis dato noch nicht im ebenfalls hügeligen Binnenland. So viel vorweg: Wer wirklich Ruhe sucht und mal voll abschalten will, der ist hier genau richtig. Ein Pedelec macht viele Anstiege leichter – und hilft auch gegen den Wind, der hier manchmal ganz schön kräftig von der Ostsee herüber bläst.

Die 204 km lange Rundtour, die auf meist verkehrsarmen Landstraße und häufig durch Wald und entlang von Feldern durch Schleswig-Holsteins größten Naturpark führt, beginnt für mich im 17.000-Einwohner-Städtchen Eutin, das ich per Bahn von Lüneburg aus mit einem Regionalzug über Lübeck direkt erreichen kann. Eutin liegt im Naturpark Holsteinische Schweiz zwischen Großem Eutiner See, Kleinem Eutiner See, Kellersee und Ukleisee.

Die Eutiner Altstadt ist um den historischen Marktplatz gruppiert und umfasst sowohl frühneuzeitliche Fachwerkhäuser als auch klassizistische Bauwerke. Unbedingt sehenswert sind das Eutiner Schloss mit Ursprüngen um das Jahr 1160 (Barockisierung bis 1729) in englischem Landschaftsgarten. 2016 fand in Eutin die Landesgartenschau statt. Der neben dem Schloss gelegene Küchengarten war zentraler Bestandteil des Ausstellungsgeländes. Unbedingt anschauen!

Am Marktplatz bieten mehrere Betriebe eine gute Auswahl an Essen und Trinken an, etwa das Eutiner Brauhaus mit eigener Biersorte und schönem Biergarten, unter dessen Schirmen die Gäste beim abendlichen Gewitterregen Schutz finden. Auch einen „echten“ Bäcker gibt es hier noch, bei dem man sich für die Tour mit Proviant eindecken sollte. Denn unterwegs gibt es erst nach langer „Durststrecke“ wieder Nachschub.
mehr über Eutin bei Wikipedia

Quartier für eine Nacht: schwierig 
Es war nicht leicht, auf dieser Tour ein Zimmer für nur eine Übernachtung zu bekommen. Tourenradler sollten, wie mir eine Zimmerwirtin empfahl, am besten in der Nebensaison kommen. Denn in der Hauptsaison wolle niemand durch eine Vermietung für nur eine Nacht jemanden abweisen müssen, der zwei Wochen bleiben will. Verständlich!

Den Nachmittag meines Anreisetages nutzte ich für das Umradeln des Großen Eutiner Sees (ca. 11 km). Vorbei an der Windmühle und dem Wasserturm gelange ich nach Fissau. Schon dabei merkte ich, dass das Wasser von den Wegen aus nur selten wirklich zu sehen ist. Das wiederholte sich später auch bei den anderen Touren entlang mancher Seen. Dabei sieht es auf den Karten doch so aus, als würde man direkt am Ufer radeln ...  

Logo der HSR (Holsteinische-Schweiz-Radtour)

Von Eutin an die Ostsee 
Am ersten Radeltag fahre ich noch einmal entlang des Südufers am Eutiner See entlang – diesmal nach Osten. In Sandfeld schwenkt die Route nun in nördliche Richtung, um bei Mönchneversdorf wieder einen Haken gen Westen zu schlagen. Man werde „verzaubert durch ein unvergleichliches Naturerlebnis. Folgen Sie der Beschilderung durch die eiszeitlich geprägte Moränenlandschaft, die bis an die Ostsee reicht.“ So heißt es auf der sehr informativen Internetseite der Holsteinischen Schweiz.  

Reizvolle Naturerlebnisse 
Und die Natur hat hier wirklich eine Menge zu bieten. Das leicht hügelige Land, geprägt von der Eiszeit, macht den besonderen Reiz aus. Im Juni steht die Natur in voller Blüte, die Kornfelder sind meist noch grün, die Lerchen singen am Himmel.

Am Wegesrand liegen nicht nur Seen. Neben sanften Hügeln und ausgedehnten Wäldern verleihen zahlreiche Herrenhäuser, Güter, Klöster, Mühlen und Schlösser diesem Radweg seinen besonderen Charme. Mit etwas Glück sieht der Radler sogar den majestätischen Seeadler kreisen.  

In Stendorf fahre ich durch ein schönes Dorf samt Gutshof (Foto). Zwischen Kasseedorf und Stendorf liegt der Stendorfer See. Er ist 54 ha groß, bis zu 8 m tief, liegt etwa 32,6 m ü. NN und wird von der Schwentine durchflossen. Die Schwentine ist mit 68 km einer der längsten Flüsse Schleswig-Holsteins. Sie entspringt nahe des Bungsberges und durchfließt die gesamte Holsteinische Schweiz mit zahlreichen großen Seen. Der Fluss fließt durch die Orte Eutin, Bad Malente, Plön, Preetz, Schwentinental und mündet in Kiel zwischen den Stadtteilen Neumühlen-Dietrichsdorf und Wellingdorf in die Kieler Förde. Quelle und mehr: Wikipedia  

Höchste Erhebung

Zunächst ist der Bungsberg zu umrunden, die mit 168 Metern höchste Erhebung des nördlichsten Bundeslandes. Die drei Funktürme dort sind als echte Landmarken rundum schon von weitem gut zu sehen. Der rund 750 m entfernt stehende 249 m hohe rot-weiße Sendemast u.a. für UKW- und Digitalradio wurde 2004 errichtet und wird vom Norddeutschen Rundfunk genutzt.

Weiter geht's ab Mönchneversdorf gen Kirchnüchel. Dabei muss der Radler auch Straßenschäden und ziemlich schlechte Wegstücke in Kauf nehmen, rollt aber auch oft auf verkehrsarmen Asphaltpisten dahin. In Nüchel befindet sich aneinem hohen Gebäude eine Sonnenuhr. Ab dem Dörfchen Benz, wo es endlich mal eine gebrauchsfähige Bank für eine Rast gibt, mache ich Pause. Danach geht es stracks nach Norden Richtung Ostsee.

Toter Briefkasten im Dorf Kletkamp

Nach 33 km passiere ich Kletkamp mit seinem hübschen Herrenhaus und wenig später die Kirche in Blekendorf.

Gleich weitergeschickt 
Als ich Sehlendorf passiert habe und am Eingang zum Sehlendorfer Strand ankomme, schickt mich der Aufpasser ungefragt gleich nach Hohwacht weiter. Anscheinend sind Fahrradtouristen mit Strand nicht kompatibel. Am Hohwachter Strand besteht endlich Gelegenheit zur Einkehr. Über Behrensdorf mit seinem markanten Leuchtturm Neuland rolle ich auf guter Piste gut fünf Kilometer weiter zu meinem Quartier in Matzfitz. Gesamtstrecke:  60 km. Nach dem Einquartieren fahre ich wieder nach Behrensdorf, da das winzige Dorf keine Möglichkeit bietet, irgendwo etwas zu essen. Beim Campingplatz Waldesruh gibt's Fischbrötchen und nette Leute zum Klönen gesellige Camper u.a. aus meiner alten Heimat Dortmund.

 

Von der Ostsee nach Plön (103 km)

Nach einer ruhigen Nacht im so lustig klingenden Dörfchen Matzefitz mache ich mich auf die rund 115 km lange Tagestour nach Plön, die man jedoch bei Bedarf erheblich abkürzen kann. Zunächst bestaune ich nach längerem Anstieg nur 3 km weiter das Gut Panker (in Privatbesitz), um dann gen Giekau Richtung Selenter See zu radeln, den man von hier (noch) sehen kann. Nach 20 km ist Fargau-Pratjau am anderen Ende des Sees zu sehen, auf den ich allerdings bis dahin keinen weiteren Blick werfen konnte: wegen Wald als „Sichtschutz“.

Weiter geht's nach Fargau und Selent mit seiner mächtigen, gedrungenen Kirche St. Servatius, die 1197 erstmals erwähnt worden ist.

Von Selent kann man nach Plön erheblich abkürzen und erreicht die Stadt am größten See des Landes nach etwa 20 km.

Marktplatz des Städtchens Preetz

Ich aber wende ich mich vom zweitgrößten See Schleswig-Holsteins nach Südwesten und erreiche über Martensrade und Rethwisch bald die quirlige Stadt Preetz. Diese Kleinstadt südöstlich von Kiel im Kreis Plön in Schleswig-Holstein. Preetz ist aufgrund der einstmals bedeutenden Berufsstände der Schuhmacher auch als die Schusterstadt bekannt und mit rund 16.000 Einwohnern die größte Stadt im Kreis.

Das Preetzer Holzschuhmuseum eröffnete am 18. Mai 2008. In der renovierten Werkstatt eines Holzschuhmachers wird der Herstellungsprozess sowie die Historie der Preetzer Holzschuhe präsentiert. Das Erste Circus-Museum in Deutschland eröffnete 1994 in Preetz, zog aber 2010 aus Platzgründen nach Magdeburg um.
Quelle und mehr bei Wikipedia

Gewitter im Anmarsch 
Von Preetz Mitte habe ich zunächst Probleme, die Beschilderung des HSR wiederzufinden. Auch der nächste Ort Sieversdorf findet sich auf keinem Schild. Also radle ich per Kompass in westlicher Richtung aus dem Stadtzentrum heraus, bis auf meinem Navi der Track wieder auftaucht und dann sogar die Beschilderung. Schnell ist der Radler wieder (fast) mit sich allein. Auf schmalen Wegen geht es gen Sieversdorf und Postfeld entlang der Alten Schwentine und dem Postsee. Letzterer wird von der Alten Schwentine durchflossen, der Kirchsee im Zentrum und der Lanker See im Süden von Preetz dagegen von der Schwentine. Der Kirchsee ist eigentlich nur eine Verbreiterung der Schwentine. Diese fließt vom Lanker See durch den Kirchsee weiter in Richtung Kiel.

Von Löptin gen Süden rollend erreiche ich bald Stolpe am gleichnamigen See und biege in Wankendorf ab nach Perdöl. Bei der Perdöler Mühle wirbt ein Unternehmen für winzige Holziglus als Tiny-Häuser.

Ich radle aber weiter auf dem HSR entlang von Belauer See und Schmalensee Richtung Stocksee und weiter nach Dersau, wo ich erstmals den Großen Plöner See zu Gesicht bekomme. Kurz vorher besteht die Möglichkeit, nach Plön abzukürzen und den Rundkurs zu verlassen: 13 km sind es dann nur noch.

Aber da das Wetter sich (noch) friedlich zeigt, radle ich über Sepel und Nehmten und biege dann bei Bredenbek auf eine Abkürzung ab, die über eine gerade frisch asphaltierte Straße samt perfektem Radweg nach Stadbek führt. Vorher waren auch ein paar ganz schlechte Wegstücke zu bewältigen (Steine, Schlamm ...).  

Plöne mit Kirche und Schlossberg nach dem Gewitter

Auf dem Weg nach Bosau lässt sich der Große Plöner See wieder blicken. Beim dortigen Campingplatz schiebe ich eine Rast ein, während der sich dunkle Wolken über den See schieben. Nachdem es eine zeit lang geblitzt und gedonnert hat, wage ich die Weiterfahrt, werde ein paar Mal nass und erreiche gegen 17 Uhr im leichten Regen die Jugendherberge in Plön im Ortsteil Koppelsberg.

Auch am nächsten Morgen blitzt und donnert es unablässig. Der Wetterbericht prognostiziert den ganzen Tag über Wind, Regen und Gewitter, so dass ich die Rundreise hier beenden und die Rückfahrt über Bad Malente zum Startort Eutin ausfallen lassen muss. Vielleicht später mal ...

Am Ende auch das noch: Die Bahnfahrt nach Lüneburg endete dann für alle Passagiere unerwartet in Büchen, wo der Lokführer empfahl, wegen eines Stellwerkausfalls doch bitte schön nach Lübeck zurück zu fahren und dann über Hamburg nach Lüneburg. Aber das ist eine andere Geschicht. Immerhin gab es für über drei Stunden Fahtzeitverlängerung eine kleine Entschädigung von 16,30 Euro.

Ostseeküsten-Radweg
Radtour Uelzen-Lauenburg-Schweriner See

Radwegweiser

nähere Infos

  

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Spickzettel
Route: Holsteinische-Schweiz-Radtour (HSR)
Start/Ziel:
Eutin oder jeder andere Ort, da Rundkurs
Bahnanreise:
Bf. Eutin
Länge:
205 km; Entfernungen: Eutin-Hohwacht ca. 60 km, Hohwacht-Preetz ca. 50 km, Preetz-Plön 53 km (mit kleiner Abkürzung)

Beschilderung: Die Strecke ist durchgehend mit Kilometerangaben und einheitlichem Logo beschildert
Schwierigkeit: im ersten Teil am Bungsberg einige stärkere, aber meist kürzere Steigungen, sonst überwiegend geringe Anstiege im sanften Hügelland (siehe Bericht) 
Übernachten: Quartiere siehe Bericht(e); Tipp: für eine Nacht sind Zimmer evt. kurzfristig zu bekommen, dann mit Preisaufschlag; in der Hauptsaison ganz schwierig; am Selenter See habe ich ganr nichts bekommen, auch nicht über die zentrale Zimmervermittlung Hohwacht
Internet:
offizielle Homepage
Radwanderführer:  Bikeline Schleswig-Holstein Süd, Esterbauer Verlag, 13,90 Euro, ISBN 978-3-85000-482-4 - nähere Informationen

Schmuckstück: Eutins Bahnhof

Liebesinsel im Großen Eutiner See

Schloss Eutin

Eutins Marktplatz mit Kirche St. Michaelis

Der Bungsberg ist stolze 168 Meter hoch.

Hoch hinaus wollen auch diese Kühe.

Gut Kletkamp: Eingangsfassade

Zwischen Sehlendorf und Hohwacht

Seebrücke Hohwacht

Leuchtturm Neuland bei Behrensorf/Ostsee

Schloss Panker

Postsee bei Preetz

Gut Perdoel

Plöner See: Bosauer Strand bei Gewitter

Plöns Wasserturm hat Wasser gezogen ...

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