Elberadweg –
Wein
und Porzellan
Teil
2: Torgau-Meißen-Dresden
Der
Elberadweg führt auf dieser Etappe entlang der Sächsischen Weinstraße
durch eines der kleinsten Weinanbaugebiete Deutschland. Meißen mit seiner
weltberühmten Porzellanmanufaktur und Dresden sind die Highlights dieses
Elbeabschnitts.
Erste Radfahrerkirche
Torgau am Morgen. Die Sonne
steht optimal, um ein Foto von Schloss Hartenfels über die Elbe zu schießen.
So radle ich mal eben vor dem Frühstück über die Brücke hinüber ans
andere Ufer. Es lohnt sich: Ein toller Anblick, wie das Schloss in der
spiegelglatten Elbe Kopf steht. Dann geht es auch schon los: Wir verlassen
die „Renaissancestadt“ mit dem Tagesziel Meißen.
Wir
passieren die 1. Deutsche Radfahrerkirche
bei Weßnig und erreichen bald Belgern
mit seinem riesigen, etwas aus der Proportion geratenen Roland. Der Vorgänger
stammt aus dem Jahre 1610. Natürlich gibt es auch hier eine Postmeilensäule,
wie wir sie auf der Elbetour im Dutzend gesehen haben – immer wieder
interessant, die Fernziele zu entziffern und zu erfahren, wie weit es noch
ist. Anscheinend waren die Postkutschen anno dunnemals langsamer als wir
mit dem Fahrrad. Kurz hinter Belgern liegt das Fährhaus. Bei der „Fährdiele“
gibt es einen kleinen Biergarten, wo wir natürlich pausieren – die Tour
soll schließlich nicht in Stress ausarten. Fotos dokumentieren, wo hoch
das Wasser im August 2002 hier gestanden hat. Kaum zu glauben!
Übernachten
in Belgern
Belgern und Strehla
An der linken Seite des Rathauses, einem zwischen 1575 und 1578
entstandenen Renaissancebau,
steht der 1610 aus Stein gehauene, fast 6 Meter große Roland.
Es ist die einzig erhaltene Rolandstatue im Freistaat Sachsen.
Auf
dem Marktplatz steht eine Nachbildung der Kursächsischen Postdistanzsäule
wieder am ursprünglichen Standort, deren wesentliche Originalteile aus
dem Jahre 1730 im Museum erhalten blieben. Quelle und mehr: Wikipedia
Über
Plotha mit seinen historischen
LPG-Anlagen und Paußnitz mit seinem leer geräumten Dorfladen erreichen
wir Strehla. Oben im Ort gibt
es ein Schloss und einen schönen Marktplatz – natürlich mit
Postmeilensäule. Im Biergarten „Am Nixstein“, direkt am
Elbufer pausieren wir erst einmal. Es ist einfach nur schön, „dort, wo
die Nixen singen“ (Werbespruch des Lokals) auf den langsam dahin fließenden
Elbstrom zu schauen und zu träumen.
Übernachten
in Strehla
Wieder
im Sattel, erreichen wir kurz hinter Strehla
ein weiteres Denkmal, das von der Zusammenkunft der Roten Armee und der
Amerikaner berichtet – diesmal war es am 25. April 1945.
„1988
entstand die Idee zur Schaffung eines Denkmals zur Erinnerung an die erste
Begegnung russischer und amerikanischer Truppen im April 1945. ... Das in
Bronze gegossene Relief will der Trauer und dem Kummer sowie der Hoffnung
auf menschliche Vernunft und gegenseitige Verständigung Ausdruck
verleihen. Es zeigt die Walküren, die die Seelen der im Kampf gefallenen
Krieger beider Seiten retten.“ Quelle
Mit
der Fähre gleich neben dem Denkmal setzen wir über nach Lorenzkirch und
radeln die restlichen 12 km gen Riesa,
der „großen Kreisstadt“ (ca. 35.000 Einwohner). In der Industriestadt
gibt es ein Nudelmuseum. Mehr unter www.teigwaren-riesa.de
Wir
unterqueren die Eisenbahnbrücke, die bei der Flut 2002 komplett zerstört
wurde und den Zugverkehr nach Dresden unterbrach, und radeln direkt neben
dem Fluss weiter. „Meißen 25 km“ steht auf einem Radwegweiser.
Flussnahes Radeln
Immer schön nah am Fluss geht´s
weiter. Bis dicke Kopfsteinpflastersteine das Radeln unmöglich machen.
Warum, erklärt ein Schild: „Treidlerpfad der Merschwitzer Schiffszieher
(Bomätscher“). Sei´s drum, wir schieben die paar Meter. Bald darauf
heißt es nochmals absteigen: es geht eine kurze Schieberinne - oder wie
die Dinger sonst heißen mögen - hinauf. Auf jeden Fall bleiben wir so
auch hier in Sichtweite zum Fluss.
Und
die Elbe bietet hier, kurz vor Meißen,
wirklich tolle Ausblicke. Kein Wunder, dass der Strom bei Radlern so
beliebt ist. Nun beginnt, wie ein Schild ausweist, die „Sächsische
Weinstraße“. Am 29. Mai 1992 feierlich eingeweiht, ist die Sächsische
Weinstraße heute eine der bedeutendsten Ferienstrassen
in Sachsen.
Der
Elberadweg führt von Pirna bis Diesbar-Seußlitz fast parallel zur 55
km langen Sächsischen
Weinstraße. Im Blickfeld des Radlers sind dabei häufig die
Schiffe der größten und ältesten Raddampferflotte
der Welt.
Immer
häufiger schieben sich die Weinberge bis an die Elbe. So auch beim
erstmals 1205 erwähnten Barockschloss Seußlitz.
Der Schlossgarten ist in einem französischen und englischen Gartenbaustil
angelegt. Im Park befinden sich Skulpturen, die die Jahreszeiten bzw. die
Monate versinnbildlichen. Quelle
und mehr
Im
Ort lockt eine Weinprobe. Der Rebensaft stammt allerdings, wie ein
heimlicher Blick durchs Küchenfenster ahnen lässt, aus einem
Aldi-Tetrapack. Und der Trunk schmeckt auch keinesfalls nach sächsischem
Wein, wie unser Weinkenner schon vor Kenntnisnahme der Zusammenhänge
fachmännisch diagnostiziert. Also: Vorsicht vor unidentifizierbaren
Weinproben!
Wir
radeln ein bisschen frustriert weiter, trösten uns aber damit, dass wir
vielleicht einer älteren Dame geholfen haben, ihre karge Rente ein wenig
aufzubessern. Die Landschaft entschädigt uns. Imposante Steilfelsen in
einer langen Elbschleife bieten ein tolles Fotomotiv. Und bald darauf,
kurz hinter der Karpfenschänke, kommt Meißen in Sicht mit seinem
beeindruckenden Ensemble.
Übernachten
in Meißen
Meißen – ein Juwel an der
Elbe
Auf der Homepage der Stadt heißt
es: „Die spätgotische Albrechtsburg erhebt sich hoch über dem
malerischen Elbtal auf einem Felssporn .... Sie gilt als erster Schlossbau
der deutschen Baugeschichte.“ Daneben der Dom: „Mit seinem markanten Türmen
prägt der Meißner Dom die unverwechselbare Silhouette der Stadt. Mit dem
Bau des rein gotischen Bauwerkes wurde 1250 begonnen. Seine Vollendung
fand er um 1400.“
Meißen
zählt etwa 28.500 Einwohner. Dort übernachten wir gleich gegenüber der weltberühmten
Porzellanmanufaktur. „Die Meissener Porzellan-Manufaktur wurde 1710
in der Albrechtsburg zu Meißen als erste Einrichtung ihrer Art in Europa
gegründet. In den Jahren 1863 bis 1865 erfolgte die Verlegung in die neu
errichtete Produktionsstätte nach Meißen-Triebischtal.“
Quelle: www.stadt-meissen.de
Der
Abendbummel wird ausdauernd. Wir haben Hochsommer, es ist lange hell. So können
wir hoch über der Stadt den Ausblick vom Domberg aus genießen. Wir sehen
die roten Züge der Deutschen Bahn die Elbe überqueren und ein paar
Schiffe auf dem Strom vorübergleiten. Meißen ist eine wirklich
tolle Stadt, die einen einfach packt. Überragt wird die Altstadt von der
mächtigen Frauenkirche. Diese wurden zwischen 1460 und 1520 am Markt
errichtet. Im Turm der gotischen Kirche befindet sich seit 1929 das erste
stimmbare Porzellanglockenspiel der Welt.
Auch
in Meißen hat das Hochwasser 2002 schwerste Schäden verursacht, an denen
die Stadt lange laboriert hat. Auch in Meißen erstrecken sich die
Weinberge bis in die Stadt hinein. Das Weinhaus Vincenz
Richter, das beleuchtete Theater, die kleinen Geschäfte – einfach
ein tolles Ensemble.
Brauhaus: Das erstmals 1460 erwähnte
Gebäude gilt als das Stammhaus der Schwerter Brauerei.1570 erhielt es
seine auch heute beeindruckende Renaissance-Fassade. http://www.stadt-meissen.de/content/114.htm
„Das
spätgotische Rathaus ist das
imposanteste Gebäude am Markt neben den schönen restaurierten Bürgerhäusern
aus der Renaissancezeit. Als Sitz der Meißner Ratsherren zwischen 1470
und 1486 erbaut, wurde es außen umfangreich saniert.“ Quelle: www.stadt-meissen.de
Aber
auch diese schöne Stadt müssen wir am nächsten Morgen verlassen. Ein
Gruppenfoto am anderen Elbufer mit Dom und Albrechtsburg im Hintergrund
wird uns noch lange an diesen tollen Abend erinnern. Schon locken jedoch
neue Ziele: zunächst die „junge Stadt“ Coswig,
die wie Radebeul Villen und Weingüter zu bieten hat
. Und natürlich einladende Gasthäuser.
Etwa
die „Schwarze Seele“, ein
1839 erbautes traditionsreichen Gasthaus in Altkötzschenbroda,
zwischen Coswig und Radebeul. Es soll der Ort mit der größten Dichte an
Weinlokalen an der Elbe sein. Am Schiffsanleger müssen die Fahrgäste
wegen des hohen Wasserstandes ohne Schuhe und Strümpfe an Land gegen. Für
die meisten eine Gaudi!

Moritzburg
und Karl May
Weiter geht´s. Und weil das Schloss
Moritzburg, das Jagdschloss der Wettiner, schon lange auf meinem
Wunschzettel stand, machen wir den nicht ganz mühelosen Abstecher zu
diesem einmaligen Wasseschloss. Der Weg ist nämlich mit einigen
Steigungen ausgestattet. Vorbei am Oldtimerbus bei „Adams Gasthof“
erreichen wir den Ort Moritzburg und das gleichnamige Schloss, dessen
Touristenanziehung sogar „Fiakern“ Lohn und Brot beschert.
„Inmitten
des wildreichen Friedewaldes ließ Herzog Moritz von Sachsen von 1542 bis
1546 auf einer Granitkuppe ein Jagdschloss errichten, welches stets zu den
beliebtesten Jagdaufenthalten der sächsischen Kurfürsten und Könige gehörte.
Die Schlosskapelle aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zählt zu
den eindrucksvollen Bauten des Frühbarocks in Sachsen.“ Quelle: http://kulturlandschaft.moritzburg.de

Von
Moritzburg geht es zurück an
den Elberadweg – immerhin ein Abstecher von zehn Kilometern, aber einer,
der sich wirklich lohnt. Bald erreichen wir Radebeul.
Die Nostalgiebahn und das Karl-May-Museum
mit Villa Bärenfett und Villa Shatterhand können einen hier ganz schön
am Fortkommen hindern. Aber es lohnt sich – man sollte sich für diese
Etappe viel Zeit lassen.
Die Traditionsbahn von Radebeul
"Im Jahr 1972, wurde der Verein Traditionsbahn Radebeul gegründet.
Er ist damit der älteste Eisenbahnverein in Sachsen. Seine Aufgabe ist in
erster Linie die Erhaltung der Traditionen der Lößnitzgrundbahn, und so
organisiert er bereits seit 36 Jahren Sonderfahrten mit historischen
Fahrzeugen. Bei einer Fahrt mit dem Zug des Vereins fühlt man sich zurückversetzt
in die Zeit der Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen. Die
historischen Wagen mit hölzernen Sitzen und Schaffner in sächsischen
Unifomen sind mehrmals im Jahr zu erleben, so zu Ostern, bei den Karl-May-
Fahrten – Überfälle von Cowboys sind dabei nicht ausgeschlossen –
oder den traditionellen Nikolausfahrten." Quelle
- Geschichte
der Lößnitzgrundbahn
„Wer
Silberbüchse, Bärentöter und Henrystutzen, die Gewehre der Romanhelden
Winnetou und Old Shatterhand, im Original sehen will, findet diese legendären
Waffen im Radebeuler Karl-May-Museum. Die 1985 eröffnete
Ausstellung „Karl May - Leben und Werk“ wird seit dem 30. März 1995
in erweiterter Gestaltung präsentiert. Historisch getreu restauriert und
mit dem originalen Inventar ausgestattet, sind Empfangssalon,
Arbeitszimmer und Bibliothek des Schriftstellers wieder in der Villa
„Shatterhand.“ zu sehen.“
Mehr über das Karl-May-Museum hier: www.karl-may-stiftung.de
Übernachten
in Dresden
Dresden
– einzigartig
Nun ist es nicht mehr weit nach Dresden. Linkerhand ziehen noch die
letzten Weinberge vorbei, da taucht schon die Märchenkulisse von Dresden auf. Hinter der Steinbogenbrücke der Eisenbahn erblicken
wir den Turm des Yenidze. Dabei handelt es sich um den markantesten
Teil einer zwischen 1909 und 1912 vom Architekten und Lehrer der Dresdner
Staatsbauschule, Hermann Martin Hammitzsch, im Auftrag des
Zigarettenfabrikanten Hugo Zietz errichteten Zigarettenfabrik.
Auf
der Homepage erfahren wir: Aus Dresden kamen „zu Anfang des 20. Jahrhunderts
bis zu 60% der Zigarettenproduktion in Deutschland. Die bekannteste der
von Hugo Zietz vertriebenen Zigarettenmarken hieß ,Salem’. In der Yenidze,
die viele der Zigarettenpackungen zierte, waren etwa 1.700 Arbeiter beschäftigt.“
mehr
Es
ist einfach toll zu sehen, wie diese Stadt aus den Ruinen des zweiten
Weltkriegs wieder auferstanden ist. Und die Krönung allen Wiederaufbaus
ist die Frauenkirche. Ich habe
1992 bei meinem ersten Dresden-Besuch noch den Schutthaufen neben dem
Luther-Denkmal liegen sehen und nie geglaubt, dass es möglich sei, diese
Kirche wieder auferstehen zu lassen. Einfach fantastisch: Wir konnten 2005
den Turm der Frauenkirche besteigen. Erst seit ein paar Tagen war dies möglich
und der Andrang entsprechend groß. Die Frauenkirche – ein Symbol mit Gänsehauteffekt.
Mehr zur Frauenkirche hier.
Dresden
bietet Sehenswertes in vielerlei Gestalt: In keiner Architekturgeschichte
fehlt der Dresdner Zwinger. Frauenkirche, Semperoper und
Residenzschloss prägen wie viele weitere historische Baudenkmale und
Ensemble das Bild der Stadt. Klar, dass wir schon mal eine erste
Erkundungsfahrt unternehmen. Zum Ende unserer Radtour werden wir Dresden
noch einmal besuchen und vom Hauptbahnhof aus die Rückreise antreten.
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