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Autor: Dieter Hurcks Copyright 10/2009

Auf ins Radlerparadies Elbe - der beliebteste Radweg Deutschlands 
Lange Jahre war die Elbe im unteren Teil Grenzfluss. Nun kann sie wieder in ganzer Länge beradelt werden. Auch die Grenze nach Tschechien ist im Zeichen des vereinten Europas keine Barriere mehr. Teil 3 -Teil 1

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Quartiere an
Fernradwegen in
Deutschland

Elberadweg – Wein
und Porzellan

Teil 2: Torgau-Meißen-Dresden (94 km)

Der Elberadweg führt auf dieser Etappe entlang der Sächsischen Weinstraße durch eines der kleinsten Weinanbaugebiete Deutschland. Meißen mit seiner weltberühmten Porzellanmanufaktur und Dresden sind die Highlights dieses Elbeabschnitts.

Erste Radfahrerkirche 
Torgau am Morgen. Die Sonne steht optimal, um ein Foto von Schloss Hartenfels über die Elbe zu schießen. So radle ich mal eben vor dem Frühstück über die Brücke hinüber ans andere Ufer. Es lohnt sich: Ein toller Anblick, wie das Schloss in der spiegelglatten Elbe Kopf steht. Dann geht es auch schon los: Wir verlassen die „Renaissancestadt“ mit dem Tagesziel Meißen.  

Wir passieren die 1. Deutsche Radfahrerkirche bei Weßnig und erreichen bald Belgern mit seinem riesigen, etwas aus der Proportion geratenen Roland. Der Vorgänger stammt aus dem Jahre 1610. Natürlich gibt es auch hier eine Postmeilensäule, wie wir sie auf der Elbetour im Dutzend gesehen haben – immer wieder interessant, die Fernziele zu entziffern und zu erfahren, wie weit es noch ist. Anscheinend waren die Postkutschen anno dunnemals langsamer als wir mit dem Fahrrad. Kurz hinter Belgern liegt das Fährhaus. Bei der „Fährdiele“ gibt es einen kleinen Biergarten, wo wir natürlich pausieren – die Tour soll schließlich nicht in Stress ausarten. Fotos dokumentieren, wo hoch das Wasser im August 2002 hier gestanden hat. Kaum zu glauben!

Belgern und Strehla 
An der linken Seite des Rathauses, einem zwischen 1575 und 1578 entstandenen Renaissancebau, steht der 1610 aus Stein gehauene, fast 6 Meter große Roland. Es ist die einzig erhaltene Rolandstatue im Freistaat Sachsen.

Auf dem Marktplatz steht eine Nachbildung der Kursächsischen Postmeilensäule wieder am ursprünglichen Standort, deren wesentliche Originalteile aus dem Jahre 1730 im Museum erhalten blieben. Quelle und mehr: Wikipedia

Über Plotha mit seinen historischen LPG-Anlagen und Paußnitz mit seinem leer geräumten Dorfladen erreichen wir Strehla. Oben im Ort gibt es ein Schloss und einen schönen Marktplatz – natürlich mit Postmeilensäule. Im Biergarten „Am Nixstein“, direkt am Elbufer pausieren wir erst einmal. Es ist einfach nur schön, „dort, wo die Nixen singen“ (Werbespruch des Lokals) auf den langsam dahin fließenden Elbstrom zu schauen und zu träumen.

Wieder im Sattel, erreichen wir kurz hinter Strehla ein weiteres Denkmal, das von der Zusammenkunft der Roten Armee und der Amerikaner berichtet – diesmal war es am 25. April 1945.  

„1988 entstand die Idee zur Schaffung eines Denkmals zur Erinnerung an die erste Begegnung russischer und amerikanischer Truppen im April 1945. ... Das in Bronze gegossene Relief will der Trauer und dem Kummer sowie der Hoffnung auf menschliche Vernunft und gegenseitige Verständigung Ausdruck verleihen. Es zeigt die Walküren, die die Seelen der im Kampf gefallenen Krieger beider Seiten retten.“ Quelle

Mit der Fähre gleich neben dem Denkmal setzen wir über nach Lorenzkirch und radeln die restlichen 12 km gen Riesa, der „großen Kreisstadt“ (ca. 35.000 Einwohner). In der Industriestadt gibt es ein Nudelmuseum. Mehr unter www.teigwaren-riesa.de

Wir unterqueren die Eisenbahnbrücke, die bei der Flut 2002 komplett zerstört wurde und den Zugverkehr nach Dresden unterbrach, und radeln direkt neben dem Fluss weiter. „Meißen 25 km“ steht auf einem Radwegweiser.  

Flussnahes Radeln 
Immer schön nah am Fluss geht´s weiter. Bis dicke Kopfsteinpflastersteine das Radeln unmöglich machen. Warum, erklärt ein Schild: „Treidlerpfad der Merschwitzer Schiffszieher (Bomätscher“). Sei´s drum, wir schieben die paar Meter. Bald darauf heißt es nochmals absteigen: es geht eine kurze Schieberinne - oder wie die Dinger sonst heißen mögen - hinauf. Auf jeden Fall bleiben wir so auch hier in Sichtweite zum Fluss.  

Und die Elbe bietet hier, kurz vor Meißen, wirklich tolle Ausblicke. Kein Wunder, dass der Strom bei Radlern so beliebt ist. Nun beginnt, wie ein Schild ausweist, die „Sächsische Weinstraße“. Am 29. Mai 1992 feierlich eingeweiht, ist die Sächsische Weinstraße heute eine der bedeutendsten Ferienstrassen in Sachsen.

Der Elberadweg führt von Pirna bis Diesbar-Seußlitz fast parallel zur 55 km langen Sächsischen Weinstraße. Im Blickfeld des Radlers sind dabei häufig die Schiffe der größten und ältesten Raddampferflotte der Welt.

Immer häufiger schieben sich die Weinberge bis an die Elbe. So auch beim erstmals 1205 erwähnten Barockschloss Seußlitz. Der Schlossgarten ist in einem französischen und englischen Gartenbaustil angelegt. Im Park befinden sich Skulpturen, die die Jahreszeiten bzw. die Monate versinnbildlichen. Quelle und mehr

Im Ort lockt eine Weinprobe. Der Rebensaft stammt allerdings, wie ein heimlicher Blick durchs Küchenfenster ahnen lässt, aus einem Aldi-Tetrapack. Und der Trunk schmeckt auch keinesfalls nach sächsischem Wein, wie unser Weinkenner schon vor Kenntnisnahme der Zusammenhänge fachmännisch diagnostiziert. Also: Vorsicht vor unidentifizierbaren Weinproben!

Wir radeln ein bisschen frustriert weiter, trösten uns aber damit, dass wir vielleicht einer älteren Dame geholfen haben, ihre karge Rente ein wenig aufzubessern. Die Landschaft entschädigt uns. Imposante Steilfelsen in einer langen Elbschleife bieten ein tolles Fotomotiv. Und bald darauf, kurz hinter der Karpfenschänke, kommt Meißen in Sicht mit seinem beeindruckenden Ensemble.

 

Meißen – ein Juwel an der Elbe 
Auf der Homepage der Stadt heißt es: „Die spätgotische Albrechtsburg erhebt sich hoch über dem malerischen Elbtal auf einem Felssporn .... Sie gilt als erster Schlossbau der deutschen Baugeschichte.“ Daneben der Dom: „Mit seinem markanten Türmen prägt der Meißner Dom die unverwechselbare Silhouette der Stadt. Mit dem Bau des rein gotischen Bauwerkes wurde 1250 begonnen. Seine Vollendung fand er um 1400.“

Meißen zählt etwa 28.500 Einwohner. Dort übernachten wir gleich gegenüber der weltberühmten Porzellanmanufaktur. „Die Meissener Porzellan-Manufaktur wurde 1710 in der Albrechtsburg zu Meißen als erste Einrichtung ihrer Art in Europa gegründet. In den Jahren 1863 bis 1865 erfolgte die Verlegung in die neu errichtete Produktionsstätte nach Meißen-Triebischtal.“
Quelle: www.stadt-meissen.de

Der Abendbummel wird ausdauernd. Wir haben Hochsommer, es ist lange hell. So können wir hoch über der Stadt den Ausblick vom Domberg aus genießen. Wir sehen die roten Züge der Deutschen Bahn die Elbe überqueren und ein paar Schiffe auf dem Strom vorübergleiten. Meißen ist eine wirklich tolle Stadt, die einen einfach packt. Überragt wird die Altstadt von der mächtigen Frauenkirche. Diese wurden zwischen 1460 und 1520 am Markt errichtet. Im Turm der gotischen Kirche befindet sich seit 1929 das erste stimmbare Porzellanglockenspiel der Welt.

Auch in Meißen hat das Hochwasser 2002 schwerste Schäden verursacht, an denen die Stadt lange laboriert hat. Auch in Meißen erstrecken sich die Weinberge bis in die Stadt hinein. Das Weinhaus Vincenz Richter, das beleuchtete Theater, die kleinen Geschäfte – einfach ein tolles Ensemble.

Brauhaus: Das erstmals 1460 erwähnte Gebäude gilt als das Stammhaus der Schwerter Brauerei.1570 erhielt es seine auch heute beeindruckende Renaissance-Fassade. Quelle und mehr: www.stadt-meissen.de

„Das spätgotische Rathaus ist das imposanteste Gebäude am Markt neben den schönen restaurierten Bürgerhäusern aus der Renaissancezeit. Als Sitz der Meißner Ratsherren zwischen 1470 und 1486 erbaut, wurde es außen umfangreich saniert.“ Quelle: www.stadt-meissen.de

Aber auch diese schöne Stadt müssen wir am nächsten Morgen verlassen. Ein Gruppenfoto am anderen Elbufer mit Dom und Albrechtsburg im Hintergrund wird uns noch lange an diesen tollen Abend erinnern. Schon locken jedoch neue Ziele: zunächst die „junge Stadt“ Coswig, die wie Radebeul Villen und Weingüter zu bieten hat . Und natürlich einladende Gasthäuser.

Etwa die  „Schwarze Seele“, ein 1839 erbautes traditionsreichen Gasthaus in Altkötzschenbroda, zwischen Coswig und Radebeul. Es soll der Ort mit der größten Dichte an Weinlokalen an der Elbe sein. Am Schiffsanleger müssen die Fahrgäste wegen des hohen Wasserstandes ohne Schuhe und Strümpfe an Land gegen. Für die meisten eine Gaudi!

Moritzburg und Karl May 
Weiter geht´s. Und weil das Schloss Moritzburg, das Jagdschloss der Wettiner, schon lange auf meinem Wunschzettel stand, machen wir den nicht ganz mühelosen Abstecher zu diesem einmaligen Wasseschloss. Der Weg ist nämlich mit einigen Steigungen ausgestattet. Vorbei am Oldtimerbus bei „Adams Gasthof“ erreichen wir den Ort Moritzburg und das gleichnamige Schloss, dessen Touristenanziehung sogar „Fiakern“ Lohn und Brot beschert.

„Inmitten des wildreichen Friedewaldes ließ Herzog Moritz von Sachsen von 1542 bis 1546 auf einer Granitkuppe ein Jagdschloss errichten, welches stets zu den beliebtesten Jagdaufenthalten der sächsischen Kurfürsten und Könige gehörte. Die Schlosskapelle aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zählt zu den eindrucksvollen Bauten des Frühbarocks in Sachsen.“ Quelle: http://kulturlandschaft.moritzburg.de 

Von Moritzburg geht es zurück an den Elberadweg – immerhin ein Abstecher von zehn Kilometern, aber einer, der sich wirklich lohnt. Bald erreichen wir Radebeul. Die Nostalgiebahn und das Karl-May-Museum mit Villa Bärenfett und Villa Shatterhand können einen hier ganz schön am Fortkommen hindern. Aber es lohnt sich – man sollte sich für diese Etappe viel Zeit lassen.

Die Traditionsbahn von Radebeul
"Im Jahr 1972, wurde der Verein Traditionsbahn Radebeul gegründet. Er ist damit der älteste Eisenbahnverein in Sachsen. Seine Aufgabe ist in erster Linie die Erhaltung der Traditionen der Lößnitzgrundbahn, und so organisiert er bereits seit 36 Jahren Sonderfahrten mit historischen Fahrzeugen. Bei einer Fahrt mit dem Zug des Vereins fühlt man sich zurückversetzt in die Zeit der Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen. Die historischen Wagen mit hölzernen Sitzen und Schaffner in sächsischen Unifomen sind mehrmals im Jahr zu erleben, so zu Ostern, bei den Karl-May- Fahrten – Überfälle von Cowboys sind dabei nicht ausgeschlossen – oder den traditionellen Nikolausfahrten." Quelle - Geschichte der Lößnitzgrundbahn

„Wer Silberbüchse, Bärentöter und Henrystutzen, die Gewehre der Romanhelden Winnetou und Old Shatterhand, im Original sehen will, findet diese legendären Waffen im Radebeuler Karl-May-Museum. Die 1985 eröffnete Ausstellung „Karl May - Leben und Werk“ wird seit dem 30. März 1995 in erweiterter Gestaltung präsentiert. Historisch getreu restauriert und mit dem originalen Inventar ausgestattet, sind Empfangssalon, Arbeitszimmer und Bibliothek des Schriftstellers wieder in der Villa „Shatterhand.“ zu sehen.“
Mehr über das Karl-May-Museum hier: www.karl-may-stiftung.de

 

Dresden – einzigartig 
Nun ist es nicht mehr weit nach Dresden. Linkerhand ziehen noch die letzten Weinberge vorbei, da taucht schon die Märchenkulisse von Dresden auf. Hinter der Steinbogenbrücke der Eisenbahn erblicken wir den Turm des Yenidze. Dabei handelt es sich um den markantesten Teil einer zwischen 1909 und 1912 vom Architekten und Lehrer der Dresdner Staatsbauschule, Hermann Martin Hammitzsch, im Auftrag des Zigarettenfabrikanten Hugo Zietz errichteten Zigarettenfabrik.

Auf der Homepage erfahren wir: Aus Dresden kamen „zu Anfang des 20. Jahrhunderts bis zu 60% der Zigarettenproduktion in Deutschland. Die bekannteste der von Hugo Zietz vertriebenen Zigarettenmarken hieß ,Salem’. In der Yenidze, die viele der Zigarettenpackungen zierte, waren etwa 1.700 Arbeiter beschäftigt.“ mehr

Es ist einfach toll zu sehen, wie diese Stadt aus den Ruinen des zweiten Weltkriegs wieder auferstanden ist. Und die Krönung allen Wiederaufbaus ist die Frauenkirche. Ich habe 1992 bei meinem ersten Dresden-Besuch noch den Schutthaufen neben dem Luther-Denkmal liegen sehen und nie geglaubt, dass es möglich sei, diese Kirche wieder auferstehen zu lassen. Einfach fantastisch: Wir konnten 2005 den Turm der Frauenkirche besteigen. Erst seit ein paar Tagen war dies möglich und der Andrang entsprechend groß. Die Frauenkirche – ein Symbol mit Gänsehauteffekt. Mehr zur Frauenkirche hier.

Dresden bietet Sehenswertes in vielerlei Gestalt: In keiner Architekturgeschichte fehlt der Dresdner Zwinger. Frauenkirche, Semperoper und Residenzschloss prägen wie viele weitere historische Baudenkmale und Ensemble das Bild der Stadt. Klar, dass wir schon mal eine erste Erkundungsfahrt unternehmen. Zum Ende unserer Radtour werden wir Dresden noch einmal besuchen und vom Hauptbahnhof aus die Rückreise antreten.

Hier gibt es schließlich jede Menge zu erleben. Da würde sich auf jeden Fall auch ein mehrtägiger Aufenthalt lohnen.


Dresden-Homepage
mit einem Stadtführer zum Herunterladen (PDF).



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Elbe 1: Von Magdeburg nach Torgau

Elbe 3: Von Dresden nach Pirna und Hrensko

Elbe 4: Von Magdeburg nach Cuxhaven



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Abschied von Torgau mit Schloss Hartenfels in der Morgensonne.

Radlertraum: Weiter, blau Himmel, grüne Wiesen und der Elbstrom.

Das Rathaus von Belgern.

Die Fährdiele bei Belgern bei normalem Wasserstand der Elbe ...



... und beim Hochwasser 2002. Rechts neben dem Gebäude haben wir gesessen (Bild darüber).



Hochwassermarken sieht man überall.



Schon ganz schön breit: Fährüberfahrt in Strehla.



Die ersten Weinberge kommen in Sicht.



Schloss Seußlitz.



Elbschleife bei Diesbar mit Steilufer.



Meißen mit seiner imposanten Kulisse.



Die Meißner Porzellan-Manufaktur.



Das Rathaus in Meißen.



Meißen: Viele Häuser sind inzwischen restauriert. Die Narben des Hochwassers und der DDR-Zeit sind vielfach verschwunden.



Blick vom Domberg über die Stadt Meißen und die Elbe.



Abschied nehmen fällt in Meißen schwer.




Weinberge und stattliche Villen bestimmen die Landschaft bei Radebeul.



Blick über die Elbe mit Steinbogenbrücke und ehemaliger Zigarettenfabrik Yenidze.



Die barocke Kulisse Drsdens kommt in Sicht. Links die Frauenkirche.

Radwanderführer