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Autor: Dieter Hurcks Copyright 7/2011

Vier Währungen und vier fremde Sprachen - von Polen ins Baltikum. 
340 km Radelstrecke absolvierten die Aue-Radler aus Burgdorf bei Hannover auf ihrer Radtour mit dem polnischen Veranstalter Grün Travel zwischen Danzig und Riga. Mangels erschlossener Radwege mussten längere Strecken zwischendrin per Bus absolviert werden. Polen, Russland, Litauen und Lettland mit unterschiedlichen Sprachen und Währungen stellten an die 16 Teilnehmer ganz besondere Anforderungen. Nur in Litauen und Lettland radelten wir auf einem ausgewiesenen Fernradweg: dem E10.


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Von Danzig nach Riga (2)

Durch vier Länder entlang der Ostseeküste per Rad, Schiff und Bus - Teil 2: nach Riga
 
Klaipeda ist unsere letzte Station in Litauen. Kurz darauf fahren wir über die still gelegte Grenzstation nach Lettland hinein. - Teil 1


Tag 8: Nach Liepaja (Libau/Lettland)  

Ab Klaipedas Stadtrand wird nun wieder munter geradelt. Tagesziel ist Liepaja (Libau). Auf dem Europäischen Fernradweg E10 erreichen wir zunächst die quirlige Küstenstadt Palanga, die einen großen Botanischen Garten und einen tollen Sandstrand besitzt. Sie hat 17.500 Einwohner. 

Palanga gehört neben Neringa zu den bedeutendsten Zentren des litauischen Fremdenverkehrs – mit Hotels, Campingplätzen, einer langen Strandpromenade mit Seebrücke und einem Flughafen.

Sehr sehenswert ist das in dem im Jahre 1897 im neoklassizistischen Stil erbauten, ehemaligen Palais des Grafen Feliks Tyszkiewicz untergebrachte Bernsteinmuseum, welches von dem ab 1897 angelegten Botanischen Garten umgeben ist.

Die katholische Sankt-Marien-Kirche wurde von 1897 bis 1906 nach einem Entwurf des schwedischen Architekten Karl Eduard Strandmann (1867-1946) als neugotischer Backsteinbau mit einem 76 Meter hohen Turm errichtet. Quelle und mehr (Wikipedia) - weitere Infos zu Palanga

Entlang der Ostseestrände fahren wir weiter, ehe die Räder wieder verladen werden und wir per Bus über die heute verlassene litauisch-lettische Grenze fahren. Die Abfertigungsgebäude stehen leer und künden von ganz anderen Zeiten. Viele von uns erinnern sich noch an die Befreiungskämpfe 1991, als die baltischen Staaten um ihre Unabhängigkeit von Russland kämpften und wir das gebannt im Fernsehen verfolgten. Im „Barrikademuseum“ in Riga ist diese Epoche dokumentiert. Auch auf YouTube gibt es zahlreiche Videos zu dieser turbulenten Phase der baltischen Geschichte.

Dieser Landesteil heißt Kurland.  Nördlichster Punkt Kurlands ist Kap Kolka. Liepaja und Ventspils sind die beiden größten Städte im westlichen Teil Lettlands. Von beiden Städten besteht eine Fährverbindung nach Deutschland.

Bei Wikipedia lesen wir: "Sehenswert sind die Innenstadt mit dem alten Speicherviertel, der breite und feinsandige Dünenstrand an der Ostsee sowie die evangelische St. Annakirche (Einweihung: 1587) mit ihrem monumentalen holzgeschnitzten Altaraufsatz von 1697, einem Meisterwerk der Barockzeit, die evangelische Dreifaltigkeitskirche (Einweihung: 1758), ein Wahrzeichen der Stadt in der Nähe des Rosenplatzes. Die Orgel der Dreifaltigkeitskirche war nach dem Umbau im Jahre 1885 durch Barnim Grüneberg noch bis 1912 die größte der Welt mit 131 Registern, vier Manualen und mehr als 7.000 Pfeifen. Sie gehört auch heute noch zu den größten in Europa." Quelle und mehr 

Bei einer Stadtführung zeigt uns der bei Libau aufgewachsene ältere Herr seine Stadt und erzählt mit viel Herzblut aus ihrer Geschichte. Bei einem Orgelkonzert erfahren wir viel über dieses Instrument und bekommen vorgeführt, welche akrobatischen Leistungen ein Organist bisweilen vollbringen muss. Um alle Register und dazu die Fußtasten bedienen zu können, bedarf es bester körperlicher Fitness.

Auf der Landstraße geht's Richtung Ventspils.

Tag 9: Nach Ventspils (Windau)  

Zunächst Busfahrt ins Landesinnere nach Kuldiga (Goldingen), das von zahlreichen Holzhäusern dominiert wird und am Fluss Venta liegt. Beeindruckend ist vor allem die lange Backsteinbrücke. Kuldiga ist seit 1991 Partnerstadt von Geesthacht an der Elbe. 2010 lebten in Kuldīgas novads 27.213 Einwohner.

Sehenswürdigkeiten sind u.a. das ehemalige Schloss des Deutschen Ordens von 1248 und die aus dem 19. Jahrhundert stammende Backsteinbrücke an den Stromschnellen der Venta (dt:Windau), welche mit 270 bis 275 Metern die breiteste Europas sind. Mehr zum Wasserfall

Auf der weiteren Fahrt besuchten wir einen Imkerbetrieb. Abends Ankunft in der Hafenstadt Ventspils, von der aus man wie von Klaipeda mit einer Fähre nach Deutschland reisen kann. Der Wortteil "pils" hat übrigens nichts mit der ortsansässigen Brauerei zu tun, sondern bedeutet "Burg". Ventspils hat einen passablen Hafen, in dem eine überdimensionale Kuh die Blicke auf sich zieht, und mehr als 42.500 Einwohner.

Unter sowjetischer Herrschaft wurde eine Öl-Pipeline nach Ventspils errichtet, und die Stadt avancierte zu einem der wichtigsten Häfen für Rohöl-Export der UdSSR. Durch die Hafeneinnahmen ist Ventspils heute eine der wohlhabendsten Städte Lettlands. Die Bahnverbindung zwischen Riga und Ventspils wurde am 15. Februar 2010 vollständig eingestellt. 

Sehenswert sind die gut restaurierte Altstadt sowie der Ostseestrand. Nicht unerwähnt bleiben soll diese Tatsache: Ventspils war im Juni 2004 Austragungsort der Weltmeisterschaft im Gummistiefelweitwurf.

Das im Jahre 1290 erstmals erwähnte Schloss des Livländischen Ordens wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet und ist heute das älteste existierende Bauwerk in Ventspils. Quelle und mehr

 

Tag 10: Riga - die Hauptstadt 

Wir radeln zunächst auf der Halbinsel Kolka bis zur nördlichsten Spitze und verladen dort die Räder zum letzten Mal auf den Anhänger. Über Jurmala erreichen wir zur Feierabendzeit Riga und tauchen in das Verkehrsgewühl dieser Großstadt mit rund 800.000 Einwohnern ein. Abends Bummel in Richtung Altstadt und Abendessen in einem Selbstbedienungsrestaurant mit zu lauter Musik, aber guter Küche.

Tipps: Geld wechselt man in Riga am besten abseits der Haupttouristenrouten, etwa im Viertel Richtung Markthallen/Bahnhof. Dort war der Wechselkurs am günstigsten. Auch die Preise für Essen und Trinken sind in Randlage der Altstadt in der Regel wesentlich niedriger.  

Riga ist eine Kopfsteinpflasterstadt und erfordert rustikales Schuhwerk. Die Mädels der Stadt bewältigen jedoch selbst das gröbste Pflaster artistisch und mit Grazie trotz oder wegen ihrer hochhackigen Schuhen.

Bus und Straßenbahn günstig
Wer vom Laufen genug hat, kauft sich in einem der Kioske mit dem N auf dem Dach eine Tageskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel. Für umgerechnet nicht einmal 3 Euro kann man den ganzen Tag die Busse und Bahnen im Stadtgebiet benutzen. Den notwendigen Linienplan gibt es unter anderem bei der Touristeninformation. Ein Ausflug zum Metsäpark (Station beim Zoo) und dem xyz-See ist ebenso reizvoll wie der Bummel durch eine der nicht-touristischen Vorstädte.

Während in der Altstadt überall ständig gefegt zu werden scheint, findet man weiter draußen doch manchen ungeleerten Abfalleimer. Toiletten sind in jeglicher Form und Qualität vorhanden: vom stinkigen Plastikklo bis zur hochmodernen und sauberen Toilette in Restaurants. Wer höflich fragt, wird gewöhnlich nicht abgewiesen, das WC zu benutzen. Im Stadtgebiet gibt es ein Netz und Toilettengebäuden, die oft in Kioske integriert sind. Hier kostet der Gang Geld (umgerechnet ca. 25 Cent). Preiswert sind auch die Taxis, während etwa frisches Obst und Kuchen ziemlich teuer sind.

Riga von oben betrachten
Wer die Stadt von oben sehen möchte, sollte den Turm der St.-Petri-Kirche erklimmen. Den Aufstieg nimmt einem ab der zweiten Ebene ein Fahrstuhl ab. Der Liftboy erzählte uns von seinem Neunstundentag und von den interessanten Kontakten zu Menschen aus aller Welt. Er überbrückte mit dem Job die Zeit zwischen Abitur und Studienbeginn. Noch höher ist das Dachrestaurant des Hotels Radisson, von dem man ab 16 Uhr eine freie Rundumsicht über die Stadt mit ihren eindrucksvollen Wasserflächen hat. Hoch ist natürlich dort auch das Preisniveau.

Jeden Abend Livemusik
Wenn es Abend wird in Riga, dann erklingt aus unzähligen Biergärten Musik. Das Honorar für die Bands ist in die Getränkepreise eingearbeitet. Die Pausen zwischen den einzelnen Auftritten sind oft sehr lang, so dass es lohnt, sich öfter mal eine andere Bühne zu suchen. Für fast jeden Musikgeschmack ist was dabei: Jazz und Blues, Soul und Rock 'n' Roll, dazu spielen in den Seitengassen Straßenmusikanten mit Sammelbüchse, häufig Studenten der Musikakademie, die ihre Übungsstunden auf dem Pflaster abhalten, ihren Vermieter oder Nachbarn nicht stören und nebenbei ein paar Lats, wie die Währung Lettlands heißt, einheimsen.

In Riga ist übrigens 2009 der Komiker Heinz Erhardt geboren, der später u.a. auch in Barsinghausen bei Hannover die Schule besuchte. Bei der Stadtführung wurde uns das Hotel gezeigt, in dem er zu Beginn seiner Karriere auftrat. Buchtipp "Heinz Erhardt Dieser Schelm" mit vielen Episoden aus Riga.

Blick von St. Petri auf Dom und Strom.

 

Fazit: Viel gesehen und erlebt

Die kombinierte Rad-Bus-Schiffsreise erweist sich rückblickend als ziemlich anstrengende Tour mit ausgefülltem Tagesablauf und wenig Zeit für eigene Aktivitäten. Die Fahrradgesamtstrecke betrug zwar nur rund 340 km, umfasste aber die reizvollsten Strecken und führte uns zu den Highlights. Oft waren die Landschaften jedoch sehr monoton und Sehenswürdigkeiten rar. Aber der Eindruck, den man bei dieser Reise gewinnen kann, ist schon sehr intensiv und viel berührender, als er vom Fahrerseitz eines Autos oder aus dem Reisebus je sein könnte.

Weitere Zusatzinformationen zu Land und Leuten sollte sich jeder nach seiner Interessenslage aus dem Internet beschaffen.

Rückreise: ab Riga per airBaltic in 80 Minuten nach Hamburg, ca. 85 Euro inkl. Gepäck. Im Flughafen von Riga kann man mit Euro bezahlen, bekommt als Wechselgeld aber Lats heraus. Zudem ist der Eurokurs oft sehr schlecht – bis zu 2 Euro muss man bisweilen für einen Lat bezahlen.

Teil 1

 

LINKS

Riga (lettisch Rīga) ist die Hauptstadt Lettlands und mit 709.145 Einwohnern größte Stadt des Baltikums. Mit über 882.000 Einwohnern in der Agglomeration ist Riga zudem der größte Ballungsraum in den drei baltischen Staaten. Riga ist politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum des Landes. Die alte Hansestadt ist berühmt für ihre Jugendstilbauten und ihre großzügige Anlage sowie für die gut erhaltene Innenstadt, darunter besonders die Altstadt.

Die Innenstadt Rigas wurde 1997 zur Liste des UNESCO-Weltkulturerbe hinzugefügt, wegen des „außergewöhnlichen universellen Wertes“ aufgrund der weltweit einzigartigen Qualität und Quantität der Jugendstilarchitektur bei relativ intakt gebliebenem historischen Stadtgefüge und wegen der Holzarchitektur aus dem 19. Jahrhundert.

Riga ist die bevölkerungsreichste Stadt des Baltikums, die Bevölkerung ist aber seit 1990 stark zurückgegangen und fällt weiter. Der Rückgang resultiert zum Einen aus der Auswanderung von Russen, Weißrussen und Ukrainern in den ersten Jahren nach der Unabhängigkeit sowie aus der Übersiedlung von Angehörigen aller Volksgruppen nach Großbritannien und Irland in den letzten Jahren, zum Anderen aus niedrigen Geburtenraten. Wenn sich diese Entwicklung nicht umkehrt, könnte sich die Einwohnerzahl bis 2050 halbieren.
Quelle und mehr
 

 

Weitere Informationen und Termine auf Anfrage

Pressebericht auf myHeimat

 

 

Literatur/Radwanderführer

    

 

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Lettland: In Liepaja, ehemals Libau, entstand die erste Fußgängerzone des Landes.

Kuldiga wird durch die vielen Holzhäuser bestimmt.

Massiv gebaut: das neue Rathaus von Kuldiga.

Der 240 m breite Wasserfall in Kuldiga.

Störche gibt es auch in Lettland jede Menge.

Die Riesenkuh am Hafen von Ventspils.

An der Nordspitze der Halbinsel Kolka werden unsere Räder wieder verladen - zum letzten Mal.

St. Petri in Riga und Schwarzhäupterhaus: Vom Kirchturm mit Fahrstuhl (!) hat man einen schönen Blick über die Stadt.

Juwele der Architektur: Jugendstilhaus in Riga.



Die Burg von Riga. 

Im Fährhafne legen auch die großen Kreuzfahrtschiffe an - hier die Europa von Hapag Lloyd.

Eine Straße mit den Köpfen bekannter Musiker und Literaten.

Hier sitzt Rigas Zukunft: Kinder lesen gemeinsam in einem neu erhaltenen Buch.




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