Auf der D-Route 3 quer
durch Deutschland (7)
Vom Weserbergland
an die Leine
Die siebte Etappe einer Tour auf der 965 Kilometer lange D-Route 3 führt von der
Stadt der Düfte, Holzminden an der Weser, nach Einbeck, der
niedersächsischen Bier- und Fachwerkstadt am Leine-Heide-Radweg
Etappe
7: Holzminden-Bevern-Stadtoldendorf-Einbeck
Holzmindens
Jugendherberge mit dem markanten Fachwerkturm liegt direkt neben der
Weserbrücke, von wo aus wir links in die Stadt einbiegen. Der heimelige
Marktplatz mit einem Hauch mediterranen Flairs lädt zum Verweilen ein,
einige Restaurants bieten die Möglichkeit, sich für die Weiterfahrt zu
stärken.
Am
Kopfende des Marktplatzes befindet sich eine der „Duftsteelen“. Diese
weisen auf Holzmindens Status als das Zentrum der deutschen Duft- und
Geschmackstoffindustrie hin. 2003 entstand nämlich durch die Fusion der
Firmen Dragoco Gerberding & Co AG und der Haarmann & Reimer GmbH
das Unternehmen Symrise.
Es ist in mehr als 35 Ländern vertreten und beschäftigte zum 31.
Dezember 2011 weltweit 5.434 Mitarbeiter.
Deshalb
hat sich Holzminden – die „Stadt der Düfte und Aromen“ –
bei der Präsentation seiner Zeugnisse der Geschichte auch auf dieses
Thema bezogen. An 15 Duftstelen werden dem Besucher und den Bürgern
sowohl interessante Informationen zum jeweiligen Standort wie auch über Düfte
und Aromen vermittelt. Besonders ist aber nicht nur der
Informationsgehalt, sondern auch die Art und Weise der Präsentation, denn
Sie können die Stadt Holzminden „Immer der Nase nach“ erkunden. Jede
Duftstele ist mit einem speziellen Duftstoff ausgestattet, der in einer
besonderen Beziehung zur Produktion der Firma Symrise steht.
Unbedingt
anschauen sollte man sich auch das hohe Torhaus in der Hinteren Straße:
das Reichspräsidentenhaus. Hier erklingen nach der Uhr im Glockenspiel
beliebte Melodien. Auf seiner nach außen gerichteten Seite kann man zu
bestimmten Zeiten die Figuren des Meisterumzuges der
Fachhochschulabsolventen vorüberziehen sehen. Quelle
und mehr
Von
Holzminden aus sollte man zunächst dem Weserradweg Richtung Bodenwerder
folgen und nicht der (noch) neben einer verkehrsreichen Straße
verlaufenden D-Route 3. Nach etwa drei Kilometern weist rechts des Weges
ein Schild den Weg zum Flecken Bevern und zu dessen Schloss.
Schloss
Bevern
Das
vierflügelige Schloss Bevern, das von 1603 bis 1612 durch Statius von Münchhausen
im Baustil der Weserrenaissance errichtet wurde, feiert 2012 Jubiläum,
u.a. mit der Ausstellung „Bist du nicht artig, kommst du nach Bevern“.
Hinter diesem noch heute im Weserbergland geläufigen Ausspruch verbirgt
sich die Tatsache, dass das Schloss eine Zeitlang Internierungsort für
schwer Erziehbare und andere unliebsame Mitbürger war, die hier zu
gottesfürchtigen Untertanen umerzogen wurden. Heute ist das Schloss u.a.
ein bedeutender Ort internationaler Archäologie-Ausstellungen.
Vor
allem im Inneren des Schlosses, das bei der Übernahme durch den Landkreis
Holzminden 1981 in einem bedenklichen Zustand war, haben Restauratoren
noch eine Menge Arbeit. Eine Führung lohnt sich auf jeden Fall, da man
hierbei sehr schön das Typische des Baustils und der Bauweise sowie des
Materialeinsatzes erkennen kann. Sehr schön sind die blau-weißen
Ornamente an den Außenwänden.
Die
„Perle der Weserrenaissance“ war übrigens auch einmal SA-Sportschule
und danach unter den Amerikanern Camp für Displaced Persons (unliebsame
Personen).
Das
Jubiläumsjahr wird mit Ausstellungen und vielen kulturellen
Veranstaltungen sowie einer nächtlichen Licht- und Klang-Installation
begangen. Das Schloss zählt zur „Erlebniswelt Renaissance“. Mit dem
Einsatz von Audiotechnik wird Geschichte lebendig. So erzählt Statius
selbst von seinem bewegten Leben (1555-1633). Er war einer der Reichsten
seiner Zeit, bis seine Erfolgsgeschichte jäh in einem spektakulären
Konkurs endete: Statius wurde Opfer der Falschmünzerei jener Zeit. mehr
In
die Braustadt Einbeck
Wer
von einem Flusstal per Fahrrad in das benachbarte Tal fährt, kennt das:
heftige Steigungen und rasante Abfahrten wechseln sich ab. So auch auf dem
Weg von der Weser zur Leine. Vom Schloss Bevern führt die D-Route 3 über
Arholzen und Deensen zuächst nach Stadtoldendorf (ca. 14 km), das
zur Samtgemeinde Eschershausen-Stadtoldendorf gehört und rund 16.000
Einwohner zählt. Eine Broschüre mit den Sehenswürdigkeiten lässt sich
als PDF-Datei von der Homepage herunter laden. Quelle
und mehr
Nicht
nur die Steigungen machen dem Radler hier zu schaffen, er muss auch höllisch
aufpassen, sich nicht zu verfahren. Nach weiteren 26 km Strecke taucht
dann endlich Einbeck mit seinem dreitürmigen Rathaus und den oft
ganze Straßenzüge bildenden rund 400 farbenprächtigen, restaurierten
und oft reich verzierten Fachwerkhäusern auf.
Einbeck
ist nicht nur die Urheimat des Bockbiers, sondern gilt daher als eine der
schönsten Fachwerkstädte Deutschlands, ein Kleinod mittelalterlicher
Stadtbaukunst. Die meisten Häuser wurden nach dem großen Stadtbrand von
1540 errichtet, darunter auch die Ratsapotheke von 1590, das Brodhaus von
1552 und die gotische Münsterkirche. Optisch herausragend ist natürlich
das Alte Rathaus von 1540, das das Heimatmuseum beherbergt. Diverse
Ausstellungen sind hier präsent, besonders attraktiv die
Fahrradausstellung und die Schau zum Thema Bier. Die meisten Räder wurden
vom einst hier produzierenden Fahrradhersteller Heidemann gestiftet.
Neben
historischen Fahrrädern und der technischen und kulturgeschichtlichen
Entwicklung der Zweiräder vom elitären Sportinstrument zum
Massenfortbewegungsmittel gibt es auch viele Stationen zum Mitmachen. So können
etwa an einem speziell eingestellten Hometrainer die berühmtesten
Anstiege der „Tour de France“ nachempfunden werden.
Erfindung
des Bockbieres
Beherrschend
ist jedoch das Thema Bier, obwohl die Einbecker Brauerei heute mit 200.000
Hektolitern Jahresproduktion zu den Kleineren der Branche gehört. Umso
beachtenswerter ist ihre Geschichte. Die Einbecker Brauer erfanden im 13.
Jahrhundert die Methode, das schnell verderbende Getränk durch Hopfung
geschmacklich anzureichern und haltbarer zu machen, so dass es sogar bis
nach Bayern exportiert werden konnte: das „Ainpöckisch Bier“. Bald
darauf war das „Bockbier“ in aller Munde.
Im
Stadtmuseum finden Besucher auch die interaktive und unterhaltsame
Bockbier-Abteilung. Dort gibt es Deutschlands ältestes Bierfass zu
entdecken. Besucher erfahren, was es mit einem „Bierkränzchen“ auf
sich hat und wieso ein Braukessel in der Stadt, die im 17. Jahrhundert 723
brauberechtigte Häuser in ihren Mauern beherbergte, sogar zur Mitgift gehörte.
Wer noch mehr über das Bier und seine Bedeutung für die Stadt erfahren
will, kann sein Wissen genussvoll bei einer Bierprobe oder einem
Bierdiplom erweitern.
Unter
den Einbecker Unternehmen nimmt die KWS-Kleinwanzlebener Saatzucht AG eine
herausragende Stellung ein, die weltweit zur Spitzengruppe der
Pflanzenzuchtunternehmen gehört.
Wer
die Umgebung Einbecks per Fahrrad erkunden möchte, erhält dafür
kostenfreie Radkarte bei www.einbeck-tourismus.de,
Tel. 05561 3131910. Dort können auch Stadtführungen gebucht werden. Es
lohnt sich!
Weiterer Verlauf der D-Route 3
Die
D-Route 3 verläuft ab Einbeck zunächst über Volksen nach Kreiensen und
biegt dann in den Harz ab, wo sie auf dem Harzrundweg weiter bis nach
Goslar führt. Wer die nächste ziemlich bergige Etappe in Angriff nimmt,
wird Städte wie Bad Harzburg, Wernigerode, Blankenburg, Thale und
Quedlinburg erleben können. Mehr über diese besonders im goldenen Herbst
sehr reizvolle Tour finden Sie HIER.
Informationen
über sämtliche Etappen der D-Route 3 sind HIER
zusammengefasst. zurück
zu Folge 6
Links
Informationen
rund um den Weserradweg gibt es unter www.weserbergland-tourismus.de.
Dort kann auch das kostenfreie Serviceheft zum Weserradweg bestellt werden
(Spende erbeten). Tel. 05151 93000.
Radwanderführer
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Spickzettel
Route: D-Route 3
Start/Ziel: Vreden-Zwillbrock/Küstrin (Oder)
Bahnanreise: Gronau, Ahaus oder Enschede
Länge: 963 km; Entfernungen: Münster 114 km, Detmold 250, Einbeck
360, Goslar 425, Bernburg 580, Wittenberg 695, Potsdam 790 km
Schwierigkeit: von tischeben bis heftig bergauf ist alles
vorhanden (siehe Berichte)
Übernachten: Quartiere u.a. im Bikeline zum R1
Internet: offizielle
Homepage
Radwanderführer: siehe unten
Tourenvorschlag:
D-Route 3 in 16
Etappe
Die Jugendherberge neben der Weserbrücke.

Holzminden
ist bekannt als "Stadt der Düfte".

Weserrenaissance
pur: Schloss Bevern. 
Die
D-Route 3 wird mit komfortablen Schutzhütten und Informationstafeln
ausgestattet. 
Die
Fachwerkstadt im niedersächsischen Einbeck ... 
...
bietet als eine Attraktion ein Fahrradmuseum. 
Auch
dem Bockbier ist eine Abteilung gewidmet. 
Ein
Besuch im Städtischen Museum lohnt sich. 
Einbecker
Fachwerkstraße im Abendlicht.
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