Brocken-Tour 
Von Schierke bis auf 1142 Meter Höhe
Eine Tour für Durchtrainierte und/oder gute
"Schieber"
Norddeutschlands höchster Berg
ist nur mit einem guten Rad und viel Kondition zu bezwingen
Sonnabend, 9. Juni, 13.30 Uhr: Ein ausnahmesweise
sonniger Tag in diesem verregneten Frühsommer des Jahres 2001. Ich stehe
vor dem Hotel König in Schierke. Genau auf der einzigen Straße, die zu
Norddeutschlands höchstem Gipfel hinauf führt. Es ist mit 12 Grad
angenehm kühl, kaum Wind. Also ideal für mein Vorhaben, die 13 Kilometer
bergauf in Angriff zu nehmen.
Rennradfahrer ohne Gepäck flitzen vorbei. Ich habe dagegen
ein wenig geladen: Wasser, Verpflegung, das Pannenset für alle Fälle
(Werkzeug, Flickzeug, Ersatzschlauch) und warme Sachen. Denn oben, wo ich
kurz nach der Wende schon einmal zu Fuß hinauf gestiegen war, weht ein
kaltes Lüftchen: 4 Grad Celsius zeigt die Tafel in Schierke an.
Dann geht es los. Mal geringfügig ansteigend, mal etwas
stärker die Muskulatur fordernd, mal für mich zu steil zum ökonomischen
Fahren, so dass ich lieber schiebe. Am Ende brauche ich für die Strecke
über zwei Stunden (mit mehreren Verschnaufpausen), dann ist es endlich
geschafft. Übrigens: Ab und zu schieben ist gut, da dann mal andere
Muskeln belastet werden. Und wenn es per Rad langsamer geht als zu Fuß,
dann sollte der persönliche Ehrgeiz einfach mal unterdrückt werden ...
Gipfelsturm
Inzwischen hat sich auch der Dunst rund um den Gipfel
aufgelöst, so dass eine akzeptable Sicht hinüber zum Wurmberg, nach
Torfhaus und zu den umliegenden Städten herrscht. Leute in T-Shirts
steigen aus den pausenlos verkehrenden Waggons der Brockenbahn und
bekommen schnell das Zittern. Eine Flasche Wasser (0,5 Liter) kostet 4,50
Mark. "Die Bahn verlangt von uns eine so hohe Pacht, dass wir diese
Preise nehmen müssen", sagt der Kiosverkäufer, als ich anmerke,
dass es sogar auf Sylt noch billiger war.
Egal. Eine Rundfahrt auf dem Gipfelplateau zeigt einen ganz
anderen Brocken als 1990. Kein russisches Militärlager mehr, keine Mauer
rundum, ein neues Hotel, in dessen oberstem Stockwerk man für 300 Mark
die Nacht verbringen kann. Ein Brockenmuseum erinnert an vergangene
Zeiten. Und überall sieht man Menschen aus allen Himmelsrichtungen auf
den Brocken hinaufkraxeln. Wer hier nicht war, war nie im Harz!
Nach einer Stunde wird es mir trotz meiner inzwischen
übergezogenen Radlerjacke allmählich kalt. Nicht nur wegen der Preise.
Ich beschließe, die Abfahrt anzugehen und dabei 35 km/h nicht zu
überschreiten. Denn die Straße weist viele Schäden auf. Die
Radlerhandschuhe reichen leider nur bis zur Fingerwurzel, so dass nach den
ersten vier Kilometern der rasanten Abfahrt ein Aufwärm-Stopp notwendig
wird. Natürlich an einer Stelle mit herrlicher Aussicht und Einblicken in
die einzigartige Natur.
Aufwärmen ist angesagt
Die Sonne hat sich vorübergehend verzogen. Ein paar
Kilometer weiter scheint sie dann endlich wieder, und ich setze mich für
eine Viertelstunde den wärmenden Strahlen aus. Ein Pferdefuhrwerk zieht
vorbei. Wie lange die wohl für die 13 km brauchen? Die Fahrgäste sind in
Decken eingewickelt und schauen nicht besonders fröhlich drein. Ein Jeep
von der Bergwacht fährt zu Tal. der Beifahrer erwidert freundlich meinen
Gruß.
Plötzlich ein Rauschen. Ein Mountainbiker in kurzen Hosen
und kurzärmligem Trikot, helmbewehrt, rauscht mit mindestens 50 km/h um
die Kurve hinunter. Ich vorsichtig hinterher. Wir kreuzen die Gleise der
Brockenbahn. Da gerade aus dem Wald ein durchdringender Pfiff ertönt,
warte ich mit gezücktem Fotoapparat auf das schnaufende Dampfross. Ein
herrliches Motiv!
Weiter geht's. Fußlahme Wanderer schauen neidvoll auf mein
dahinrollendes Rad. Ja, Radfahren ist eben nicht nur gesund, sondern
bisweilen sogar ganz bequem. Aber diese Bequmlichkeit muss zuvor hart
erarbeitet werden. Als Belohnung gibt es im Ort Schieke am Kiosk ein
preiswertes Essen: Bockwurst mit Kartoffelsalat, einen Kaffee und zum
Aufwärmen eine Spezialität: Schierker Feuerstein. In den Hotels kann
man's natürlich auch teurer haben, z.B. einen Erdbeerbecher mit Sahne
für 7,50 Mark.
Für die Lieben daheim kaufe ich noch einen Harzer
Baumkuchen (rund 10 Mark), zwei Ansichtskarten und eine kleine Flascher
des berühmten Likörs, der zu DDR-Zeiten in Bad Harzburg leichter zu
bekommen war als in Schieke selbst.
Apropos DDR-Zeiten: Ein paar leerstehende Ferienfabriken,
-heime und -hotels sowie eine stillgelegte Fabrik erinnern noch daran,
aber ansonsten präsentiert sich der Ort schmuck und einladend. Ich fahre
noch ein paar Kilometer durch Schierke, entlang der Bode und hinauf zum
Bahnhof der Brockenstation. Nächstes Mal nehme ich den Zug. Kostet 26
Mark pro Nase, die Fahrradmitnahme im Gepäckwagen ist frei. Ein
"feiner Zug" von der Bahn, die damit jedoch die vielen
Einschränkungen auf anderen Strecken bei mir nicht wett machen kann
(Stichwort: Interregios).
Anreise: Mit der Eisenbahn
über Hannover, Braunschweig, Vienenburg nach Wernigerode, dann weiter per
Rad oder mit der Brockenbahn. Eine Fahrradmitnahme bis Schierke mit
öffentlichen Verkehrsmitteln ist laut Bahnauskunft
nicht möglich. Fahrtdauer z.B. ab Hannover ca. 2 Stunden.
Per Auto über Bad
Harzburg/Braunlade, Elend nach Schierke; oder über Wernigerode,
Drei-Annnen nach Schierke. Dort gibt es überwiegend kostenpflichtige
Parkplätze im Ort; Tipp: Richtung Unter-Schierke fahren, vor der hoch
liegenden Kirche nach links über die Bode und den Berg hinauf bis zum
Ende (großes Tor sperrt die Straße ab). Dort gibt es wenige Parkplätze
und eine kleine Straße hinter zur Bode; fährt man diese nach links,
kommt man an einem großen Parkplatz vorbei bis zur Jugendherberge, dort
gelangt man direkt auf die Brockenstraße, in die man nach links hinein
und dann hinauf fährt. Viel Spaß beim Strampeln!
Der Autor auf dem Gipfel des höchsten Berges in
Norddeutschland.
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 Vorsicht
vor den berühmten Brockenhexen!
Ausgangspunkt: Hotel König in Schierke.
Fahrradfahrer werden in Schierke umworben. Die Preise
sind moderat.

Fertig
machen zum Aufstieg: Mein Tacho zeigte am Ende 13 km bis zum Gipfel an. 
Die
Brockenbahn ist natürlich etwas schneller oben. 
Das
Brocken-Plateau - hier weht häufig ein kaltes Lüftchen - also: warme
Sachen mitnehmen! 
Das
ist der Gipfel mit dem Sendeturm und dem Hotel. 
Bei
der Abfahrt kommt ein Zug den Berg herunter. 
Wieder
unten angekommen, locken wunnderschön restaurierte Hotels zur Einkehr.
Preiswerter ist's natürlich im Kiosk. Dort gibt es z.B. Bockwurst und
Kartoffelsalat. |