Radtouren A bis Z - Fahrradbücher - Fahrrad-DVDs - Fahrradwitze - Links - Bahn + Rad - Recht + Gesetz - E-Bike - Home
| Autor: Dieter Hurcks Copyright 5/2011 Auf
alten Bahntrassen radeln. |
Einträge
für Zimmervermieter |
|
Bahnradweg Hessen (2)Von Lauterbach
nach Hanau und zurück Ab
nach Hanau – links oder rechts? Übernachten am Bahnradweg Hessen Es
ist schon toll, was Hessen in Sachen Fahrradtourismus auf die Beine
gestellt hat. Gelegentlich finde ich auf Wegweisern Namen von Orten wie
Nidda oder Ulrichstein, die ich 2010 auf dem Hessischen Fernradweg R4
besucht hatte, der gut 20 km westlich beinahe parallel verläuft. Der
Einstieg zum Vulkanradweg ist u.a. in Altenstadt-Lindheim
oder Glauburg möglich. Die ideale Streckenführung auf der
ehemaligen Eisenbahntrasse Stockheim-Lauterbach macht den Vulkanradweg
zu einem Highlight in der Region. Weitere Einstiegsmöglichkeiten fanden
wir unterwegs. Der beliebte Radweg, auf dessen glatter Oberfläche auch
Inlineskater und Rollskifahrer gerne unterwegs sind, beginnt in Lauterbach
und führt auf der historischen Strecke der ehemaligen Oberwaldbahn durch
den Naturpark Hoher Vogelsberg über Herbstein, Ilbeshausen-Hochwaldhausen
und Grebenhain. Ab
Merkenfitz radeln wir nun entlang der Nidder, vorbei am
Kunstguss-Museum Hirzenhain, bestaunen den riesigen Wehrturm über Lißberg
sowie die vielen kleinen Seen am Wegesrand. Die
bekannte Heizungsfirma Buderus pflegt an ihrem Traditionsstandort in Hirzenhain
in Oberhessen, die bereits 1375 als Waldschmiede erwähnt wurde, die fast
ebenso alte Tradition des künstlerischen Eisengusses. Das Serienprogramm
umfasst Nachgüsse von annähernd 300 Ofen- und Kaminplatten aus fünf
Jahrhunderten, Plastiken, Reliefs, Plaketten und Erinnerungstafeln in
Eisen- oder Bronzeguss. Quelle
und mehr Ortenberg
und Stockheim mit seinem Modelleisenbahnmuseum
sowie Glauburg (3.300 Einwohner) passieren wir ebenfalls auf gut
ausgebautem Radweg. Uns irritiert, dass Glauburg in unserem Bahnradwegführer
als Glauberg bezeichnet wird. Am Bahnhof stehen auf dem Stationsschild
beide Namen. Des Rätsels Lösung: „Glauburg - Das Keltendorf in der
Wetterau“ gehört zur Großgemeinde Glauberg. „Glauberg
wird im Jahre 802 erstmals erwähnt. Glauburg gehört zu der historisch
bedeutsamen Kulturlandschaft Oberhessen und liegt am Fuße des Glaubergs,
der der neuen Gemeinde auch den Namen gab.“
Quelle und mehr Die
Quartiersuche gestaltet sich etwas schwierig, aber die nette Dame vom
Antikhof Lindheim, die leider schon ausgebucht ist, gibt uns einen
guten Tipp, der uns ins nahe Düdelsheim führt. Durch Düdelsheim
führt übrigens die Bonifatius
Route von Mainz nach Fulda. In unserem Quartier sind daher, wie wir
erfahren, häufig Pilger zu Gast. In
der Gegend gibt es allerhand zu sehen und zu erleben: So ist der Glauberg
ein Ausflugsziel für alle Historikfreunde. Unter www.keltenfuerst.de
und www.keltenwelt-glauberg.de
gibt es weitere Informationen. Ein
ereignisreicher Radeltag geht nach fast 100 km zuende - und wir sind
entgegen der Prognose des Deutschen Wetterdienstes nicht nass geworden. Tag
4: Altenstadt-Düdelsheim nach Birstein 94 km Hanau heißt das nächste Ziel auf unserer Radtour. Dort ist nicht nur die mit 102 Metern über dem Meeresspiegel niedrigste Stelle des Hessischen Bahnradwegs, sondern am Mainufer auch der südlichste Punkt erreicht. Zurück nach Hartmannshain auf 565 m sind also 463 Meter zu überwinden. Und die haben es zum Teil ganz schön in sich, wie wir noch feststellen werden. Doch
auch der Weg nach Hanau ist schon recht beschwerlich. Wir verlassen
Altenstadt entlang der Bahnlinie. Über Höchst und Eichen führt
der Weg auf zunächst noch relativ flachem Gelände nach Windecken
und vorbei an Roßdorf. Realität und BVA-Radwanderührer weichen
hier voneinander ab. Bis Hanau sind nun einige erkleckliche Steigungen zu
bewältigen. Bei einer langen Abfahrt erreichen wir 56 km/h. Wir radeln
durchs dörflich-idyllische Mittelbuchen mit Wehrturm und schönen
Fachwerkhäusern und erreichen bald Wilhelmsbad. Bei
Wikipedia erfahren wir: Wilhelmsbad ist eine ehemalige Kuranlage in
Hanau, heute im Stadtteil Kesselstadt
gelegen und ein Staatspark in der Verwaltung der Staatlichen Schlösser
und Gärten Hessen. Nach
der Gründungssage fanden zwei Kräuterfrauen 1709 eine Quelle im Wald,
der aufgrund ihrer reichhaltigen Mineralisation eine heilende Wirkung
zugesprochen wurde. Die
Bade- und Parkanlage wurde ab 1777 auf Geheiß des von 1764 bis 1785 in
Hanau residierenden Erbprinzen und regierenden Grafen von Hanau, Wilhelm
IX./I. von Hessen-Kassel (1743–1821), errichtet. Architekt war Franz
Ludwig Cancrin, der auch den Bau des Karussells (siehe unten) leitete.
Nach nur anderthalbjähriger Bauzeit fand am 3. Juni 1779 die feierliche
Eröffnung statt. Finanziert wurde der Bau Wilhelmsbads mit seinem weitläufigen
Park durch die Vermietung hessischer und Hanauer Soldaten an den
britischen König, den Onkel des Erbprinzen. Als
die Quelle um 1860 versiegte, wurde Heilwasser zum Trinken und für Bäder
aus Bad Nauheim herangeholt, ein Verfahren, dass sich bald als
unwirtschaftlich erwies. Heute finden in Wilhelmsbad schon lange keine
Kuren mehr statt. Das Brunnenhäuschen im zeitgenössischen,
klassizistischen Stil befindet sich direkt gegenüber der Kurgebäude. Quelle
und mehr Im
ehemaligen Kurgebäude befindet sich jetzt ein Puppenmuseum. Sehenswert
ist der im englischen Stil gestaltete Park. Über
Hanau-Kesselstadt nähern wir uns nun dem am Mainufer gelegenen Schloss
Philipsruhe. Hier liegt der zugleich südlichste und mit 102 m ü. NN
wohl tiefste Punkt unserer Tour. Philipsruhe ist „das älteste nach
französischem Vorbild erbaute Barockschloss östlich des Rheins.
Baubeginn war 1701, initiiert durch den Namensgeber Graf Philipp Reinhard
von Hanau (1664-1712). Vorbild für den Bau war das Lustschloss Clagny bei
Paris.“ Quelle
und mehr Als
nächstes steht nun die Besichtigung Hanaus auf unserem Programm,
der Geburtsstadt der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, an die
das mächtige Nationaldenkmal auf dem Neustädter Markt erinnert. Hier
beginnt auch die Deutsche Märchenstraße, die bis zu den berühmten
Stadtmusikanten nach Bremen führt. Ein
Schmuckstück ist das Goldschmiedehaus. Es gehört zu den
bedeutendsten Ausstellungszentren der Gold- und Silberschmiedekunst in
Deutschland. Die Themen der Ausstellungen reichen von Retrospektiven
einzelner Schmuck- und Gerätegestalter bis hin zu thematischen
Ausstellungen. Dazu gibt´s Präsentation unterschiedlicher Künstlergruppen
und wichtiger Ausbildungsstätten. Quelle
und mehr Ab
Hanau führt Radweg entlang der Kinzig und teilweise entlang
zahlreicher viel befahrener Verkehrswege. Vorbei an Erlensee und Langenselbold
nähern wir uns, auf durchweg flachem Gelände, aber streckenweise
schlecht befahrbaren Wegen, bald der „Barbarossastadt“ und ehemaligen
Reichsstadt Gelnhausen, einem der Höhepunkte auf der
Bahnradweg-Tour. Die rudn 21.000 Einwohner zählende Stadt mit ihrer alles
überragenden Marienkirche hat in ihrer Altstadt ein einladendes
Flair. Wunderschöne Fachwerkhäuser, heimelige Gassen und Plätze laden
zum Verweilen ein. Wir nehmen die Einladung dankend an.
Die
Kaiserpfalz („Barbarossaburg“), der Hexenturm, das Innere Holztor und
das Romanische Haus gehören zu den Sehenswürdigkeiten. Auf der Homepage
der Stadt lesen wir: „Der Hexenturm ist in seinem
Originalzustand erhalten und einer der interessantesten Türme der Gelnhäuser
Stadtbefestigung. Auf Grund seiner Bauweise, seinem Durchmesser von neun
Metern und seiner gewaltigen Mauerstärke von 2,80 Metern ist er ein
imposantes artilleristisches Bollwerk gewesen.“
Das
Standbild von Philip
Reis auf dem Obermarkt erinnert an den Erfinder des Telefons, der
1834 in Gelnhausen geboren wurde. Das Geburtshaus steht nicht weit
entfernt. Während seiner Zeit am Institut Garnier in Friedrichsdorf, wo
Reis 1874 starb, entwickelte er 1860/61 die elektrische Sprachübermittlung –
das Telefon (auch dieser in alle Weltsprachen eingegangene Begriff stammt
von Reis). Die
Marienkirche in Gelnhausen ist die ehemalige Kirche des Prämonstratenserstifts
Langenselbold. Sie stammt vermutlich aus dem späten 12. Jahrhundert und
wurde 1223 das erste Mal urkundlich in einem Schutzbrief des Papstes
Honorius III. für das Kloster
Selbold erwähnt. Quelle
und mehr Zurück
zum Vogelsberg Wir
verlassen Gelnhausen auf dem Kinzigtalradweg entlang der viel befahrenen
Eisenbahnstrecke und der noch verkehrsreicheren Autobahn 66. Hinter Wächtersbach
schwenkt der Bahnradweg nach Norden. Vorbei an Brachttal erreichen
wir unser Tagesziel Birstein. Lobenswert sind die ausgezeichneten
Informationen am Wegesrand. So stehen vor jedem größeren Ort Übersichtstafeln,
u.a. mit Hinweisen zu Übernachtungsmöglichkeiten. Wir
quartieren uns im ruhig gelegenen Gasthof zum Mohren gleich neben dem
Birsteiner Schloss ein, der von einem rührigen Bosnier und seiner Frau
geführt wird. Nach dem reichlichen Abendessen suchen wir nach den
Kleinoden der „Perle des Vogelberges“, finden aber außer dem mit
alten Bäumen bewachsenen Schlosspark nur ein Relikt der Vogelsbergbahn,
auf deren ehemaliger Trasse wir am letzten Tag weiterradeln werden. In
den Ortsteilen kann man den Vogelsberger Dom (Untereichenbach) und ein
Feuerwehrmuseum (Untersotzbach) besichtigen.
Das Schloss in Birstein. Tag
5: Von Birstein nach Lauterbach 55 km Letzter
Radeltag. Wir wissen ja schon, wo die höchste Stelle dieser Radtour
liegt: in Hartmannshain waren wir schließlich am dritten Radeltag
schon. Dort hinauf also, auf 465 m Höhe, geht es nun und weiter nach Lauterbach.
Vom dortigen Bahnhof soll die Heimreise erfolgen. Diese
fünfte Etappe ist 55 km lang und bietet noch einmal „Bahnradweg pur“:
tolle Wege, herrliche Ausblicke, meist sanfte, ab und zu auch heftige
Steigungen, erfrischende Abfahrten. Es ist erheblich kälter geworden. Der
frühe Sommer macht eine Pause. Vor allem in den Wäldern ist es wie im Kühlschrank.
Wir waren halt etwas verwöhnt worden durch den frühen Wärmeeinbruch im
April/Mai des Jahres 2011. Der Südbahnradweg führt vorbei an
Windparks, durch kleine Bauerndörfer, durch Feld und Wald über Völzberg
nach Hartmannshain zurück. Den Rest der Strecke über Grebenhain,
vorbei an Herbstein nach Lauterbach kennen wir ja schon von
der Hinfahrt. Nur die Teufelsmühle in Ilbeshausen hatten wir auf der
Hinfahrt ausgelassen und besuchen sie deshalb jetzt. Am Radweg weist ein
Schild dorthin, im Ort finden wir kein weiteres und fragen mehrmals die
Leute nach dieser Mühle, hinter deren Namen sich eine Sache verbirgt. Im
Anschluss in diesen Ausflug in die Sagenwelt geht es zügig weiter. So
erreichen wir nach 55 km den Bahnhof in Lauterbach und steigen um
13.15 Uhr in den Zug nach Fulda. Dort trennen sich unsere Wege gen
Nürnberg und Hannover. Eine schöne Radreise durch eine sicherlich vielen
völlig unbekannte Region ist zuende. Fazit:
lohnenswert und ein echter Geheimtipp! Die Menschen in dieser Region sind
sehr kommunikativ, hilfreich und auskunftsfreudig. Aber das erleben wir
als Radler eigentlich überall in Deutschland.
Etappen Die
KMZ-Dateien stellen die gefahrene und aufgezeichnete Route in
Google Earth dar. Voraussetzung ist, dass die Software auf Ihrem PC
installiert ist. Radwanderführer
|
Trailer zum Bahnradweg bei YouTube
Blick auf Herbstein, das auf einem Vulkankegel liegt.
Bei Hartmannshain beginnt und endet die Schleife über Hanau am Main.
Das Schloss in Gedern.
Toller Radweg: Entlang der Nidder bei Hirzenhain.
Kunst aus Bahnschwellen bei Selters.
Kirche in Düdelsdorf - 3 km vom Radweg entfernt.
Das Schloss Philippsruhe in Hanau.
Die Brüder Grimm: Nationaldenkmal in Hanau.
Gelnhausen: das Innere Holztor.
Relikt der Vogelsberger Südbahn.
Viele Windparks liegen am Wegesrand.
Kirche in Ilbeshausen.
Einer
einer 400 km langen Radtour: Brücke kurz vor Lauterbach.
|
|