Von Rothenburg an der
Tauber nach Eichstätt
Während unserer großen Sommertour von Kassel zum Bodensee befuhren
wir auch den Altmühltal-Radweg von Rothenburg an der Tauber bis nach
Eichstätt. Wenn man es genau nimmt, setzt er sich aus zwei Radwegen
zusammen: nämlich dem Altmühlweg und dem Altmühltal-Radweg. Denn die
Altmühl entspringt ja nicht in Rothenburg, sondern beim Hornauer Weiher.
Von dort führt der Weg dann weiter nach Colmberg und Gunzenhausen.
Vom
Taubertal geht es ziemlich steil hinauf nach Rothenburg, doch der Anstieg
ist nicht besonders lang. Und am Fuße lockt vor der Anstrengung noch das
einladende Gasthaus „Schwarzes Lamm“ zur Einkehr. Gestärkt geht es
dann leichter hinauf. Natürlich sollte man unbedingt in dieser
historischen Stadt übernachten und viel Zeit für einen Stadtbummel
einplanen, evt. sogar noch einen Extra-Tag.
Übernachten
an der Tauber
Rothenburg
Denn
Rothenburg ist nicht umsonst unter Ausländern ein Muss im "Besichtigungsprogramm
Deutschland". So sieht man zwar nicht mehr so viele Japaner und
Amerikaner hier wie früher, aber immer noch reichlich ausländische
Gäste. Die Anwohner jedenfalls sind großenteils in die umliegenden
Neubausiedlungen geflüchtet, so dass in Rothenburg des abends nicht allzu
viel los ist – außer natürlich in den vielen Gaststätten und in den
Hotels und Pensionen. Wir nächtigten außerhalb der Stadtmauern in einem
ordentlichen Privatzimmer zu einem passablen Preis.
An
der Burgenstraße bei Colmberg
Vorbei an Neusitz und über die Höhe des Nordenberger Forsts radeln
wir, mit einigen Schiebeeinlagen, aber dafür von Autos kaum behelligt,
ostwärts durch den Naturpark Frankenhöhe. Wir passieren Dörfer
wie Gunzendorf und Geslau und erreichen nach knapp 25 km das von einer
Burg überragte Colmberg an der Burgenstraße. Dort, im Landkreis
Ansbach, vereint sich der Altmühlradweg mit dem Altmühlweg und beide
zusammen schwenken nun südwärts. Bis zum Quellweiher der Altmühl sind
es ab Colmberg nur gut zehn Kilometer nach Norden.
Die
Geschichte der Burg Colmberg liegt ziemlich im Dunkeln. Sie soll,
wie der Homepage der Stadt zu entnehmen ist, schon zu Zeiten der
keltischen Besiedelung auf dem 511 m über dem Meeresspiegel und 54 m über
dem Talgrund liegenden Bergrücken als Befestigungsanlage entstanden sei.
Der Überlieferung nach soll in der Karolingerzeit, um das Jahr 770 hier
eine Befestigung errichtet worden sein. Die 1880 privatisierte Burg ist
heute als Hotel und Restaurant ausgebaut. Quelle: www.colmberg.de
Von
Colmberg radeln wir nach Leutershausen, das im Jahr 2000 sein 1000jähriges
Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung feierte. „Der Marktplatz
mit den ihn umgebenden Fachwerkhäusern und dem Röhrenbrunnen vor dem
Rathaus sowie die erhalten gebliebenen Teile der alten Stadtmauer mit den
zwei Tortürmen, bieten ein typisch fränkisches Stadtbild“, heißt es
auf der Homepage. In Leutershausen befindet sich das Geburtshaus der
Mutter von Henry Kissinger, dem ehemaligen US-Außenminister. Besonders
ins Auge fällt das wuchtige „Obere Tor“, dessen obere bewohnbaren
Geschosse einst als Türmerwohnung dienten. Davor steht ein schöner
Brunnen: der Röhrenbrunnen mit seinem neugotischen Türmchen, der im
Jahre 1852 durch König Maximilian II erbaut wurde. Wirklich ein
Postkartenmotiv und Anlass zu einer kurzen Pause. Quelle: www.leutershausen.de
Leutershausen
an der Altmühl ist übrigens nicht mit der nordbadischen
gleichnamigen Handballhochburg zu verwechseln. Allerdings musste der
dortige Bundesligaclub 2006 Insolvenz anmelden.
Wenige
Steigungen
Abgesehen
vom Anfang war die Tour bislang steigungsarm, so dass wir noch topfit und
unternehmungslustig sind. Es radelt sich herrlich über Sachsen und
Neunstetten nach Herrieden und weiter zum Altmühlsee und nach
Gunzenhausen. 75 km haben wir schon zurückgelegt, Grund genug für eine
ausgiebige Rast.
Der
Altmühlsee wird vom Hochwasser der Altmühl gespeist und hat in
etwa die Größe des oberbayerischen Königsees. Er ist 4 km lang und
bis zu 1,7 km breit, aber nur zweieinhalb bis drei Meter tief.
Einzigartig in Deutschland ist das Staubauwerk, wie bei Wikipedia
nachzulesen ist: „Als Absperrbauwerk des Altmühlsees dient ein
Ringdamm, der den See vollständig umgibt. Der Staudamm, der aus Sand und
Lehm besteht, ist 3 bis 5,5 m hoch, und mit einer Kronenlänge von
12,5 km ist er die längste Stauanlage in Deutschland. In seinem
Inneren befindet sich eine mehrere Meter hohe senkrecht in dem Erdboden
eingerüttelte Dichtwand aus 6 bis 8 cm starken Stahlbohlen, die bis
zu den wasserundurchlässigen Schichten reicht.“ Quelle
Gunzenhausen
ist eine Stadt mit langer Geschichte. Bereits in vorgeschichtlicher Zeit
war der Stadtbereich bevorzugtes Siedlungsgebiet, was zahlreiche
Ausgrabungsfunde beweisen. Die Römer errichteten hier, wie auf der
Homepage der Stadt zu lesen ist, „an der nördlichsten Seite des
raetischen Limes ein Kastell und kontrollierten von dort aus bis zu ihrer
Vertreibung durch einfallende Alemannen um 240 n. Chr. das Umland.“
Quelle: www.gunzenhausen.de
Bis
Treuchtlingen sind es nur noch knapp 25 km, und da das Land flach und die
Wege erstklassig sind, beschließen wir noch einen Abstecher von Graben
ins bayerische Weißenburg zu unternehmen. Am Weg, der neben einer
Eisenbahnstrecke herführt, liegt eine Besonderheit: der Karlsgraben.
Römisches
Weißenburg
Die erste
Stadtmauer der Stadt Weißenburg stammt laut Wikipedia „aus dem 12. und
13. Jahrhundert. Im 14. Jahrhundert wurde nach Süden hin die Vorstadt mit
dem Augustinerkloster durch eine zweite Stadtmauer einbezogen. Zusätzlich
zur Mauer wurde noch ein 30 Meter breiter Graben um die Stadt
angelegt, der im südlichen Teil mit Wasser gefüllt war bzw. heute noch
gefüllt ist.“ Das mittelalterliche Stadtbild Weißenburgs ist heute
noch gut erhalten. Das gotische Rathaus und das Ellingertor künden von
der großen Zeit als Handelsstadt in der Nähe Nürnbergs.
Besondere
Berühmtheit erlangte Weißenburg jedoch durch die 1977 begonnen
Ausgrabungen der römischen Thermen – auch Große Thermen genannt. Sie
sind seit 1983 zu einem Museum ausgebaut. Quelle
und mehr
Der
historische Karlsgraben
Ein weiteres Highlight dieses Radeltages ist der Karlsgraben, auch Fossa
Carolina genannt. Er war, wie bei Wikipedia nachzulesen ist, „eine
Verbindung zwischen Schwäbischer Rezat und Altmühl und damit zwischen
den großen Flusssystemen von Rhein/Main und Donau. Der Karlsgraben ist
damit in gewisser Weise Vorläufer des Ludwigskanals und des
Main-Donau-Kanals“ und musste die europäische Wasserscheide überwinden.
Weiter
heißt es: „Die gängige Theorie geht davon aus, dass Karl der Große im
Jahr 793 bei dem heutigen Ort Graben bei Treuchtlingen einen etwa 3.000 m
langen Kanal ausheben ließ. Ziel der Unternehmung war die Verbesserung
der Verkehrssituation für die Händler, die den Weg über Rhein und Main
nach Weißenburg mit ihren Schiffen befuhren. Der bequeme Handelsweg
endete aber bis zum Bau des Kanals an der europäischen Hauptwasserscheide
bei Treuchtlingen. Durch den Kanal war es möglich, dass Händler aus
beiden an den Kanal grenzenden Flusssystemen in das jeweils andere
gelangen und so ihren Handlungsradius ausdehnen konnten.“ Auf einer
Schautafel am Kanal ist die Geschichte detailliert nachzulesen. Quelle
und mehr
Nach den 24 Extra-Kilometern erreichen wir kurz hinter Treuchtlingen
unser Quartier in Dietfurt. Es ist der Tag der Mittsommernacht, und
oben auf dem Berg wird bald das Sonnenwendfeuer entzündet. Hobbyfußballmannschaften
aus ganz Deutschland feiern dort gemeinsam – und wir gleich mit. Ein
unvergesslicher Abend nach 125 Radelkilometern.
Nach Eichstätt
Von Dietfurt bis in die barocke Bischofs- und Universitätsstadt
Eichstätt sind es rund 40 km Radelstrecke - meistens direkt neben dem
Fluss und fast ohne Steigungen. Da macht das Radfahren richtig Spaß, vor
allem, wenn auch noch der Westwind zusätzlich schiebt. Nach zwei
Altmühlschleifen erreichen wir das von der Burg überragte Pappenheim.
"Daran erkenn' ich meine Pappenheimer" - durch diesen Ausspruch
aus Schillers Drama "Wallensteins Tod" ist der kleine Ort an der
Altmühl berühmt geworden. Die ehemalige Residenzstadt der
Reichserbmarschälle gehört zu Bayern und ist der einzige Luftkurort in
Mittelfranken.
Die Burg
Pappenheim ist
die Stammburg der Erbmarschälle und Grafen von Pappenheim, wie wir der
gut gemachten Homepage des Städtchens entnehmen. "Dieses
Reichsministerialengeschlecht spielte über das gesamte Mittelalter eine
bedeutende Rolle im “Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation”, denn
die Erbmarschälle hatten eines der bedeutendsten Ämter des Kaiserreiches
inne." Die Besonderheit: Hier handelt es sich um eine zweihöfigen
Burganlage mit Vor- und Hauptburg, die den Bergfried beherrscht.
Auch für Pflanzenfreunde lohnt der Aufstieg, denn: "In der weitläufigen
Burganlage erwarten Sie über 1200 heimische Gewächse, Blumen, Stauden,
Sträucher und Baumarten und dazu ein Historischer Kräutergarten mit über
750 Arten." Quelle
Auf der Altmühl, einem Wassersportparadies, herrscht schon am frühen
Morgen reger Bootsverkehr. Über Zimmern gelangen wir nach Solnhofen,
einer kleinen Gemeinde mit 2000 Einwohnern.
Bekannt ist Solnhofen besodners wegen seiner Steinbrüche. Diese bergen
rund 150 Millionen Jahre alte Fossilien. Aufsehen erregten die Funde von
zehn Exemplaren des Urvogels Archaeopteryx. Diese sind im Museum im
Solnhofener Rathaus ausgestellt.
Jedes Jahr strömen zahlreiche Hobbyarchäologen aus aller Welt in die
Region, um selbst auf die Suche nach seltenen Fundstücken zu gehen.
Die Homepage der Gemeinde kündet von einer anderen Besonderheit:
"Die Solnhofener Solabasilika, die Grabstätte des Mönches
Sola, zählt mit ihren Säulen aus karolingischer Zeit zu den ältesten
Baudenkmälern Deutschlands. Bei Ausgrabungen dort entdeckten
Wissenschaftler von der UniversitätHeidelberg bis in die Mittelsteinzeit
zurückreichende Siedlungsspuren." Quelle
Das
Wahrzeichen von Solnhofen ist die Felsgruppe der Zwölf Apostel,
einem der schönsten Geotope in Bayern.
Bald passieren wir nahe Mörnsheim das Altmühlwehr
bei der Hammermühle. Hier ist der Fluss gut 40
m breit und wird durch im Wasser liegende Steinblöcke um etwa
einen Meter angestaut. Seit dem Mittelalter betrieben die Fürstbischöfe
von Eichstätt hier ein Eisen- und Hammerwerk, das noch in der ersten Hälfte
des 19. Jahrhunderts als Waffenschmiede diente und erst dann zu einer Mühle
("Hammermühle") umgebaut wurde. Quelle
Weiter geht die Tour nach Dollnstein. Von hier kann man durchs Rieder
Tal und über Wellheim und Hütting nach Rennertshofen
radeln. Die Steigung ist moderat und gut zu bewältigen. In Bertoldsheim
(schöner Biergarten!) oder Hatzenhofen stößt man auf den Donauradweg
- je nachdem, ob man nach Westen oder Osten radeln will.
Übernachten
im Altmühltal Eichstätt
Wir aber fahren von Dollnstein weiter entlang der Altmühlschleifen über
Breitenfurt und unterhalb der Willibaldsburg nach Eichstätt,
einem Zentrum des Katholizismus in Deutschland mit Katholischer
Universität. Eichstätt hat knapp 14.000 Einwohner und gehört zum
Regierungsbezirk Oberbayern. Hier endete unsere Altmühlradtour aus der
anderen Richtung, als wir von Hilpoltstein aus in Kinding den Fluss
erreichten. Von dort kann man entlang des Main-Donau-Kanals bis Kelheim
an der Donau weiterradeln - in etwa sind das noch 55 km.
Was Eichstätt auszeichnet, beschreibt die Homepage der Stadt u.a.
so: "Lichte Farben und Stein gewordene Sinnlichkeit vereinen sich zu
Eichstätts Stadtbild, maßgeblich geprägt von barocken Baumeistern wie
Gabriel de Gabrieli und Maurizio Pedetti. ... Der Dom ist der sakrale
Mittelpunkt Eichstätts. Besonders seine Kreuzgänge führen in die
Stille. Schlanke Säulen tragen die unzähligen Wölbungen der Decke.
Kunstfertig schufen Steinmetze im Inneren des Doms ihre unvergänglichen
Schönheiten wie den Pappenheimer Altar oder den Hl. Willibald, geschaffen
von Loy Hering. Die Züge des steinernen Schutzheiligen von Eichstätt
sind so scharf und lebendig gearbeitet, dass man seine Anwesenheit fast körperlich
zu spüren scheint."
Wahrzeichen
der Stadt ist die schon erwähnte Willibaldsburg, ehemaliger Sitz der Fürstbischöfe
und heute beliebtes Ziel für Fossilien- und Gartenbegeisterte. Quelle:
www.eichstaett.info
Altmühl-Tour
1: Kinding-Eichstätt
Links
http://www.naturpark-altmuehltal.de/
Altmühltal-Radweg
von Rothenburg bis Kelheim 253 km lang
Radreiseführer:
DVDs
mit Bildern vom Altmühltal
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Aus dem Taubertal geht es steil hinauf nach Rothenburg.

Malerisches Rothenburg.
Berühmtestes Rothenburger Motiv: das
Plönlein.
Das Rathaus von Rothenburg.
Burg Colmberg ist heute ein
Hotel-Restaurant.
Leutershausen - Obertor und Röhrenbrunnen.
 Am
Altmühlsee lässt es sich trefflich radeln.

Markante Wegmarke: eine Solitärlinde.

Hier
macht Radeln richtig Spaß. 
Karlsgraben
bei Treuchtlingen. 
Abstecher
nach Weißenburg in Bayern. 
Mächtige
Anlage: Burg Pappenheim.

Wacholderheiden: typische Altmühl-Vegetation. Die Altmühl ist ein
Paradies für Wassersportler. 
Ortseinfahrt nach Dollnstein, von wo aus man auf releativ kurzem Weg zur
Donau radeln kann.

Bizarre Felsformationen - bisweilen stürzen auch schon mal ein paar
Brocken hinab ...

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im Altmühltal gen Eichstätt.
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