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Autor: Dieter Hurcks Copyright 5/2012

Von der Herzogstadt Celle nach Seehausen. 
Fast 300 km lang zieht sich die Aller von Seehausen in Sachsen-Anhalt durch eine reizvolle, abwechslungsreiche Landschaft - das Elbe-Aller-Urstromtal, das in der letzten und vorletzten Eiszeit entstanden ist -, ehe sie im niedersächsischen Verden in die Weser mündet.
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Deutschland

Allerradweg (Ost): Von
Celle bis zu den Quellen

Eine Radtour in zwei Bundesländern.
 
Den Allerradweg zwischen Celle und Verden haben wir schon mehrfach befahren. Seit 2011 ist nun auch der Teil fertig, der bis ins Quellgebiet dieses durch zwei Bundesländer führenden Flusses führt. In der Tat: Die Beschilderung ist durchweg gut gelungen. Aber wie fast überall, gibt es mal eine Lücke oder eine nicht eindeutig erkennbare Richtungsweisung. Ein Erfahrungsbericht!

siehe auch: Allerradweg (1): Von Celle nach Verden

Ausflug von Celle nach Burgdorf und zurück (64 km)


Von Celle nach Seehausen zu den Quellen

Himmelfahrt wehte der Wind noch forsch aus Westen und hätte uns die Radtour gen Magdeburg erheblich erleichtert. Doch am Tag danach, als das Wetter beständiger wurde und wir deshalb unsere Abfahrt um 24 Stunden verlegt hatten, blies er aus Südost - also häufig von vorn. Dazu hatten wir mit den Hinterlassenschaften der „Himmelfahrtskommandos“ zu kämpfen: vielfache Scherben auf den Wegen. Von den Müllbergen an ausgewählten Stellen ganz zu schweigen.

Sei's drum. Punkt Neun, wie fast immer pünktlich, stiegen vier Radler auf ihre Stahlrösser und machten sich auf, den Allerradweg von Celle bis zur Quelle zu erkunden. Die wunderschöne Fachwerkstadt mit Allerschiffahrt ist auf jeden Fall einen längeren Besuch wert - inklusive Übernachtung, um auch Celle am Abend erleben zu können. 

Übernachten am Allerradweg

Celle gilt als südliches Tor zur Lüneburger Heide und ist eine Stadt mit einer pittoresken Altstadt, über 400 Fachwerkhäusern und einem Schloss im Stil der Renaissance und des Barocks. Quelle und mehr

An der Pfennigbrücke über die Aller starten wir und radeln immer schön nah am Fluss ostwärts. Vorbei am Heilpflanzengarten geht es zur Lachtemündung und dem Allerwehr bei Osterloh.

Ein kleiner Abstecher lohnt sich, bietet doch der Celler Heilpflanzengarten einen Reichtum an unterschiedlichsten Heilpflanzen. Das weitläufige Gelände lädt ein zum Schlendern zwischen duftenden Heilkräutern und Verweilen am sprudelnden Quelltopf. Durch Informationstafeln und Einzelbeschilderung erfährt der Besucher gleichzeitig Wissenswertes über die einzelnen Pflanzen und wie sich z.B. Hildegard von Bingen und Pfarrer Kneipp der Heilpflanzen bedienten.

Das angeschlossene Café "KräuThaer" wird von Schülerinnen der Albrecht-Thaer-Schule betreut. Selbstgebackenes nach alten Rezepten erfreut hier den Gaumen.

Kloster Wienhausen 
Das erste ganz große Highlight der Tour entlang des Allerradwehs von Celle nach Osten ist das Kloster Wienhausen, ein Bauwerk der norddeutschen Backsteinarchitektur. Hier fließt die Aller direkt vorbei und bildet zusammen mit den malerischen Fachwerkhäusern und der Wassermühle ein fotogenes Ensemble. Der Besucher sollte unbedingt auch mal einen Blick in den Park des Klosters werfen und die Anlage erkunden, wobei das Befahren mit dem Rad leider verboten ist.

Auf der Homepage liest man: "Die Ausstellung zur Klostergeschichte beinhaltet Objekte aus fast 800 Jahren. Die erste urkundliche Erwähnung des Nonnenkonvents aus dem Jahr 1229 ist ebenso darunter wie Handschriften, kleine Andachtsbilder, Pilgerzeichen, Spindeln, Wachstäfelchen, Perlenkettchen und vieles mehr aus dem umfangreichen „Fund im Nonnenchor“ im Jahr 1953. Ein Bericht im Klosterarchiv erzählt, wie als erstes ein Andachtsbild mit dem Auferstehenden Christus aus dem „Staub der Jahrhunderte“ unter dem Chorgestühl herausgeholt wurde.

Auch die ältesten, z.T. vollständig erhaltenen Brillen der Welt, Nietbrillen aus dem 14. Jahrhundert, gehören dazu.

Das Klostermuseum wird im Rahmen der Klosterführungen gezeigt, mit Audioguide vom Ende der Teppichwoche bis zum Saisonende."
Quelle und mehr

Es fällt schwer, sich von Wienhausen zu verabschieden. Aber wir wollen ja noch ein wenig weiter. Über das dörfliche Oppershausen radeln wir auf ruhigen Wegen durch eine Wochenendhausanlage nach Offensen und über Schwachhausen nach Langlingen. Die Kirche, das Gut und das Bauernhausmuseum sind unbedingt einen Besuch wert. Über Nienhof, wo wir einen Turm des NABU bewundern, der vielen Tieren ein Heim bietet, geht es nun stramm gegen den Wind nach Müden an der Aller.

In Müden fließt die aus dem Harz kommende Oker in die Aller. Sehenswert ist auch hier ein historischer Ortskern. Die folgende Wegstrecke führt über viele Kilometer durch ein Wald- und Heidegebiet, auch wieder bestückt mit Wochendhäusern, vor denen herrliche Rhododendronhecken und viele andere Pflanzen ihre Blütenpracht entfalten. Schließlich haben wir Mai.

Schmale Waldwege, aber gut befahrbar

Sehr schön fahren lässt es sich auf dem schmalen Pättken, das neben dem sandigen Waldweg angelegt worden ist. Kommen Radler von vorn, muss eine Truppe anhalten. Da bleibt dann ein bisschen Zeit für einen kurzen Wortwechsel „woher - wohin“. Es sind doch einige Radler unterwegs  an diesem Freitag nach Himmelfahrt. Nach der Müdener Heide passieren wir Wilsche und gelangen nach Gifhorn.

Schloss, Mühlenmuseum und Altstadt sind hier natürlich Pflicht. Bei Wikipedia ist zu lesen: "Das Internationale Wind- und Wassermühlenmuseum in Gifhorn (Niedersachsen) ist mit seinen Mühlen eine europaweit einzigartige Einrichtung. Auf dem rund 16 ha großen Freigelände des Museums befinden sich derzeit 16 originale oder originalgetreu nachgebaute Mühlen aus 12 verschiedenen Ländern, die in ihre herkunftstypische Landschaftsumgebung eingebettet sind. Auf dem gesamten Gelände sind auch historische Gegenstände des Mühlen- und Müllereiwesens ausgestellt. Die Museumsanlage ist verkehrsgünstig in der Nähe des Kreuzungspunktes der Bundesstraßen 4 und 188 gelegen. Das Museum ist Station 65 der Niedersächsischen Mühlenstraße. Quelle und mehr

Gifhorn ist das "Tor zur Südheide" und einer der größten Landkreise Niedersachsens. Eine Sehenswürdigkeit ist das Welfenschloss aus der Zeit der Renaissance, 1525 erbaut. Es war von 1539 bis 1549 die Residenz von Herzog Franz von Braunschweig und Lüneburg. Heute sind dort Büroräume des Landkreises untergebracht. mehr 

In Gifhorn kreuzen wir den Weser-Harz-Heide-Radweg.

Inzwischen verlangt unser Magen nach Sättigung. Möglichkeiten dazu gibt es reichlich in Gifhorns ziemlich langen Fußgängerzone. Am Ende müssen wir links abbiegen, um den Weg nach Wolfsburg einzuschlagen. Plötzlich, nur wenige Kilometer weiter, herrscht wieder absolute Stille, nur ein paar Vögel zwitschern im Clausmoor. Unter dem Elbe-Seitenkanal hindurch gelangen wir in das Naturschutzgebiet Barnbruch. Wunderschön ist die Fahrt neben einem von weißen Blüten gesäumten Graben.

Wir erreichen Fallersleben. Erstmals urkundlich genannt wurde Fallersleben im Jahr 942, ist somit nachweislich über 1000 Jahre alt, vermutlich aber noch älter. ...

Geburtshaus des Dichters Heinrich Hoffmann von Fallersleben, 
der im Kloster Corvey bei Höxter begraben liegt.

1798 am 2. April wurde August Heinrich Hoffmann in Fallersleben in der Westerstraße 4 geboren. Er nannte sich später Hoffmann von Fallersleben. Am 2.8.1841 dichtete er auf Helgoland das "Lied der Deutschen", das später zur Nationalhymne wurde.Viele Kinderlieder entsprangen seiner Feder. Am 19.1.1874 starb er. Er war ein Sänger des Volkes und ein bedeutender Forscher und Gelehrter der deutschen und niederländischen Sprache und liegt in Corvey bei Höxter begraben. Quelle und mehr

Der Gesang eines Shantiechores lockt uns zum Schloss, wo wir Fischbrötchen und ein Getränk sowie die tollte Atmosphäre beim Brauhaus genießen. Ein wunderschönes Plätzchen am See mit Fontäne. Aber wir wollen ja noch ein bisschen weiter, machen noch einen kurzen Abstecher zum Geburtshaus des Dichters Heinrich von Fallersleben und rollen dann hinaus aus dem schönen Fallersleben.

Die Autostadt

Nur wenige Kilometer sind es bis Wolfsburg, wo uns der Verkehrslärm der Autostadt schon ein wenig nervt. So sind wir froh, als wir - links die Autostadt und rechts das Fußballstadion - die Stadt verlassen und beim Wolfsburger Schloss wieder die Ruhe finden, die wir beim Radeln am meisten schätzen.

Über Vorsfelde geht die Fahrt nun weiter ostwärts bis ans Ende von Niedersachsen: In Grafhorst plaudere ich ein wenig mit einer älteren Dame, die vor dem vorletzten Haus des Ortes steht. Früher sei es hier ruhiger gewesen, aber jetzt sei es doch besser, wo die Grenze weg ist. Nur 300 Meter weiter weist ein Schild darauf hin, wo Deutschland einst geteilt war. Ich habe immer noch ein kribbeln im Bauch, wenn ich diese Grenze überschreite. Daran sind viele frühere Grenzübertritte schuld, die selten ohne Schikane verliefen.

Nun haben wir nur noch drei Kilometer bis zu unserem Quartier in Breitenrode, das zur Stadt Oebisfelde gehört. In Oebisfelde war früher ein Grenzübergang. Das Städtchen an der Eisenbahnlinie Von Berlin über Stendal und Wolfsburg nach Hannover, wird morgen unser erstes Ziel sein.

Fazit: Ein anstrengender Tag mit 106 km Wegstrecke. Durchweg sehr gute Wegweisung mit einigen Lücken in Wolfsburg und eine meist gute Wegequalität. Nur ein ausgerechnet in einer Kurve geschottertes Stück Weg hätte uns fast einen Sturz beschert. Hier fehlte ein Warnschild!

In Grafhorst war früher Deutschland West zuende. 



Heimatmuseum in Breitenrode: geöffnet nur am 1. Sonntag im Monat.

 

Tag 2: Von Oebisfelde zu den Allerquellen
nach Seehausen und Magdeburg

Nach einer ruhigen Nacht im „zweitältesten Ort im Ländle“, in Breitenrode, die vorübergehend nur von einem kläffenden Dorfköter unterbrochen wurde, brachen wir früh auf und erreichten schnell Oebisfelde. Im Supermarkt an der Strecke ergänzten wir unsere Vorräte an Essen und Trinken und radelten bald zwischen schon verblühenden Rapsfeldern und im hellsten Grün leuchtender Wintergerste. Das zunächst nur leicht hügelige Land wartete im Laufe des Tages mit einigen kräftezehrenden Steigungen auf.

Kleine Dörfer, Wälder und schöne Alleen wiegen die Anstrengungen mehr als auf. Der Blick schweift weit ins Land und haftet immer wieder an den sich im leichten Frühsommerwind drehenden Windrädern. Riesige Biogasanlagen lassen erahnen, was aus den kleinen Pflänzchen sprießen wird, die sich gerade durch die Ackerkrume gekämpft haben: Mais. Klar, dass es dann ab August mit dem imposanten Fernblick zumindest teilweise vorbei sein wird.

Blühende Kastanien, trutzige Kirchen, hier eine Burgruine, dort eine Wassermühle sorgen für ein wenig Abwechslung. In Saalsdorf steht ein Grenzpfahl der DDR unter einer 1871 gepflanzten Eiche und erinnert uns daran, dass wir vor 30 Jahren hier nicht so problemlos hätten radeln können wie jetzt. Hier und dort kommen wir auch mit den Menschen ins Gespräch, die fast immer freundlich grüßen und bei Fragen Auskunft geben. Auch für manchen Scherz ist Zeit - man versteht sich. Zwischen Ossi und Wessi wird nirgends mehr ein Unterschied gemacht. Ein schönes Gefühl!

Hier an der Aller zwischen Grafenhost und Breitenrode verlief früher die "Demarkationslinie" und teilte Deutschland.

Aller-Elbe-Radweg

Kurz hinter Saalsdorf erreichen wir die Einmündung des Aller-Elbe-Radwegs, die wir morgen wieder erreichen wollen, um dann noch bis zum Bahnhof Oebisfelde zu radeln. Denn für Montag war schon wieder schlechtes Wetter und noch mehr Wind angesagt.

So arbeiteen wir uns voran auf dem Allerradweg über den Flecken Weferlingen und über Walbeck bis Beendorf, wo uns ein langer, steiler Anstieg mit einer folgenden rasanten Abfahrt erwartet. Statt wie in der Radwanderkarte eingezeichnet zur ehemaligen Grenzübergangsstelle Helmstedt-Marienborn führt uns die Beschilderung über Morsleben zum Bahnhof Marienborn. Da alle vier Radler die GÜST aus eigener Erfahrung bereits kennen, haben wir darauf verzichtet, die etwa drei Kilometer zur heutigen Gedenkstätte zurück zu fahren.

In Belsdorf führt der Allerradweg auf grobem Kopfsteinpflaster steil ansteigend um einen Berg herum. Wir nehmen die Abkürzung nach Wefensleben und bleiben gleich bis Ummendorf auf der wenig befahrenen Straße. Noch ein paar Mal auf und ab radelnd, erreichen wir eine der vier Allerquellen: einen See in Eggenstedt, auf den allerdings kein Schild hinweist. Nun sind es bis zu unserem Ziel Seehausen mit dem schönen Seehäuser See  nur noch wenige Kilometer.

Hier endet die Radtour genau dort, wo der Allerradweg seinen Anfang nimmt. Wir fahren noch ein Stück weiter über Weitersleben bis zum Bahnhof Dreileben-Drackenstedt und von dort mit dem Zug nach Magdeburg.

Solche Wege findet man in Sachsen-Anhalt häufig.

Alte Eiche und Grenzpfahl in Saalsdorf.

Fazit: Die Versorgung unterwegs ist teilweise schwierig, so dass man sich morgens in Oebisfelde mit Proviant für den Tag eindecken sollte. Die Aller selbst sieht man recht selten, meistens nur dann, wenn der Radweg sie kreuzt. Dennoch: eine lohnende Radreise.

Teil 3: Elberadweg und Aller-Elbe-Radweg - von Magdeburg gen Oebisfelde

Allerradweg (1): Von Celle nach Verden 
mit Trailer Allerradweg bei YouTube

Etappen 
1. Tag: Celle-Wolfsburg-Oebisfelde (Breitenrode) 103 km
2. Tag: Oebisfelde-Seehausen-Drackenstedt 74 km 
Bahnfahrt nach Magdeburg
3. Tag: Magdeburg-Wolmirstedt-Haldensleben-Oebisfelde 103 km

Radwanderführer

  

Link: www.allerradweg.de - zurück zur Hauptseite

Allerradweg auf einen Blick (Teil 1)

Offizielles Handbuch zum Allerradweg

Ein neues Exemplar des Allerradweg-Wegweisers.

Schmucker Bau am Celler Allerufer.

Am Wehr bei Oldhorst.

Der Mühlengraben, ein Seitenarm der Aller, beim Kloster Wienhausen.

Eine ganze Weile geht es durch den Landkreis Gifhorn.

Das Rathaus der Stadt Gifhorn.

 

Schönes Ensemble: Schloss Fallersleben, Kirche ...

 ... und Teich.

Die Kulisse des VW-Werks in Wolfsburg.

Das Wolfsburger Schloss ist das nördlichste Bauwerk im Stil der Weserrenaissance.

Am Mittellandkanal gen Oebisfelde.

Die Wegequalität am Allerradweg ist meistens gut bis sehr gut. Den Radler erwarten nur wenige Kopfsteinpflaster- und Plattenwege.

Gedenktafel deutsche Teilung: Am 23. Dezember 1989 wurde hier - bei Lockstedt - die Grenze geöffnet.



Freunde militärischen Gerätes treffen sich zweimal jährlich in dieser ehemaligen Kaserne der DDR-Grenztruppen bei Gehrendorf.

Die Aller in Weferlingen.

Hier macht das Radeln richtig Spaß - trotz gelegentlicher Steigungen.

Autobahn bei Marienborn - im Hintergrund die ehemalige Grenzübergangsstelle (GÜST).

Wasserturm bei Wefensleben.

 



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