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„Rad, Land, Fluss“: Fünf Wochen (fast) allein mit der Elbe als „Flussgefährtin“

Eine Radtour, die im Gedächtnis bleibt

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Dresden -Pirna-Hrensko-Decin

Alexandra Schlüter: Rad, Land, Fluss; Wie ich die Elbe entlangfuhr und meine Heimat neu entdeckte. Eine Sehnsuchtsreise. Mit 160 Abbildungen. Prestel, 240 Seiten, 26 Euro, ISBN 978-3-7913-8871-7 (Mai 2022)

Von Dieter Hurcks

Weil ich für meine Website radtouren.net die Elbe schon mehrmals mit dem Fahrrad bereist bin, hat mich dieser Titel natürlich ganz besonders interessiert. Denn anders als der „normale“ Tourenradler, der jeden Tag seine vorausgeplante (und oft zu lange) „Strecke“ zum nächsten Quartier „macht“, hat sich die in der Nähe von Hamburg lebende Autorin jede Menge Zeit gelassen für diese 1094 km lange Tour entlang des großen Stroms von der Mündung in die Nordsee bei Cuxhaven, das 700 Jahre lang bis 1937 zu Hamburg gehörte, bis Schmilka an der Grenze zu Tschechien.

„Ich mache es wie immer an solchen Orten,“ schreibt sie über ihren Aufenthalt in Lenzen, „ich fahre ohne Eile hierhin und dorthin“. Entsprechend detailliert fällt auch die Schilderung der Erlebnisse und Eindrücke vom Leben auf und entlang der Elbe aus. „Der Elberadweg führt durch ein Tier- und Pflanzenparadies, so schön, dass ich es manchmal gar nicht fassen kann.“ Eine genaue Planung hat sie vor dem Start nicht, will „vielleicht zwischen 40 und 60 Kilometer am Tag“ zurücklegen, in einigen Gegenden auch mal länger bleiben und „beim nächsten Mal“ auf der anderen Seite stromabwärts zurück“ radeln.

Die Probleme der Elbe mit Verschlammung, Elbvertiefung und Umweltschäden spart Alexandra Schlüter ebenfalls nicht aus. Und immer wieder schildert sie das spezielle „Elbegefühl“ und das radlerspezifische veränderte Zeitgefühl:

„Bin ich wirklich erst heute Morgen losgefahren? Kann es sein, dass ich die Welt da draußen so schnell vergesse?“

 

Schloss Hartenfels in Torgau - Fotos: Manolo Ty

Dieses Gefühl dürften viele Radlerinnen und Radler schon selbst  erlebt haben. Und vielleicht ist es gerade das, was einen motiviert, immer wieder auf Tour zu gehen. Am besten allein und ohne potentielle Störer oder Begleiter, die ihren Tacho häufiger im Blick haben als die schöne Landschaft rechts und links des Trails oder gar Ohrhörer im Ohr statt dem Trällern der Grillen und Vögel.

So erlebt der Leser einen differenzierten, oft ganz neuen Blick auf diesen so abwechslungsreichen Fluss. Und erfährt Details, für die sicherlich viel Zeit bei der Recherche aufgewendet wurde. Sei es zur Geschichte, sei es zu Flora und Fauna oder zur Zeit der deutsch-deutschen Grenze, über die wir besonders viel erfahren – etwa am Beispiel der „Dorfrepublik Rüterberg“. 

Dass die Buhnen nicht das Ufer schützen, sondern das Wasser in der Flussmitte schneller fließen lassen, damit die Fahrrinne nicht verschlammt, war mir auch neu. Ebenso dieses schöne Bild: 

„Schafe, die wie feuchte Islandpullis riechen“. 

Und dass in Lenzen ein europäisches Institut angesiedelt ist, dass sich dem Schutz der Auenwälder widmet, ist auch eine interessante Information. Und dass zwischen Dessau und Magdeburg das „größte zusammenhängende Auengebiet Mitteleuropas“ liegt.

Die Elbe sieht die Autorin als „roten Faden“, der „die einzelnen Geschichten am Strom“ verbindet, und gibt zu: „Von der kurzen Abfolge der verschiedenen Bundesländer ... hatte ich vorher keine rechte Vorstellung“. Immerhin sieben an der Zahl sind es: Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Brandenburg, Mecklenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen.

Nicht immer ist die Route flach; vor Geesthacht heißt es Richtung Lauenburg: Schieben am Hohen Elbufer. Auch von längerem Regen lässt sie sich nicht am Weiterfahren hindern; wenn sie sich verfranzt hat, hilft ihr eine „Outdoor-App“ oder Google Maps – wie im Gewirr des Hamburger Hafen-Labyrints. Pflanzen erkennt ihre spezielle App auf dem Smartphone.

Hinter Steckby regnet es wieder mal fürchterlich und die Autorin beneidet bei der Fähre Aken zwei Radler, die die perfekte Regenbekleidung angezogen haben, während sie den Radeltag beenden muss, weil auch noch ihr Poncho gerissen ist. Nach so viel Natur samt Exkursion zu den Biberburgen und dem Wörlitzer Park hatte sie in der Bauhaus-Stadt Dessau „das Gefühl, wieder in der Zivilisation aufzutauchen“.

Elbe mit Meißener Dom

Bei den Begegnungen mit den Menschen stehen oft Hochwasser-Geschichten im Mittelpunkt der Gespräche. Unterwegs bekommt die Autorin auch mal kurzzeitig verwandtschaftliche Begleitung. Sie bleibt bei ihrer Tour nicht strikt auf dem Elberadweg, sondern besucht häufig etwas abseits liegende Dörfer wie Mockritz, ehe es zu den Sehenswürdigkeiten in Torgau mit Schloss Hartenfels und seiner „schwebenden Wendeltreppe“ geht. 

Auch historische Begebenheiten wie das Aufeinandertreffen der US-Armee und der Sowjets am Ende des Zweiten Weltkriegs bleiben nicht unerwähnt. Wir erhalten Einblicke in den Weinanbau bei Meißen und nehmen quasi an einer Stadtführung durch Dresden teil, ehe diese sich tief ins Gedächtnis grabende Tour in der Sächsischen Schweiz und auf der Feste Königstein an der tschechischen Grenze zu ende geht. Sieben Bundesländer hat sie dabei berührt, manche nur entlang der heute nicht mehr wie früher bisweilen undurchdringlichen Grenze.

Nach der Tour ist die Autorin die Strecken, die sie auf der Hinfahrt überschlagen musste, auch noch abgeradelt und hat ihren Bericht im Epilog ergänzt – wie Dömitz (wegen Schlechtwetter) und Hitzacker (Fähre von Bitter fuhr nicht).

Elbe-Blick von der Bastei

Alexandra Schlüter rückblickend zu ihrer Solotour: „Fast nie habe ich mich alleine gefühlt, denn ich hatte immer eine Flussgefährtin.“ Und über die Sächsische Schweiz: 

„Ich kann mich nicht erinnern, schon einmal eine ähnlich Landschaft gesehen zu haben.“

Fazit: Der Leser sollte sich Zeit nehmen, um dieses gut lektorierte Buch mit vielen eingängigen Fotos in Ruhe zu genießen. „Rad, Land, Fluss“ liest sich besonders authentisch am Ufer eines Flusses oder plätschernden Baches. Dann erinnert sich derjenige, der die Elbe schon einmal abgeradelt hat, an seine eigenen tiefen Eindrücke. Und alle, die diese Tour vielleicht schon geplant haben, bekommen einen intensiven Vorgeschmack auf das, was sie erwarten könnte. Dieter Hurcks (7/2022)

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Bild der Autorin

Buchtrailer (ca. 2 Min.)

Alexandra Schlüter schreibt als freie Autorin über Natur- und Reisethemen, u.a. für die Süddeutsche Zeitung, National Geographic und GeoSaison. Sie veröffentlichte Bücher über Reiseziele in Deutschland und das Unterwegssein vor der eigenen Haustür. Ihre persönliche Reisephilosophie: Mit wenig Aufwand und offenen Sinnen losziehen, staunen und innehalten, wann immer es geht. Sie lebt mit ihrer Familie in der Lüneburger Heide. Die Fotos stammen von Manolo Ty und der Autorin.  

Fragen an Alexandra Schlüter (PDF-Datei)

Weitere Informationen auf der Website der Autorin und auf der Verlagsseite

 

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