Radtouren A bis Z
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Carsten Janz war neun Jahre lang mit dem Fahrrad auf Achse und legte rund 100.000 Kilometer zurück

Beinhart - in 3300 Tagen um die Welt 

Die Erlebnisse in armen Landstrichen wie der Sahelzone in Westafrika, die Unmöglichkeit zu helfen, haben den Autor stark deprimiert:

"Aus Selbstschutz veränderte ich mich in einen Menschen, den ich selbst nicht mehr kannte. Nur noch mein Wille trieb mich weiter, ein Wille, der an Besessenheit grenzte. .... Wer immer satt ist, ein Dach über dem Kopf hat, eine Arbeit, einen gefüllten Kühlschrank, ..., der kennt die Sorgen eines Mittellosen nicht. ... Das beklemmende Gefühl, das man dort erfährt, kann keine noch so gute Fernsehdokumentation vermitteln, denn in einer solchen Situation gibt es keinen Aus-Knopf." Seite 243

 

Wichtigstes Utensil:
Verständigungshilfe "Point it. Traveller's Language Kit" - ein Buch, in dem über 1000 Gegenstände abgebildet sind.

Carsten Janz ist Globetrotter aus Leidenschaft. Sesshaftigkeit war nie seine Sache, Sport und Bewegung umso mehr. Ausdauersport und Reisen sind die Fixpunkte, um die er schon als Jugendlicher sein Leben organisiert.

Irgendwann reift der Entschluss, den Erdball komplett zu umrunden. Aus vielerlei Gründen kommt dafür nur das Fahrrad infrage, nicht zuletzt ist es die Vorliebe für sportliche Bewegung an frischer Luft. Vier Jahre arbeitet und spart Janz für den großen Trip. Im August 1998 startet er dann in Richtung Osten. Neun Jahre später, im Sommer 2007, trifft Carsten Janz unter großer Anteilnahme von Familie, Freunden, Funk und Fernsehen wieder in Hamburg ein – etwa 100 000 Kilometer hat er auf dem Fahrrad zurückgelegt!

Aber natürlich ist er nicht nur gefahren: Er hat immer wieder Stopps gemacht und sich Jobs gesucht, für die Reisekasse und manchmal auch aus Herzensgründen. Er hat sich die Welt genau angesehen, die er durchquerte, aber dabei sein Reiseziel nie aus den Augen verloren. Seine Berichte sprühen vom Leben, dem er begegnet ist. Sie sind direkt und ungeschminkt, gewitzt und authentisch. Und oft genug wird deutlich, was eine so lange Reise neben aller Abenteuerlichkeit wirklich ist: beinhart.

Ungeschminkte Wahrheiten über
eine Welt krassester Gegensätze

„Die einsamen Gegenden sind die Touristenattraktionen eines Fernradlers“

Eine Buchbesprechung von Dieter Hurcks

Der Mann war rund neun Jahre per Fahrrad auf Weltreise, hat dabei rund 100.000 Kilometer zurück gelegt, 64 Länder bereist und drei vollgestempelte Reisepässe mitgebracht. Er ist von nicht nur von pakistanischen und marrokanischen Kindern mit Steinen beworfen worden und von australischen Autofahrern mit Bierdosen, er hat tagelangem, heftigen Dauerregen getrotzt, eiskalte Nächte und heiße Tage bei über 50 Grad ebenso überstanden wie Wirbelstürme und Wassermangel. Er hat 83 Reifenpannen und 21 Speichenbrücke ebenso gemeistert wie eine gebrochene Rippe erduldet. Seine größte Enttäuschung erlebte er aber nach der Rückkehr in die Heimat: "wenig Interesse meines persönlichen Umfeldes an meiner Reise".

Der Hamburger Globetrotter Carsten Janz hat die Welt vom Fahrradsattel aus kennen gelernt, ihre Religionen und Kulturen hautnah erlebt. Er ist dort, wo es im gefiel, wo er eine Erholungspause brauchte oder nur mal wieder Geld verdienen musste, länger geblieben, hat aber nie sein Ziel aus den Augen verloren: den Erdball per Pedale komplett zu umrunden.

Diese Buch ist so fesselnd geschrieben, dass es auch Nichtradler sofort in seinen Bann zieht. Denn hier erfährt man Details, die in der medialen Berichterstattung vielfach untergehen: ungeschminkte Wahrheiten wie die, dass auch die letzten Paradiese nach und nach dem Massentourismus geopfert werden und es Natureinsamkeit bald nur noch dort geben wird, wo es unwirtlich oder zu beschwerlich ist für den normalen Menschen. „Diese einsamen Regionen sind die Touristenattraktionen eines Fernradlers“, schreibt er einmal.  

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„Die Probleme unserer westlichen Welt werden in solch gewaltiger Natur zur Nebensache. Hier gibt es keinen beruflichen Erfolgsdruck, hier muss man nicht gestylt aussehen oder Termine einhalten, es gibt keinen Smog, keine Ablenkung durch oberflächliche Gespräche und keine Lärmbelästigung. In diesen endlosen Weiten besinnt sich der Reisende auf das Wesentliche, auf das eigene Leben“ (Zitat S. 197)
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Sprachprobleme in China, Ausländerhass, Schikanen an Grenzen und Flughafenabfertigungen, gaffende Menschen vor allem in Asien, Überfallversuche in armen Ländern, impertinente Kontrollen durch rücksichtslos qualmende Polizisten sogar im Hotelzimmer, und das mehrfach, sündhaft teure Hotels in Japan und lebensbedrohliche Kokosnüsse in Thailand, den Atem raubende Fliegenschwärme in Australiens Outback … All das sind Details, die bestimmt die meisten Menschen davon abhalten werden, selbst einmal eine solche Reise zu unternehmen.

Dazu sind sicherlich auch die wenigsten geboren, sich so zu quälen. Wer übersteht es schon nervlich, wenn er beim Radeln ständig von hinten angegriffen wird: von Kampfvögeln mit spitzen Schnäbeln, die durch den Radler ihr Nest bedroht sehen. Wer hält es durch, in überfüllten Fähren Wasser gegen das Untergehen schöpfen zu müssen, um zu überleben, oder sich mit Pfefferspray im letzten Moment den Weg zu bahnen und nicht von geldgierigen Jugendlichen überfallen und vielleicht gar gemeuchelt zu werden.

Am meisten berührt und schockiert hat mich das Kapitel über Afrika. War Namibia noch ein "Afrika zum Eingewöhnen", so offenbarten Simbabwe ebenso wie die Länder der Sahelzone schlimmstes Elend und Armut sowie korrupte Politiker, denen das eigene Volk völlig egal ist und die Angst und Schecken verbreiten. Hauptsache das eigene Konto füllt sich.

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"Ich fühlte mich schuldig, so gottverdammt reich zu sein,
und schämte mich dafür."
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Man erfährt in diesem Buch aus erster Hand, wohin man ruhigen Gewissens und ohne Angst reisen kann, wo die Menschen Deutschen gegenüber freundlich sind und sie nicht als Hitlers Jünger ansehen. Aber auch, dass es 27 Arten Moskitos gibt, die den Naturmenschen quälen wollen. Carsten Janz hat Prbleme ohne Ende gemeistert, dabei eine Menge Glück gehabt. Aber er hat auch viele erfreuliche Dinge erlebt und sogar einmal fast ein halbes Jahr ohne Regen, was ja hierzulande undenkbar ist - und vermutlich auch gut so.

Man freut sich direkt mit dem Autor, wenn er in Frankreich drei Mal über den Zebrastreifen geht, weil er nicht glauben kann, dass kein Auto auf ihn zurast, kein Fahrer hupt und alle anhalten, um ihn passieren zu lassen.

Wer dieses Buch liest, der spürt, dass jede Medaille zwei Seiten hat: die gute und schöne und die schlechte und hässliche. Auf welche man bei einer Radtour um den Globus dabei treffen kann, hat Carsten Janz auf seiner langen Reise packend geschildert. Das gilt natürlich ebenso für die Menschen, die ihm begegnet sind.

Es kommt nicht oft vor, dass ich ein 267 Seiten dickes Buch in einem Rutsch lese und dafür jede andere Lektüre erstmal zurückstelle. Dieses ist so ein Buch. Es regt zum Denken an und dazu, einem bislang einseitig vermittelte Betrachtungen infrage zu stellen. (7. April 2012)


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