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Fahrradmitnahme im Fernverkehr auf einen Blick
Neue „ADFC-EntdeckerKarte Bahn“
Per Nachtzug nach Bayern, im InterCity an die Ostsee – oder gar mit dem neuen TGV nach Paris? Wer mit Bahn und eigenem Fahrrad in den Urlaub starten will, sollte seine Reise genau planen, um bequem und günstig ans Ziel zu gelangen. Denn die Angebote für Radreisende in – reservierbaren – Fernverkehrszügen sind eher durchwachsen: Während einerseits neue Nachtzuglinien entstehen, fallen andernorts fahrradfreundliche IC-Verbindungen weg.
Für mehr Durchblick im Fahrplan-Dschungel sorgt deshalb seit diesem Sommer die „EntdeckerKarte Bahn“ des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Sie zeigt auf einen Blick: Welche Länder, Städte und Regionen sind „am Netz“ der schnellen Fahrrad-Mitnahme – und welche sind nur noch umständlich per Nahverkehrszug zu erreichen? Die vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung geförderte Übersichtskarte im praktischen Falt-Format dokumentiert sämtliche von, nach und in Deutschland reservierbaren Fern- und Nachtzugverbindungen, auf denen eine Fahrradmitnahme möglich ist.
So zeigt die ADFC-EntdeckerKarte Bahn etwa, dass Städte wie Aachen, Chemnitz, Cuxhaven oder Görlitz inzwischen nicht mehr per IC zu erreichen sind. Radtouristen müssen hier also auf Regionalzüge umsteigen – ohne Garantie auf einen Stellplatz für ihr Rad. Und während der französische TGV ab Stuttgart Fahrräder nach Paris transportiert, streicht die DB ihr Radmitnahme-Angebot von Frankfurt/Main in die französische Hauptstadt komplett.
Dies sind nur einige von vielen Veränderungen gegenüber der Fahrradmitnahme im Vorjahres-Fahrplan, die die ADFC-EntdeckerKarte Bahn konkret beschreibt. Auch die Angebote alternative Anbieter zur Deutschen Bahn AG werden hier genannt. Ergänzt wird Übersicht durch Praxistipps, einen Serviceteil sowie einen kurzen Abriss über die Entwicklung der Fahrradmitnahme in Deutschland.
Erhältlich ist die ADFC-EntdeckerKarte Bahn über die Geschäftsstellen des ADFC. Eine Online-Version mit Einzelkarten steht zudem zum Download bereit unter www.adfc.de/bahn .
ADFC-Pressemitteilung vom 21. Mai 2007
Tiefensee will Fahrradmitnahme im ICE testen lassen
ADFC begrüßt Vorstoß des Bundesverkehrsministers
Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hat sich für die Mitnahme von Fahrrädern im deutschen Hochgeschwindigkeitszug InterCityExpress ausgesprochen. „Ich setze mich dafür ein, dass eine ICE-Pilotstrecke mit der Möglichkeit zur Radmitnahme eingerichtet wird“, sagte Tiefensee im Exklusiv-Interview mit dem bundesweit erscheinenden Magazin „Radwelt“ (Juni-Ausgabe) des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs.
Der ADFC setzt sich seit Jahren vehement für die Fahrradmitnahme im ICE ein, der mittlerweile mehr als zwei Drittel der Züge im Fernverkehr der Deutschen Bahn stellt. Bislang hat die DB-Konzernspitze eine Radmitnahme im ICE mit Verweis auf angebliche Unwirtschaftlichkeit sowie Anfälligkeit für Verspätungen abgelehnt.
Viele Regionen und Städte sind deshalb jedes Jahr für hunderttausende Reisende mit Fahrrad gar nicht oder nur umständlich mit Rad und Bahn erreichbar. Das bisher einzige, auf der „Teststrecke“ Stuttgart-Zürich in einem ICE verkehrende Mehrzweckabteil wurde bereits vor mehreren Jahren von der Deutschen Bahn vom Netz genommen. Die Ergebnisse des Probebetriebes wurden von der Bahn nicht veröffentlicht.
„Der neue Vorstoß des Ministers offenbart, dass die alten Argumente der DB offenbar nicht mehr zu halten sind“, sagt der ADFC-Bundesvorsitzende Karsten Hübener. Im Gegensatz zu bisherigen, ebenfalls ablehnenden Verlautbarungen aus dem Bundesverkehrsministerium kündigte Tiefensee im Radwelt-Interview nun überraschend an: „Ziel ist es, die Einrichtung von Mehrzweckabteilen für die Mitnahme von Fahrrädern, aber auch von Kinderwagen, Rollstühlen und Sportgeräten in allen Zügen einschließlich von Hochgeschwindigkeitszügen zu ermöglichen.“ Damit folgt Tiefensee auch einem entsprechenden Beschluss des EU-Parlamentes.
„Angesichts des gegenwärtigen Klimawandels müssen die beiden umweltfreundlichsten Verkehrsmittel besser miteinander vernetzt werden“, sagt Karsten Hübener, „die Verbindung von Rad und ICE ist deshalb ein Schritt in die richtige Richtung.“ Der ADFC-Bundesvorsitzende schlägt vor: „Wir beteiligen uns gerne konstruktiv und mit unserem ganzen Know-how an einem neuen ICE-Pilotprojekt.“
So empfehlen die Bahn-Experten im ADFC-Fachauschuss „Öffentlicher Verkehr“
drei wichtige ICE-Strecken für das von Tiefensee angekündigte Modell:
· Berlin – München
· Berlin – Schleswig-Holstein – Dänemark (ab 2008)
· Hannover – Würzburg
Besonders auf den genannten Verbindungen droht der immer stärkere Einsatz des ICE die bisherigen Möglichkeiten zur Radmitnahme – etwa im InterCity (IC) und EuroCity (EC) – völlig zu verdrängen.
Nun allerdings ist das Management der Deutschen Bahn AG „am Zug“: „Nimmt die DB-Führung den Vorschlag des Ministers ernst und setzt ihn um“, so Hübener, „hat sie die Chance, viele neue Kunden für die Bahn und für den ICE zu gewinnen.“ Jährlich nehmen in Deutschland rund 250.000 Menschen ihr Fahrrad auf Reisen im DB-Fernverkehr mit.
Mehr zum Thema Bahn und ICE: www.adfc.de/politik/ice