| Die
Hannover Messe ist jedes Jahr erneut ein Schaufenster der Innovationen und
Forschungsergebnisse. Hier sieht man das Neueste aus dem Bereich der
Technik oft lange vor der Markteinführung. Erstaunlich viele Fahrräder
und ihre technologisch wegweisenden Gefährten mit Elektro-Unterstützung
waren im April 2010 auf dem Messegelänge ausgestellt. Machen wir einen
kleinen Rundgang!
Immer wieder lohnenswert ist ein Besuch der Ausstellung "Die gute Form" im Pavillon zwischen Halle 2 und dem Congress Centrum. Hier waren unter anderem mehrere für ihr wegweisendes Design prämierte Pedelecs und Elektrofahrräder zu sehen.
|
![]() |
Tanken mit SonneDie Solarstromtankstelle ‚Solar- Station’ von Solar Mobil ist eine repräsentative 1,8 mtr hohe Edelstahlsäule mit großem Aufmerksamkeitswert. Diese wurde in Furth entwickelt und wird in Deutschland produziert. Die Station, die den Kundenwünschen angepasst werden kann, ist ausgestattet mit Solarmodulen, mit denen der Strom für die Zapfstellen erzeugt wird. Durch den Anschluss ans Wechselstromnetz wird eine 24-stündige Tankbereitschaft zur Verfügung gestellt. |
Viele Fragen werden in den FAQs
des Herstellers geklärt.
Nicolas Meyer hat den Niedersächsischen gründerwettbewerb 2009 mit der Entwicklung eines nur 1,5 kg leichten Fahrradrahmen gewonnen. Der Osnabrücker leitet die Firma Onyx composites, ein junges innovatives Ingenieurbüro, das nach eigenen Angaben "eine geschlossene Dienstleistungsstruktur rund um die Faserverbundwerkstofftechnologie und den Leichtbau bietet. Ziel der Entwicklungsprojekte ist es, anhand der besonderen konstruktiven Möglichkeiten von Faserverbundwerkstoffen neuartige und nachhaltige Lösungen für technische Produkte zu generieren. Das Unternehmen verfolgt einen nachhaltigen Ansatz und konzentriert sich unter anderem auf die technische Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen wie Hanf, Flachs oder Bambusrohr."

Im Hintergrund der Entwickler (links) des Hanf-Rades im Gespräch.
Auf der Hannover Messer 2010 konnte das interssierte Publikum das „Onyx Hanfbike"
bewundern. Meyer in seinem Info-Blatt: "Das Hanfbike dient als Technologieträger mit der Grundidee, die unausgeschöpften Konstruktionsmöglichkeiten durch nachwachsende Rohstoffe in der breiten Gesellschaft zu etablieren. Um ein möglichst großes Publikum ansprechen zu können, haben wir das Fahrrad als Entwicklungsobjekt gewählt."
Damit soll gezeigt werden, "dass es auch möglich ist, Biowerkstoffe als tragende und leichte Konstruktionsbauteile zu verwenden und untermauern diesen Anspruch durch eine Verwendung von Hanffasern und Bambusrohr in einem Triathlonrahmen.
Im Vergleich zu herkömmlichen Rahmen aus z.B. Aluminium wird durch den Gebrauch von Naturfasern die C02 - sowie die Energiebilanz für die Herstellung von Fahrradrahmen deutlich verbessert."
Das Onyx-Team versichert: "In Bezug auf die mechanischen Eigenschaften stehen die Hanffasern dem oftmals verwendeten Aluminium in Nichts nach."
Im Messe-Flyer wird das auch begründet: "Vergleicht man Hanffasern mit Kohlenstofffasern, so sind zwar die Zugfestigkeit und der
E-Modul der Letzteren größer, jedoch auch die Dichte ist bei Kohlenstofffasern höher als bei Hanffasern.
Bei der Verwendung von Verstärkungsfasern bei tragenden Strukturbauteilen ist darauf zu achten, dass die Konstruktion fasergerecht zu gestalten ist. Das heißt, dass beispielsweise Druckkräfte in Zugkräfte umzusetzen sind. Die Anwendung dieses Prinzips sorgt für die markante Rahmengeometrie, die es ermöglicht aus der blau gekennzeichneten Gewichtskraft des Fahrers eine wesentlich ökonomischere Zugkraft (grün) zu generieren."
Am 13.08.2009 wurde das Hanfbike beim Gründerwettbewerb „DurchSTARTer 2009" in Hannover erfolgreich vorgestellt. Schon eine Woche später überzeugte das Rad beim 6. RWE Triathlon am Vechtesee in Nordhorn.
Der 33-jährige Maschinenbauingenieur Nicolas Meyer ist nämlich
begeisterter Triathlet und natürlich froh um jedes Gramm, das sein
Fahrrad leichter ist, ohne dabei an Stabilität und Leistungsfähigkeit
einzubüßen.
Meyer: "Durch die überragend positive Resonanz auf unser Hanfbike sind wir sicher, ein Zeichen für die Etablierung nachwachsender Rohstoffe gesetzt zu haben. Dieses Produkt bietet dem Fahrer ein ganz neues Bewusstsein in Bezug auf sein emissionsarmes Vehikel.
Aufgrund einer bisher ungewöhnlichen Kombination aus Naturfasern, Bambus und moderner Technik kann dem Kunden Spaß am Produkt vermittelt werden. Gleichzeitig kann der veranwortungsbewußte Nutzer zeigen, dass Wert auf Nachhaltigkeit und Ökologie beim Kauf gelegt wurde."
Um dieses ganzheitliche Konzept abzurunden, hat ONYX sich entschlossen das Projekt fortzuführen und nun das verwendete Epoxidharzsystem durch ein Sojaölbasiertes zu ersetzten.
Meyer: "So wird zusätzlich die Abhängigkeit vom Rohstoff Erdöl verringert und die Recycelfähigkeit erhöht."
Nun steht als nächste Aufgabe die Vermarktung auf der Liste: "Ziel ist es, nach der Vorstellung des zweiten optimierten Hanfbike-Prototypen Rahmenhersteller zu finden,
die mit uns an der Seite das Konzept bis zur Serienproduktion weiter fortführen."
Infos: http://www.onyx-composites.de/
Was demnächst auf unseren Straßen und Radwegen unterwegs sein wird, konnte man auf der Hannover Messe 2010 schon bestaunen. Etwa den von der Firma Alfred Hermann GmbH & Co. KG in Schorndorf gefertigten "Streetstepper" - "eine neue Fahrzeugkategorie, die Mobilität und Fitness clever verbindet" (Prospektauszug).
Der Firmenchef persönlich zeigte, wie
man sich quasi im Gehen zügig fortbewegt. Den ab rund 1000 Euro teuren
Streetstepper gibt es in mehreren Versionen, auch mit
E-Motor-Unterstützung.
Weitere Infos und Vertrieb: www.streetstepper.com
Ein Lastenfahrrad in Leichtbauweise, das nur 15 kg wiegen soll, hat die Technische Universität Dresden entwickelt. Am Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik (ILK) entstand unter Leitung von Dip.-Ing. Thomas Heber ein Gefährt, das laut Standpersonal "vier Kisten Bier" transportieren kann (siehe Foto rechts unten). Info: www.tu-dresden.de
Die Firma Pfau-Tec konstruiert und
produziert Therapiefahrräder und Spezialräder. Nach Firmenangaben werden
diese Räder "während ihrer Entwicklung und der Produktion auf einem
eigens hierfür entwickelten Prüfstand nach den härtesten Kriterien auf
ihre Sicherheit und Zuverlässigkeit geprüft – und sind trotz der
einmaligen Teilbarkeit des Rahmens für bis zu 180 kg Belastung geprüft
und zugelassen."
Infos: http://www.pfiff-vertrieb.de
Fahrrad mit Neigetechnik
Die Fachhochschule Bielefeld hat ebenfalls an einer Neuheit
mitgewirkt. Der Forschungsschwerpunkt Systemoptimierung und Mechatronik im
Maschinenbau um Professor Dr. Rolf Naumann präsentierte in Hannover
Intelligente Assistenzsysteme für Mobilitätshilfen: das Dreirad mit
Neigetechnik. Dieses besondere Fahrrad verfügt hinten über zwei Räder,
anstatt einem, und trotzdem lässt es sich in die Kurve legen.
In dem Info-Blatt heißt es: "Das Dreirad mit Neigetechnik ist das erste Produkt der
Kooperation des FuE-Schwerpunktes „Systemoptimierung und Mechatronik im Maschinenbau" mit der Firma
Pfau-Tec, Quakenbrück (www.pfautec.de, www.pfiff-vertrieb.de).
Das Neigedreirad vermittelt das Fahrgefühl eines Zweirades verbunden mit der Standstabilität eines Dreirades. Dies wird erreicht durch einen gegenüber der Hinterachse drehbar gelagerten Vorderbau, bestehend aus Lenker und Sattel. Abhängig von der Fahrgeschwindigkeit und Beschleunigung kann sich der Vorderrahmen zusammen mit dem Fahrer neigen, um Fliehkräfte auspendeln. Im Stillstand und bei geringen Geschwindigkeiten führt ein Stellmotor den Rahmen in die starre senkrechte Position. Dadurch ist ein sicheres Auf- und Absteigen möglich. Das neue Dreirad hat einen Fahrkomfort, der mit einem Zweirad vergleichbar ist und vermittelt das Gefühl der Selbststabilisierung bei höherer Geschwindigkeit.
Das Dreirad mit Neigetechnik ist besonders geeignet zur Rehabilitation von Personen die ihren Gleichgewichtssinn trainieren wollen. Das Rad wird seit Frühjahr 2010 unter dem Namen
"Liberta" bei der Firma Pfau-Tec produziert.
Die Entwicklung von Assistenzsystemen für die Bremse und Schaltung sind derzeitig laufende Projekte der Kooperationspartner innerhalb des Arbeitsschwerpunktes „Assistenzsysteme für Mobilitätshilfen".
Weitere Infos: http://www.fh-bielefeld.de/
Brennstoffzellen-Antrieb
Mit der neuen Leitmesse „MobiliTec“ widmete sich die Hannover Messe in diesem Jahr verstärkt den Technologien für die Mobilität der Zukunft. Über 20 Unternehmen präsentierten auf dem NRW-Gemeinschaftsstand z. B. innovative Systeme und Komponenten für die Elektromobilität.
Die Masterflex Brennstoffzellen GmbH aus
Herten zeigte unter anderem innovative Antriebe sowie Fahrzeuge mit
einer 200-Watt-Brennstoffzelle wie das Cargobike, die neben der
Antriebsenergie zusätzlichen Strom zum Beispiel für die Beleuchtung des
Fahrzeugs bereitstellen kann.
Das Cargobike (mit Neigetechnik) ist ein universell einsetzbares
Lastenfahrzeug mit einem innovativen Antriebssystem. Es ist mit einer
Brennstoffzelle ausgestattet, die neben der Antriebsenergie zusätzlichen
Strom zum Beispiel für Beleuchtung des Fahrzeugs oder Kühlung der
transportierten Ware bereitstellen kann. Damit soll eine Reichweite von 80
bis 150 km möglich sein. Das Gefährt, das sich zum Beispiel gut für
Kurierdienste, Postdienstleister oder den Einsatz im Tourismus eignet,
erlaubt laut Masterflex BZ 150 kg an Zuladung.
Info: www.masterflex-bz.de
"Adiubik" nennt der junge Diplom-Designer Christian Breig seine Erfindung: eine Klickpedalvorrichtung fürs Fahrrad, die mit jedem beliebigen Schuh benutzt werden kann. Am Stand der Hochschule für Gestaltung Offenbach stellt er während der HANNOVER MESSE 2010 einen Prototyp vor.

Der Nachwuchsdesigner will erreichen, dass mehr Menschen Rad fahren - und mit dem Klickpedal fährt es sich nun mal leichter und schneller. Doch die steifen Klickpedalschuhe sind wenig alltagstauglich. Christian Breigs Adapter-Erfindung ermöglicht es, das Klickpedal mit jedem Schuh zu nutzen. Infos
Noch
mehr interessante Neuheiten von
der Hannover Messer 2010 hier
Innovative Fahrräder in der Ausstellung "Die gute Form": Elektro-Fahrrad von Winora-Staiger GmbH.

Elektrofahrrad von Storck Bicycle GmbH.
Elektro-Hybrid Fahrrad von Sanyo Electric Co., Ltd.

Das Hanf-Fahrrad von Nicolas Meyer ist super-leicht. Der
Rahmen wiegt lediglich 1,5 kg und ist voll recyclebar.

Auch Motorräder mit E-Motor gab es auf der Messe zu sehen.

Das eSPIRE erreicht eine Höchstgeschwindigkeit
von 45 km/h und schafft eine Reichweite bis zu 90 km.

A2B Hybrid mit 250-W-Motor: Höchstgeschwindigkeit
25 km/h unterstützend; Reichweite bis zu 80 km.

A2B: 29 kg schwer mit Akku; inkl. Scheibenbremsen und 8-Gang-Schaltung.
Preis: ca. 2300 Euro. Info

E-Bike mit Bionix-Antrieb.

Das ELMOTO schafft als Höchstgeschwindigkeit
45 km/h und hält bis zu 70 km durch.

Elmoto-Elektromotorrad vor Elektroauto von CityEl.

Der Streetstepper wird in Schorndorf hersgestellt - hier die Version mit
E-Motor-Unterstützung.

Firmenchef Bernd Hermann von Hermann Blechtechnik aus Schorndorf führte
den Streetstepper persönlich vor.

Cargo-Bike-Fahrrad mit Brennstoffzellen-Antrieb der Firma Masterflex BZ
GmbH.

Neigerad: Ein Fahrrad, das sich in die Kurve legt. Entwickelt in
Kooperation mit der Fachhochschule
Bielefeld.

Dieses Lastenfahrrad und viele weitere Modelle (mächstes Foto) werden von
der Firma Pfiff Vertriebs GmbH
verkauft.

Shopping-Dreirad von Pfau-Tec.


Dieses leichte Lastenfahrrad wurde an der Technischen Universität
Dresden, Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik (ILK) entwickelt.