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Die sechs wichtigsten Einstellungen am Fahrrad

aus: ADFC Radwelt 1/02 (Zeitschrift für Mitglieder)

Wer weiß schon genau, welche Einstellungen für einen guten und gesunden Sitz auf dem Fahrrad sorgen? Die "Aktion Gesunder Rücken" zeigt, worauf es nach orthopädischen und ergonomischen Erkenntnissen ankommt.

Sitzhöhe: Wichtig für einen optimalen Sitz ist die richtige Sitzhöhe. Sie sitzen richtig im Sattel, wenn die Ferse Ihres ausgestreckten Beines das Pedal gerade eben erreicht. Sonst sitzen Sie entweder zu niedrig und Ihre Knie sind zu stark gebeugt oder Sie sitzen zu hoch und Ihr Becken kippt beim Pedalieren seitlich hin und her.

Lenkerhöhe: Je aufrechter Sie sitzen, desto angenehmer ist es für den Rücken. Sie können die Lenkerhöhe durch Herausziehen des Vorbaus aus der Gabel verstellen oder am winkelverstellbaren Vorbau. Mit der Lenkerhöhe bestimmen Sie den Höhenunterschied zwischen Lenker und Sattel.

Lenkerneigung: Stellen Sie Ihren Lenker so ein, dass keine Nerven oder Bänder einklemmen oder Blut staut. Das geht durch Verstellen an der Vorbauklemmung. Achten Sie außerdem auf Lenker mit variablen Griffpositionen.

Sattelposition: Die beste Position finden Sie so: Halten Sie ein Lot von Ihrer Kniescheibe aus nach unten. Wenn das Lot bei waagerechter Pedale exakt durch die Pedalachse verläuft, liegt der Sattel richtig. Liegt es davor, muss der Sattel weiter nach hinten. Bleibt es dahinter, gehört er weiter nach vorn - durch Schieben an der Sattelstütze.

Sattelneigung: Optimal ist eine waagerechte Sattelneigung, denn wenn der Sattel nach vorn neigt, rutschen Sie nach hinten, und wenn er nach unten neigt nach vorne.

Sitzlänge: Wenn Sie das Gefühl haben, eingeklemmt zu fahren oder eher zu gestreckt, ist der Abstand vom Sattel zum Lenker zu kurz oder zu lang. Variieren Sie die Sitzlänge durch den winkelverstellbaren Vorbau.
Reicht der Einstellbereich nicht aus, tauschen Sie den Vorbau aus.

Weitere Infos zur optimalen Fahrrad-Einstellung und zum Fahrradkauf gibt es bei der "Aktion Gesunder Rücken". Bestellungen gegen Schutzgebühr von 5 Euro, Stichwort "Einkaufsleitfaden" bei der AGR, Postfach 103, 27443 Selsingen, Tel.: 0700/ 24711 111, info@agr-ev.de.

weitere Einstell-Tipps

Leserzuschrift von Otmar 

Betreff: Fahrradeinstellungen

Zur Position von Sattel und Lenker möchte ich anmerken, dass die Einstellungen stark von der Fahrweise abhängig sind. Will man nur flanieren
oder etwa Touren unternehmen, schnell von A nach B kommen oder durch Wald und Feld brausen.

Eine aufrechte Sitzposition belastet zumindest meinen Rücken sehr, da die Unebenheiten der Straße direkt in die Bandscheiben stoßen. Man könnte die
Rückenproblematic auch so verstehen: Je weiter wir uns nach vorn neigen, desto eher kommen wir der Rückenposition entgegen, für die unsere
Wirbelsäule gemacht ist: der vierbeinige Gang. Wenn ich auch nur 5km auf dem Cityrad meiner Mutter mit weichem, breiten Sattel und aufrechter Haltung
unterwegs bin, selbst mit angepasster Sattelhöhe, bekomme ich Becken und Rückenprobleme. Selbst auf dem 50 Jahre alten Rad meines Großvaters fühle
ich mich weit aus wohler. Auf meinem Triathlonrad, welches ich wirklich nur dreimal im Jahr benutze, kann ich dagegen 70km ohne Rückenprobleme abspulen.
Nur der Nacken mag das verständlicherweise nicht so sehr. Die Probleme im Genitalbereich sind zumindest teilweise durch einen recht festen Sattel mit
einer Rille in der Mitte zu beheben, der die Nervenbahnen zwischen den Beckenknochen entlastet, sodass man nur auf den Knochen sitzt. Nach
anfänglicher Skepsis hat mich mein neuer, derart gestalteter Sattel sehr überzeugt. Es gibt diese Sättel auch in Versionen die nicht nach
orthopädischem Damensattel aussehen.

Ich denke, Sie sollten Radfahrer auch älteren Baujahres durchaus ermuntern, eine sportlichere, aktivere Sitzposition auszuprobieren. Diese entlastet den
Rücken und das Becken, trainiert Rücken und Arme und gibt mehr Kontrolle und mehr Fahrspaß. Aber jeder muß halt selbst herausfinden, was für ihn am besten ist und den eigenen Körper und die Haltung auf dem Rad beobachten, um die Fehler zu finden.
Eine Bekannte war genervt vom täglichen Radfahren, bis ich ihren Sattel weiter nach vorn und oben und den Lenker weiter nach unten und vorn
verstellt habe. Natürlich muss man beim Bremsen bergab schon mal das Hinterteil rausschieben. Seit dem hat sie mehr Spaß an ihrem Rad und kommt
viel entspannter überall an. Diese Beobachtung habe ich nicht nur einmal gemacht.

Ich kann Leute nur bedauern, die von ihrem "Händler des Vertrauens" ein schweres, unbewegliches Citybike verpasst bekommen.
Das fährt sich auf dem Hof des Händlers noch sehr bequem. Am ersten Berg oder beim ersten Windhauch beginnt dann die große Quälerei. Da machen es
sich doch viele Händler zu einfach. Der Kunde oder die Kundin bekommen das, was sie sich gerade noch zutrauen oder sie werden auf das bequemste gesetzt,
was gerade zur hand ist, Beratung wird halt nicht bar bezahlt. Auch finde ich es traurig anzusehen, wenn Frauen sich auf ihren schlecht
eingestellten, lahmen Gurken ihren achsosportlichen Männern hinterher quälen müssen. Viele Mädels wären wahrscheinlich mit viel mehr Freude bei der
Sache, wenn sie ein vernünftiges Rad hätten und sich schon beim Kauf mutiger verhalten würden. Ich glaube kaum das dadurch das Unfallrisiko steigt, eher
im Gegenteil.
Also, das Fahrrad ist und bleibt ein Sportgerät, man muss sich schließlich bewegen, und das kann richtig viel Spaß machen!!!

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